Völkerstrafrechtliches Planspiel in Marburg
Donnerstag, 8.7.2010, 1600-2000 Uhr
Landgrafenhaus LH 209, Universitätsstraße 7, 35037 Marburg
Im Rahmen der Vorlesung Völkerstrafrecht, die von Professor Safferling
gemeinsam mit Rechtsanwalt Dr. Stefan Kirsch (Kanzlei Hamm Partner,
Frankfurt am Main) an der Philipps-Universität Marburg durchgeführt
wird, findet in diesem Jahr bereits zum dritten Mal ein
völkerstrafrechtliches Planspiel statt. Dabei schlüpfen Studierende der
Rechtswissenschaften sowie der Friedens- und Konfliktforschung in die
Rolle von Ankläger, Verteidiger, Opfervertreter und Richter, um so im
Rahmen ihrer Ausbildung das Strafverfahrensrecht vor dem
Internationalen Strafgerichtshof unmittelbar zu erleben. Dem Planspiel
liegt ein fiktiver Fall zugrunde, in dem ein General während eines
bewaffneten Konfliktes die Vernichtung eines noblen Vorortes der
Hauptstadt der gegnerischen Partei befiehlt. Die Studierenden haben
sich bereits zwei Wochen vorher inhaltlich auf den Fall vorbereitet und
werden während des Planspiels mit verschiedenen Zeugen konfrontiert,
von denen einer aufgrund einer akuten Gefährdungslage um Anonymität
nachsucht und die Glaubwürdigkeit eines anderen Zeugen mit erheblichen
Zweifeln behaftet ist. Dabei wird die Frage zu erörtern sein, ob der
General sich neben einem Kriegverbrechen auch der Verbrechen gegen die
Menschlichkeit oder des Völkermordes schuldig gemacht hat. Demgegenüber
kann sich die Verteidigung möglicherweise auf das
Selbstverteidigungsrecht berufen. Schließlich steht die
Zurechnungsfähigkeit des Angeklagten in Zweifel und aufgrund
schlampiger Arbeit seitens der Anklagebehörde hat sich das
Strafverfahren bereits erheblich verzögert.
Während Moot Courts und Planspiele an angloamerikanischen Law Schools wie selbstverständlich zur Ausbildung gehören, ist diese Gestaltungsform an deutschen rechtswissenschaftlichen Fakultäten eher selten. In der Vorlesung Völkerstrafrecht soll der Versuch unternommen werden, durch die Integration dieses Planspiels in den normalen Vorlesungsablauf, die Motivation und Eigeninitiative der Studierenden zu erhöhen und daneben sogenannte courtroom skills auszubilden. Zugleich soll damit auch ein Hauch des Flairs internationaler Strafprozesse nach Marburg gebracht werden.
Hier finden Sie ein paar Eindrücke vom diesjährigen Planspiel:
1. Der Gerichtssaal - die Kammer vernimmt den Angeklagten zur Person.

2. Die Richterkammer

3. Die Anklagebehörde trägt ihren Case vor

4. Die Verteidigung vernimmt eine Belastungszeugin im Kreuzverhör

5. Die Opfervertreter

6. Disput über die Glaubwürdigkeit der Zeugin zwischen Anklage und Verteidigung

7. Der medizinische Sachverständige im Kreuzverhör der Anklage



