Die Suche nach NS-Raubgut in der Universitätsbibliothek Marburg
Wissenschaftliche Bibliotheken waren im Dritten Reich häufig Nutznießer
von Enteignungen und Beschlagnahmungen: Sie dienten als Sammelstellen
für verbotene Literatur, profitierten von der staatlich organisierten
Ausplünderung der aus rassischen und politischen Gründen verfolgten
Personen und erhielten Zuweisungen aus den während des Krieges als
Beutegut verschleppten Bibliotheken.
Im Dezember 1998 wurden im Rahmen einer internationalen Konferenz
Principles with Respect to Nazi-confiscated Art verabschiedet,
in deren Folge Museen, Bibliotheken und andere Sammlungen in
öffentlicher Hand in einer gemeinsamen Erklärung
von Bund, Ländern und kommunalen Spitzenverbänden aufgefordert
wurden, in ihren Beständen nach Kulturgut aus dem Besitz von Verfolgten
des Nazi-Regimes zu suchen.
Die Universitätsbibliothek Marburg hat im Herbst 1999 mit der Recherche
nach NS-Raubgut begonnen und inzwischen fast alle in Frage kommenden
Zugänge aus den Jahren 1933 bis 1950 durchgesehen. Die Titel der Bücher
und die darin aufgefundenen Besitzvermerke wurden in einer Datenbank erfasst und öffentlich zugänglich
gemacht.
In mehreren Fällen konnten bereits die rechtmäßigen Besitzer von
beschlagnahmten oder enteigneten Büchern ermittelt werden. Bis heute
wurden etwa 110 Bände zurückgegeben bzw. blieben auf Wunsch der
rechtmäßigen Besitzer in der Universitätsbibliothek. Bei rund 100
weiteren Bänden handelt es sich mit großer Wahrscheinlichkeit ebenfalls
um NS-Raubgut, die Suche nach den Vorbesitzern führte aber bislang zu
keinem Ergebnis. Die Recherchen werden fortgesetzt.
Ansprechpartner und Projektleiter:
Dr. Bernd
Reifenberg

