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Hinweise zur Gestaltung eines wissenschaftlichen Berichtes

 

Einen wissenschaftlichen Bericht zu schreiben, erscheint am Anfang oft wie eine unmögliche Aufgabe. Aber es ist gar nicht so schwierig, wenn man weiß, wie ein Bericht strukturiert werden sollte und welche Informationen in welchen Teil des Berichtes gehören. Ein paar Tipps dazu finden Sie in diesen Unterlagen.

Das standardisiertes Format für wissenschaftliche Berichte ist wie folgt:

  • Titelseite
  • Inhaltsverzeichnis
  • Abstrakt
  1. Einleitung
  2. Methode
  3. Ergebnisse
  4. Diskussion
  5. Literaturverzeichnis
  • Anhang

 
Die Struktur dieses Merkblattes ist der Vorgehensweise, die beim Schreiben eines Berichtes befolgt werden sollte, angepasst: Titelblatt, Inhaltsverzeichnis und Abstrakt sollten zum Schluss geschrieben werden, da sie sich aus den anderen Abschnitten des Berichtes ergeben. Aus diesem Grund werden diese Abschnitte auch zum Schluss behandelt.

Bevor mit der Erstellung eines Berichtes begonnen wird, sollten die formalen Einstellungen am Computer vorgenommen werden, die bei Arbeiten dieser Art üblicherweise verwendet werden:

  • 1,5 zeiliger Zeilenabstand

  • 2,5 cm Rand (oben, unten, rechts, links)

  • 12 Pkt. Schriftgröße

  • Seitennummerierung auf jeder Seite (ab Einleitung)

 
Die folgenden Hinweise sollten lediglich als mögliche und nicht als absolut verbindliche Version eines Aufbaus verstanden werden.

 

1. Einleitung / introduction

Am Anfang der Einleitung kann kurz und leicht verständlich in den Forschungsbereich eingeführt werden. Diese "zusätzliche" Einleitung ist aber nicht unbedingt erforderlich!

Das Ziel der Einleitung ist - wie der Name schon sagt - in den Bereich der Studie einzuleiten und die eigene Studie in den größeren Zusammenhang zu stellen.

Wesentliche Aspekte hierbei sind:

  • Hintergrund des Themas und seiner Behandlung (z.B. die relevante Hintergrundliteratur)
  • Auftrag und präzise Problemstellung der Untersuchung
  • gewählte Methode

Hier sollte auf die Literatur eingegangen werden, die der geplanten Untersuchung zugrunde liegt (Darstellung der Theorien und Modelle bzw. Denk- und Erklärungsansätze; außerdem Dokumentation wichtiger empirischer Befunde bereits publizierter Untersuchungen; daraufhin Formulierung eigener Hypothesen, die aus den Ausführungen der verwendeten Literatur logisch erscheinen bzw. nachvollziehbar sind).


2.   Methode / method

Dieser Teil ist dazu da, dem Leser einen genauen Bericht zu geben, was Sie in Ihrer Arbeit gemacht haben. Der empirische Teil sollte sehr detailliert und genau sein – es sollte möglich sein, aufgrund dieses Kapitels die Untersuchung so zu wiederholen, wie sie durchgeführt wurde.

Es gibt keine verbindlichen Anleitungen für den Aufbau dieses Teils, da dieser je nach Fachgebiet und Themenstellung stark variieren kann.


2.1   Stichprobe / Versuchspersonen / sample / participants

Wie viele Vpn? Welches Alter haben die Vpn? Wie viele Frauen/Männer? Welcher Berufsgruppe angehörend? Bestehen Unterschiede in Persönlichkeit, Gesundheitszustand, Intelligenz, Vorbildung, Ausbildung, Einkommen, gesundheitsbezogenes Verhalten (Rauchen, Sport etc.)? Gibt es Ein-/Ausschlusskriterien bei der Auswahl der Vpn? .....

 

2.2  Material / material

Welche Fragebögen wurden verwendet (Autoren, Jahreszahl)? Wie wurden die Stimuli für Experimente gestaltet? Welche Art von Interview wurde geführt? Wurde mit/am Computer gearbeitet? Welche technischen Geräte kamen zur Anwendung (Name, Hersteller, Ort, Land)? Welche nicht standardisierten Hilfsmittel, Fragebögen und Apparate wurden eingesetzt (genau beschreiben)? .....


2.3   Versuchsplan / design

Wie sind die (un)abhängigen Variablen definiert? Wie wurden die Variablen operationalisiert? Kontrolle von Störvariablen? Aufteilung der Vpn auf die experimentellen Gruppen? ...


2.4   Versuchsablauf / Versuchsdurchführung / procedure

Wie lief das Experiment / die Befragung / die Beobachtung genau ab? In welcher    Reihenfolge wurden Teilaufgaben durchgeführt? Was wurde den Vpn als Versuchsanweisung mitgeteilt?

Bei Durchführung einer Voruntersuchung (pretest) sollten ebenfalls genaue Angaben zu den Punkten 2.1 bis 2.4 erfolgen.


