18.12.2018 Bilder-Dialog: Adnan Abd Al-Rahman im Gespräch mit Dr. Christoph Otterbeck

Foto: Ulrike Rohde

Adnan Abd Al-Rahman:
Erinnerung an einen Backplatz (2007)
Öl- / Mischtechnik auf Leinwand
505 x 175 cm

 

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Foto: Ulrike Rohde

Am 29. November 2018 begrüßte das Kunstmuseum den 1969 geborenen syrischen Künstler Adnan Abd Al-Rahman zu einem Bilder-Dialog, in dessen Verlauf das Publikum spannende Einblicke in die Arbeitsweise und künstlerische Haltung des Malers gewann. Das Gespräch mit Museumsdirektor Dr. Christoph Otterbeck fand direkt vor einem großformatigen, mehr als fünf Meter breiten Werk Abd Al-Rahmans statt, das derzeit als Leihgabe im größten Saal des Obergeschosses zu sehen ist.

Auf den ersten Blick lässt sich auf dem Gemälde aus dem Jahr 2007 keine gegenständliche Darstellung erkennen. In scheinbarem Widerspruch zum poetischen Titel „Erinnerung an einen Backplatz“ handelt es sich um eine abstrakte Komposition aus Bildzonen in warmen Beige-, Rot-, Braun- und Grüntönen mit kontrastierenden schwarzen Linien und Flecken. Die gesamte Arbeit besticht durch ihre ausnehmend malerische, ausdrucksstarke Ausführung.

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Foto: Ulrike Rohde

Tatsächlich, so erläuterte Abd Al-Rahman, seien in dieses Gemälde sehr lebendige Kindheitserinnerungen eingeflossen. Er habe dabei jedoch nicht eine reale Ansicht des Platzes und des typischen Backofens aus Lehm festhalten wollen, wohl aber die Farben und die Wärme des Ortes mit seiner trockenen, hartgebrannten Erde. Die konkreten Gestalten oder Gesichter der Frauen, die dort das Brot für ihre Familien buken, sollten nicht als Motiv sichtbar werden. Stattdessen sei zum Beispiel in den immer wiederkehrenden kleinen Kreisformen des Bildes eine besondere Atmosphäre des Backplatzes visuell zu fassen, nämlich die Geschäftigkeit und die Gespräche der Dörflerinnen – wie ein sich Drehen und Kreisen um immer dieselben Gegenstände. Auch auf Feuer, Kohle und Asche des Backplatzes verweist der Maler nicht durch eine mimetische Abbildung, sondern ganz unmittelbar auf der materiellen Ebene durch ein Mischverfahren aus Ölmalerei und Kohlezeichnung.

Mit dieser nicht gegenständlichen, aber doch in gewisser Weise erzählerischen Haltung korrespondiert die Maltechnik Abd Al-Rahmans bei diesem Gemälde insgesamt, denn die Farben, die an Sand, Erde und Lehm denken lassen, sind tatsächlich durch eine Mischung dieser Stoffe mit Ölfarben entstanden und dann meist mit dem Spachtel aufgetragen worden. Stellenweise ist auch klein gehäckseltes Stroh, das an solchen Feuerstellen nicht fehlte, in die Farbschichten der großen, dreigeteilten Leinwand eingearbeitet.

Eine unerwartete Antwort bekam das Publikum übrigens auf die Frage nach genau dieser Dreiteilung. Für europäische Betrachter läge hier vielleicht der Gedanke an die religiös geprägte Form des Triptychons nahe, nicht so für den Maler aus dem Nahen Osten: Ganz pragmatisch hatte er schon bei der Konzeption des Werks seine Leinwand in drei Teile geteilt, um sie später ohne Probleme im Atelier bearbeiten und dann leicht transportieren und ausstellen zu können.

Ulrike Rohde

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