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Poetische Invektiven. Legitimationsstrategien verbaler Aggression in der lateinischen Dichtung der späten Republik und der frühen Kaiserzeit
Seit September 2025 werden in der Latinistik der Universität Marburg die poetischen Invektiven der späten Republik und frühen Kaiserzeit im Rahmen des neuen DFG-Projekts erforscht.
(Projektleitung: Prof. Dr. Dennis Pausch; wiss. Mitarbeiterin: Paula Viehl; stud. Hilfskraft: Meret Münker)
Schmähung und Beleidigung gehört in Rom zum Alltag. Abfällige Sprüche findet man sowohl an pompejanischen Hausfassaden als auch im römischen Senat bei rhetorisch ausgefeilten Wortgefechten. Die Invektive meint nicht nur die schmähende prosaische Rede, sondern bezieht sich auch auf die Dichtung. Geradezu kunstvoll diffamieren die Dichter ihre vermeintlichen Gegner:innen. Viele dieser drastischen und nicht selten obszönen Texte gelten für heutige Lesende als „schwer verdaulich“.
Da Schmähungen und Obszönitäten der poetischen Invektiven alltäglich waren, tendiert die bisherige Forschung dazu, die Legitimität solcher Texte für die Antike nicht zu hinterfragen. Irritationen heutiger Lesenden hinsichtlich der Drastik der Texte sind als Phänomene der Moderne abgetan worden, die durch heutige Verschiebungen von Wertvorstellungen zu begründen seien. Das Projekt stellt infrage, dass invektive Texte in der Antike als völlig unproblematisch galten. Vielmehr ist davon auszugehen, dass die Invektiven sehr wohl zumindest teilweise als Formen verbaler Aggression wahrgenommen wurden und daher schon durch die Schreibenden selbst präventiv legitimiert werden mussten. Das Projekt will für verschiedene Autoren der späten Republik und frühen Kaiserzeit untersuchen, welche Strategien der Text für die Legitimation der verbalen Angriffe nutzt.