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Kruzifix des leidenden Christus aus dem 11. Jahrhundert

Auch in Kruzifixen war es durchaus üblich, heilsbringende Reliquien aufzubewahren. Für die Menschen des Mittelalters gehörte die Reliquienverehrung fest zum Glaubensleben. Kleine Teile von besonderen Gegenständen, wie zum Beispiel von Christi Kreuz, wurden ins heutige Europa gebracht und die Reliquienverehrung breitete sich zu einer europaweiten Glaubenspraxis aus. Auch heute ist es für viele Menschen ein Anliegen, lange Pilgerreisen auf sich zu nehmen, um die Reliquien mit eigenen Augen zu sehen und vor Ort zu beten.

Kölnisches Kruzifix mit Reliquien-Aussparung

Mit vier Nägeln gekreuzigter Christus aus Eichenholz, mit bärtigem Gesicht und bekleidet mit einem unter dem Bauch geknoteten Lendentuch, das bis zu den Knien reicht. In der Brust ist ein fingerdickes Bohrloch zu sehen, was als Reliquienbehälter gemacht ist.
© Foto: Bildarchiv - Foto Marburg, Christian Stein

Leidender Christus, Mitte 11. Jahrhundert, Eichenholz, 128 x 90 cm, Inventar-Nr. 329, Herkunft: Birkenbringhausen

Speziell für dieses Kruzifix ist anzunehmen, dass es durch die Reliquie einst an Bedeutung gewann. Alles jedoch, was auf eine Reliquie hinweist, ist die Aussparung in der Brust des Gekreuzigten, wo diese wohl eingebettet war.
Man erkennt an diesem Kruzifix einige Details, die auf das berühmte Gerokreuz im Kölner Dom verweisen, wie der kugelartige Leib, der lange Kopf und die Knotung des Lendentuchs. Die Reliquienaussparung dieses Kruzifixes bildet jedoch einen entscheidenden Unterschied zum Gerokreuz. Vermutlich wurde diese Figur ebenfalls im Raum Köln gefertigt. Wie sie nach Birkenbringhausen gelangte, ist bisher ungeklärt. Aktuell wird von der Forschung eine Entstehungszeit zwischen 1050 bis 1070 angenommen.