Hauptinhalt

Das Zentrum für Gender Studies und feministische Zukunftsforschung feiert sein 20-jähriges Jubiläum!

20 Jahre feministische Geschlechterforschung in Marburg

20-jähriges Jubiläum Zentrum für Gender Studies und feministische Zukunftsforschung

Das Zentrum für Gender Studies und feministische Zukunftsforschung der Philipps-Universität Marburg feiert im Sommersemester 2021 sein 20jähriges Bestehen mit einer Vorlesungsreihe zum Thema: „20 Jahre feministische Geschlechterforschung in Marburg“. Unter dem Titel: „Feminismen im Dialog“ werden im Format eines Generationendialogs Kernthemen deutschsprachiger Geschlechterforschung hervorgehoben, die selbst immer im Dialog zwischen Forschung, Lehre und sozialen Bewegungen stehen. Die Ringvorlesung ist gleichzeitig als Studium Generale an die Universitäts- und Stadtöffentlichkeit gerichtet. Das Zentrum für Gender Studies und feministische Zukunftsforschung will sein Jubiläum in einem Dreischritt aus Vergewisserungen, Brüchen und Neu-Justierungen begehen und dabei auch selbstkritisch fragen, woher wir kommen, wo wir stehen und was wir für die Gestaltung der Zukunft tun können.  

Gender Studies und Geschlechterforschung sind ein trans- und interdisziplinäres Feld; sie sind geprägt von gesellschaftlichen Veränderungen und wirken selbst verändernd auf Gesellschaft. Ursprünglich aus frauenbewegten Initiativen entstanden, fand eine Institutionalisierung ab den 1980er Jahren statt. Die Geschlechterforschung ist auch aufgrund ihrer Geschichte eine Forschungsperspektive, die gesellschaftliche Transformationen, Macht- und Herrschaftsverhältnisse, ihre Verknüpfung mit Geschlecht und weiteren Verhältnissen sozialer Ungleichheit in all ihren Dimensionen in den Blick nimmt. Dabei sind Forschungsperspektiven innerhalb der Geschlechterforschung nicht unumstritten und Positionen variieren zwischen Perspektiven auf Strukturen, Verhältnisse oder Individuen. Verschränkungen mit anderen Verhältnissen der Ungleichheit werden vermehrt zum Ausgangspunkt von Analysen gemacht, und Geschlecht wird hinsichtlich der Performanz, Verankerung und Darstellung untersucht. Dabei adressieren Geschlechterforscher*innen unterschiedliche Ebenen: Angefangen bei der politisch-strukturellen Ebene bis zur Ebene von Repräsentation, sowie von Natur, Kultur und Religion. Die Vorlesungsreihe greift gesellschaftlich und öffentlich relevante Kernthemen der Geschlechterforschung auf und beleuchtet sie im Generationendialog in Bezug auf Beharrungsvermögen und Veränderungen.

Studium Generale "Feminismen im Dialog": Hier gelangen Sie zur Programmübersicht.

  • Inhalt ausklappen Inhalt einklappen Feminismen im Dialog – Themenbündelungen geschlechtertheoretischer FragestellungenFeminismen im Dialog – Themenbündelungen geschlechtertheoretischer Fragestellungen

    In einen Dialog zu gehen bedeutet immer, die eigene Perspektive darzustellen und dialogisch zu verhandeln. Der Dialog kann und soll hier als intergenerationale, intersektionale und auch interdisziplinäre Aushandlung verstanden werden. In diesem Dialog gibt es Feminismen nur im Plural und Wissen, sowie dessen Vermittlung in Variationen. Obwohl der Feminismus (im Singular) häufig als monolithisch, westlich und frauenzentriert beschrieben wurde, haben sich Perspektiven auf und Fragestellungen deutlich geändert. Schon in der Geschichte des Zentrums, sowie in frauenpolitischen Auseinandersetzungen waren unterschiedliche Akzentuierungen, Fächer und Schwerpunkte zentral. Feministisch interessierte Wissenschaftler*innen haben das Zentrum gegründet, Themen eingebracht und sind dem Zentrum noch immer verbunden. Nach 20 Jahren ist es Zeit, innezuhalten, Perspektiven zu schärfen, in den Dialog zu gehen und Feminismen im Plural zu denken.

    Die Veranstaltungsreihe beginnt mit einer Einführung, verbunden mit der Frage: Wie haben sich Geschlechterforschung und feministische Forderungen verändert?  Eingeladen sind hierzu Gründungsmitglieder des Zentrums wie Prof. Dr. Ingrid Kurz-Scherf, Wegbegleiterinnen wie Dr. Barbara Grubner, aber auch neue Mitarbeiterinnen des Zentrums. Im Reflektieren der Geschichte sollen gesellschaftliche und wissenschaftliche Transformationen verdeutlicht werden, aber auch Fragen, die uns nach wie vor beschäftigen.

