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1963–1983: Die Großrechner-Ära

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    Universitäten werden bei bei der Entwicklung von Rechnern, später bei deren Beschaffung durch die DFG gefördert, genauer: durch ihre Kommission für Rechenanlagen (KfR), gegründet 1952. Die Universitäten gründen erste Rechenzentren (z.B. 1957 die Technische Hochschule München, heute Technische Universität München).

    IBM entwickelt 1953–1957 die Programmiersprache Fortran. Unter der Führung wissenschaftlicher Gesellschaften (ACM, GAMM) entsteht 1958–1963 die Programmiersprache Algol (Algorithmic Language).

    Der Senat der Universität Marburg setzt am 30.6.1958 einen Senatsausschuss für Planung und Beschaffung eines Rechners an der Universität ein.

    Am 3.10.1961 wird das Deutsche Rechenzentrum in Darmstadt gegründet. Es soll Großrechner betreiben, die von allen Wissenschaftlern in der Bundesrepublik genutzt werden können. Die offizielle Einweihung (nach Fertigstellung des Gebäudes) folgt am 12.6.1963.

    Betriebsgrundlage des HRZ ist der Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 18.10.1962 für die Errichtung und den Betrieb von Hochschulrechenzentren (in Hessen wahrscheinlich nicht in Kraft gesetzt; siehe 1975).

1963

Röhrenrechner Zuse Z22 der Zentralen Rechenanlage der Universität Marburg. Betriebszeitraum 1963–1969
Bild: HRZ

Als erster Zentralrechner der Universität Marburg wird am 12.6.1963 eine gebrauchte Zuse Z22/10 in Betrieb genommen (Übergabeprotokoll, Konfiguration) und zwar im Keller des damaligen Mathematischen Instituts (im Alten Amtsgericht, Universitätsstraße 24; Bild). Die Z22 ist ein Rechner der Röhrengeneration (Innenansicht). Sie ist eine Leihgabe der DFG (Leihschein) und war seit Herbst 1958 am Institut für Angewandte Physik der Universität Münster betrieben worden.

Das anfängliche Personal für den Betrieb des Rechners besteht aus einem Mathematiker, einem Techniker und einer Schreibkraft.

Die Z22 arbeitet im offenen Betrieb: Die Benutzer müssen nicht nur ihre Anwendungen programmieren, sondern den Rechner bei der Programmausführung auch selbst bedienen. Programmiersprachen sind Freiburger Code (so heißt die Assembler-Sprache) und Algol. Programme und Daten müssen für den Einzelprogrammbetrieb auf (Fünfkanal-)Lochstreifen vorliegen und über einen Lochstreifenleser eingegeben werden; die Ausgaben erfolgen auf einem Fernschreiber inkl. Lochstreifenstanzer, das heißt, sie können zugleich auf Lochstreifen gestanzt werden.

(Tätigkeitsbericht der ZRA)

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    Am 1.1.1963 wird das Institute of Electrical and Electronics Engineers (IEEE) gegründet (durch Fusion zweier älterer Organisationen), das sich u.a. um Standardisierungen im IT-Bereich kümmert.

    Die Zuse KG veranstaltet im März 1963 an der Universität Marburg einen ersten Programmierkurs.

    Ende Juni besucht John F. Kennedy Deutschland und tätigt den berühmten Ausspruch „Ich bin ein Berliner“ (26.6.1963).

    Konrad Zuse hatte die Zuse KG 1949 gegründet, 1957 war der Firmensitz von Neukirchen bei Hünfeld nach Hersfeld verlegt worden. Anfang 1967 wird die Firma von Siemens übernommen.

    Insgesamt sollen 55 Exemplare der Zuse Z22 ausgeliefert worden sein. Das Modell ist in mehreren Museen zu besichtigen, darunter im Deutschen Museum in München. An der FH Karlsruhe lief noch 2002 eine Z22 (Bericht).

1964

Die Bezeichnung „Zentrale Rechenanlage“ (ZRA) wird eingeführt. Die Leitung übernimmt ein Professor im Nebenamt (Leitung und Abteilungen).

Die Z22 läuft ca. acht Stunden am Tag (Betriebsstatistik), mit Nachtbetrieb in Ausnahmefällen (für erfahrene Benutzer mit hohem Rechenzeitbedarf). Es treten sehr viele Störungen auf, im August 1964 muss der Trommelspeicher (Bild) ersetzt werden. Es wird ein Kundendienst-Sonderabkommen mit der Zuse KG abgeschlossen. In der Lehre werden von der ZRA unter anderem Kurse zum Freiburger Code und zu Algol durchgeführt.

46 Benutzer aus 16 Instituten nutzen die Z22 in 1964 für ca. 65 Aufgabenstellungen. Die Nutzung erfolgt zu mehr als 90 % durch Programme im Freiburger Code, der Rest ist in Algol.

Zwei weitere Programmierfernschreiber werden beschafft. Programme werden auf diesen Fernschreibern (Bild) erstellt; dabei wird der Programmtext protokolliert (auf Rollenpapier) und gleichzeitig als Lochstreifen gestanzt. Das Arbeiten mit den Streifen ist umständlich: Für jede noch so kleine Änderung muss der Lochstreifen bis zur geplanten Änderungsstelle dupliziert werden; dort kann dann die Änderung erfolgen und anschließend der Streifen weiter dupliziert werden (geklebte Lochstreifen bereiten den Lochstreifenlesern Probleme).

(Jahresbericht der ZRA)

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    Universitäten in Hessen gehören (bis 1984) zum Zuständigkeitsbereich des Hessischen Kultusministeriums (HKM).

    Im Mineralogischen Institut der Uni Marburg wird eine Zuse Z25 installiert, ohne dass das Institut vorher die Z22 der Zentralen Rechenanlage stark genutzt hätte. Zu Zuse-Rechnern existieren im Web sehr viele Dokumente. Die Angaben zu deren technischen Eigenschaften sind allerdings so widersprüchlich, dass ein Leistungsvergleich von Z22 und Z25 kaum möglich ist.

    An der damaligen Technischen Hochschule Darmstadt war in den 1950er-Jahren ein eigener Rechner entwickelt worden, bezeichnet als DERA (Därmstädter Elektronischer Rechen-Automat). Ab 1964 gibt es dort eine IBM 7040 mit einem Vorrechner Modell IBM 1401.

    Die Uni Marburg stellt am 25.11.1964 bei der DFG einen Antrag auf Gewährung einer Telefunken TR4.

1965

Ab Mai 1965 wird an der Z22 eine schnellere Lochstreifen-Ein-/Ausgabe eingesetzt.

Es werden zwei Lochkartenlocher (Bild) und eine Sortiermaschine angeschafft. Die Programmerstellung auf Lochkarten (Bild) bringt eine deutliche Verbesserung, weil für Änderungen nur einige Karten neu gelocht und an den richtigen Stellen im Kartenstapel einsortiert werden müssen. Problematisch ist nun die Reihenfolge der Karten – wehe, ein Stapel (der eventuell aus mehreren tausend Karten besteht) fällt hin! Die Rettung ist eine Nummerierung der Karten in den Spalten 73–80 (für den Programmtext sind die Spalten 1–72 reserviert); damit kann der Stapel mittels Sortiermaschine wieder in die richtige Reihenfolge gebracht werden. Die Nummerierung erfolgt anfangs üblicherweise in Zehner- oder Hunderter-Schritten, damit später Karten einsortiert werden können.

Benutzer aus 20 Instituten nutzen die Z22 in 1965 für 96 Aufgabenstellungen. Dabei überwiegt nun die Nutzung in Algol (53 %) gegenüber derjenigen im Freiburger Code (47 %).

(Jahresbericht der ZRA)

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    Am 11.10.1965 findet in Bad Godesberg die erste DFG-Sitzung von Rechenzentrumsleitern statt (Protokoll).

    Naturwissenschaftliche Institute der Universität Marburg rechnen auf der IBM 7090 des Deutschen Rechenzentrums in Darmstadt. Dieses System war 1963 von der DFG beschafft worden, nachdem IBM zunächst einen Rechner einige Zeit lang unentgeltlich bereitgestellt hatte.

