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Symposium 06: Sprachliche Vielfalt in Deutschlehrbüchern: Sprachdidaktische Ressourcen in der superdiversen Gesellschaft

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Mittwoch, 17.09.2014 (2. Kongresstag)

11:00-12:30
Manuela Böhm
Sprachlehrbücher im Dienste der Germanisierung: Fibeln an utraquistischen Schulen der polnischsprachigen Gebiete Preußens um 1900

Jannis Androutsopoulos

Zur diskursiven Konstruktion von Varietäten in Deutschlehrbüchern: Ein Analyseverfahren am Beispiel Jugendsprache

Minna Maijala und Marjon Tammenga-Helmantel
Das DACH-Konzept in finnischen und niederländischen DaF-Lehrwerken
12:30-14:00 Uhr
(Mittagspause)
14:00-15:30 Uhr
Christoph Bläsi
Die Behandlung der sprachlichen Vielfalt des Deutschen im Lichte allgemeinerer Qualitätsmerkkriterien für Lehr- und Lernmaterialien

Katharina Mayr, Philipp Krämer, Hans-Georg Müller
und Heike Wiese
Einstellungen zu sprachlicher Vielfalt an der Schule - Materialien für Lehrer/innen

Jana Tereick
Diskursanalytische Zugriffe auf Mehrsprachigkeit und sprachliche Vielfalt im Schulbuch

 

Donnerstag, 18.09.2014 (3. Kongresstag)

09:15-10:45 Uhr
Nazli Hodaie
Der Migrationsdiskurs: Der Umgang mit migrationsbedingter Sprachenvielfalt in Deutschbüchern

Mehmet Can Sander

Entwicklung eines DaF/DaZ-Trainingsprogramms für DaF/DaZ-Lernende mit Türkisch als Muttersprache in Deutschland

Jana Mikota und Jutta Hanner
Entwicklung frei zugänglicher Bildungsmedien zu mehrsprachiger Kinder- und Jugendliteratur - eine Projektskizze

Inhalt:


Das anthropologische Konzept der ‚Superdiversity‘ wurde in die Sprachwissenschaft eingeführt, um der hochkomplexen sprachlichen Vielfalt in ethnisch heterogenen urbanen Räumen gerecht zu werden (Vertovec 2007, Blommaert / Rampton 2011). Eine Soziolinguistik der Superdiversität (Creese / Blackledge 2010) geht u.a. den Fragen nach, wie metasprachliche Repräsentationen und Sprachauffassungen (language Ideologies) in den Institutionen einer superdiversen Gesellschaft strukturiert sind und diskursiv verhandelt werden. Fachlich tradierte Sprachnormbegriffe und Varietätentypologien werden dabei einer kritischen Prüfung unterzogen (vgl. Hornberger 2010, Androutsopoulos 2011). Didaktische und bildungspolitische Implikationen institutioneller Sprachauffassungen wurden in Arbeiten für verschiedene Länder bereits dargestellt (vgl. Reagan 2002, Heller 2003). Auch die deutschsprachige Forschung hat den monolingualen Habitus (Gogolin 2008) an Schulen vielfach herausgearbeitet (vgl. Elspaß/Maitz 2011, Siemund et al. 2013).

Sprachlehrbüchern kommt bei der Konstitution und Reproduktion von Sprachauffassungen eine besondere Rolle zu. Erst in jüngster Zeit hat die Schulbuchforschung die Repräsentation  sprachlicher Variabilität, vor allem im Kontext Mehrsprachigkeit, überhaupt in den Blick genommen (Augschöll Blasbichler et al. 2013). Eine systematische sozio- und diskurslinguistische Bearbeitung der Thematik steht noch aus. Erste Arbeiten zeigen, dass die Darstellung von Varietäten des Deutschen in Sprachlehrwerken vielfach monolinguale Sprachauffassungen und Sprachstereotype reproduzieren (vgl. Androutsopoulos/Paul 2010).

Vor dieser Folie werden in diesem Symposium Schulbücher und andere didaktische Ressourcen für den Deutschunterricht aus Sicht der Sprachideologieforschung, der Buchwissenschaft und der Linguistischen Diskursanalyse untersucht. Dabei wird die Schnittstelle von theoretischen Erkenntnissen und didaktischer Praxis stets im Blick behalten. Die bearbeiteten Fragen sind von direkter sprachdidaktischer Relevanz: Welches „Deutsch“ soll eigentlich unterrichtet werden? Was gilt in Schulbüchern als Varietät des Deutschen, und wie werden Varietäten und ihre SprecherInnen dargestellt? Wieso wird häufig prototypisch von Lernenden und Lehrenden mit Deutsch als Erstsprache ausgegangen? Die Ergebnisse des Symposiums fließen direkt in die Ausbildung von Deutschlehrenden und eine forschungsbasierte Deutschdidaktik.

Wir laden Einzelvorträge insbesondere, aber nicht ausschließlich, zu folgenden Themen ein: Schul-bücher aus (korpus-)linguistischer, diskurs- und sprachkritischer Sicht, Best Practices sowie Perspektiven auf den DaF-Unterricht.

Literatur

Androutsopoulos, Jannis (2011): Die Erfindung „des“ Ethnolekts. Zeitschrift für Literaturwissenschaft und Linguistik 164, 93-120.
Androutsopoulos, Jannis / Paul, Kerstin (2010): Jugendliche unter sich: Sprachideologische Verarbeitungen von Jugendsprache in Deutsch-Lehrbüchern. Tagung „Sprachkritik in der Schule“, Alfried-Krupp-Wissenschaftskolleg Greifswald.
Augschöll Blasbichler, Annemarie / Videsott, Gerda / Wiater, Werner (Hrsg.) (2013): Mehrsprachigkeit und Schulbuch. Bad Heilbrunn.
Blommaert, Jan / Ben Rampton (2011): Language and Superdiversity. Diversities 13(2), 1-21.
Creese, Angela / Adrian Blackledge (2010): Towards a sociolinguistics of superdiversity. Zeitschrift für Erziehungswissenschaft 13, 549–572.
Elspaß, Stephan / Péter Maitz (Hrsg.) (2011): Sprache und Diskriminierung. Themenheft, Der Deutschunterricht, 63.6.
Gogolin, Ingrid (2008): Der monolinguale Habitus der multilingualen Schule. Münster u.a.
Heller, Monica (2003): Crosswords: Language, Education, and Ethnicity in French Ontario. Berlin u.a.
Hornberger, Nancy (2010): Sociolinguistics and Language Education. Bristol.
Reagan, Timothy G. (2002): Language, Education, and Ideology: Mapping the Linguistic Landscape of U.S. Schools. Westport.
Siemund, Peter / Gogolin, Ingrid / Schulz, Monika / u. a. (Hrsg.) (2013): Multilingualism and language diversity in urban areas: acquisition, identities, space, education. Amsterdam u.a.
Vertovec, Steven (2007): Super-diversity and its implications. Ethnic and racial studies 30 (6), S. 1024-1054.


Kontakt


Prof. Dr. Jannis Androutsopoulos, jannis.androutsopoulos@uni-hamburg.de
Jana Tereick, M.A., jana.tereick@uni-hamburg.de

Universität Hamburg
Institut für Germanistik
Von-Melle-Park 6
D-20146 Hamburg

Zuletzt aktualisiert: 27.08.2014 · gueldenr

 
 
 
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