Direkt zum Inhalt
 
 
banner-icwc.jpg
 
  Startseite  
 
Sie sind hier:» Universität » Forschungs- und Dokumentationszentrum für Kriegsverbrecherprozesse (ICWC) » Forschung » Zweiter Weltkrieg » Nürnberg » Das U.S.-amerikanische Filmprojekt zum Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozess

DFG-Forschungsprojekt:

Das U.S.-amerikanische Filmprojekt zum Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozess: Ein Beitrag zur politischen Kultur Nachkriegsdeutschlands

Verantwortlich: Prof. Dr. Andreas Dörner, Institut für Medienwissenschaft; Dr. Wolfgang Form, ICWC

Wissenschaftlicher Mitarbeiter: Axel Fischer, M.A., studentische Hilfskraft: Lisa Hannappel

 


Die Filmaufnahmen von den Nürnberger Prozessen

 

Der Saal 600 im Landgericht Nürnberg
Saal 600 im Nürnberger Justizpalast während einer Sitzung des IMT.
Während der Nürnberger Prozesse von 1945-1949 wurden durch die U.S. Army im Saal 600 und anderen Verhandlungsräumen des Justizpalasts in Nürnberg etliche Stunden Film hergestellt. Dieses bislang in den National Archives & Records Administration in Washington aufbewahrte ungeschnittene Rohmaterial, das zu Wochenschauen (u.a. Welt im Film) und Dokumentarfilmen (u.a. Nürnberg und seine Lehre, USA / Dtl. 1948, Stuart Schulberg) kompiliert wurde, ist dem Forschungs- und Dokumentationszentrum Kriegsverbrecherprozesse ICWC an der Philips-Universität Marburg über Ihren Kooperationspartner, das Robert H. Jackson Center, in digitalisierter Form zur Verfügung gestellt worden.
 
Die Aufnahmen stellen die umfangreichste filmische Dokumentation der Prozesse dar, sind allerdings in regelrecht willkürlicher Abfolge und inhaltlich nur schwer zuzuordnen. Wir haben das Filmmaterial deshalb aufgearbeitet, indem kleinste, zusammenhängende inhaltliche Einheiten isoliert, Datumsangaben für Aufnahmen bestimmt, relevante Personen identifiziert wurden und das Prozessgeschehen festgehalten sowie dem englisch- und deutschsprachigen Prozessprotokoll zugeordnet wurden. Die Ergebnisse sind in einer Datenbank erfasst, die es erlaubt, statistische Erkenntnisse zu den Filmaufnahmen zu liefern und unterschiedlichste Zugriffe darauf zu gewähren.

Für eine weiterführende Nutzung soll diese Datenbank mit der umfangreichen Datensammlung des ICWC gekoppelt werden. Diese Implementierung wird Forschern eine zusätzliche Erschließungsebene der Prozesse jenseits schriftlicher Daten, wie z.B. den Prozessakten, ermöglichen. Mit den Wochenschauberichten und dem Dokumentarfilm soll in ähnlicher Weise verfahren werden.



Skizze des Saal 600
Skizze des U.S.Army Signal Corps vom Saal 600.
Aktuelle Fragestellungen

 

  • Nach welchen Maßgaben wurden die Filmarbeiten durchgeführt und welche Inszenierungsmittel eingesetzt?
  • Was wurde gefilmt und wie stellt sich gegenwärtig der Überlieferungsstand dar?
  • Wie lässt sich die U.S.-Filmkampagne – die Wochenschauberichterstattung und der Dokumentarfilm für das deutsche Kinopublikum – unter Berücksichtigung der Propaganda- und Dokumentarfilmforschung mediengeschichtlich einordnen?
  • Wie sahen die Impulse (Ideen und Werte für ein zukünftiges Deutschland) für die Demokratisierung der deutschen Nachkriegsgesellschaft aus und wie wurden sie vermittelt?
  • Wie sind die ca. 50 Stunden ungeschnittenes Rohmaterial, die Berichterstattungen in der anglo-amerikanischen Wochenschau und die Dokumentarfilme aus heutiger Sicht zu bewerten?
  • Welche Hinweise auf politische Implikationen erlauben die Filmaufnahmen?

