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Geographie im Master-Studiengang Geoarchäologie

Geoarchäologie – was ist das?

Heinrich Schliemann kam 1868 an die Ägäisküste Westanatoliens, um Troia zu suchen. In sieben Grabungskampagnen legte er zwischen 1871 und 1890 eine der berühmtesten antiken Siedlungen frei. Auch in anderen antiken Stätten im gesamten Mittelmeerraum wurde seit Ende des 19. Jahrhunderts der Spaten erstmals unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten angesetzt. Konzentrierten sich die Archäologen zunächst auf die Ausgrabung und Rekonstruktion der Bauwerke, so untersucht man heute in sogenannten Surveys auch die Umgebung ehemaliger Siedlungen und Städte und hat dabei die Rekonstruktion der ehemaligen Landschaft im Auge. Und dies ist gerade die Aufgabe der Geoarchäologie.

Der Naturraum, d.h. die Landschaft, die wir immer als unsere natürliche Umwelt betrachten, ist seit Jahrtausenden durch die menschliche Nutzung geprägt. Die Naturlandschaft ist also längst zur Kulturlandschaft geworden. Spuren von Besiedlung, Ackerbau und anderen menschlichen Überlieferungen zeigen sich nicht nur in vielen archäologischen Stätten, sondern in der gesamten heutigen Landschaft. Vegetation, Relief und Böden sind meist nicht mehr im ursprünglichen Zustand erhalten, sondern haben sich – oft zum Nachteil der hier lebenden Bevölkerung – durch die jahrtausendelange Nutzung verändert. Diese Veränderungen zu erfassen und in Bezug zu archäologischen Forschungen zu setzen, liegt im besonderen Interesse der Geoarchäologie.


Nach GERLACH (1998: 243) definiert sich die Geoarchäologie als ein „Teilbereich der  Geowissenschaften, bei dem geologische, bodenkundliche und geomorphologische Methoden auf  archäologische Fragestellungen Anwendung finden, um die lokalen naturräumlichen Grundlagen  menschlicher Nutzung zu analysieren“.

Nach BUTZER (1982: 35, 42) ist Geoarchäologie primär archäologische Forschung, die sich Methoden  und Konzepten der Naturwissenschaften bedient.
Er fährt fort: “The term is not synonymous with  archaeological geology, and it is not necessarily linked to geology....Geo-archaeologists dedicated to  elucidating [environmental] contextual issues must be more than casual practitioners of applied science.  They should be committed archaeologists... Geo-archaeology must extend its roots deep within  archaeology, the better to serve the discipline."


Es gibt zwei Haupteinsatzfelder geoarchäologischer Forschung

(nach Schweiz. Kommission f. Quartärforschung)

1. On-site studies: Untersuchungen innerhalb archäologischer Fundstellen

Geowissenschaften und Archäologie gehen hier vom selben Ansatzpunkt aus und betrachten das Sediment als ein archäologisches Dokument. Um die Bildungsgeschichte einer archäologischen Fundstelle beurteilen zu können, müssen die Sedimentationsvorgänge, welche im Lauf der Zeit gewirkt haben, identifiziert werden. Dieser Ansatz berücksichtigt deshalb in starkem Masse die anthropogenen Einflüsse auf das Ablagerungsgeschehen. So wird z.B. die Mikromorphologie (Dünnschliffanalyse) auf spezifische archäologische Befunde wie Siedlungsschichten mit erhaltenen Gehniveaus, Grubenfüllungen oder Schichtabfolgen in Höhlen und Siedlungshügeln angewandt.

2. Off-site studies: geoarchäologische Studien zur Landschaftsgeschichte

In diesem klassischen Arbeitsbereich der Geowissenschaften wird das Sediment als Träger von paläoökologischen Informationen aufgefasst. Das Ziel solcher Studien, die auch außerhalb von archäologischen Fundstellen durchgeführt werden, besteht darin, diachrone Sedimentabfolgen miteinander zu verbinden. Deren geowissenschaftliche Auswertung ermöglicht anschließend eine Rekonstruktion der regionalen Landschaftsentwicklung (z.B. Erosions- und Akkumulationsphasen, Veränderungen von Vegetation und Klima u.v.m.). Der Einbezug archäologischer und historischer Daten liefert neben naturwissenschaftlichen Datierungen (z.B. Radiokohlenstoff, Lumineszenz) den chronologischen Rahmen für die paläogeographische Rekonstruktion

weitere Informationen zur Geoarchäologie bei Prof. Dr. Helmut Brückner

Zuletzt aktualisiert: 17.10.2008 · Trebbin

 
 
 
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