Hauptinhalt

Schritte zur Barrierefreiheit

Im architektonischen Sinne ist das Kunstmuseum seit seiner Wiedereröffnung barrierefrei. Das Museum verfügt über eine Rampe, Aufzüge und behindertengerechte Toiletten. Darüber hinaus hat sich das Museum zum Ziel gesetzt, die Belange von Menschen mit Beeinträchtigung im Blick zu haben. So sollen Bedingungen geschaffen werden, die Menschen mit Lernschwierigkeiten und kognitiven Beeinträchtigung oder blinden und sehbehinderten Menschen einen erfahrungsreichen und interessanten Museumsbesuch ermöglichen. Für Museumsbesucher/innen, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind, steht ein Rollstuhl leihweise und kostenlos zur Verfügung.

Einige Schritte zur Barrierefreiheit im Museum sind schon gegangen, andere Angebote sind in der Entwicklung. Barrierefreiheit bedeutet jedoch mehr als stufenlose Zugänge zu schaffen. Die Teilhabe von Menschen mit Behinderungen am kulturellen Leben ist nicht fakultativ, sondern gesamtgesellschaftlich und durch die von Deutschland im Jahr 2009 unterzeichnete UN-Behindertenrechtskonvention zwingend erforderlich. Das Willkommen in unserem Haus gilt grundsätzlich und nicht nur im Rahmen gesonderter Projekte. Der Verein der Freunde des Kunstmuseum Marburg e. V. unterstützt das Vorhaben ehrenamtlich.

Beim Erfühlen eines Tastplans, der die Raumaufteilung des Kunstmuseums wiedergibt.
© Filmstill Arno Uth

Im Museum werden neue Formate der Kunstbegegnung entwickelt. Dabei sollen Menschen mit Behinderungserfahrung eine aktive Rolle einnehmen und bei der Umsetzung beratend und agierend mitwirken. Zusammen wollen wir uns austauschen, Neues entdecken, Fragen stellen und Antworten suchen. Im Zentrum unserer Bestrebungen steht: Für Menschen mit einer Beeinträchtigung Begegnungen mit Kunst im Museum zu ermöglichen, Kreativität zu fördern, Gemeinschaft zu stiften und den Museumsbesuch medial zu unterstützen.

Realisiert werden kann das Vorhaben durch die Unterstützung der Aktion Mensch und die Zuwendung aus dem Jürgen-Markus-Preis, den der Verein der Museumsfreunde im Jahr 2018 erhielt.

Der Vorstand der Museumsfreunde bei der Überreichung der Zuwendung des Jürgen-Markus-Preises. Hier zu sehen mit dem Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies.
Foto: Doris Conrads

Zu sehen ist der Vorstand der Museumsfreunde mit Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies bei der Übergabe des Jürgen-Markus-Preises.

  • Inhalt ausklappen Inhalt einklappen Wiedereröffnungsfest im Herbst 2018Wiedereröffnungsfest im Herbst 2018

    Schon die Museumseröffnung im Herbst 2018 hat gezeigt, dass die Inklusionsorientierung des Kunstmuseums eine hohe Priorität hat. Das musikalische Programm wurde von dem blinden Singer-Songwriter Rainer Husel und dem inklusiven Duo Kevinsky aus Bremen gestaltet und aufgeführt. Gemeinsam mit dem engagierten Publikum trugen sie einen speziell für das Museum getexteten Song vor.

  • Inhalt ausklappen Inhalt einklappen Workshops für Inklusion und TeilhabeWorkshops für Inklusion und Teilhabe

    In zwei Aktionsworkshops mit und für Menschen mit Beeinträchtigung wurden Wünsche, Forderungen und Ideen gesammelt, um miteinander das Museum inklusiv zu gestalten. Als Expert/innen in eigener Sache besuchten einige zum ersten Mal das Kunstmuseum. Die Workshops brachten zahlreiche Anregungen und beleuchteten das Thema aus verschiedenen Blickwinkeln.

