Was ist das?
Wenn 39 Student*innen unter zwei Dächern als eine Hausgemeinschaft zusammenleben, dann braucht es ein paar Prinzipien, um das gemeinschaftliche Leben zu organisieren, zu stärken und eine besondere Essenz an Bedeutung für jede*n Einzelne*n. Der Kern dieses Besonderen, was wir alle am Haus und somit unserem Zusammenleben schätzen und gemeinsam voranbringen, ist die Selbstverwaltung.
Die Selbstverwaltung ist das zentrale Element, auf welchem unser gemeinschaftliches Hausleben beruht. War der Gründungsgedanke des Collegium Philippinums der Hessichen Stipendiatenanstalt (kurz Stipe) jener der Unterstützung Studierender durch ideelle und materielle Förderung, so hat sich das Konzept der Stipe über die Jahrhunderte weiter entfaltet.
Die heutige Stipe lebt und entwickelt sich so wie jede Bewohnerin und jeder Bewohner sich im Hause beteiligt, denn das Leben wird durch das Konzept der Selbstverwaltung gemeinschaftlich organisiert. Konkret bedeutet dies, dass im Zentrum des Hauslebens die wöchentlich stattfindende Hausversammlung steht, an welcher jede Bewohnerin und jeder Bewohner aufgefordert ist teilzunehmen. Eine Hausversammlung ist ein nach einem festgelegten Protokoll ablaufende Zusammenkunft aller Bewohnerinnen und Bewohner anhand derer aktuelle und allgemein grundlegende Belange bezüglich des Zusammenlebens und des Hauses geregelt werden. Zum Beispiel werden bauliche Maßnahmen und Veränderungen, aber auch die Organisation des Sommer-/Winterfestes oder die Bewerber- und Stipendienwahlen durchgeführt. Zudem übt jede Bewohnerin und jeder Bewohner jedes Semester ein Amt aus, welches zur Gesamtorganisation des Hauslebens beiträgt. Ämter sind beispielsweise: Gartenamt, IT-Amt, Öffentlichkeitsamt, Müllamt und viele mehr. Einzelne Aufgaben eines Amtes können zum Beispiel im Öffentlichkeitsamt, die Betreuung des Collegium Philippinum instagram- und facebook-Accounts oder auch die Aktualisierung des Schaukastens am Haus sein.
Zitate von (ehemaligen) Bewohner*innen
Selbstverwaltung bedeutet für mich, aktiv das Leben hier im Haus mitzugestalten. Das heißt, dass wir als Gemeinschaft sowohl die spaßigen Seiten des Zusammenlebens erleben, aber auch die Möglichkeit haben, in einem basisdemokratischen System zu wohnen. Kompromisse und offene Kommunikation spielen dabei eine große Rolle. So bedeutet es, sich über Dinge in der Hausversammlung zu streiten und danach den Abend gemütlich mit nem Bier (oder nicht-alkoholischen Getränk) und einer Runde Werwolf ausklingen lassen zu können. Es heißt, dass wir gemeinsam als große und manchmal dysfunktionale Familie leben, in der alle ihre Verantwortung tragen. - Nanni
Selbstverwaltung bedeutet für mich Verantwortung, Verbundenheit und viel Diskussion. Es ist so schön zu erleben, wenn alle sich beteiligen und engagiert sind und wir miteinander und füreinander planen und uns notwendige, sowie erfreuliche Dinge überlegen. Es bietet eine riesige Chance festzustellen, dass wir hier alle im selben Haus sitzen und jede Stimme eingebracht werden kann. „Gemeinschaft“ habe ich dadurch neu und intensiver gelernt. - Rahel
Selbstverwaltung heißt für mich, Verantwortung zu übernehmen. Deine Wortmeldungen, deine Wahl und deine Stimme sind wichtig und machen große Entwicklungen möglich. Das birg einen gewissen Druck in sich, bereitet aber umso größere Freude, wenn die eigene Arbeit Frucht trägt. - Gösta
Selbstverwaltung bedeutet für mich ....
ein Teil eines großen Ganzen zu sein und dabei wie ein kleines Zahnrad, die große Maschine am Laufen zu halten. Wir arbeiten gemeinsam unseren jeweiligen Teil, sodass kleine Teilchen, viel bewirken können. - Julia
Die Selbstverwaltung in der Stipe ähnelt für mich am ehesten der Vorstandsitzung eines Vereins. Wir müssen Entscheidungen treffen, wie wir dem Vereinsziel am besten dienen können. Und unser Vereinsziel ist die Organisation unseres Zusammenlebens mit all seinen Facetten. Hierbei geht es nicht nur darum, Hausfahrten und Feste zu organisieren. Auch unangenehme oder schwerwiegende Entscheidungen müssen verantwortungsvoll getroffen werden. Hierzu zählen beispielsweise die Auswahl unserer neuen Mitbewohner*innen jedes Semester auf's Neue. Oder aber wie viele Selbstbeschränkungen und Schutzmaßnahmen wir uns zu Zeiten einer Pandemie auferlegen. Dies erfordert viel demokratische Kompetenz sowie persönliche Reife und ist nichts für schwache Nerven. Es ermöglicht aber auch viel Gestaltungsfreiraum. Für mich symbolisiert die Selbstverwaltung eine demokratische Bastion in feudalem Gemäuer. - Max