1966

Rechenanlage Telefunken TR4 (1966)
Bild: HRZ

Am 21.4.1966 wird der Zentralrechner Telefunken TR4 in angemieteten Räumen der ehemaligen Hessischen Schraubenfabrik, Neue Kasseler Straße 4 (Bild) in Betrieb genommen (Konfiguration). Er wird bis 1975 in Betrieb bleiben. Der TR4 gehört der Transistorgeneration an (Bild), die Register-Bits sind an der Vorderseite der Zentraleinheit (mit Rechenwerk und Befehlswerk) mittels Glimmlampen sichtbar (Bild), die Rückseite zeigt ihre aufwendige Verdrahtung (Bild). Der TR4 ist ebenfalls eine Leihgabe der DFG, die durch eine Sachbeihilfe bewilligt wurde (Bewilligungsschreiben).

Der TR4 arbeitet im geschlossenen Betrieb, das heißt, die Benutzer brauchen den Rechner nicht zu bedienen. Sie geben ihre Programme und Daten ab und erhalten Ergebnisse zurück. Bedient (Bild des Bedienpults) wird der Rechner von Operateuren (Mitarbeiter aus unterschiedlichen Berufen, angelernt von der ZRA; Operateur bei der Arbeit). Das Personal der ZRA umfasst insgesamt elf Mitarbeiter.

Der TR4 hat ein Betriebssystem (noch ohne eigenständigen Namen), das von Telefunken in Zusammenarbeit mit der Bayerischen Akademie der Wissenschaften entwickelt wurde. Einzige Betriebsart ist der Stapelbetrieb (Batch-Betrieb): Die Lochkartenstapel der Benutzer – bezeichnet als Abschnitte – werden nacheinander auf die Rutsche des Lochkartenlesers (Bild des Lochkartenleser/-stanzers) gelegt, von da gelesen und verarbeitet. Ergebnisse werden auf dem Schnelldrucker (nur Großbuchstaben; Bild) ausgegeben, pro Abschnitt wird eine Lochkarte mit Statistikdaten für die Nutzungsstatistik auf dem Lochkartenstanzer gestanzt. Ein Abschnitt besteht in der Regel aus hellen Lochkarten für Programme und Daten sowie aus farbigen Steuerkarten (Bild verschiedener Lochkarten); letztere bewirken unter anderem den Start ausführbarer Programme, wie zum Beispiel eines Compilers, Laders oder des Benutzerprogramms, das heißt, sie steuern die Verarbeitung der Abschnitte (Dokumentation zu Steuerkarten).

Das Betriebssystem ist ein Bandbetriebssystem: Das System selbst, Compiler, Lader etc. liegen auf Magnetband vor (Bild der Hardware) und werden von dort für die Verarbeitung eingelesen; auch Programme und Daten der Benutzer können auf Magnetband gespeichert werden, sei es temporär oder permanent. Programmiersprachen sind Algol, Fortran (ab August 1966) und TEXAS (Assembler); zu Algol und Fortran gibt es Unterprogrammbibliotheken (mit Unterprogrammen z.B. zu numerischen und statistischen Verfahren).

Der TR4 wird zunächst acht Stunden am Tag betrieben. Benutzer müssen für die Nutzung des TR4 in die ZRA kommen, dort stehen ihnen Benutzerräume und Lochkartenlocher zur Verfügung. Lehre wird von der ZRA zunächst nur zu Algol und TEXAS angeboten. Die anfängliche Nutzung des TR4 erfolgt überwiegend durch Algol-Programme (85 %); 1966 werden 103 Aufgabenstellungen aus 22 Instituten bearbeitet.

(Jahresbericht der ZRA)

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    Telefunken war 1903 als gemeinsames Unternehmen für Funk- und Nachrichtentechnik von den Firmen AEG und Siemens & Halske gegründet worden. Ab Mitte der 1950er-Jahre wurde dort an der Entwicklung von Computern gearbeitet, darunter am Großrechner TR4. Die erste Auslieferung eines TR4 erfolgte 1962 an die Universität Hamburg (Chronik). In 1963 ging an der Universität Stuttgart ein TR4 in Betrieb, in 1964 im LRZ München (Chronik). In 1967 erfolgt die Fusion mit der Muttergesellschaft AEG zur Allgemeinen Elektrizitäts-Gesellschaft AEG-TELEFUNKEN.

    Insgesamt sollen 36 TR4 ausgeliefert und betrieben worden sein, darunter auch an Universitäten in den Niederlanden. Ein Exemplar ist im Deutschen Museum in München zu besichtigen (Bild). Dort sind auch die im LRZ München verbliebenen TR4-Dokumentationen deponiert worden (Artikel; Liste der Dokumente).

    Der DFG-Bericht „Rechner an deutschen Hochschulen“ listet mit Stand 1.6.1966 insgesamt 102 Anlagen auf, verteilt über 41 Rechenzentren und 59 Institute. Spitzenreiter ist die Zuse KG mit 36 Anlagen Z22, Z23 bzw. Z25. Es folgen Eurocomp mit 14 Rechnern, IBM mit 13, Siemens mit 7, Electrologica mit 6 und CDC mit 5; die verbleibenden 21 Rechner – darunter 4 Telefunken TR4 (in Hamburg, Marburg, München, Stuttgart) und 3 Eigenentwicklungen – stammen von 9 Firmen.

    An der Uni Marburg gibt es in der Physik eine C90-40 des französischen Herstellers CII (Compagnie internationale pour l'informatique, später Honeywell-Bull; es handelt sich allerdings vermutlich um einen umetikettierten SDS 940 von Scientific Data Systems) und in der Physiologie eine PDP-8 der Digital Equipment Corporation. Die Erfassung aller Rechner außerhalb des Rechenzentrums wird von den Betreibern meist erfolgreich boykottiert.

    1966 ist das Jahr, in dem im Bund erstmals eine Große Koalition zustande kommt (Kurt-Georg Kiesinger und Willy Brandt, am 1.12.1966).

1967

Die Benutzungs- und Gebührenordnung vom 24.1.1967 regelt in Verbindung mit der Betriebsordnung TR4 bzw. der Betriebsordnung Z22 die Benutzerverwaltung: Die Nutzung eines Rechners zur Durchführung eines Projekts muss beantragt werden. Verantwortlich für das Projekt muss im Allgemeinen ein Hochschullehrer sein (auch als Betreuer bezeichnet). Benutzer kann z.B. ein Student, Doktorand, Mitarbeiter oder der Hochschullehrer selbst sein. Je nach Projektträger (Hochschule, DFG, fremde Hochschule etc.) können Entgelte in Rechnung gestellt werden.

Ab dem 20.11.1967 werden Mitteilungen an die Benutzer herausgegeben (erste Ausgabe). Der TR4 ist bis zu 14 Stunden am Tag in Betrieb (Betriebsstatistik). Ab 1967 bietet die ZRA auch Lehre zu Fortran an. Der TR4 wird überwiegend durch Algol- und Fortran-Programme genutzt (66 % bzw. 28 %); insgesamt werden 169 Benutzer-Projekte (Aufgabenstellungen) aus 36 Instituten bearbeitet.

(Auszug aus dem Jahresbericht der ZRA)

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    Die Benutzungs- und Gebührenordnung wird am 24.1.1967 vom hessischen Kultusminister genehmigt. Gemäß dieser Ordnung ist für die ZRA – eine interfakultative Einrichtung der Philipps-Universität Marburg – ein Senatsausschuss zuständig; er gibt ihr die Richtlinien für die Arbeit vor.

    Das erste Programm der Bundesregierung zur „Förderung von Forschung und Entwicklung auf dem Gebiet der Datenverarbeitung“ wird 1967 gestartet. Zwei nachfolgende Programme decken den Zeitraum bis 1979 ab. Den Schwerpunkt bildet die industrielle Förderung; für Hochschulen gibt es das Programm zur Errichtung Regionaler Rechenzentren (kurz Regionalprogramm) und das Überregionale Forschungsprogramm Informatik (ÜRF).

1968

Plotter Calcomp 563 (1968)
Bild: HRZ

Erstes graphisches Ausgabegerät der ZRA ist ein Calcomp-Plotter 563 am TR4 ab Oktober 1968. Der (Schritt-)Plotter erlaubt Strichzeichnungen mit einem Stift auf weißem Rollenpapier. Es können auch farbige Zeichnungen erstellt werden, indem der Anwender mit der Grafik-Software zunächst alle Linien zur Farbe 1, dann alle zur Farbe 2 usw. erzeugt und dazwischen den Operateur über die Konsole zum Stiftwechsel auffordert.