Hieraus wurde unter der Leitung von Prof. Dr. Andreas Dörner und Dr. Wolfgang Form ein weiterführendes Forschungsprojekt entwickelt, das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) mit ca. EUR 120.000 für die Dauer von zwei Jahren gefördert wird.


Projektbeschreibung

 

Stuart Schulberg
Regisseur Stuart Schulberg vor einem Plakat zu seinem Film.
Im Statut des Internationalen Militärtribunals in Nürnberg (IMT) kondensierten die Alliierten des Zweiten Weltkriegs erstmalig in der Geschichte des Völkerstrafrechts den Willen zur internationalen Ahndung von Staatsverbrechen. Gleichzeitig ist das U.S.-Filmprojekt zum Prozess – eingebettet in die umfassende Medienstrategie der Militärverwaltung zur Vermittlung der Neuordnung Deutschlands – das historische Beispiel für eine Medienkampagne zur Beeinflussung einer nationalen politischen Kultur. Diese umfangreichste zeitgenössische Filmberichterstattung vom Prozess ist medienwissenschaftlich bisher nicht aufgearbeitet worden. Die Untersuchung des filmgeschichtlichen Ereignisses zielt auf die textkritische Erfassung des gesamten durch die U.S. Army hergestellten Filmmaterials, die filmwissenschaftliche Analyse und mediengeschichtliche Einordnung der Berichterstattung sowie die Darstellung ihrer Funktion in dem politischen Umbruchprozess. Die leitende Hypothese ist, dass die U.S.- Filmkampagne als substantieller Bestandteil eines der ersten Transitional Justice-Fälle zu bewerten ist, aus dem mit den Nürnberger Prinzipien ein wesentliches Kulturerbe hervorgegangen ist, das noch gegenwärtig nachhaltigen Einfluss auf das Politikverständnis in Deutschland ausübt. Das filmgeschichtliche Projekt knüpft mit der Analyse des historischen Falls an Erkenntnisinteressen der politischen Kulturforschung an. Dabei verspricht die Untersuchung auch grundsätzliche Aufschlüsse über filmische Politikvermittlung, indem sie am historischen Beispiel Vermittlungstechniken und -mechanismen aufzeigt und bewertet. Perspektivisch sollen diese Erkenntnisse auch auf gegenwärtige und zukünftige Aufarbeitungsbemühungen angewendet werden.





Fakten und Zahlen zum Projekt


  • Systematisierung und Analyse von ca. 50 Stunden ungeschnittenem Rohmaterial
  • Erfassung von ca. 600 Sequenzen (0,5 – max. 10minütig) des Rohmaterials
  • Systematisierung und Analyse von 43 Folgen der Kinowochenschau ‚Welt im Film’
  • Systematisierung und Analyse von zwei Dokumentarfilmen, 76 und 74 min.
  • Auswertung der Akten von 6 Behörden und zwei privaten Nachlässen
  • behandelter Zeitraum: Mitte 1944 bis Frühjahr 1949
  • Personen: Lucius D. Clay, Stuart Schulberg, Pare Lorentz, Billy Wilder, Erich Pommer, Robert McClure, Joseph Zigman u.a.


Kontakt:

Axel Fischer, M.A.

Internationales Forschungs- und Dokumentationszentrum Kriegsverbrecherprozesse

Universitätsstrasse 6

35032 Marburg

06421/28-23211

axel.fischer(at)staff.uni-marburg.de


Zuletzt aktualisiert: 15.11.2016 · Kappeler Angela, Fb. 9

 
 
 
Philipps-Universität Marburg

ICWC, Universitätsstraße 7, 35032 Marburg
Tel. +49 6421 28-26895, Fax +49 6421 28-26894, E-Mail: form@staff.uni-marburg.de

URL dieser Seite: https://www.uni-marburg.de/icwc/forschung/2weltkrieg/nuernberg/axel-fischer-filmprojekt-nuernberger-hauptkriegsverbrecherprozesse-politische-kultur-nachkriegsdeutschland

Impressum | Datenschutz