2.5   Datenauswertung / statistical analysis

Welche statistischen Analysen wurden angewandt (t-Test, Varianzanalyse, Regression, Korrelation etc.)?

 

3. Ergebnisse / results

Dieser Abschnitt enthält alle wichtigen Ergebnisse und ist somit eine Art Zusammenfassung der Ergebnisse. Der Leser sollte in der Lage sein, die Ergebnisse schnell und einfach zu erkennen.

Rohdaten und Kalkulationen kommen hier nur in Ausnahmefällen hinein, diese sollten geordnet in den Anhang gepackt werden, wenn erforderlich.

 
Darstellung aller (nicht nur für die Prüfung der Hypothesen) relevanten Ergebnisse (z.B. Mittelwerte, Standardabweichungen, Standardfehler, Validitäten, Reliabilitäten etc.). Dokumentation der nicht postulierten (aber signifikanten) Effekte. Tabellen und grafische Darstellungen für die relevantesten Ergebnisse unterstützen die Darbietung des Datenmaterials. Dieser Abschnitt enthält den Schluss auf die Sachhypothese, aber keine Interpretation oder Diskussion.

Hinweis:

Tabellennummerierung erfolgt oben. Bei einer Tabelle sind die Inhalte jeder Zeile und
Spalte durch Angaben in der linken Spalte bzw. obersten Zeile genau zu bezeichnen.

Tabelle 1
Tabellenüberschrift / Erläuterungen

Tabelle

Abbildungsnummerierung erfolgt unten.

Abbildung

Abbildung 1: Legende

Oft werden in Tabellen und Abbildungen die signifikanten Ergebnisse mit * (p < 0.05) bzw. ** (p < 0.01) markiert. Diese und andere Symbole müssen auch in derTabellenüberschrift und Legende erläutert werden.

 

4. Diskussion / discussion

Die wichtigsten Fraugestellungen und relevantesten Ergebnisse sollten zu Beginn in einem Absatz zusammengefasst werden bevor die eigentliche Diskussion anfängt. Alle Ergebnisse müssen noch einmal kurz zusammengefasst, interpretiert und in den Zusammenhang zur bisherigen Forschung gestellt werden. Diese Interpretation kann wie folgt strukturiert werden:

 

  1. Was war die Fragestellung und kurze Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse?
  2. Welche Teilergebnisse (signifikante und nicht signifikante) sind erhalten worden und wie können sie interpretiert werden bzw. was bedeuten sie?
  3. In welchen Zusammenhang stehen diese Ergebnisse zu bisherigen Befunden,
    Theorien und Untersuchungen?
  4. Aus welchen möglichen Gründen war ein signifikantes Ergebnis unmöglich zu erreichen (fehlerhafte Durchführung, Versuchsleiter-Effekt etc.)?
  5. Welche Folgerungen hat das für zukünftige Untersuchungen, was sollte beachtet werden, wo sollten weitere Arbeiten ansetzen?
  6. Als letztes sollte ein abschließender Absatz stehen, der die wichtigsten Schlussfolgerungen noch einmal kurz und deutlich zusammenfasst.

 

5. Literaturverzeichnis / Quellenangaben / references

Alle im Bericht zitierten Quellen müssen hier angegeben werden. Hier sollen keine Quellen auftauchen, die nicht im Text stehen!

Die American Psychological Association (APA) schreibt eine einheitliche Zitierweise von Quellen vor. An diese Regeln sollte man sich so früh wie möglich gewöhnen!


Im Text des Berichtes wird z.B. wie folgt zitiert: wie Smith (1990) zeigte; eine andere Studie  (Smith, 1990) zeigte. Wie unterschiedliche Quellen zitiert werden, lässt sich aus der folgenden Tabelle entnehmen.

 

Tabelle 1: Regeln zur Zitierung in einem Text eines wissenschaftlichen Berichtes nach der American Psychological Association.

APA Citation

 








Allgemeine Hinweise zum Literaturverzeichnis:

  1. Literaturangaben immer in alphabetischer Reihenfolge.
  2. Publikationen von einem Autor immer vor gemeinsamen Publikation - also ‚Schmidt, A. (1990)‘ vor ‚Schmidt, A., & Meier, B., (1987)‘.
  3. Wenn von einem Autor mehrerer Publikationen verzeichnet werden, müssen diese chronologisch erscheinen - also Schmidt, A. (1966) vor Schmidt, A. (1999).
  4. Wenn von einem Autor mehrere Publikationen aus dem gleichen Jahr angegeben werden müssen, kennzeichnet man diese mit ‚a‘, ‚b‘ usw.


Standardformat für unterschiedliche Arten von Publikationen nach Richtlinien der APA (2001):

Bücher:

Bernstein, T.M. (1965). The careful writer: A modern guide to English usage. (2nd ed.). New York: Atheneum.

Herausgegebene Bücher:

Basler, H.D., & Florin, I. (Hrsg.). (1985). Klinische Psychologie und körperliche Krankheit. Stuttgart: Kohlhammer.