Die wissenschaftlichen Mitarbeiter (Mathematiker, Physiker) der ZRA beraten und unterstützen die Benutzer bei der Entwicklung ihrer Programme, entwickeln aber auch selbst Unterprogramme zur Erweiterung der Programmbibliotheken (insbesondere numerische Routinen in TEXAS, zwecks Laufzeitoptimierung). Weil die Herstellerdokumentationen nicht gerade leicht verständlich sind, werden eigene Unterlagen erstellt, so z.B. zu den besonders komplizierten Modifizierbefehlen (grafische Dokumentation).

(Auszug aus dem Jahresbericht der ZRA)

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    Im Juli 1968 wird die Intel Corporation gegründet.

    Viel Klamauk von links und Gegenklamauk von rechts prägen 1968 das Bild von der „roten Uni“ Marburg, das 25 Jahre später von der Oberhessischen Presse im OP REPORT 11 aufgearbeitet wird.

    Ende 1968 liefert AEG-Telefunken den ersten TR440 an das Deutsche Rechenzentrum in Darmstadt; Software-Probleme verzögern die Abnahme bis Ende 1969. Es folgen Anlagen für die Universität Bochum (Artikel von 2006) und das Landesrechenzentrum München (Chronik). Unter dem Titel „40 Jahre TR440“ wird 2008 an diese Zeiten und zugleich an den TR4 erinnert.

1969

Festplattenspeicher für die Telefunken TR4 (ab 1969)
Bild: HRZ

Erster Plattenspeicher der ZRA ab Oktober 1969 ist ein Festplattenspeicher am TR4. Die Bestellung war im Mai 1968 erfolgt; auf die Lieferung des „handgefertigten“ Geräts musste lange gewartet werden, bei der Inbetriebnahme traten dann erhebliche Probleme auf. Die Anfangsausstattung umfasst ein Modul mit 1053 K Wörtern (ca. 6 MB); im Februar 1973 kommen zwei weitere Module hinzu. Die Verarbeitung von Dateien mit Direktzugriff wird möglich.

Die Betriebszeit des TR4 beträgt 1969 durchschnittlich 92 Stunden pro Woche (Statistik). Der TR4 wird von 60 Instituten (zum Teil aus anderen Universitäten) für insgesamt 270 Projekte genutzt. Dabei ist die Nutzung durch Fortran (mit 53,3 %) erstmals größer als durch Algol (35,6 %); die restliche Nutzung entfällt auf TEXAS (11,1 %).

Ende 1969 wird die Z22 stillgelegt. Von ihrer Betriebszeit im Umfang von 8879 Stunden konnten lediglich 5962 Stunden (d.h. 67,2%) für Programmläufe genutzt werden (Statistik). Das Gerät wird an die Martin-Luther-Schule, ein Gymnasium in Marburg, abgegeben.

(Auszug aus dem Jahresbericht der ZRA)

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    Ein Request for Comments (RFC) beschreibt technische oder organisatorische Aspekte zum Internet (damals noch ARPANET). Das erste Dokument RFC 1 stammt vom 7.4.1969.

    Am 1.9.1969 wird das Hochschulbauförderungsgesetz (HBFG) verabschiedet: Bund und Land tragen beim Ausbau und Neubau von Hochschulen jeweils die Hälfte (dies gilt bis Ende 2006). Nach Gesetzesänderungen vom 3.9.1970 und 23.12.1971 gilt dies auch bei der Beschaffung von Großgeräten für Ausbildung und Forschung, wenn deren Kosten 150.000 DM übersteigen (§ 3 Nr. 4 HBFG). Erste Rechnerbeschaffungen nach dem HBFG kommen 1972 zustande.

    Am 16.9.1969 wird die Gesellschaft für Informatik (GI) gegründet. Die Universität Karlsruhe bietet als erste deutsche Hochschule ab dem Wintersemester 1969/70 die Ausbildung zum Diplom-Informatiker an. Insgesamt 14 Hochschulen werden ab 1970 beim Aufbau der Informatik im ÜRF der DV-Programme der Bundesregierung gefördert (siehe 1967).

    Das ARPANET, der Vorläufer des Internet in den USA nimmt seinen Anfang: Die erste Verbindung (über eine Telefonleitung mit Modems) kommt am 29.10.1969 zwischen der University of California, Los Angeles, und dem Stanford Research Institute, Menlo Park, zustande. Im Dezember ist es durch Einbindung der University of Utah, Salt Lake City, und der University of California, Santa Barbara, zu einem Vier-Knoten-Netzwerk angewachsen. Die ARPA (Advanced Research Projects Agency) organisiert Forschung im Auftrag des Verteidigungsministeriums.

1970

Ab dem 5.1.1970 wird der TR4 unter dem Plattenbetriebssystem betrieben. Dieses simuliert auf dem Plattenspeicher vier Magnetbänder (Systemband, Depotband und zwei Hilfsbänder); damit entfallen die enormen Such- und Lesezeiten auf den Magnetbändern, die beim Betrieb mit dem Magnetbandbetriebssystem auftreten (das als Alternative weiterhin zum Einsatz kommt).

Die Nutzung des TR4 ist rückläufig. Die Betriebszeit beläuft sich auf durchschnittlich 80 Stunden pro Woche (Statistik).

Eine zeitraubende Aufgabe der ZRA-Mitarbeiter besteht in der Fehlerlokalisierung. Auch Hersteller-Software (insb. Compiler, Unterprogramme) ist grundsäzlich nicht fehlerfrei; in 1970 werden insgesamt 45 Fehler lokalisiert und an den Hersteller gemeldet. Zur Unterstützung der Benutzer erstellt die ZRA Druckschriften wie z.B. Fortran-Betrieb auf dem TR4 und Algol-Betrieb auf dem TR4.

Für das Mehrzweckgebäude (Hans-Meerwein-Straße) auf den Lahnbergen wird ein Raumbedarfsplan erstellt.

Im Hochschulmagazin „alma mater philippina" erscheint im Wintersemester 1970/71 ein Rückblick auf die Zentrale Rechenanlage der Philipps-Universität und den TR4.

(Auszug aus dem Jahresbericht der ZRA)

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    Das Hessische Hochschulgesetz HHG und Universitätsgesetz HUG vom 12.5.1970 führen die Fachbereichsstruktur an den hessischen Hochschulen ein.

    Am 7.10.1970 gibt sich Hessen ein Datenschutzgesetz. Es gilt für die öffentliche Verwaltung des Landes und ist das erste derartige Gesetz weltweit. Das Bundesdatenschutzgesetz wird am 27.1.1977 folgen, es regelt den generellen Umgang mit personenbezogenen Daten.

    DER SPIEGEL 46/1970 berichtet über den Vorschlag von Horst Niemeyer – „Chef der Zentralen Rechenanlage an der Marburger Universität“ – zur Berechnung von Sitzverteilungen bei Parlamentswahlen („Hare-Niemeyer-Verfahren“).

1971

Ab März 1971 werden zwei Magnetbandgeräte zur Verarbeitung IBM-kompatibler (7- bzw- 9-Spur-)Magnetbänder in Betrieb genommen. Von den 21 Fachbereichen nutzen 13 den TR4.

(Auszug aus dem Jahresbericht der ZRA)

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    Intel bringt den ersten Mikroprozessor 4004 auf den Markt. RFCs zu Diensten wie Telnet und FTP auf der Basis des ARPANET-Protokolls NCP (Network Control Protocol) entstehen ab 1971. Erste E-Mails über das ARPANET Ende 1971 werden Ray Tomlinson (1941–2016) zugeschrieben (autobiographische Anmerkungen).

    Ab Dezember 1971 gibt es im Bundesangestellten-Tarifvertrag einen speziellen Abschnitt zur Eingruppierung von „Angestellten in der Datenverarbeitung“. Darin wird für die Maschinenbedienung zwischen Steuerpult- und Peripheriegerätebedienern, für die Programmierung zwischen System- und Anwendungsprogrammierern unterschieden. Der Tarifvertrag ermöglicht z.T. bessere Eingruppierungen.

