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Bildsammlung

Reinhart Kosellecks Bildsammlung – sein, wie er selbst einmal feststellte, „riesiges Bildarchiv“, das im Keller seines Bielefelder Privathauses fast unbekannt bleiben sollte –, entstand im Kontext jahrzehntelanger Auseinandersetzungen mit Formen des politischen Totenkults, der politischen Ikonografie und Ikonologie und der Geschichte der Reiterdenkmäler und seiner Reiter, von der Antike bis in die Gegenwart. Eigenhändige Fotografien, teils in die 1960er Jahre zurückdatierend, bilden die Basis dieser rund 30.000 Objekte umfassenden Sammlung. Koselleck fotografierte meist in umfangreichen Bildserien und dokumentierte damit seine betont subjektiven, sich wandelnden Perspektiven auf Artefakte der Kunst und Architektur wie überhaupt auf bildhafte Objekte aller Art, weltweit, wenngleich mit Schwerpunkt auf Deutschland und Frankreich. Dazu nahm er auch dieselben Objekte und Orte immer wieder neu auf, ordnete neues Fotomaterial bereits bestehenden Materialien hinzu und ergänzte zunehmend auch verschiedenste Bild- und Schriftmedien fremder Herkunft, u.a. Fotografien aus der Hand von Familienmitgliedern, Kollegen, Freunden oder Bekannten, Bildmedien aus Hoch- und Alltagskultur, wie Bildpostkarten, Broschüren, Werbeflyer, Briefmarken und besonders Zeitungsausschnitte, aber auch Dokumente der Reisen, wie Rechnungen, Reisepläne oder Tagungsprogramme bis hin zu vollständigen Korrespondenzen in Form von Briefen und Postkarten. Außerdem fügte er der Bildsammlung mehrere Tausend kleine bis mittelgroße Notizzettel mit zeichnerischen Skizzen und Stichworten bei, die zunächst auf der Reise entstanden waren und bei Einsortierung in die Bildsammlung überarbeitet und handschriftlich ergänzt wurden. Im Ergebnis entstanden heterogene Bild-Text-Konvolute (15.464 Konvolute und Einzelobjekte im Bildindex der Kunst und Architektur), für die Koselleck u.a. aus Fototaschen, Briefumschlägen und Notizzetteln Taschen zur Aufbewahrung und Einsortierung in seine Bildsammlung anfertigte, um darauf schlagwortartige Angaben zur Entstehung der Fotos sowie zu den abgebildeten Objekten zu notieren.

Wie Reiseberichte eines Feldforschers legte Koselleck die Materialien zunächst topografisch und chronologisch ab, bis spätestens in den 1990er Jahren eine grobe inhaltliche Systematisierung sowie Ablage in klassischen Zettelkästen und Schubern aus Pappe erfolgte (Hinweise zur Recherche in der „Bildsammlung Reinhart Koselleck“). Nach der Ebene der Zettelkästen beziehungsweise der kleineren Pappschuber bilden die genannten Taschen neben einzeln eingeordneten Objekten die zweithöchste Systemstelle innerhalb der Struktur der Bildsammlung. Im Bildindex der Kunst und Architektur ist diese Ebene als „Konvolut“ bezeichnet.

Bei Übernahme im Jahr 2008 hatte Kosellecks Bildsammlung einen Umfang von 45 Zettelkästen und 63 Pappschubern. Korrespondierend mit handschriftlichem Bestand und Bibliothek, lagen zwei große sachliche Schwerpunkte vor: erstens „Kriegerdenkmäler“ mit 25 Kästen, ergänzt um 4 Kästen zum „Dynastischen Totenkult“ als Vorläufer des neuzeitlichen Totenkults und seiner Form der Kriegerdenkmäler, und zweitens 16 Kästen zum Schwerpunkt „Reiter“, der jedoch das Motiv des Pferdes gleichermaßen einschloss. Daneben gab es mit 13 kleineren Schubern Material zum Thema „Holocaustgedenkstätten“ sowie einige weitere Kästen zu Einzelsachthemen, u.a. „Zeit“, „Politische Ikonografie“, „Christliche Ikonografie“, „Antike, Mythologie“, „Georg“-Darstellungen, und schließlich legte Koselleck mehrere Dutzend topographisch geordnete Pappschuber für einzelne Städte an. Innerhalb dieser Ordnung, entlang der Koselleck seine Forschungsfragen und Publikationsvorhaben entwickelte Reinhart Kosellecks Bildpraxis und sein Bildprogramm, blieben Ort und Datum der Aufnahmen die leitenden Parameter zur Sortierung innerhalb der Zettelkästen und Pappschuber.

Im Zuge der Erschließungsarbeiten erfolgte in einem ersten Schritt die vollständige Digitalisierung der Bildsammlung, d.h. sämtliche Bild- und Textobjekte der Sammlung wurden vorder- und rückseitig digitalisiert. Die numerischen Dateinamen der Digitalisate geben die Position der einzelnen Objekte innerhalb eines Zettelkastens / Schubers bei Übernahme wieder; die Originalmaße sind nicht über die Metadaten erfasst und können bei Bedarf nur anhand der Originale ermittelt werden. In einem zweiten Schritt erfolgte parallel zur Umsortierung in archivfestes Material die datenbankgestützte Formal- und Provenienzerschließung sowie die Teilpublikation im Bildindex der Kunst und Architektur. Die überlieferte Systematik der Bildsammlung wurde physisch weitgehend beibehalten, bildete die Grundlage für die Erschließung und ist auch in der Online-Verzeichnung noch sichtbar. Das Feld Systematik des Bestandsbildners benennt die ursprüngliche Systematik in Form einer Schlagwortkette, während die Inventarnummern diese in strukturierter Weise abbilden ((Hinweise zur Recherche in der „Bildsammlung Reinhart Koselleck“).

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