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Konflikte in Gegenwart und Zukunft
Wintersemester 2026/27
Die Vortragsreihe "Konflikte in Gegenwart und Zukunft" steht im Wintersemester 2026/27 unter dem Thema "Umwelt" und lädt ein aktuelle und höchst relevante Fragen rund um das Thema zu diskutieren.
Organisiert vom Zentrum für Konfliktforschung der Philipps-Universität Marburg gemeinsam mit der Universitätsstadt Marburg.
Wie verändern Klimakrise und ökologische Transformation unsere Gesellschaft? Welche Konflikte entstehen um Wohnraum, Flächen, Eigentum und Lebensweisen? Und wie wirkt sich der politische Wandel auf Umwelt- und Klimapolitik aus? Mit diesen und weiteren Fragen beschäftigt sich die Vortragsreihe „Konflikte in Gegenwart und Zukunft“ im Wintersemester 2026/27. Das Zentrum für Konfliktforschung der Philipps-Universität Marburg lädt gemeinsam mit der Universitätsstadt Marburg dazu ein, aktuelle Entwicklungen zu diskutieren und unterschiedliche Perspektiven auf gesellschaftliche Konflikte kennenzulernen.
Das Programm der Vortragsreihe im Wintersemester 2026/27 wird von Prof. Dr. Felix Anderl und Johanna Kocks zusammengestellt und moderiert.
16. Nov. 2026 | Matthias Schmelzer - Wachstum, Eigentum, Lebensweise: Zur Politischen Ökonomie sozial-ökologischer Transformationskonfliktehrift
zum Thema:
Während die Klimakrise mit Hitzewellen, Waldbränden und Wassermangel auch in Europa immer weniger verdrängbar wird, scheinen die gesellschaftlichen Konflikte um Transformation ungebremst: Streit um Heizungsgesetz, Windkraft, Autos, oder die Klimaproteste stehen symptomatisch für diesen umfassenden Transformationskonflikt, der durch autoritäre und faschistische Tendenzen noch verschärft wird. Doch was steht dahinter? Welche Lösungen werden vorgeschlagen? Und welche Widersprüche bringen diese zutage? Der Vortrag skizziert die aktuelle Konfliktkonstellation mit Fokus auf die zugrundeliegenden wirtschaftlichen Gründe. Neben der Wachstumsfixierung in weiten Teilen der Politik geht es dabei auch um die Frage, wie eine antifaschistische Transformationspolitik jenseits des Wachstums aussehen könnte.
Vita:
Prof. Dr. Matthias Schmelzer ist Professor für sozial-ökologische Transformationsforschung an der Europa-Universität Flensburg. Er leitet das Norbert Elias Center for Transformation Design & Research an der Europa-Universität Flensburg sowie den M.A. Transformationsstudien. Schmelzer forscht und publiziert zu sozial-ökologischer Transformation, Wirtschaftsgeschichte, Nachhaltigkeit, sozialen Bewegungen, Klimakrise, Neoliberalismus, Kapitalismus, Ökonomik, sowie Degrowth.
07. Dez. 2026 | Florian Spissinger - Klimaschutzbehinderung von Rechtsaußen als attraktives Gefühlsangebot
zum Thema:
Klimaschutz ist ein gesellschaftliches und politisches Konfliktfeld. Wie sich Menschen dazu verhalten und positionieren, hängt auch damit zusammen, wie sie Politik und Alltag erleben und deuten. Der Vortrag beleuchtet Narrative der Klimaschutzbehinderung von Rechtsaußen als Gefühls- und Deutungsangebote. Dabei geht es um die Frage, wie Narrative von Rechtsaußen dazu beitragen, dass Menschen die Klimakrise nicht ernst nehmen, Klimaschutz als die eigentliche Bedrohung erleben und Klimaschutzbehinderung gar mit einem guten Gefühl verbinden können.
Vita:
Florian Spissinger hat Soziale Arbeit und Politikwissenschaft studiert. Mit seiner empirischen Studie zur „Gefühlsgemeinschaft der AfD“ hat er 2023 den Dissertationspreis beim Verlag Barbara Budrich gewonnen und war 2024 Finalist beim Deutschen Studienpreis. In der beruflichen Praxis war Spissinger in der Sozialen Arbeit und der politischen Bildung tätig. Seit 2025 arbeitet er als Professor für Soziale Arbeit an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg.