1972

Im September 1972 findet eine Generalüberholung des TR4 statt (unter anderem Säuberung der Kontakte der Steckkarten). Die Fortran-Nutzung (63,4 %) auf dem TR4 verdrängt im Jahre 1972 immer mehr die Algol-Nutzung (29,1 %).

(Auszug aus dem Jahresbericht der ZRA)

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    Der Arbeitskreis der Leiter wissenschaftlicher Rechenzentren ALwR wird am 16.3.1972 gegründet; er wird bis 1995 bestehen (Wikipedia-Artikel).

    In sechs Fachbereichen der Universität Marburg gibt es insgesamt 17 größere Institutsrechner (Aufstellung). Im FB Geowissenschaften wird eine IBM/370-145 betrieben; ihr Arbeitsspeicher ist annähernd so groß wie beim TR4 der ZRA, ihre CPU-Leistung um den Faktor 3–5 größer, die Plattenkapazität um eine Größenordnung (vgl. 1982).

    1972 führt Niklaus Wirth an der ETH Zürich die Programmiersprache Pascal als Lehrsprache ein.

1973

Die ZRA wird in das Technische Zentrum Rechenzentrum (RZ) umgewandelt. „Technisches Zentrum“ steht für „ständige technische Betriebseinheit der Universität“ im Sinne von HUG § 27 (5) (Gesetzestext). Die Vorläufige Ordnung für das RZ definiert auch die Aufgaben des RZ und etabliert die hauptamtliche Leitung durch einen Direktor.

Ab Anfang 1973 läuft der TR4 im Dreischichtbetrieb von Montag 8 Uhr bis Samstag 5 Uhr; die Betriebszeit steigt auf den Maximalwert von 5.748 Stunden pro Jahr (Statistik). Die Programmiersprachen SLIP, LISP und Cobol stehen zur Verfügung, ihre Nutzung ist aber unbedeutend.

Im September 1973 geht die Zeichenanlage Geagraph 3000/Aristomat 8446 in Betrieb (sie wird bis 1987 laufen; Konfiguration). Die Erstellung von Zeichnungen erfolgt offline, und zwar via Magnetband; Programmschnittstelle in Fortran ist GDV10. Hauptnutzer ist das Forschungsinstitut für Deutsche Sprache „Deutscher Sprachatlas“, das auf der Zeichenanlage Sprachkarten für Sprachatlanten produziert.

Gemäß HUG von 1970 sind die Fachbereiche für (die Forschung und) die Lehre zuständig. RZ-Mitarbeiter mit persönlicher Lehrverpflichtung nehmen diese weiterhin wahr, alle anderen nur im Rahmen von Lehraufträgen der Fachbereiche.

(Vorbemerkung zum Jahresbericht des Rechenzentrums)

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    Ende der 1960er-Jahre hatte die Entwicklung des Betriebssystems Unix in den AT&T Bell Laboratories begonnen, und zwar, wie damals üblich, in einer Assemblersprache (jener der PDP von DEC). 1973 erfolgt die Neuprogrammierung der wesentlichen Teile des Systemkerns in der Programmiersprache C, so dass Unix relativ leicht auf andere Rechner portiert werden kann.

    Die Ur-Version von Ethernet wird Anfang der 1970er-Jahre am Xerox PARC (Palo Alto Research Center) entwickelt; die Übertragungsrate betrug 3 MBit/s. Der Entwickler Metcalfe gründet 1979 den Netzwerktechnologiehersteller 3COM (2010 übernommen durch HP).

    Der Organisations-Ausschuss der Uni Marburg beschließt am 5.2.1973 die Umwandlung der ZRA, das HKM genehmigt sie am 21.5.1973.
    Der Präsident setzt die Vorläufige Ordnung für das RZ am 5.7.1973 in Kraft; sie wird bis Ende 1986 gültig bleiben.
    Gemäß § 4 der Vorläufigen Ordnung gibt es einen Beirat des RZ; es finden regelmäßig Sitzungen statt, anfangs ca. 5–6 pro Jahr (bis 1984).

    Im April 1973 geht an der Universität Marburg eine neue Siemens-Telefonanlage in Betrieb; sie wird bis 1999 laufen (Pressebericht). 15 von 21 Fachbereichen nutzen den TR4 der ZRA, und zwar überwiegend mit Fortran- und Algol-Programmen (86,1 % bzw. 11,7 %; Nutzungsstatistik).

1974

„Die Marburger Zwerge proben den Aufstand“ (so der damalige Kommentar eines Insiders): Das RZ glaubt, zum vorgegebenen Investitionsvolumen (gemäß Rahmenplan zum HBFG) selbst über Auswahl und Beschaffung eines neuen Rechnersystems entscheiden zu dürfen (Erweiterungspläne im Jahresbericht); nach einer Ausschreibung entscheidet es sich für ein amerikanisches System (Rangfolge CDC, IBM, Univac). Es muss jedoch lernen, dass es sich nur ein System aus deutscher Produktion (und zwar aus dem Regionalprogramm) wünschen darf, d.h. einen TR440 der Computer Gesellschaft Konstanz (CGK). DV-Programme des Bundes, Lobbyismus und Industrieförderung spielen eine Rolle, unterschiedliche Interessen von Bund, Land, DFG und Universität, aber auch Prestige und Versorgung der Nachbaruniversitäten.

Hintergrund ist die Rechnerfinanzierung. Die Zeiten der 100 %-Finanzierung durch die DFG (wie bei der Z22 und dem TR4) sind lange vorbei. Jetzt erfolgt die Finanzierung gemeinsam durch Bund und Land: Beim Hochschulbauförderungsgesetz (HBFG) tragen sie jeweils 50 %; beim Regionalprogramm – dem Programm zur Errichtung Regionaler Rechenzentren, vgl. 1967 – trägt der Bund 85 % und das Land nur 15 %.

Der Einstieg in die Datenfernübertragung (DFÜ) erfolgt durch Inbetriebnahme einer Datenstation DATA 100, bestehend aus Lochkartenleser, Schnelldrucker und Sichtgerät, an der IBM/370-168 der TH Darmstadt am 24.7.1974 (über eine Standleitung mit 4,8 KBit/s; Konfiguration). Dies dient der Verarbeitung von Batch-Jobs; die Nutzung läuft bis 1980.

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    Das HKM propagiert „Diversifikation“: Jedes hessische HRZ verfügt über einen Zentralrechner eines anderen Herstellers – in Darmstadt von IBM, in Frankfurt von Univac, in Gießen von CDC; für Marburg und (zukünftig) Kassel genügen Rechner aus heimischer Produktion.

    Das HRZ Darmstadt nimmt eine IBM/370-168 in Betrieb (im Rahmen des Regionalprogramms).

    Besondere Vertragsbedingungen (BVB) für den Kauf bzw. die Wartung von EDV-Anlagen und -Geräten sowie für die Überlassung bzw. Pflege von Programmen treten am 1.7.1974 in Kraft.

    AEG-Telefunken tat sich schwer mit seiner Großrechnersparte. Am 1.1.1972 kam eine Kooperation mit der Nixdorf AG zustande, gegründet wurde die gemeinsame Tochter Telefunken Computer (TC). Weil der Erfolg ausblieb, wird TC am 18.7.1974 auf Drängen der Bundesregierung von Siemens übernommen, und zwar unter dem neuen Namen Computer Gesellschaft Konstanz (CGK). Alle Arbeiten am TR440-Nachfolgesystem, dem TR 550, werden eingestellt.

    Der Ständige Ausschuss für Haushaltsangelegenheiten und den Hochschulentwicklungsplan der Uni Marburg stimmt der vom Hessischen Kultusminister nahegelegten Beschaffung eines TR440 zu, heißt es im Antrag zum TR440 vom 26.9.1974.

    im Dezember 1974 publizieren Vint Cerf et al. Spezifikationen für ein Internet Transmission Control Program (TCP) in RFC 675; erstmals taucht der Begriff Internet auf. Es folgt die Implementierung mehrerer Versionen, darunter 1978 die Aufteilung in Transmission Control Protocol und Internet Protocol (TCP/IP; Wikipedia-Artikel).

1975

Im März 1975 führt das RZ eine Abteilungsstruktur ein, festgeschrieben in einem Funktionsplan. Alle bisherigen DFG-Leihgaben (insbesondere TR4 und Z22) werden im Januar bzw. Juni 1975 an die Universität übereignet.

