Das Marburger Landgrafenschloss
Da die Museumsräumlichkeiten im Ernst-von-Hülsen-Haus im Laufe der Jahre nicht
mehr den stark angewachsenen Beständen entsprach, wurde
1981 der kulturhistorischen Sammlung des Museums, die bis
dahin großenteils ein Depotdasein fristete, der grundlegend renovierte
Wilhelmsbau des Landgrafenschlosses vom Land Hessen zur Verfügung
gestellt.
Das Landgrafenschloss ist eine der Hauptattraktionen Marburgs. Die
ältesten von außen sichtbaren Gebäudeteile stammen aus dem 13.
Jahrhundert. Der erste hessische Landgraf Heinrich I., Enkel der
Heiligen Elisabeth, baute hier seine Residenz auf. Jüngstes Gebäude ist
der Wilhelmsbau (Grundsteinlegung 1493), der heute in fünf Stockwerken
das Museum für Kulturgeschichte beherbergt.
Schlossbesucher können im Untergeschoss des Westflügels auch Reste
alter Burganlagen aus dem 9. und 10. Jahrhundert sehen.
Der im Nordtrakt gelegene und im letzten Viertel des 13. Jahrhunderts erbaute gotische Fürstensaal hat eine Grundfläche von rund 420 Quadratmetern. Damit ist er der größte gotische Profansaal Deutschlands, d. h. er wurde ausschließlich zu weltlichen Zwecken errichtet. Noch heute wird der Fürstensaal zu besonderen festlichen und kulturellen Anlässen genutzt.
Die 1290 geweihte Schlosskapelle weist einen historischen Fußboden aus glasierten Tonfliesen und große Teile der ursprünglichen Wandmalereien auf. Prinzipiell ist jedoch wenig von der ursprünglichen Innenausstattung des Schlosses erhalten geblieben. Seine wichtige Funktion als eine der Hauptresidenzen der Landgrafen von Hessen verlor das Marburger Schloss im Jahr 1604 mit dem Tod des kinderlosen Landgrafen Ludwig IV. Der Erbe des Marburger Landesteiles war einer der vier Söhne und Haupterben Philipps des Großmütigen (1504 - 1567). In der Folge diente das Landgrafenschloss vielen anderen Zwecken; unter anderem war darin einst das Gefängnis und später das Hessische Staatsarchiv untergebracht.

