„Etwas sensationell Neues“ – Marburg um 1910 in Farbfotografien von Georg Mylius

Ausstellung am Hessischen Staatsarchiv Marburg, 27. Juni 2019 – 5. Februar 2020, Vernissage: Mittwoch, 26. Juni 2019, 17 Uhr

Veranstaltungsdaten

26. Juni 2019 – 05. Februar 2020

Hessisches Staatsarchiv Marburg

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Mit „[E]twas sensationell Neues“. Marburg um 1910 in Farbfotografien von Georg Mylius präsentiert das Hessische Staatsarchiv Marburg (HStAM) in Kooperation mit dem Deutschen Dokumentationszentrum für Kunstgeschichte – Bildarchiv Foto Marburg (DDK), dem Institut für Geschichte der Pharmazie und dem Antiquariat und Verlag Elwert die erste Ausstellung zu den wohl frühesten Farbfotografien der Stadt Marburg und ihrer näheren Umgebung. Die pittoresken Aufnahmen wurden 1911 vom jungen Pharmazeuten und begabten Amateurfotografen Georg Mylius (1884–1979) im Autochromverfahren der Brüder Lumière auf Glasplatten im Format 9 x 12 cm belichtet. Die Diapositive zeigen das Landgrafenschloss, die Elisabethkirche, Ansichten aus der Marburger Oberstadt mit ihren Kirchen und den Fachwerkhäusern aus dem 15. Jahrhundert sowie aus Weidenhausen – und das um 1910, als „Stadt und Umgebung noch unberührt von den neuzeitlichen Bauten in der Natur lag[en]“ (Georg Mylius).

Der Reiz der prächtigen Farbaufnahmen, die zu dieser Zeit – um mit Mylius zu sprechen – „etwas sensationell Neues“ waren, bestätigt sich in der Publikation von 24 ausgewählten Motiven als Farbpostkarten, die der Marburger Traditionsverlag N. G. Elwert ab 1912 in teils hoher Auflage vertrieb. Der Altphilologe und Schriftsteller Theodor Birt (1852–1933) nutzte 1913 sieben der Farbfotografien zur Bebilderung eines Textes über Marburg. Und auch im Lieferungswerk Farbenphotographie. Eine Sammlung von 100 Aufnahmen in natürlichen Farben wurde das Bild „Lohmühle“ von Georg Mylius 1913 als Farbendruck veröffentlicht. Diese Formen der Verwendung sind Ausdruck der Wertschätzung, die die Aufnahmen bereits früh erfahren haben.

Dass sich die kostbaren Glasplatten erhalten haben, ist ein Glücksfall. Die insgesamt 86 Autochrome schenkte Georg Mylius 1975 dem Hessischen Staatsarchiv Marburg. Aus konservatorischen Gründen wurden die sehr fragilen Platten im Herbst 2018 an das Deutsche Dokumentationszentrum für Kunstgeschichte – Bildarchiv Foto Marburg weitergegeben, wo sie nun unter klimatisch optimalen Bedingungen verwahrt und der Öffentlichkeit online zur Verfügung gestellt werden (zum Bestand).

Die Ausstellung findet am Hessischen Staatsarchiv Marburg statt. Sie vereint moderne Inkjet Prints nach Digitalisaten der Autochromplatten, ein vollständiges Set der Postkarten, Dokumente aus dem Leben von Georg Mylius sowie Objekte und Quellen aus dem Kontext der frühen Farbfotografien. Zur Eröffnung spricht Dr. des. Franziska Scheuer (Forschungsreferentin, DDK) über „Das historische Marburg in ‚natürlichen‘ Farben. Georg Mylius und die Autochromfotografie“.

Literatur:
Sonja Feßel: „[E]twas sensationell Neues“ – Marburg in Farbe: Zu den Autochromen von Georg Mylius am Deutschen Dokumentationszentrum für Kunstgeschichte – Bildarchiv Foto Marburg, in: Rundbrief Fotografie, Vol. 26 (2019), No. 2, N.F. 102, (S. 18–30)