06.02.2019 Bilder-Dialog mit der Künstlerin Doris Conrads

Foto: Marie Winter

Am 31. Januar fand zum dritten Mal der Bilder-Dialog im Kunstmuseum statt. Zu Gast war die in Marburg lebende Malerin und Fotografin Doris Conrads. Ein Highlight dieses Abends stellte zudem die Präsentation von sieben großformatigen Gemälden der Werkserie „Wolkenquadrate“ dar, die aktuell im Foyer des Museums zu sehen sind. Neben den Ausführungen zur ihrer eigenen künstlerischen Arbeit ging es im Gespräch mit dem Publikum auch um ihre Ausbildung an der renommierten Städelschule Frankfurt am Main bei dem Professor Raimer Jochims und um ihre langjährige Tätigkeit als Dozentin am Marburger Institut für Bildende Kunst.

Conrads und Publikum klein
Foto: Marie Winter

Doris Conrads setzt sich in ihren Arbeiten mit den verschiedenen Naturphänomenen des Himmels auseinander. Der Facettenreichtum ihrer Kunst reicht von Sternenhimmeln über die Darstellung von Krähenschwärmen bis hin zu den Wolkenlandschaften, die sie seit 2011 in ihren Werken untersucht. Die Serie der „Wolkenquadrate“ geht zurück auf die Eindrücke, die sie bei ihren Aufenthalten in Katalonien und auf Island gesammelt und dokumentiert hat. Der Entstehungsprozess durchläuft dabei verschiedene Stufen. An erster Stelle steht das Experiment. Die Leinwand wird auf dem Boden liegend mit sehr viel Wasser und einer tinten-ähnlichen Farbe geschwemmt, sodass sich ganz von selbst Farbverläufe bilden. Im nächsten Schritt beginnt die Künstlerin das zuvor Entstandene bewusst zu modulieren. Im Prozess der Bearbeitung erhalten die Werke immer neue Schichten, bis sich schließlich die endgültigen Wolkenformationen herausbilden.

Während ihrer Ausbildung an der Städelschule erkannte Conrads‘ damaliger Lehrer Raimer Jochims bereits früh ihr Interesse für Himmelsbilder und empfahl ihr die Auseinandersetzung mit Künstlern wie John Constable und Jacob van Ruisdael. Conrads beschreibt Jochims als einen konzentrierten und zugewandten Lehrer. Er selbst setzte sich in seiner eigenen künstlerischen Tätigkeit in fundamentaler Weise mit den Themen Farbe und Form auseinander. Sein Werk „Transformation VII“ von 1999, das sich im Besitz des Kunstmuseums befindet, veranschaulicht dieses Interesse an den beiden grundlegendsten Bildmitteln. Auf einer ungewöhnlich rundförmig begrenzten Sperrholzplatte inszenierte er beinahe das gesamte Farbspektrum.

Conrads und Otterbeck
Foto: Marie Winter

„Er hat uns die Museen dieser Welt gezeigt“, erzählt Conrads weiter über Jochims. Diese Auseinandersetzung mit der Kunstgeschichte und das Studium der Originale, das die Künstlerin bereits während ihrer Studienzeit schätzte, gibt sie heute an ihre eigenen Studierenden weiter. Am Institut für Bildende Kunst der Philipps-Universität unterrichtet Conrads bereits seit vielen Jahren den Kurs „Zeichnen und Malen“. Neben dem Skizzieren in der Natur gehören auch Besuche im Kunstmuseum zu ihrem Lehrplan. Vom barocken Ölgemälde bis hin zur abstrakten Skulptur – ihre Studierenden finden im Marburger Museum ein breites Spektrum an Inspirationsquellen und können sich mit den unterschiedlichen Techniken auseinandersetzen.

Die aktuelle Präsentation der „Wolkenquadrate“ im Foyer wird im März durch Hinzunahme anderer Motive und Techniken erweitert.

Marie Winter