    Ein wichtiges Ergebnis der durchgeführten Workshops besteht in der Erkenntnis, dass den Museumsbesucher/innen mit Beeinträchtigung insbesondere die persönliche Kommunikation, direkte Begegnungen und eine leidenschaftliche Hinführung zu den Objekten wichtig ist. Viele konkrete Anliegen wurden geäußert, wie beispielsweise der Wunsch nach regelmäßigen Kreativ-Workshops, die Erweiterung des Audioguides um neue inklusive Angebote oder ein Ausmalheft mit einer Auswahl von Bildern der Museumssammlung. Groß war der Wunsch, selbst mitzuwirken zu können. Nun gilt es in Kooperation mit Menschen mit ganz verschiedenen Behinderungen und Partnern wie der Deutschen Blindenstudienanstalt, dem Deutschen Verein der Blinden und Sehbehinderten in Studium und Beruf, der Lebenshilfe auf Landes-, Orts- und Kreisebene, dem fib e.V. (Verein zur Förderung der Inklusion behinderter Menschen) und anderen Gruppierungen behinderter Menschen und ihrer Angehöriger, die wichtigen Impulse aktiv umzusetzen und neue Museumsangebote zu entwickeln.

    Die nachfolgenden Videos geben einen Einblick in die vergangenen Inklusions-Workshops.

    Workshop für Inklusion und Teilhabe: Teil 1 für Menschen mit kognitiven Einschränkungen

    Workshop für Inklusion und Teilhabe: Teil 2 für blinde und sehbehinderte Menschen

  • Inhalt ausklappen Inhalt einklappen Bilderdialog mit Perihan Arpacilar in Kooperation mit dem Atelier GoldsteinBilderdialog mit Perihan Arpacilar in Kooperation mit dem Atelier Goldstein

    Bei einem Bilderdialog im Jahr 2019 sprachen die Künstlerin Perihan Arpacilar, Christiane Cuticchio und Sven Fritz vom Atelier Goldstein mit Museumsdirektor Dr. Christoph Otterbeck und dem Publikum über die Frankfurter Institution und die Werke der Künstlerin. Seit 2001 entstehen im Atelier Goldstein hochqualitative Kunstwerke von Künstlerinnen und Künstlern mit Beeinträchtigung, die mit großem Erfolg in zahlreichen Museen und Ausstellungshäusern gezeigt werden.

    Hier erfahren Sie mehr zum Thema.

Angebote für blinde und sehbehinderte Menschen

Beim genauen Betrachten eines Kunstwerks von Adnan Abd Al-Rahman. Ein Frau mit starken Seheinschränkungen tritt in Begleitung nah an das Bild heran, um es zu erfassen.
© Filmstill Arno Uth

Einer unserer Schwerpunkte ist die Erweiterung unseres Angebots für blinde und sehbehinderte Museumsbesucher/innen. In Marburg wurde vor mehr als 100 Jahren das weltweit erste Gymnasium mit Internatsbetrieb für blinde und sehbehinderte Schüler/innen gegründet. Die Stadt bemüht sich um Blindenfreundlichkeit und gilt als inoffizielle Blindenhauptstadt Deutschlands. Auch die Universität ermöglicht Studierenden mit Seheinschränkungen, an Studium und Lehre zu partizipieren und ist fortwährend bestrebt Barrieren abzubauen. Als kulturelle Einrichtung der Philipps-Universität Marburg sehen wir die Notwendigkeit, konsequent an inklusionsorientierten Formaten zu arbeiten. Aktuell bietet das Museum ein Begleitheft in Braille-Schrift, einen Audioguide sowie einen Lageplan für blinde Menschen und Menschen mit Seheinschränkungen. Weitere Führungs- und Workshopangebote werden erarbeitet und voraussichtlich im Frühjahr 2021 öffentlich vorgestellt.

Angebote für Menschen mit kognitiven Einschränkungen

Inklusion Bilder-2.jpg
© Filmstill Arno Uth

Im Museum gibt es viel zu entdecken. Damit auch Menschen mit kognitiven Einschränkungen Spaß am Museumsbesuch haben, werden Führungs- und Workshopangebote entwickelt und Informationen in Leichter Sprache bereitgestellt.

Ein Begleitheft in „Leichter Sprache“ unterstützt den Museumsbesuch.

In einem vergangenen inklusiven Workshop mit der Marburger Künstlerin Doris Conrads erläuterte sie anschaulich, wie ihre wolkenverhangenen Himmelsbilder entstanden sind. Sie ging auf zahlreiche Fragen ein, und schließlich konnten alle Teilnehmenden im Atelierraum des Museums selbst künstlerisch aktiv werden.

Eine Gruppe sitzt im Stuhlkreis im Foyer des Museums. Die Künstlerin Doris Conrads leitet hier einen Kreativworkshop zum Thema
Foto: Bernd Conrads