    Wir fahren fort mit einer Sitzung am 21.04. zu Schwarzer queer-feministischer Selbstorganisation von Generation Adefra. Prof.in Dr. Maisha Auma, Katja Kinder (Gründungsmitfrau Adefra) und Peggy Piesche (Mitbegründerin Mitbegründerin von BEST, Black European Studies) sprechen über Schwarzen Feminismus in Deutschland. Deutlich gemacht werden Schwarz-feministische Praktiken und Politiken, die eine aktive Auseinandersetzung, Gegenwehr und Verschiebung von diskriminierenden Diskursen aufweisen.

    Eine weitere Thematik, die Geschlechtertheorie noch lange beschäftigen wird, ist die nach (Lohn-)Arbeit und Geschlechterverhältnissen. Am 28.04. widmen sich Prof.in Dr. Annette Henninger und Dr. Julia Gruhlich diesem Schwerpunkt. Wir wollen einen Blick zurück und in die Zukunft werfen und fragen: Wie sich Arbeitsverhältnisse in den letzten Jahren verändert haben und ob bzw. wie sich unbezahlte Arbeit, die sog. Care-Arbeit (engl. Fürsorge Arbeit) umverteilt hat. Wie sind unterschiedliche Frauen* in diesen Verhältnissen verankert und welche Perspektiven ergeben sich zukünftig?

    Queere Identitäten – obwohl häufig nicht sichtbar – sind seit Beginn der Gender Studies fester Bestandteil der Auseinandersetzungen im Feld und dennoch haben auch sie sich verändert. Diese Veränderungen und ihr Zusammenspiel mit weiteren gesellschaftlichen Verhältnissen werden am 05.05. von Heike Schader und Dr. Adrian de Silva diskutiert.

    Das Thema Solidarität und wie Solidarität in ‚Sozialen Bewegungen‘ möglich ist, wird am 12.05. von Ray Goodspeed, BA Tarek Shukralla, Dr.in Denise Bergold-Caldwell und Dipl. Pol. Inga Nüthen avisiert. Die Teilnehmer*innen der Gesprächsrunde diskutieren anhand aktueller und vergangener Bewegungen Beispiele von ‚Sozialen Bewegungen‘ die schon immer ‚intersektionale Solidarität‘ forderten. Anhand der Beispiele von Gay-Lesbians support the miners, Migrantifa und anderen Bewegungen werden Fragen nach Differenz und Solidarität verhandelt.  

    Die Frage nach Räumen (sowohl baulich als auch sozial) aus feministischer Perspektive hat auch das Zentrum für Gender Studies von Beginn an begleitet. Prof. Dr. Christl Maier (derzeit geschäftsführende Direktorin) und Dr. Claudia Wucherpfennig diskutieren am 19.05. aus historischer und zeitgenössischer Sicht, wie der Stadtraum geschlechtertheoretisch gedacht werden kann. Dabei spielen Fragen der Konstituierung als männlich oder weiblich gedachte Sphäre, von gesellschaftlicher und religiöser Zuschreibung, von Zugänglichkeit und Bewegungsfreiheit für Gruppen und Individuen eine Rolle.

    Debatten um Sprache und Sprachpolitiken werden seit vielen Jahr in wissenschaftlichen aber auch öffentlichen Bereichen geführt. Dabei sind die Positionen und Zugänge zu diesem Thema vielfältig: von Beschwerden der Unverständlichkeit zu Diskussionen über verschiedene Formen unterschiedlicher sprachlicher Ausdrücke. In dieser Gesprächsrunde soll es um unterschiedliche Formen diskriminierungsfreier Sprache gehen. Haben sich Sprachpolitiken in den letzten Jahren verändert und wenn ja wie und warum? Wie wirkmächtig ist Sprache überhaupt und was hat das mit Perspektiven auf Gesellschaft zu tun? Es diskutieren Dr.in Emilia Roig, Sookee und Prof.in Dr. Constanze Spieß.

    Neben der Sprache hat auch die Bedeutung des Körpers und dessen Materialität eine Veränderung in den Gender Studies erfahren; Körper und Materialität beleuchten Geschlecht-Werdung und geschlechtliches Sein auf sehr unterschiedliche Weise. Am 02.06. diskutieren Prof._in Dr. Bettina Wuttig, Dr.*in Lea Spahn und Dr._in Joris Atte Gregor die Bedeutung von Materialität, Leiblichkeit und Körper in den Gender Studies. Aus unterschiedlichen Perspektiven auf den Körper und (Ver-)körperungen haben sie die Somastudies gegründet, sie sich mit praxis-theoretischen Neuausrichtungen befassen.

