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Sukkulentenhaus: Kakteen und andere Sukkulenten
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Im Sukkulentenhaus sehen Sie Pflanzen, die in einem entsprechend
ausgebildeten Organ Wasser speichern können. Die Einteilung des
Schauhauses in die Bereiche Mexiko, Südafrika, Madagaskar und
Südamerika erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern erklärt
sich aus dem vorhandenen Pflanzenbestand der jeweiligen Heimatländer,
der in Marburg kultiviert wird. Besonders erwähnenswert ist
beispielsweise folgende pflanzliche Bewohnerin des Sukkulentenhauses –
die "Kalanchoe tubiflorae" aus Madagaskar als gutes Beispiel für
das Phänomen "Viviparie" ("Lebendgebärer"). Auf ihren
Blatträndern wachsen kleine Tochterpflänzchen, die später
abfallen, sich auf dem Boden einwurzeln und weiter wachsen.
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Plan des Sukkulentenhauses |
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Der Begriff "Sukkulenz" leitet sich von dem lateinischen Wort
"succulentus" ab. Es handelt sich um Pflanzen, die über saftreiche bzw.
fleischig-saftige Organe verfügen. Dadurch sind sie in der Lage, das
Wasser kurzer Regenperioden für die nachfolgenden, oft lange
anhaltenden Dürrezeiten zu speichern. Diese Speicherung ist durch das
so genannte Wassergewebe möglich, wobei wie bei Tillandsia und
Peperomia nur die Oberhaut (Epidermis) oder aber wie bei Aloe und Agave
tiefere Schichten des Blattgewebes (Parenchym) an der Bildung des
Wassergewebes beteiligt sein können. Dieses Wassergewebe ist außer in
den Blättern auch in den Wurzeln oder im Stamm ausgebildet – also
spricht man von Blatt-, Wurzel- oder Stammsukkulenz.
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Kaktus "Opuntia microdasys" |
Wasserspeicher in den Blättern
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Louisiana-Moos (Tillandsia usneoides) |
Zu den Blattsukkulenten in unserem Haus gehören unter anderem
diverse Aloe-Arten (Liliaceae) und diverse Lithops-Arten
aus Südafrika. Letztere stecken mit den Blättern in der Erde,
nur die "Fenster" der Blätter sind an der Oberfläche und wenden sich
dem Licht zu. Besonders interessant ist auch das Louisiana-Moos
(Tillandsia usneoides), das von einem Epiphytenbaum
herabhängt. Seine Wurzeln sind völlig reduziert; sie versorgen
sich ausschließlich von den Niederschlägen über die Blattoberfläche mit
Wasser und Mineralien.
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Wasserspeicher in den Wurzeln
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Elefantenfuß (Dioscorea elephantopus) |
Unsere Vertreter der Wurzelsukkulenten (Alluaudia
dumosa, Pelargonium rapaceum, Pelargonium
ensatum) lassen sich im Schauhaus leider nicht kultivieren.
Deshalb mussten sie wieder eingetopft und in ein für die Öffentlichkeit
nicht zugängliches Anzuchthaus gestellt werden.
Wasserspeicher im Stamm
Diverse Kakteen aus Mexiko und anderen Staaten Südamerikas haben
ihren Wasservorrat im Stamm angesiedelt. Besonders interessant unter
den stammsukkulenten Pflanzen des Botanischen Gartens in Marburg ist
das Yamswurzelgewächs "Dioscorea elephantopus": Die
Pflanze enthält ein Steroid, das bei der Herstellung der
Anti-Baby-Pille eine Rolle spielt.
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Verschiedene Formen in verschiedenen Teilen der Erde
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Blattsukkulenter Sisalhanf (Agave sisalana) |
Keimlinge von Kakteen unterscheiden sich prinzipiell kaum von
denjenigen gewöhnlicher Samenpflanzen. Ihre spätere morphologische
Umgestaltung zur typischen Kaktusform beruht im Wesentlichen auf drei
Abweichungen: der Ausbildung eines Wasserspeichers, der Umwandlung der
Blätter in Blattdorne sowie der Reduktion der Seitenzweige zu
Haarpolstern, den so genannten Areolen. Im Extremfall wird die
Sprossachse bis zur Kugelform gestaucht, womit die kleinstmögliche
Verdunstungsfläche erreicht ist. Diese kugel- oder säulenförmigen
Kakteen sind charakteristisch für die Trockengebiete Nord- und
Südamerikas. In anderen Teilen der Welt treten an ihre Stelle
die säulen- oder kandelaberartigen Euphorbien, zum Beispiel Euphorbia
hermentia (Südafrika) und Asclepiadaceen, die gewissen Cactaceen zum
Verwechseln ähnlich sehen können. Diese stammsukkulente Kaktusform, die
sich in ganz verschiedenen Verwandtschaftskreisen als Anpassung an
Trockenklimate mit regelmäßigen, kürzeren oder längeren Regenperioden
entwickelt hat, stellt eines der eindrucksvollsten botanischen
Beispiele für Konvergenz dar, worunter die gleichartige Ausgestaltung
systematisch, also verwandtschaftlich weit auseinander stehender Arten
verstanden wird.
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Zuletzt aktualisiert:
03.07.2008
·
Kurt Schmidt
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