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Triumphierende Christus-Darstellungen
vom 12. bis 13. Jahrhundert

Schaut man auf Kruzifixe etwa in der Zeit von 1100 bis 1300, stellt man einen generellen Unterschied in der Darstellungsweise zu späteren Kruzifixen fest. Im Fokus stand in der früheren Zeit der Triumph Christi, der durch sein Opfer am Kreuz und seine Auferstehung den Tod überwunden hat.

Beide hier aus der Museumssammlung gezeigten Kruzifixe kommen aus dem selben Ort namens Exten in Niedersachsen und stammen aus dem 12. Jahrhundert. Anhand dieser Objekte ist zu beobachten, dass das Verhältnis von Körper und Kreuz sehr unterschiedlich umgesetzt wurde. Vor allem aber wird aus der Betrachtung beider Kruzifixe klar: die triumphale Haltung von Christus, die dessen Sieg über den Tod versinnbildlicht, steht im Vordergrund und entspricht der geistigen Haltung jener Zeit.

Triumphierender Christus an großem Kreuz

Kruzifix aus Exten mit triumphierendem Christus
© Foto: Bildarchiv - Foto Marburg, Horst Fenchel

Triumph-Kruzifix, 12. Jahrhundert, Eichenholz, 242 x 190 cm,
Inventar-Nr. 3165, Herkunft: Exten

Christus erscheint in triumphaler Haltung an einem großen Kreuz mit langem Gewand und aufgemaltem Gürtel. Im Vergleich zum Kreuz ist der Körper der Christusfigur nur etwas mehr als halb so groß. Die übergroße Darstellung des Kreuzes betont noch immer den leidvollen Tod Christi, der im vorangehenden Jahrhundert bereits im Gerokreuz verdeutlicht wurde. Doch man erkennt hier erste Veränderungen in der Christusdarstellung durch die aufrechte und stabil wirkende Körperhaltung der Figur. Die Mimik des Gekreuzigten ist mit sorgfältig ausgearbeiteten Gesichtszügen in das Holz eingearbeitet und heute noch gut erkennbar. Einzig die Füße und der Daumen der linken Hand sind abgebrochen.

Triumphierender Christus mit fehlender Hand

Kruzifix mit triumphierendem Christus aus Exten, mit langem, rotem Gewand bekleidet.
© Foto: Bildarchiv - Foto Marburg, Horst Fenchel

Triumph-Kruzifix, letztes Viertel 12. Jahrhundert, Eichen-, Ulmen- und Lindenholz, 184 x 153 cm, Inventar-Nr. 330, Herkunft: Exten

Das Kreuz ist in dieser Christusdarstellung 6 cm kürzer und 89 cm schmaler als das hier zum Vergleich betrachtete erste Triumph-Kruzifix aus Exten. Allerdings ist der Körper Christi 34 cm größer ausgeführt. Der Triumph Christi rückt dadurch deutlich in den Vordergrund als wichtiger Glaubensinhalt des 12. Jahrhunderts. Die Figur ist an einigen Stellen beschädigt: Es fehlen die rechte Hand, sowie der linke Daumen und die Zehen. Die rote Farbe des Gewandes ist dagegen immer noch gut zu erkennen, genau wie große Teile des farbig gefassten Gesichts.