14. Dez. 2026 | Angelika Münter - Wohnraum schaffen vs. Flächen sparen: Zielkonflikte zwischen Wohnungs- und Nachhaltigkeitspolitik und wie sie sich lösen lassen
zum Thema:
In vielen Groß- und Universitätsstädten spitzt sich die Wohnungskrise immer weiter zu. Mieten und Immobilienpreise explodieren, Familien und Haushalte mit geringem Einkommen leben zunehmend beengt oder werden verdrängt. Politische Lösungen zur Wohnungskrise werden vor allem im Bau neuer Wohnungen gesucht. Dies widerspricht dem nachhaltigkeitspolitischen Ziel einer Reduktion des Flächenverbrauchs („30 ha-Ziel“) zum Schutz der begrenzten Ressource Fläche. Der Vortrag knüpft an aktuelle Forschungsprojekte zur Flächenwende und räumlichen Transformation an und zeigt anhand von Beispielen, welche systemischen Ursachen hinter dem anhaltenden Flächenverbrauch stehen und welche Hebel – etwa Suffizienzstrategien, eine gemeinwohlorientierte Bodenpolitik und eine Erhöhung der Flächeneffizienz – helfen können, Zielkonflikte zwischen Wohnungs- und Nachhaltigkeitspolitik aufzulösen.
Vita:
Dr. Angelika Münter ist Raumplanerin und forscht seit zwei Jahrzehnten zu den Trends und Handlungsansätzen einer nachhaltigen Raumentwicklung. Zuletzt hat sie zahlreiche inter- und transdisziplinäre Forschungsprojekte zum Thema „Flächensparende Siedlungsentwicklung“ bearbeitet. Sie ist stellvertretende Leiterin der Forschungsgruppe „Mobilität und Raum“ am ILS – Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung in Dortmund, war Gast-Professorin für „Urban Transformations“ an der Universität Kassel und ist Mitglied der Akademie für Raumentwicklung in der Leibniz-Gemeinschaft (ARL).
18. Jan. 2027 | Alina Brad - Transformationskonflikte: Klimapolitischer Backlash und die umkämpfte Rolle von Carbon Removal
zum Thema:
Der Sommer 2026 machte die Klimakrise in Europa mit beispiellosen Hitzewellen, Dürre und Waldbränden so greifbar wie selten zuvor. Beklemmend ist dabei vor allem, wie fern ihre politische Bearbeitung inzwischen erscheint. Während die USA unter Trump auf globale Refossilisierung setzen, baut auch die EU ihren einst gefeierten European Green Deal wieder schrittweise zurück – befeuert vom Aufstieg extrem rechter und faschistischer Kräfte. Dabei schien noch 2019 eine weitreichende Dekarbonisierung in Reichweite. Der Vortrag untersucht diesen Umbruch und fragt, welche Rolle Carbon Removal darin einnimmt: als umkämpftes Terrain zwischen fortgesetztem klimapolitischem Anspruch und dessen Aushöhlung.
Vita:
Alina Brad lehrt und forscht als Senior Scientist im Bereich Internationale Politik am Institut für Politikwissenschaft der Universität Wien. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in der Klimapolitik und der politischen Ökonomie sozial-ökologischer Transformationen, aktuell mit Fokus auf Carbon Removal in der EU-Klimapolitik sowie das Potenzial nachfrageseitiger Klimaschutzmaßnahmen. Sie ist Vorstandsmitglied des Climate Change Centre Austria (CCCA) und war 2022-2025 koordinierende Leitautorin des APCC Assessment Report on Climate Change in Austria.
01. Feb. 2027 | Podiumsdiskussion: Wie weiter in der Umweltpolitik in einer zunehmend autoritär regierten Welt? - Mit Henrike Knappe, Hannah Pilgrim & Wolfram Schaffar
Henrike Knappe
Henrike Knappe ist Professorin für Politische Bildung und Gesellschaftlichen Wandel an der Universität Leipzig. Bevor Henrike Knappe an die Universität Leipzig kam, war sie Gastprofessorin an der Technischen Universität Berlin und Forschungsgruppenleiterin am Forschungsinstitut für Nachhaltigkeit (RIFS) Potsdam. Ihre Forschungsschwerpunkte umfassen die politische Repräsentation junger Menschen, sozio-ökologische Transformationsprozesse und die Rolle von Demokratiebildung, sowie neuere Praktiken von Partizipation und ‚climate advocacy‘.
Hannah Pilgrim
Hannah Pilgrim, Sozialwissenschaftlerin & Humangeographin, arbeitet als Referentin und Koordinatorin des bundesweiten zivilgesellschaftlichen Netzwerks AK Rohstoffe bei der Berliner Organisation PowerShift e.V. Seit mehr als zehn Jahren beschäftigt sie sich mit der deutschen und europäischen Rohstoffpolitik sowie ihren menschenrechtlichen und ökologischen Auswirkungen weltweit.
Wolfram Schaffar
Wolfram Schaffar hat seit 2021 den Lehrstuhl für Entwicklungspolitik an der Universität Passau inne. In Forschung und Lehre konzentriert er sich auf die Themen Digitalisierung und Plattformisierung, soziale Bewegungen und politische Mobilisierung, Demokratisierung sowie den Aufstieg des Autoritarismus im Globalen Süden. Sein regionaler Schwerpunkt liegt dabei auf Ost- und Südostasien.
Plakat der Veranstaltungsreihe im WiSe 2026/27
In Kooperation mit: