Direkt zum Inhalt
 
 
emo_lingbas.jpg
 
  Startseite  
 
Sie sind hier:» Universität » Germanistik und Kunstwissenschaften » Fundierung linguistischer Basiskategorien » Teilprojekte » Phonologisches Wort » TP1: Erwerb der Basiskategorien Wort und Fuß

Teilprojekt 1: Erwerb der Basiskategorien Wort und Fuß

Übergeordnetes Projektziel ist die Untersuchung von Zusammenhängen zwischen dem Erwerb phonologischer/prosodischer Basiseinheiten und dem Aufbau grammatischer Strukturen. Im Zentrum steht die Rolle der Basiskategorien "Wort" und "Fuß" an der Morphologie/Phonologie-Schnittstelle.
Um Evidenz für die optimale prosodische Struktur von grammatischen Kategorien zu finden, werden Beobachtungsdaten sowie neurophysiologische Daten von Proband/innen mit normalen und gestörten Erwerbsverläufen in verschiedenen Altersgruppen erhoben.
Wir nähern uns diesen Fragestellungen mit folgenden Untersuchungen, die sowohl Grundlagen der Sprachverarbeitung betreffen als auch konkrete, klinisch-praktische Bedeutung für die Diagnostik und Therapie von Sprachstörungen haben:

 


Verantwortliche des Teilprojekts:

Prof. Dr. Christina Kauschke
Prof. Dr. Ulrike Domahs

Projektmitarbeiter:

apl. Prof. Dr. phil. Frank Domahs (wiss. Mitarbeiter)
Dr. phil. Madjid Nezhad Masum (wiss. Mitarbeiter)
Dipl.-Log. Nina Niggemann (wiss. Mitarbeiterin)

 

Morphophonologische Fähigkeiten bei Kindern mit und ohne Sprachentwicklungsstörungen

Es wird empirisch überprüft, wie sich die Kategorien Plural und Perfekt im ungestörten Spracherwerb entwickeln und wie prosodische Faktoren dabei mit morphologischen Erwerbsschritten interagieren.

Die Leistungen von sprachunauffälligen Kindern und Kindern mit Sprachentwicklungsstörungen werden anhand von Experimenten zur Realisierung von Plural- und Perfektformen bei Wörtern und Kunstwörtern verglichen. Da sprachgestörte Kinder häufig Probleme beim Erwerb prosodischer Strukturen haben, sollten auch morphophonologische Prozesse wie die ge-Präfigierung bei Partizipien oder die prosodisch gesteuerte Auswahl von Pluralflexiven betroffen sein.

Erste Befunde weisen auf qualitative Unterschiede im normalen und gestörten Morphologieerwerb sowie auf einen differentiellen Einfluss prosodischer Beschränkungen hin.

Kauschke, C. Kurth, A. & Domahs, U. (2011). Acquisition of German noun plurals in typically developing children and children with Specific Language Impairment. Child Development Research. DOI: 10.1155/2011/718925

Kauschke, C. (2012). Die Schnittstelle Prosodie-Morphologie und ihre Bedeutung für Kinder mit Sprachentwicklungsstörungen. In: Kauschke, C., Ott, S. & Maihack V. (Hrsg). Prosodie und Kindersprache, S. 77-94. Tagungsbericht zum 13. Wissenschaftlichen Symposium des dbs. Köln: Prolog.


Kognitive Verarbeitung der prosodischen Wohlgeformtheit von Partizipien

Die kognitive Verarbeitung grammatischer Flexionsformen erfolgt nicht nur auf Basis morpho-lexikalischer Regeln und Subregularitäten. Vielmehr wirken zusätzlich auch prosodische Beschränkungen auf die Wohlgeformtheit von Flexionsformen. Am Beispiel der Perfektformen (Partizipien) deutscher Verben soll untersucht werden, auf welcher Ebene der Sprachverarbeitung prosodische Wohlgeformtheitsbeschränkungen wirken und ob unterschiedliche Beschränkungen unterschiedliche Verarbeitungskonsequenzen haben.

 

Repräsentation des phonologischen Wortes im Persischen


Obwohl häufig darauf verwiesen wird, dass das Persische als jambische Sprache einzuordnen ist, finden sich kaum experimentelle Befunde, die diese Annahme nachweisen. Dieses Projekt befasst sich mit der Frage, inwieweit die Zuordnung des Persischen zu den jambischen Sprachen psycho- und neurolinguistisch zu bestätigen ist. Untersucht wird diese Frage anhand von EKP-Experimenten, die Erkenntnisse über die Repräsentation von monomorphematischen mehrsilbigen persischen Wörtern auf der prosodischen Ebene liefern sollen. Dabei wird die Reaktion auf verschiedenartige Verstöße gegen das erwartbare Betonungsmuster bei Wörtern und Nichtwörtern ermittelt.

 

Prosodieerwerb bei Kindern mit der Muttersprache Persisch

Ziel dieses Projekts ist, die Rolle der metrischen Struktur im Erwerb einer nicht trochäischen Sprache, nämlich des Persischen, näher zu beschreiben. Dazu wird zunächst ein Einzelfall (früher Spracherwerb eines persisch aufwachsenden Jungen) eingehend dokumentiert. Anhand von elizitierter Produktion von mehrsilbigen Wörtern sowie anhand von Befragungsdaten wird untersucht, ob und inwieweit der prosodische Fuß im Persischen ähnlich wie in den trochäischen Sprachen eine relevante Größe für die frühe Wortproduktion darstellt.

 

Prosodische Repräsentationen bei Kindern mit Late Talker Profil

Bereits Neugeborene können prosodische Hinweisreize wahrnehmen und verarbeiten. Der Fuß als rhythmische Grundeinheit von Sprache scheint hier eine besonders wichtige Funktion zu erfüllen.

In einer Langzeitstudie an typisch entwickelten und Kindern mit verspätetem Sprechbeginn (Late Talker) soll anhand von EKP-Experimenten empirisch überprüft werden, inwiefern sich die Gruppen hinsichtlich ihrer prosodischen Verarbeitung und Wahrnehmung unterscheiden und welcher Einfluss sich auf die weitere lexikalische Entwicklung ergibt. In einer anschließenden Therapiestudie werden ein lexikalischer und ein prosodischer Therapieansatz hinsichtlich ihrer Effektivität verglichen.

Zuletzt aktualisiert: 03.07.2015 · droegea

 
 
 
Fundierung linguistischer Basiskategorien

Fundierung linguistischer Basiskategorien, Deutschhausstraße 3, 35032 Marburg
Tel. +49 6421/28-24798, Fax +49 6421/28-27056, E-Mail: loewe-flb@staff.uni-marburg.de

URL dieser Seite: https://www.uni-marburg.de/fb09/lingbas/teilprojekte/phonwort/tp1

Impressum | Datenschutz