Zur Information der Benutzer finden vom 8.10. bis 20.11.1975 zehn Einführungsveranstaltungen des RZ zum TR440 statt, verbunden mit kostenlosem Informationsmaterial (in Form von Mitteilungen).

Gesamtansicht der CGK TR440 im Jahre 1975
Bild: HRZ

Der Zentralrechner CGK TR440 wird am 23.10.1975 im Mehrzweckgebäude auf den Lahnbergen in Betrieb genommen (er wird bis 1984 laufen; Konfiguration). Wegen Größe und Gewicht der Schränke erfolgt die Anlieferung mit Hilfe eines Baukrans von außen durch ein geöffnetes Wandelement (Bild). Der TR440 benötigt einen großen Rechnerraum (Bild), deshalb war der Umzug auf die Lahnberge erforderlich geworden. Anfangs wird er mit Bedienung in nur einer Schicht betrieben (Bild der Konsole). Gekostet hat er insgesamt ca. 9,87 Mio. DM, seine Finanzierung erfolgt aus dem Regionalprogramm (vgl. 1974). Gegenüber dem TR4 bedeutet der TR440 einen deutlichen Fortschritt (Bericht der Universitätszeitung).

Zum Teilnehmer-Rechensystem TR440 DP (DP wie Doppelprozessor) gehört der Satellitenrechner TR86S, über den eine Datenstation und Sichtgeräte mit Nadeldruckern betrieben werden. Die TR440/TR86S-Konfiguration zeigt den Ausbaustand Ende 1978, alle Änderungen gegenüber dem Stand vom Ende 1975 sind gekennzeichnet. Der letzte Ausbauschritt erfolgt 1982. So umfasste z.B. der Arbeitsspeicher des TR440 anfangs nur 192 K Wörter à 48 Bit (zuzüglich Typenkennung und Dreierprobe); sein Endausbau auf 256 K Wörter (entspricht 1,5 MB) wird 1978 erreicht. Die Peripherie, soweit zu ihr noch Datenblätter vorhanden sind, umfasst:

  • Wechselplattenspeicher WSP 414 (Datenblatt) und WSP 430 (Datenblatt); damit sind anfangs ca. 490 MB online, nach der Erweiterung um ca. 690 MB in 1981 insgesamt ca. 1180 MB.
  • Magnetbandgeräte MDS 252 (Datenblatt); ein 750-m-Magnetband fasst, abhängig von der Schreibdichte, zwischen 4,5 und 15,4 MB.
  • Lochkartenleser LKL 720 (Datenblatt) und -stanzer LKS 145 (Datenblatt)
  • Lochstreifenleser LSL 195 (Datenblatt) und -stanzer LSS 150 (Datenblatt)
  • Schnelldrucker mit 160 Zeichen pro Zeile (mit Groß- und Kleinbuchstaben) SDR 176-2 (Datenblatt)
  • Zeichengerät (Plotter) ZCH 233 (Datenblatt)
  • alphanumerische Sichtgeräte SIG 51 (Datenblatt) und ein graphisches Sichtgerät SIG 100 (Datenblatt)

Das Betriebssystem BS3 des TR440 erlaubt Mehrbenutzer- und Mehrprogrammbetrieb, und zwar sowohl im Batch- als auch im Gesprächsbetrieb (Dialogbetrieb). Programmiersprachen sind Fortran, Algol, Cobol und TAS (Assembler). Datenblätter sind noch für folgende Software erhalten:

Ein erstes Terminalnetz wird aufgebaut, das heißt: Betrieb von Sichtgeräten im RZ sowie einer Datenstation und externer Terminalstationen per DFÜ am TR86S (Gleichstrom-Datenübertragung mit 4,8 KBit/s über universitätseigene Vierdrahtleitungen). Anfangs sind es 39 Sichtgeräte (bis 1978 kommen fünf hinzu) und sechs Nadeldrucker, Benutzerräume des RZ werden in Terminalräume umfunktioniert.

Der TR4 wird am 31.12.1975 stillgelegt und an CGK zurückgegeben. Innerhalb seiner Betriebszeit von 43 362 Stunden hat er 384 949 Abschnitte (Jobs) mit einer Gesamtrechenzeit von 36 988 Stunden bearbeitet.

(Überblick zur Entwicklung des Rechenzentrums im Jahresbericht 1974/75)

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    Im April 1975 wird Microsoft gegründet (offizielle Registrierung am 26.11.1976). Am 30.4.1975 endet der Vietnamkrieg.

    Ab Mitte der 70er Jahre finden Treffen der hessischen RZ-Leiter mit dem DV-Referenten des Kultusministeriums statt, zwecks Erfahrungsaustausch und Kooperation. Die Grundsätze HRZ von 1962 werden von der Kultusministerkonferenz überarbeitet und in der Neufassung vom 4.12.1974 in Hessen am 28.7.1975 in Kraft gesetzt (sie gelten bis Januar 2007).
    Die Entgelte HRZ, d.h. „Entgelte für DV-Leistungen von Hochschulrechenzentren“, werden ab 18.8.1975 zu einem lästigen Hobby in Hessen; für sie werden „überregionale Kennzeichen“ (Accounts) eingeführt. Die Abrechnung von Rechenzeiten bzw. anderer DV-Leistungen hat jedoch nie eine nennenswerte Rolle gespielt.

    Insgesamt sollen 46 TR440-Rechnerkerne produziert worden sein, betrieben an 35 verschiedenen Installationsorten. Ein TR440 ist im Deutschen Museum in München zu besichtigen. Dort sind auch die im LRZ München verbliebenen TR440-Dokumentationen deponiert worden.

    Nutzer-/Anwendergruppen (engl. user group) gibt es als Interessenvertretung der Großrechnerbetreiber gegenüber dem Hersteller bereits seit Mitte der 1950er-Jahre. Die Ständige ARbeitsGruppe der TR 440-Anwender, die STARG 440, wird im September 1971 gegründet und tagt bis 1983 mehrmals pro Jahr reihum in den beteiligten (bis zu ca. 35) Rechenzentren. Darüber hinaus finden vier Benutzertagungen in Konstanz statt, und zwar in der dortigen Universität.

    Außerhalb des HRZ werden am TR440/TR86S betrieben:
    Datenstation DAS 3200, bestehend aus Lochkartenleser, Schnelldrucker und Sichtgerät, zunächst im ehemaligen RZ in der Neuen Kasseler Straße 4, später in der Biegenstraße 12.
    Zehn externe Terminalstationen in Fachbereichen und Einrichtungen, bestehend aus Sichtgeräten SIG 51 und Nadeldruckern DRS 173; die Benutzer brauchen so zum Arbeiten mit dem TR440 nicht in das RZ zu kommen.
    Eine Alibi-Terminalstation an der Fachhochschule Gießen mit vier Sichtgeräten und einem Nadeldrucker (bis Ende 1981); die Universität Gießen hatte dankend abgelehnt.Der Einstieg der Marburger Fachbereiche (vgl. 1970) in die Datenverarbeitung erfolgte naturgemäß sehr unterschiedlich, vgl. Nutzung des TR4 durch Fachbereiche 1971–1975.

1976

Am 24.9.1976 wird der TR440 feierlich eingeweiht (Einladung und Programm). Der Minister des Bundesministeriums für Forschung und Technologie (BMFT) Hans Matthöfer (Pressefoto) hält höchstpersönlich eine Rede (Manuskript): Nach einleitenden Worten zur Zuständigkeit des BMFT und der Bedeutung von Forschung und Technologie für die Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft erläutert er das Dritte DV-Programm der Bundesregierung (für die Jahre 1976–1979), vgl. gesetzliche Grundlagen. Bis Ende 1976 wird es 14 regionale Rechenzentren geben (für insgesamt 252 Mio. DM Bundesmittel), darunter das „Regionale Rechenzentrum Marburg-Gießen“. Die Zukunft werde durch Kopplung von Großrechnern sowie durch Anbindung von kleineren Anlagen an Größtrechner gekennzeichnet sein. Und weiter: „Besondere Priorität bei der Finanzierung von Rechensystemen oder Rechnernetzen im Regionalprogramm wird solchen Installationen zukommen, welche zur Stärkung des Potentials von DV-Herstellern mit Basis in der Bundesrepublik Deutschland oder in Europa beitragen.“ Schließlich wird die „enge fachliche Zusammenarbeit zwischen BMFT und dem Kultusministerium in Wiesbaden“ bzgl. der Versorgung der hessischen Hochschulen gelobt, keine schlechte Voraussetzung für die Beschaffung von Rechnern am Weltmarkt andernorts.

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    Am 3.10.1976 ist Bundestagswahl. Bilanz des Regionalprogramms (vgl. 1967): Insgesamt 26 Hochschulen erhalten zentrale Rechenanlagen, ca. 50 Fachhochschulen oder größere wissenschaftliche Einrichtungen werden über Daten-/Terminalstationen daran angeschlossen. Im FB Physik gibt es neben der CII C90-40 aus 1966 auch noch eine C90-10, Baujahr 1966 (vgl. 1982); der Hersteller heißt inzwischen CAE (Compagnie européenne d'automatisme électronique), es handelt sich weiterhin um Lizenznachbauten von SDS-Rechnern.

1977

Ab Januar 1977 läuft der TR440 im Zweischichtbetrieb. Anfang 1977 wird die Zeichenanlage GEAGRAPH/ARISTOMAT direkt angeschlossen, Schnittstelle war bis dahin das Magnetband gewesen (vgl. 1973). Ein Rückblick auf das Rechenzentrum der Philipps-Universität und den TR440 erscheint im Sommersemester 1977 in der Zeitschrift "alma mater".

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    Zur Vorbereitung der TR440-Installation an der GH Kassel wird dort für drei Monate eine Terminalstation (Sichtgerät und Nadeldrucker) am TR440 im RZ Marburg betrieben. Unix (Version 6) war ab 1975 von AT&T anderen Firmen und Universitäten gegen geringe Lizenzgebühren zur Verfügung gestellt worden, und zwar einschließlich des gesamten Quellcodes; auf diese Weise sind vielfältige Varianten entstanden. Die University of California, Berkeley, wurde ein wichtiges Zentrum der Unix-Entwicklung, ab 1977 veröffentlicht sie eine eigene Unixdistribution, die Berkeley Software Distribution (BSD).

1978

Ab 17.4.1978 läuft der TR440 im Dreischichtbetrieb (Montag 8 Uhr bis Freitag 23 Uhr). Ein operateurloser Betrieb an den Wochenenden wird geplant.

Gemäß § 28 des neuen HHG von 1978 ist das HRZ „die zentrale Technische Betriebseinheit der Universität für Aufgaben der Datenverarbeitung. Es erfüllt für die im regionalen Daten- und Rechnerverbund zusammengeschlossenen Hochschulen Aufgaben in Forschung, Lehre, hochschulspezifischer Verwaltung und Krankenversorgung.“

Hier könnte das Regionalprogramm Pate gestanden haben, in dem die Hochschulrechenzentren der Universitäten auch für benachbarte Fachhochschulen für zuständig erklärt werden, was es für Marburg nicht gibt. Aber auch DV-Aufgaben in der Verwaltung und Krankenversorgung bleiben unberührt, solange es noch kein Hochschulnetz gibt. Konsequenzen aus dem HHG werden 1986 ergriffen.

Die hohe Rechnerleistung der Doppelprozessoranlage TR440 DP kann nur bei gut ausgebautem Arbeitsspeicher genutzt werden, weil immer mehrere rechenfähige Programme geladen sein müssen. Deshalb war der Arbeitsspeicher von Anfang an auf 192 K Wörter ausgelegt, wenn auch die letzten 64 K Wörter erst 1976 bezahlt wurden. Der Endausbau des Arbeitsspeichers auf 256 K Wörter erfolgt Ende 1978. Dieser Ausbauschritt um 64 K Wörter (d.h. 384 KB) kostet ca. 309.000 DM.

(Übersicht über die Entwicklung des Rechenzentrums aus dem Jahresbericht 1976–1978)

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    Im Januar 1978 erscheint erstmalig die Zeitschrift Das Rechenzentrum. Sie soll sich Rechenzentrumsthemen widmen, durch deren Ausweitung dieses Gebiet erheblich an Bedeutung gewonnen hat; dazu gehören auch Berichte über Aktivitäten der Nutzergruppen. Ab Juli 1986 trägt sie die Bezeichnung „Praxis der Informationsverarbeitung und Kommunikation“ (PIK); sie wird bis 2016 veröffentlicht (Verlagswebsite). Im August 1978 folgt die neue Zeitschrift Informatik-Spektrum (Verlagswebsite), Organ der Gesellschaft für Informatik (vgl. 1969).

    Am 6.6.1978 tritt das Hessisches Hochschulgesetz (HHG) in Kraft: § 28 Datenverarbeitung enthält Regelungen zu Hochschulrechenzentren, zu deren Aufgaben, zur Unterstellung von DV-Einrichtungen und DV-Fachpersonal, zur Bildung von Abteilungen sowie zur Leitung durch ein Direktorium und einen Geschäftsführenden Direktor.
    Das Hessische Universitätsgesetz (HUG) vom selben Tag regelt in den §§ 18 und 19 Aufgaben bzw. Zusammensetzung der Ständigen Ausschüsse. Der Ständige Ausschuss für Datenverarbeitung (StA V) ist zuständig für Angelegenheiten von grundsätzlicher Bedeutung im Bereich der Datenverarbeitung.

    Das Hochschulrechenzentrum der Justus-Liebig-Universität Gießen nimmt am 2.11.1978 im Rahmen des Regionalprogramms einen Großrechner Cyber 174 der Control Data Corporation (CDC) im Betrieb.

    Die DFG-Übersicht über Großrechenanlagen der Hochschul-/Regionalrechenzentren und Rechenanlagen in der Informatik listet zum 31.12.1978 75 Anlagen auf, verteilt über 39 Rechenzentren – darunter das Regionalrechenzentrum Marburg-Gießen – und 14 Informatikinstitute. Spitzenreiter ist CGK mit 24 TR440-Anlagen; es folgen CDC mit 15 Rechnern, Siemens mit 11, IBM mit 7 und Univac mit 5; die verbleibenden 13 Rechner stammen von 8 Firmen.

1979

Anfangs stand die Hardware im Vordergrund. Die auf dem TR440 verfügbare Software wird erstmals im Jahresbericht 1979 bis 1981 aufgelistet (Auszug); neben Programmiersprachen werden Anwenderbibliotheken wie IMSL und Anwendersysteme wie BMDP, SPSS und TUSTEP genannt. Ab September 1979 findet probeweise ein operateurloser Betrieb des TR440 an Wochenenden statt.

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    Für Hochschulrechenzentren in Hessen gibt es im Landeshaushalt eigene Einnahme- und Ausgabe-Titelgruppen (gemäß Grundsätze HRZ, 1975).

    Die KfR der DFG gibt im Mai 1979 erste Empfehlungen ab: zum Bedarf an Investitionsmitteln zur Beschaffung von Datenverarbeitungsanlagen für die Hochschulen der Bundesrepublik Deutschland in den Jahren 1980 bis 1984.

    Am 1.6.1979 wird die EWG-Richtlinie 77/62 vom 21.12.1976 in Hessen umgesetzt, gemäß der Beschaffungen oberhalb 200.000 Europäischer Rechnungseinheiten (ERE) EG-weit auszuschreiben sind.

    Am 5.6.1979 wird die Sperry 1100/60 angekündigt (Wikipedia-Artikel), ein Mitglied der Systemfamilie UNIVAC 1100.

    An der Universität Marburg nimmt der Ständige Ausschuss für Datenverarbeitung (StA V) gemäß dem neuen HUG von 1978 am 12.7.1979 seine Arbeit auf. Es finden bis 2001 regelmäßig Sitzungen statt, zwei- bis dreimal pro Semester. Den Vorsitz führt der Präsident, im Allgemeinen vertreten durch den Kanzler oder Vizepräsidenten. Die Mitglieder werden in den Jahresberichten des HRZ genannt.

1980

Am Januar 1980 läuft der TR440 „rund um die Uhr“ (operateurlos am Wochennde). Ein graphisches Sichtgerät Tektronix 4014 wird angeschlossen.