    Wie feministische Akteur*innen sich transnational verbünden können, war von jeher eine spannungsreiche Frage und obwohl feministische Geschichtsschreibung häufig die westliche Entstehung hervorhebt, waren Feminismen aus dem afrikanischen Kontinent, dem asiatischen Raum und aus den Amerikas von großer Bedeutung. Die Sitzung am 09.06. widmet sich den Möglichkeiten und Begrenzungen transnationaler Feminismen. Prof.in Dr. Alica Decker, Dr.in Christine Vogt-William und Dr.in Celiné Barry diskutieren, wie Konzepte eines transnationalen Feminismus aussehen können, welche Barrieren es gibt, aber auch, was sich bewegt hat. 

    Macht ist eines der zentralen Themen in den Gender Studies, sie wird dennoch theoretisch und auch praktisch unterschiedlich gedeutet. Ein Alltagsverständnis deutet Macht als etwas was unterdrückend wirkt, zugleich werden Machtprozesse aber auch in ‚Ermächtigungen‘ deutlich. Was ist also Macht? Wie wurde sie in unterschiedlichen Generationen in feministischen und queeren Theorien verstanden? Wie zeigen sich Machtverhältnisse, wenn sie geschlechtertheoretisch analysiert werden? Diese Fragen werden am 16.06. von Dr.in Gundula Ludwig und Prof.in Dr. Ingrid Kurz-Scherf diskutiert.

    Die Frage nach Utopien und Zukunftsperspektiven trägt das Zentrum für Gender Studies und feministische Zukunftsforschung von Beginn an im Titel. Nicht nur zukünftige Formen von Erwerbs- und Care-Arbeit spielten hier eine Rolle, sondern auch generelle Überlegungen zu Geschlechterforschung, kritischer Theorie und gesellschaftlicher Zukunft. Die Sitzung am 23.06. mit Dr.in Christine Klapeer und Prof.in Dr. Holland-Cunz greift Utopien in kritischen Theorien und Geschlechterforschung auf und verdeutlicht deren Perspektiven.

    Während Medientheorien und Auseinandersetzung um Medien bereits früh ihren Eingang in Frauen- und Geschlechterstudien gefunden haben, sind Untersuchungen zu Technologien noch ein relativ neues Feld. Am 30.06. widmen sich Prof. Dr. Angela Krewani und Alisa Kronberger dem Wandel von Medientheorie und Geschlecht und verdeutlichen, wie Repräsentationen sich in den Medien verändert haben und wie Medien insgesamt auf Repräsentationen wirken.

    Die Abschlusssitzung am 07.07.  widmet sich technologietheoretischen Fragestellungen in den Gender Studies. Dr.in habil.  Sigrid Schmitz, Dr._in Hannah Fitsch und Dr.in Inka Greusing diskutieren über den Wandel von Technologien, ihren Einfluss auf Geschlechterverhältnisse und deren zukünftige Entwicklung.  Dabei widmen sie sich einem Forschungsfeld der feministischen Wissenschafts- und Technikforschung (STS), die im deutschsprachigen Raum wesentlich aus den seit 1977 jährlich stattfindenden Kongressen der Frauen in Naturwissenschaft und Technik (Finut) hervorgegangen ist.

    Mit diesen Themenschwerpunkten sind die vielfältigen Bezüge in den Geschlechterstudien zwar noch nicht gänzlich abgebildet, aber es fand eine Annäherung statt. Wir verfolgen mit der Vorlesungsreihe einerseits das Ziel, inter- und transdisziplinäre Frage- und Themenstellungen aufzugreifen und aus der Perspektive der Geschlechterforschung dialogisch zu verhandeln.  Andererseits geht es uns darum die vielfältigen Zugriffe der Geschlechterforschung und ihre Verbindung mit feministischen Anliegen transparent zu machen. Wir hoffen Ihnen mit dieser Vorlesungsreihe ein abwechslungsreiches und ansprechendes Programm zu bieten.

Ausschnitt eines Artikels aus der Oberhessischen Presse vom 24. März 2021. Zu sehen ist unter anderem der Titel

Artikel in der Oberhessischen Presse vom 24. März 2021 zum Studium Generale (Scan).





Wenn Sie links in die Reiter schauen, finden Sie eine bunte Seite mit Glückwünschen und Grußworten, eine kurze Geschichte des Zentrums und ein kleiner Rückblick auf das 10. Jubiläum im Jahr 2011.