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„Fallsucht“? Über Caesars Epilepsie und die Iden des März

Dr. Florian Krüpe (Philipps-Universität Marburg, Alte Geschichte)

Caesar-Altes-Museum-Berlin
CC0

Caesars Ermordung an den seitdem sprichwörtlichen „Iden des März“ 44 v.Chr. hat seit jeher die Phantasie der Menschen angeregt: Böse Omina und prophetische Träume seiner Gattin habe er im Vorfeld genauso ignoriert wie kolportierte Warnungen. Angesichts solcher Details und der tendenziell viel zu hohen Zahl potentieller Verschwörer stellen sich Menschen bis heute u.a. die Frage, ob Caesar tatsächlich nichts von der Gefahr ahnte oder sie bewusst in Kauf nahm, um im Nachgang mit seinen politischen Gegnern abzurechnen.
Modernes Histotainment arbeitet sich neben dem „whodunnit“ an eben dieser Frage ab, hierbei untersucht man potentielle Verschwörer auf ihre Motive hin und klärt den Ort des Verbrechens. Und Caesars Gesundheitszustand, dem man in der Vergangenheit gleich mehrfach eine schwere Epilepsie attestierte, durch die er zu radikalen politischen wie persönlichen Entscheidungen gezwungen gewesen sei.
Fraglos sind die Berichte antiker Historiker keine ärztlichen Bulletins und Ferndiagnosen problematisch, ihre Berichte über allerlei Symptome und Ereignisse aber vergleichsweise dicht: Ohnmacht, Schwindel, psychomotorische Veränderungen, Kopfschmerzen, Albträume, cholerische Ausbrüche. Sie ermöglichen es potentielle Erkrankungen einzugrenzen: Galassi und Ashrafian, zwei Mediziner, kamen daher in ihrer „historisch-pathologischen“ 2017er Untersuchung zum Ergebnis, dass es auch eine Serie kleinerer Schlaganfälle gewesen sein könnte.
Der Vortrag will solchen Diagnosen ebenso nachspüren wie der Krankheit – und dem berühmten „Patienten“. Denn gleich, welcher posthumen Ferndiagnose man zuneigt: Heute wie damals sind Krankheiten von Mächtigen keine reine Privatangelegenheit. Gesundheit und Krankheit des Dictators waren Gegenstand öffentlicher Anteilnahme und öffentlichen Interesses – und wichtig für eine Republik im Wandel, im Bürgerkrieg, mitten in einem politischen und gesellschaftlichen Veränderungsprozess mit unbekanntem Ausgang.