Das Rechenzentrum (RZ) baut ein Informationssystem als Service-Angebot für seine Benutzer auf Hauptbestandteil neben Mitteilungen und Nachrichten ist ab dem 22.7.1980 (und bis 1995) das Benutzerhandbuch, eine Loseblattsammlung, die laufend aktualisiert wird. Ziel ist, dass dieses Handbuch neben einigen kleinen Herstellerdokumentationen vollständig zur Nutzung der Rechner ausreicht. Als Beispiel sei das Kapitel über Aufträge an den TR440 gezeigt; so heißen die Abschnitte (Batch Jobs) und Gespräche (Dialoge) bei diesem Rechner.

Dr. Jutta Weisel am Bildschirmcomputer TELECOMP 5200 (1980)
Bild: HRZ

Im November 1980 wird ein Netzknoten AEG 80-20 inkl. RJE-Station und 10 Terminals an der Cyber 174 des HRZ Gießen in Betrieb genommen (über eine Standleitung mit 9,6 KBit/s; Konfiguration). Im Zusammenhang damit kommt es zum Einsatz erster PCs: Der Bildschirmcomputer TELECOMP 5200 von AEG-Telefunken (Bild links), ausgestattet mit einer Intel 8080 CPU, 32 KB Speicher und Diskettenlaufwerk, dient neben dem Offline-Einsatz zur Terminalemulation – SIG 51 am TR440 bzw. SGT 3201 an der Cyber 174 – sowie zur Dateiübertragung zu bzw. von diesen Hosts.

(Beschreibung der Entwicklung der Hardware-Ausstattung im Jahresbericht 1979–1981 des Rechenzentrums)

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    Im Februar 1980 beginnt das IEEE (vgl. 1963) ein Projekt zur Standardisierung von lokalen Netzen (Local Area Networks, LAN). Für Ethernet wird vom Vorschlag der DIX-Gruppe (DEC, Intel, Xerox) ausgegangen; der erste Entwurf IEEE 802.3 zu Ethernet stammt vom 30.9.1980. Das Projekt umfasst auch Token Bus IEEE 802.4 und Token Ring IEEE 802.5 (letzterer unterstützt von IBM).

    Im Oktober 1980 wird die VAX 11/750 eingeführt (Seite „1980“ der „DEC Timeline“), zweites Mitglied der VAX-Systemfamilie von DEC, die 1977 mit der DEC VAX 11/780 begonnen hatte (entsprechend Seite „1977“).

    Das Klinikum der Universität Marburg führt das kaufmännische Rechnungswesen ein und nimmt Ende 1980 eine TANDEM 16DP und eine Siemens 7.531 für Patientenverwaltung bzw. -abrechnung in Betrieb. Es unterhält dafür eine eigene DV-Abteilung, ebenso wie die Zentralverwaltung der Uni (d.h. völlig getrennt vom HRZ, anders als von HHG §28 von 1978 gefordert).

    Erste Vorlesungen zur Einführung in die Informatik gibt es an der Uni Marburg ab WS 1980/81 im Fachbereich Mathematik (Beitrag im Jahresbericht der Universität).

    Zum Monopol der Deutschen Bundespost gehört auch eine Art „Lizenz zum Gelddrucken“: Die Terminals in den Fachbereichen sind über universitätseigene Telefonleitungen an den TR440 angeschlossen, die teilweise über öffentliches Gelände verlaufen. Weil die Bundespost somit nicht selbst Daten überträgt und Gebühren verlangen kann, verlangt sie sogenannte Ausgleichsgebühren, für 22 Terminals 2448 DM – pro Monat (Schreiben des Fernmeldeamts Gießen)!

    Der DFG-Tätigkeitsbericht 1980 enthält eine Tabelle „Ausstattung der Hochschul- und Regionalrechenzentren mit großen Rechenanlagen“ mit Stand 31.12.1980. Die Anzahlen haben sich gegenüber 1978 nur wenig geändert, die Reihenfolge ist gleich geblieben.

1981

Plattenspeicher der Rechenanlage CGK TR440 1975
Bild: HRZ

Im Februar 1981 wird der TR440-Plattenspeicher um fünf Laufwerke WSP 432 à 23.000 K Wörter auf insgesamt 18 Laufwerke mit 197.000 K Wörtern (ca. 1.180 MB) erweitert (vgl. TR440/TR86S-Konfiguration Stand 31.12.1981). Ein Laufwerk vom Typ WSP 432, etwas größer als ein Kühlschrank, bietet eine Kapazität von 184 MB und kostet inklusive der anteilig erforderlichen Anschlusselektronik (Schnellkanal, Plattenspeichersteuerung) ca. 128.000 DM. Das Regionalprogramm ist ausgelaufen, bei der Erweiterung handelt es sich um die erste HBFG-Maßnahme des RZ.

Die Wechselplattenspeicher WSP 414, WSP 430 und WSP 432 können prinzipiell mit wechselnden oder immer denselben Plattenstapeln betrieben werden. Nach der Erweiterung werden acht Laufwerke WSP 414 als Benutzer-Laufwerke für den Einsatz wechselnder Benutzer-Plattenstapel, alle anderen Laufwerke als Festplattenspeicher für das Betriebssystem, den Hintergrundspeicher und die langfristige Datenhaltung genutzt.

Viele Ausfälle machen im August 1981 eine Reinigung der Kontakte aller Steckeinheiten des TR440 und TR86S erforderlich.

(Vorwort zum Jahresbericht 1979–1981 des Rechenzentrums)

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    IBM PC (1981)
    IBM

    Das HRZ Frankfurt mietet im Februar 1981 eine neue Sperry Univac 1100/60 an; die Wartungskosten für die veraltete Univac 1108 von 1969 sind so hoch, dass aus der Ersparnis die Miete finanziert werden kann.

    BITNET – BIT wie Because It's Time – gibt es in den USA ab Mai 1981; es bietet Store-and-Forward-Dienste – insbesondere für E-Mail - auf der Basis von IBM-Protokollen (NJE, Network Job Entry).

    IBM kündigt am 12.8.1981 seinen ersten PC an, bezeichnet als IBM PC (Seite zur PC-Einführung im „IBM Archive“). Den Begriff Personal Computer gab es zwar bereits, er setzte sich aber erst mit dem Erfolg dieses PC am Markt durch. Prozessor ist die 16-Bit-CPU 8088 von Intel; es gibt ein oder zwei 5,25-Zoll-Diskettenlaufwerke, aber noch keinen Festplattenspeicher. Betriebssystem ist PC-DOS 1.0, entwickelt von Microsoft (die Bezeichnung MS-DOS folgt später). Die Architektur des IBM PC wird offen gelegt, so dass schnell kompatible Nachbauten entstehen.

    Ab Ende 1981 gibt es das CSNET, Computer Science Network, zwischen amerikanischen Universitäten (Beschreibung von William Stewart). Es basiert auf TCP/IP und hat Gateways zum ARPANET; die Finanzierung übernimmt für 5 Jahre die National Science Foundation (NSF). Hintergrund ist, dass Universitäten ohne Forschung im Auftrag der ARPA nicht an das ARPANET angeschlossen werden. Formal ist das CSNET ein Netz ausschließlich für Computer Science, d.h. Informatik.

    An der Columbia University, New York, wird 1981 KERMIT entwickelt, ein Protokoll zur Übertragung von Dateien zwischen Mikrocomputern und Großrechnern über serielle Verbindungen sowie zur Terminalemulation. Die Software ist frei verfügbar, ab 1983 gibt es eine MS-DOS-Version (Website des 2011 eingestellten Kermit-Projekts).

1982

Letzte Erweiterung des TR440: Im März 1982 wird die Dialogperipherie um 15 alphanumerische Sichtgeräte SIG 51 auf insgesamt 59 Sichtgeräte ausgebaut. Dadurch kann die Anzahl der externen Terminalstationen gegenüber 1975 auf 20 verdoppelt werden (Liste). Die Geräte sind immer noch sehr teuer; ein SIG51 kostet inkl. anteiliger Anschlusselektronik (Datenfernbetriebseinheit, Sichtgerätegruppenanschluss und Gleichstrom-Datenübertragungseinrichtungen) ca. 13.100 DM.

Gemäß § 28 HHG von 1978 wird die Bezeichnung Hochschulrechenzentrum (HRZ) übernommen.

