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Wissen und Peacebuilding. Die epistemische Praxis des Deutschen Bundestags im Kontext von Entscheidungen über Friedens- und Stabilisierungseinsätze in Mali (2013 – 2019).

Foto: Dr. Werner Distler

Die Pilotstudie untersucht den Zusammenhang von Wissen und Peacebuilding im Kontext von Entscheidungen des Deutschen Bundestags zur Teilnahme der Bundeswehr an den Friedens- und Stabilisierungseinsätzen MINUSMA (Mission multidimensionelle integrée des Nations Unies pour la Stabilisation au Mali) und EUTM (European Union Training Mission) in Mali. Die Parlamentarier*innen verlängern seit 2013 regelmäßig die umfangreichen deutschen Beteiligungen an der Stabilisierung des malischen Staates, der Ausbildung der malischen Armee - und damit auch die Beteiligung an der durchaus umstrittenen Aufstandsbekämpfung / Counterinsurgency-Praxis in Mali. Die Entscheidungen im Bundestag beruhen auf speziellem, in Institutionen (beispielsweise Ministerien) generierten Wissen über die Lage in Mali und die Notwendigkeiten und Ziele der Operationen. Hier setzt das Projekt an: Woher kommt dieses Wissen über Mali, was beinhaltet es, wie wird es in den Routinen parlamentarischer Arbeit vermittelt? Das Projekt will mit der Untersuchung der Praktiken der Wissensgenese zeigen, welches Wissen über Mali dominiert, bzw. als relevant ausgewählt und im demokratischen Entscheidungsprozess zur Verfügung gestellt wird – und welches Wissen über die Zeit hinweg verschwindet oder keinen Raum erhält.

Während vor allem politikwissenschaftliche Studien die Gestaltungs- und Kontrollmöglichkeiten des Bundestages bezüglich Militäreinsätze durchaus lebendig diskutieren, ist bisher in der Friedens- und Konfliktforschung bis auf wenige Ausnahmen kaum untersucht worden, wie Wissen Entscheidungsprozesse in deutschen Institutionen im Kontext von Peacebuilding prägt. Die Analyse wird deshalb - mit Hilfe neuer theoretischer Konzepte (Wissensobjekt und epistemische Praxis) - einen innovativen Beitrag zur Debatte über den Zusammenhang von Wissen und Peacebuilding leisten können. Das Wissensobjekt (hier: Mali) wird verstanden als Fokuspunkt („Problem“) für politisches Handeln. Die epistemische Praxis zur Konstitution dieses Objekts wird definiert als Konfiguration von sprachlichen und körperlichen Aktivitäten, Routinen und Techniken.

Der Datenkorpus besteht hauptsächlich aus 1) Bundestagsdokumenten seit 2013 (Anträge der Bundesregierung, Beschlussempfehlungen der Ausschüsse, Plenumsprotokolle, Anfragen/Antworten; ggf. Dokumente des deutsch-französischen Parlamentsaustauschs) und 2) Transkripten von Leitfaden-gestützten Expert*innen-Interviews. Interviewt werden ausgewählte Abgeordnete, Mitarbeiter*innen des Wissenschaftlichen Dienstes und externe Expert*innen, die in Ausschüssen eingeladen wurden. Die Texte werden mit Hilfe einer Software-gestützten Qualitativen Inhaltsanalyse (MAXQDA) ausgewertet.

Laufzeit: 2020-2021 (7 Monate)

 Förderung: Deutsche Stiftung Friedensforschung

 Projektleitung: Dr. Werner Distler

Wissenschaftliche Mitarbeiterin: Miriam Tekath, M.A.