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Reconciliation in Contexts of Chronic Violence: Shared Viewpoints and Controversial Issues in Colombia

Foto: Prof. Dr. Anika Oettler

Versöhnung ist ein normatives Kernkonzept in der Theorie und Praxis von Peacebuilding und Transitional Justice. Eine zentrale Herausforderung für Versöhnung erwächst im 21. Jahrhundert daraus, dass in vielen Gesellschaften die Grenzen zwischen Frieden und Konflikt unscharf sind und verwischen. Nach bewaffneten Auseinandersetzungen und autoritären Phasen überlappen sich oft verschiedene Gewaltformen und gewaltbezogene soziale Differenzen werden auch über die ursprünglichen gewaltförmigen Konflikte hinaus sichtbar.

Vor diesem Hintergrund untersucht das Projekt Versöhnungsverständnisse in Kolumbien. Fünf Jahre nach der international viel beachteten Unterzeichnung des Friedensabkommens zwischen der kolumbianischen Regierung und der Guerilla FARC-EP untersuchen wir, wie verschiedene soziale Gruppen Versöhnung verstehen und erleben und wie diese mit kollektiver Erinnerung und Transitional Justice verzahnt ist.

Die Forschungsfrage übersetzt sich in ein Forschungsdesign, das eine q-methodologische Herangehensweise mit halbstrukturierten Interviews verbindet. In jüngerer Zeit haben q-methodologische Verfahren an Aufmerksamkeit gewonnen und wir wollen mit dieser Methode, indem wir sie für den kolumbianischen Fall nutzbar machen, einen Beitrag zur Versöhnungsforschung leisten.  Wir wollen systematische Erkenntnisse darüber generieren, wie Versöhnungsverständnisse entlang eines breiten Spektrums von Perspektiven und Achsen variieren und auf verschiedene Praktiken, Haltungen, Bedingungen und Ziele bezogen sind. Dabei nehmen wir verschiedene soziale und politische Kontexte sowie eine Vielfalt von sozialen Positionierungen in den Blick. Auf der methodologischen Ebene leistet das Projekt einen Beitrag zur weiteren Verankerung q-methodologischer Verfahren in der Werkzeugkiste der konstruktivistischen Friedensforschung. Darüber hinaus werden wir die Brauchbarkeit dieses Verfahrens in digitalen Settings testen.

Mit dem Projekt soll unser Argument zur Diversität von Versöhnungs- und Konfliktverständnissen in Kontexten chronischer Gewalt empirisch und konzeptionell vertieft werden: Da weltweit viele Gesellschaften mit disruptivem und gewaltförmigem sozialen Wandel konfrontiert sind, ist ein nuancierteres Verständnis von Versöhnung in Gewaltkontexten eine notwendige Bedingung für die Weiterentwicklung von Instrumenten des Peacebuilding und der Transitional Justice. Kurz: Wir wissen noch zu wenig darüber, was Versöhnung für wen bedeutet und ob und wie sie relevant sein kann.

Projektlaufzeit: 2021-2022
Förderung: Deutsche Stiftung Friedensforschung
Projektteam: Prof. Dr. Anika Oettler, Myriell Fußer, Luisa Betancourt Macuase, Ilona Stahl 

Foto: dsf

 

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