Zum 5.10.1982 wird ein DV-Konzept der Philipps-Universität Marburg aufgestellt: Demnach hängt die zukünftige Entwicklung entscheidend davon ab, ob aus dem HRZ Frankfurt eine gebrauchte Sperry 1100/60 zu übernehmen ist oder nicht; ohne Übernahmezwang gäbe es für die Planungen insgesamt mehr Freiheiten. Für Prozessdatenverarbeitung soll ein Bereichsrechner im FB Physik eingesetzt werden, für Anwendungen des Bildarchivs Foto Marburg ein dediziertes System mit dem IBM-Dokumentationssystem STAIRS. Darüber hinaus wird ein lokales Datenübertragungsnetz für den Anschluss von Prozessrechnern und konventionellen DV-Endgeräten angestrebt. Das Konzept geht auch auf die Aufgaben des HRZ ein.

Fazit: Die Sperry 1100/60 ist zu übernehmen, wird aber deutlich ausgebaut. Anstelle eines Bereichsrechners in der Physik sollen zwei eng gekoppelte Systeme in der Physik und im HRZ zum Einsatz kommen. Ein IBM-System muss sein, allein wegen des IBM-Dokumentationssystems STAIRS (was später aber nie benötigt wird), zu betreiben vom HRZ.

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    Im Februar 1982 wird Sun Microsystems gegründet, ein Unternehmen, das lange eine Schlüsselrolle für die gesamte Kultur des Silicon Valley spielen wird.

    Die Computerwoche berichtet über Migrationshilfen für den Übergang vom TR440 zu den Systemen Siemens 7.500 bzw. 7.700.

    An der Uni Marburg beginnen im Mai 1982 Überlegungen zur Anpassung der HRZ-Struktur an den § 28 HHG.

    Die Gemengelage ist schwierig:

    Der FB Physik fordert den Ersatz seiner beiden Rechner CII C90-40 und CAE C90-10 (vgl. 1966/1976; Systemkonfigurationen).
    Der FB Geowissenschaften und das Bildarchiv Foto Marburg fordern den Ersatz der IBM/370-145 (vgl. 1972; Systemkonfiguration).
    Das HKM bietet die Umsetzung einer gebrauchten Sperry 1100/60 aus dem HRZ Frankfurt an (vgl. 1981), wahlweise an die Uni Marburg oder die Gesamthochschule Kassel (Systemkonfiguration).

    Das DV-Konzept der Philipps-Universität Marburg wird am 11.10.1982 durch die Kommission für Rechenanlagen (KfR) der DFG vor Ort begutachtet, unter Beteiligung von HKM, Universitätsleitung und HRZ.

    In Texas wird Convex Computer gegründet; Ziel ist die Produktion von Vektorrechnern ähnlich denjenigen von Cray, jedoch mit geringerer Leistung, dafür billiger und mit besserem Preis/Leistungs-Verhältnis. Convex wird 1995 von Hewlett-Packard übernommen (Website mit Fotos und Dokumenten über das ehemalige Unternehmen).

    Das gesamte seit 1969 existierende ARPANET wird bis Ende 1982 auf die Protokolle TCP/IP (vgl. 1974), die dem Internet bis heute zugrunde liegen, umgestellt. Insgesamt sind am ARPANET ca. 230 Hosts angeschlossen.

1983

Der Netzknoten AEG 80-20 für DFÜ-Verbindungen zum HRZ Gießen wird im Juli 1983 durch einen Dataswitch 9004 der Fa. Develcon ersetzt.

Der Übergang zu einem neuen Rechner mit einem anderen Betriebssystem, einer anderen Kommandosprache (Job Control Language) und anderen Konzepten, insbesondere, was Dateien und Bibliotheken angeht, ist ein Riesenproblem und deshalb mit viel Aufwand verbunden. Ab 1983 geht es aber nicht nur um einen derartigen Übergang, sondern um den Übergang zu drei völlig verschiedenen Rechnern, die alle ihre eigene Welt mitbringen und sich sogar in den Begriffen unterscheiden. Das HRZ führt deshalb ab Sommer 1983 zu allen neuen Rechnern Einführungsveranstaltungen durch (Auszug aus dem Jahresbericht), insbesondere zum Dialog- und Batch-Betrieb, zu Job Control Languages und zur Programmentwicklung sowie zum Arbeiten mit Dateien und Bibliotheken. Und weil es noch keine Online-Dokumentationen gibt, beginnt das HRZ ab 15.9.1983 mit der Neuauflage des Benutzerhandbuchs, das viel umfangreicher wird als das alte (vgl. 1980) und jedem der neuen Rechner einen eigenen Teil widmet. Das Benutzerhandbuch ist Hauptbestandteil des Informationssystems (Auszug aus dem Jahresbericht), zu dem auch noch Nachrichten, Mitteilungen und Druckschriften gehören.

Das Vorhalten von Hersteller-Dokumentationen – die Ringbücher zu allen Rechnern füllen ca. 15 Regalmeter – an zahlreichen Orten in der Universität und ihre laufende Aktualisierung wären praktisch nicht möglich. Ziel des Benutzerhandbuchs ist die zuverlässige und vollständige Information der Benutzer; neben einigen kleineren Dokumentationen (z.B. Primern, Summaries) ist es für viele Benutzer ausreichend; darüber hinaus soll es den Zugang zu den Hersteller-Dokumentationen vermitteln.

Sperry 1100/60 im Jahre 1983: Bedienpulte und Bandgeräte; Zentraleinheit und Plattenspeicher im Raum dahinter
Bild: HRZ

Im Oktober 1983 geht der gebraucht vom HRZ Frankfurt übernommene Zentralrechner Sperry 1100/60 unter dem Betriebssystem OS/1100 und mit dem DFÜ-Rechner DCP/40 als zweiter Zentralrechner neben dem TR440 in Betrieb (bis 1989; Konfiguration). Im Rechnerraum wird es deshalb eng, dort finden Bedienpulte und Magnetbandgeräte (Bild links), Papierperipherie (Bild) und der DCP/40 (Bild) Platz, Zentraleinheit und Plattenspeicher müssen in einem Nachbarraum installiert werden (Bild).
Die Sperry 1100/60 und alle weiteren neuen Rechner laufen (ab 1984) von Anfang an „rund um die Uhr“; Operateure arbeiten zunächst in zwei Schichten, später nur noch in einer Schicht.

Auch an die Sperry 1100/60 sollen einige erhalten gebliebene Datenblätter zur Hardware erinnern:

Mehrprozessorsystem Sperry 1100/60
Plattenspeichersystem 8470 und Magnetbandsystem UNISERVO 30
Datenübertragungsrechner DCP 40 und Stationsrechner UTS 4020
Bildschirmsysteme UTS 4000 und Datensichtstation UTS 20

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    Unix wird TCP/IP-fähig: Die Berkeley-Unix-Distribution (vgl. 1977) wird im Auftrag der ARPA um Netzwerkfähigkeit auf Basis von TCP/IP erweitert, veröffentlicht als BSD 4.2 im August 1983.

    Nach Übergabe der 1981 angemieteten Sperry 1100/60 an das HRZ Marburg (Bericht der Marburger Universitätszeitung) verfügt das HRZ Frankfurt wegen Umbaumaßnahmen seines Rechnerraums für eine gewisse Zeit über gar keinen Rechner; in dieser Zeit rechnen Frankfurter Nutzer per DFÜ in Marburg. Anschließend wird im HRZ Frankfurt eine neue Sperry 1100/91 in Betrieb genommen.

    Sperry Univac erhält einen Auftrag der US-Luftwaffe über die Lieferung von 153 Rechnern des Modells Sperry 1100/60 (Bericht der FAZ).

    IBM kündigt am 15.9.1983 die Serie 4361, Modelle 4 und 5 (entwickelt in Böblingen) an (Seite im „IBM Archive“).

    Das Domain Name System (DNS) für das Internet wird entwickelt und Ende 1983 erstmals implementiert (RFC 882 und RFC 883).

    Der LAN-Standard IEEE 802.3 zu Ethernet über „Thickwire“-Kabel (10BASE5, 10 MBit/s) wird 1983 verabschiedet (Wikipedia-Artikel), IEEE 802.3a zu „Thinwire“ (10BASE2) folgt 1985.