Das Museum für Kunst und Kulturgeschichte in Marburg
Das Museum wurde 1927 anlässlich der 400-Jahr-Feier der Philipps-Universität Marburg gegründet. Als Gebäude diente der in der Biegenstraße eigens errichtete "Jubiläumsbau", der später den Namen des Universitätskurators Ernst von Hülsen (1875-1950) erhielt. Neben der Sammlung des Vereins für hessische Geschichte und Landeskunde stellten kirchliche Leihgaben und gemalte Professorenbildnisse aus dem 17. bis 20. Jahrhundert den ersten Bestand. Künstler wie Carlo Mense, Alexander Kanoldt, Oskar Moll, Georg Kolbe, Ludwig von Hofmann, László Moholy-Nagy, Alfred Kubin und Conrad Felixmüller stifteten anlässlich der Museumsgründung eigene Werke. Dem Professor für Kunstgeschichte Richard Hamann (1879-1961) gelang es ferner, im umfangreichen Maße Dauerleihgaben aus den Museen in Berlin und Kassel nach Marburg zu holen. Die letzten Dauerleihgaben gingen erst in den 1960er Jahren wieder zurück, als Ankäufe und Schenkungen von Künstlern und Privatsammlern, etwa von Adolf und Luisa Haeuser und von Richard Hamann, den eigenen Bestand erweitert haben.
Seit 1981, als die Kulturgeschichte in das Marburger Landgrafenschloss – erste Residenz der Landgrafen von Hessen – umzog, betreibt das Museum zwei Standorte. Die Sammlungsgegenstände wurden in den Wilhelmsbau eingebracht, der östlich des Hochschlosses von 1493 bis 1497 errichtet und nach Landgraf Wilhelm III. (1471-1500) benannt wurde. Seine fünf Geschosse bieten eine thematische Einteilung in die Bereiche Vor- und Frühgeschichte, Kirchliche Kunst, Landesherrschaft, Bürgerliches Wohnen und Ländliche Kultur. Grabfunde von Amöneburg, Exponate aus der Marburger Elisabethkirche (Lettnerfiguren, die Schutzhülle des Elisabethschreins) und eine Schildesammlung des 13. Jahrhunderts – darunter der Schild des ersten hessischen Landgrafen Heinrich I. (1244-1308) – ragen hier besonders hervor.
Von der einstigen kulturgeschichtlichen Sammlung im Ernst-von-Hülsen-Haus zeugen heute immer noch Reste von Bauteilen meist aus ländlicher Marburger Region, die im Museumsgebäude verbaut wurden. Zu den Höhepunkten der dort verwahrten Gemälde gehört seit 1978 „Adam und Eva“ des Flamen Louis Finson. Wie die bei restauratorischen Maßnahmen im Museum entdeckte Bezeichnung bezeugt, schuf Finson – einer der ersten nicht italienischen, von Caravaggio geprägten Maler – diese großformatige Szene 1610 in Neapel. Zuvor galt das Gemälde als ein Werk, das aus einer in der flämischen Malerei üblichen Zusammenarbeit von mehreren Künstlern hervorgegangen ist; die Figuren waren Abraham Janssens, das Früchtestilleben war Frans Snyders zugeschrieben.
Neben weiteren bekannten Werken wie Carl Spitzwegs „Der Briefbote im Rosenthal“ (um 1858) oder
Friedrich August von Kaulbachs Porträt seiner kleinen Tochter „Hilde“
(1907), der späteren Ehefrau von Max Beckmann (genannt „Quappi“), zeigt
das Museum für Kunst und Kulturgeschichte ferner zahlreiche Arbeiten von
Künstlern des 19. und 20. Jahrhunderts, wie Carl Bantzer („Abendmahl in
einer hessischen Dorfkirche“ 1891/92, „Schwälmer Tanz“ 1893) und Otto
Ubbelohde, die den Kreis der Willingshäuser Malerkolonie ergänzen. Aber
auch die Kunstströmungen des 20. Jahrhunderts – Neo-Impressionismus,
Expressionismus, Neue Sachlichkeit und verschiedene abstrakte Positionen – sind mit
Gemälden, Papierarbeiten und bildhauerischen Werken vertreten. Ernst
Ludwig Kirchners Pastell „Zwei sitzende weibliche Akte“ (um 1908) und
Wassily Kandinskys Aquarell „Roter Kreis“ (1923) gehören zu den
prominenten Arbeiten. Aufgrund der Lichtempfindlichkeit der Papierarbeiten sind diese Exponate allerdings magaziniert und werden nur in Rahmen von Sonderausstellungen präsentiert.
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