20.05.2026 Treffen des Arbeitskreises „Graphik vernetzt“

Am 7. und 8. Mai 2026 hat im DDK – Bildarchiv Foto Marburg das jüngste Treffen des Arbeitskreises "Graphik vernetzt" stattgefunden.

© Jan Trexler/Samuele Pandolfo
Blick in den Vortragssaal beim Vortrag von Daniel Görres, © Bildarchiv Foto Marburg/Jan Trexler und Samuele Pandolfo

Bereits vor 15 Jahren hat sich der Arbeitskreis "Graphik vernetzt" zusammengeschlossen, um ein Forum für Kolleginnen und Kollegen aus über 70 beteiligten graphischen Sammlungen in Bibliotheken, Museen und Forschungsinstituten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz zu schaffen, in dem ein regelmäßiger Austausch über aktuelle Entwicklungen und Strategien im Bereich der digitalen Dokumentation, Vernetzung und Vermittlung von Kunst auf Papier gepflegt wird.

© Jan Trexler/Samuele Pandolfo
Christian Bracht und Gudrun Knaus beim Arbeitskreistreffen "Graphik vernetzt", © Bildarchiv Foto Marburg/ Jan Trexler und Samuele Pandolfo.

Nicht zuletzt durch das lebendige Interesse an diesem Thema und den persönlichen Kontakt untereinander konnte die  Verbunddatenbank Graphikportal als gemeinsame wissenschaftliche Plattform langfristig etabliert werden, in der Bestände der beteiligten graphischen Sammlungen gezeigt und mithilfe von strukturierten Metadaten beschrieben, klassifiziert und im Sinne von Linked Open Data vernetzt werden. Die im Original durch Licht- und Klimasensibilität empfindlichen graphischen Werke erlangen durch diese digitale Repräsentation auch international eine deutlich höhere Sichtbarkeit.

© Jan Trexler/Samuele Pandolfo
Werkstattatmosphäre beim Treffen von "Graphik vernetzt", © Bildarchiv Foto Marburg/Jan Trexler und Samuele Pandolfo

Der Arbeitskreis trifft sich ein bis zwei Mal jährlich an verschiedenen Orten, meist im Zusammenhang mit dem Jahrestreffen der Leiterinnen und Leiter graphischer Sammlungen. 
Nun wurde die Eröffnung des neuen Forschungsbaus des DDK – Bildarchiv Foto Marburg zum Anlass für ein Treffen in größerer Runde in Marburg genommen. Ziel war es, in offener Werkstattatmosphäre über die Herausforderungen digitaler Projekte zu sprechen. Zu den 44 Gästen zählten vor allem diejenigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die unmittelbar für die Projektumsetzung verantwortlich sind.

Die erste Sektion der Veranstaltung konzentrierte sich auf „Digitale Werkverzeichnisse“ und fokussierte auf die Verzeichnung graphischer Erzeugnisse der Renaissance anhand von zwei aktuellen Projekten, die sich einerseits dem graphischen Werk von Lucas Cranach, seinen Söhnen und seiner Werkstatt, und andererseits dem Gesamtwerk von Albrecht Dürer widmen. Eine wesentliche Herausforderung, darüber herrschte Einigkeit, besteht in der zeitlichen Befristung von solchen Digitalisierungsprojekten, die es unmöglich macht, die mit der digitalen Erschließung verbundene Spitzenforschung an Werken auf Papier nachhaltig zu gestalten. Gerade um mit dem digitalen Wandel Schritt zu halten und flexibel auf technische Neuerungen reagieren zu können, ist eine auf Langfristigkeit hin angelegte Personalplanung unabdingbar.

Die zweite Sektion befasste sich mit dem Thema „Digitale Provenienzforschung“. In drei Vorträgen wurden aktuelle Projekte vorgestellt: Erstens die KI-gestützte Datenübertragung von handschriftlichen Inventarbüchern am Kunstpalast in Düsseldorf; zweitens das Verbundprojekt „Sammlungen, Objekte, Datenkompetenzen“ (SODa) zum Aufbau eines Datenkompetenzzentrums für wissenschaftliche Universitätssammlungen. In diesem Projekt wurde der ProNto - Provenienzforschung-Navigator entwickelt, der einen Überblick über Tools und Informationsquellen gibt. Drittens wurden Ansätze der Provenienzforschung für Arbeiten auf Papier am Kunsthaus Zürich präsentiert. Bisher hat sich trotz zahlreicher Initiativen noch kein allgemein gültiger Standard für die strukturierte digitale Erfassung von Provenienzinformationen etabliert.

Mit der dritten Sektion „Fotografische Reproduktionen von Zeichnungen und Druckgraphik und ihre digitalen Zwillinge“ tauchten die Teilnehmenden tief in einen Themenbereich ein, der nicht nur im Fokus des DDK – Bildarchiv Foto Marburg steht; auch in anderen Fotoarchiven nehmen die fotografischen Reproduktionen von Graphik und die damit verbundenen Fragen einen nennenswerten Anteil ein.
So wird etwa die beständige Erneuerung technischer Möglichkeiten begleitet von wiederkehrenden Herausforderungen wie der farblichen Diskrepanz zwischen Original und verschiedenen Stufen der Reproduktion. 
Das Fazit dieser Sektion lautet, dass bei der Dokumentation immer klar sein muss, was das eigentliche Bezugsobjekt eines Datensatzes ist: die analoge fotografische Reproduktion eines Objekts oder das Objekt selbst? Wenn Daten zu fotografischen Reproduktionen an ein sammlungsübergreifendes Portal geliefert werden, muss ein Bezug zur eventuell bereits vorhandenen Beschreibung des Originals in der bestandshaltenden Sammlung hergestellt werden. Intelligente Datenvernetzung entlang der Relation „ist Reproduktion von“ ist die wesentliche Voraussetzung für eine intuitive Datennutzung.

Schließlich wurde ein aktuelles Projekt zur Digitalisierung von expressionistischer Graphik an der Staatlichen Graphischen Sammlung in München vorgestellt.

Zum Ausklang gab es einen Ausblick auf das nächste, sicherlich genauso fruchtbare Treffen des Arbeitskreises "Graphik vernetzt", das am 28.10.2026 in Kassel stattfinden wird.