14.01.2026 Nachruf Jost Stellmacher
Dipl. Psych. Dr. Jost Stellmacher, Oberstudienrat im Hochschuldienst am Fachbereich Psychologie der Philipps-Universität, geboren am 23.03.1967, gestorben am 30.12.2025
Jost Stellmacher schloss sein Studium der Psychologie in Marburg 1997 als Diplompsychologe ab. 2003 promovierte er zum Dr. rer nat. mit einer Dissertation zum Thema "Autoritarismus als Gruppenphänomen". Seine Forschung befasste sich mit Fragen aus der Sozial- und Politischen Psychologie, der Organisationspsychologie und der Pädagogischen Psychologie.
Durchgängig haben Jost Themen aus dem Bereich der Friedens- und Konfliktforschung besonders interessiert. Er hat wichtige international sichtbare wissenschaftliche Beiträge zur Psychologie der Menschenrechte geschrieben. Dabei ging es ihm zum einen um Wissen, Einstellungen und Handlungsbereitschaft zu Menschenrechten, zum anderen um die Darstellung von Menschenrechten in Medien und um die Gefahr ihres politischen Missbrauchs. Darüber hinaus hat sich Jost mit interpersonaler Gewalt befasst, aber auch mit Gewalt zwischen Gruppen. Vor allem aber wollte er einen Beitrag dazu leisten, wie man Gewalt präventiv vorbeugen und Gewalttäter resozialisieren kann. Ein wichtiger theoretischer Rahmen für seine Arbeiten war die Autoritarismusforschung. Viele von Josts empirischen Arbeiten hatten einen engen Praxisbezug, wie die umfangreiche interdisziplinäre Untersuchung zu Rückfall im Hessischen Jugendstrafvollzug, für deren psychologischen Teil Jost die Verantwortung trug. Josts Anliegen, mit seiner wissenschaftlichen Tätigkeit in die Gesellschaft hineinzuwirken, wird auch in seinem aktiven Engagement für das Forum Friedenspsychologie e.V. deutlich. Er war von 2007 bis 2016 Mitglied des Vorstands und hat an der Organisation mehrerer Tagungen in Marburg maßgeblich mitgewirkt.
Neben seiner Forschung war Jost in besonderer Weise der Ausbildung von Studierenden der Psychologie und der Lehrkräftebildung verbunden. Über viele Jahre setzte er sich mit großer Beharrlichkeit dafür ein, dass psychologische Studieninhalte in der Marburger Lehrkräftebildung sukzessive ausgebaut, qualitativ hochwertig ausgestaltet und letztendlich in der Studien- und Prüfungsordnung angemessen verankert wurden. Unter anderem trug er maßgeblich dazu bei, dass psychologische Studienanteile als verpflichtendes Modul in das Curriculum aufgenommen wurden, worüber er über viele Jahre hinweg das psychologische Profil der Marburger Lehrkräftebildung prägte. Dieses Engagement brachte er insbesondere durch seine langjährige Mitarbeit im Direktorium des Zentrums für Lehrkräftebildung ein (https://www.uni-marburg.de/de/zfl/aktuelles/nachrichten/wir-trauern-um-dr-jost-stellmacher).
In den letzten Jahren setzte er sich im Zuge der Umsetzung des neuen Lehrkräftebildungsgesetzes des Landes Hessen zudem erfolgreich dafür ein, dass Querschnittsthemen wie Demokratieförderung und Inklusion stärker in den Curricula verankert wurden und die neu gestaltete StPO im Bereich Bildungswissenschaften deutlich gestärkte pädagogisch-psychologische Anteile enthält. Ein besonderer Meilenstein seines Wirkens war seine langjährige Mitarbeit im Projekt Pro Praxis, in dessen Rahmen er die Evaluation der entwickelten Praxismodule – die Studierenden frühere und längere schulische Praxisphasen ermöglichen – federführend verantwortete. Darüber hinaus initiierte und etablierte er die professionsbezogene Beratung für Lehramtsstudierende, die inzwischen dauerhaft in Marburg verankert ist und ein herausragendes Qualitäts- und Alleinstellungsmerkmal der Marburger Lehrkräftebildung darstellt.
Bei den Studierenden genoss Jost ein außerordentlich hohes Ansehen. Er war als Lehrender und Prüfer gleichermaßen geschätzt und sehr beliebt. Die große Wertschätzung zeigte sich nicht zuletzt darin, dass Anfragen nach seinem Befinden und seiner Genesung auch während der letzten zwei Jahre seiner krankheitsbedingten Abwesenheit nicht abnahmen. Jost Stellmacher war für die Mitglieder des Fachbereichs ein beliebter Kollege, Mitarbeiter und Freund. Seine Hilfsbereitschaft, Verlässlichkeit und menschliche Zugewandtheit prägten die Zusammenarbeit in besonderer Weise.
Jost Stellmacher hat sich nicht nur mit großem Engagement wissenschaftlichen Fragestellungen zugewandt und versucht, mit Hilfe evidenzbasierter Befunde ein wenig zur Verbesserung der Welt beizutragen. In seinen verschiedenen Arbeitskontexten war er vor allem aber auch immer der gute Geist, der als verständnisvoller, immer zugewandter Ansprechpartner zur Verfügung stand. Wir vermissen ihn.
Für den Fachbereich Psychologie: Prof. Dr. Malte Schwinger, Prof. Dr. Gert Sommer, Prof. Dr. Ulrich Wagner
Für das Dekanat: Prof. Dr. Hanna Christiansen, Prof. Dr. Christopher Cohrs, Prof. Dr. Dominik Endres