Artikel in Büchern:

Westenhöfer, J., & Pudel, V. (1988). Verhaltensmedizinische Überlegungen zur Entstehung und Behandlung von Essstörungen. In R. Wahl & M. Hautzinger (Hrsg.), Verhaltensmedizin: Konzepte, Anwendungsgebiete, Perspektiven (S. 149-162). Köln: Deutscher Ärzte Verlag.

Zeitschriften Artikel:

Spetch, M.L., & Wilkie, D.M. (1983). Subjective shortening: A model of pigeons' memory for event duration. Journal of Experimental Psychology: Animal Behavior Processes, 9, 14-30.

Köperschaften Artikel:

National Institute of Mental Health. (1982). Television and behavior: Ten years of scientific progress and implications for the eighties (DHHS Publications No. ADM 82-1195). Washington, DC: U.S. Government Printing Office.

 

Genauere Informationen zu den Richtlinien der APA lassen sich im Internet abrufen:

http://www.wooster.edu/psychology/apa-crib.html

oder ausführlich nachlesen in:

American Psychological Association (2001). Publication manual of the American Psychological Association (5th ed.). Washington, DC.

 

Titelseite / front page

Die Titelseite ist eine Art “Visitenkarte” der Arbeit und eine erste Information der Leserinnen und Leser. Deshalb sollte sie ansprechend und übersichtlich gestaltet sein. Standard-Elemente sind:

  • Titel (ev. mit Untertitel)
  • Art oder Rahmen der Arbeit (Experimentalpraktikum, Semesterarbeit, Diplomarbeit)
  • Institution (Philippps-Universität Marburg)
  • Betreuer oder Auftraggeber
  • Autor(en)
  • Datum

 

Inhaltsverzeichnis / contents

Das Inhaltsverzeichnis soll es dem Leser ermöglichen, mühelos jeden Textabschnitt zu finden. Folgende Gesichtspunkte sind zu beachten:

  • Die Gliederungsstruktur muss korrekt und systematisch sein (Hauptkapitel, Unterkapitel usw.)
  • Die Titelgebung muss exakt mit den im Text verwendeten Titeln übereinstimmen.
  • Zu jedem Titel gehört eine Seitenangabe.

 

Abstrakt / abstract

Das Abstrakt stellt die zweite wichtige Informationsquelle für den Leser dar, der aufgrund des Titels entschieden hat, dass dieser Text für ihn von Interesse sein könnte. Deshalb sollte das Abstrakt alle wesentlichen und wichtigen Informationen aus der Studie enthalten. Das Abstrakt ist also eigentlich ein kurze Zusammenfassung des gesamten Berichtes; es sollte ausführlich genug sein, aber dennoch sehr kurz gehalten werden (d.h. die Länge einer Seite nicht  überschreiten, maximal 250-300 Wörter). Detaillierte Informationen sollten nur dann im Abstrakt genannt werden, wenn diese Informationen wichtig sind für die gesamte Studie. Entscheidend ist, dass Einleitung, Methode, Ergebnisse und eine Schlussfolgerung enthalten sind. Das Abstrakt ist neben der Diskussion wohl eines der schwersten Teile eines Berichtes, und auch erfahrene Schreiber haben damit immer wieder Probleme – darum nicht verzweifeln, wenn es nicht sofort gelingt!

 

Schlüsselwörter / key words

Dieser Abschnitt wird noch auf derselben Seite unter das Abstrakt gesetzt. Diese Schlüsselwörter dienen dazu, sich schnell einen Überblick über die wichtigsten Themen in dem Bericht zu machen. Diese Schlagwörter sind als Ergänzung zu sehen zum Abstrakt, weil sie in ganz kurzer Form die wichtigsten Begriffe nennen. Die Anzahl der Schlüsselwörter kann zwischen 3-10 variieren, meistens bewegt es sich dazwischen.

 

Anhang / appendix

In den Anhang gehören alle Informationen, die zwar wichtig, aber nicht wesentlich sind (wenn sie wesentlich sind, gehören sie in den Text). Hier sollten z.B. Musterexemplare von verwendeten Arbeitsblättern, Fragebögen, Interviews, Instruktionen usw. abgeheftet sein. Beachten Sie, dass auch dieses Kapitel durch eine logische Reihenfolge strukturiert und übersichtlich gestaltet ist.

 

Allgemeine Hinweise:

  1. Wenn möglich, unpersönlich schreiben, d.h. Ausdrücke wie ‚ich‘, ‚wir‘ vermeiden. In neueren Zeitschriften Artikeln erscheint das zwar inzwischen, aber die unpersönliche Form ist immer noch üblicher bei wissenschaftlichen Berichten.
  2. Die Hauptkapitel immer auf einer neuen Seite beginnen.
  3. Einheitlich nummerieren – Kapitel, Tabellen, Abbildungen usw. Bei wissenschaftlichen Berichten ist die dekadische Gliederung üblich:

    1. Hauptkapitel
    1.1 Unterkapitel 1. Grades
    1.2 Unterkapitel 1. Grades
    1.2.1 Unterkapitel 2. Grades

  4. Seiten konsequent durchnummerieren:

    • entweder mit arabischen Ziffern im ganzen Bericht - beginnend beim Inhaltsverzeichnis mit 1,
    • oder den Vorspann (Inhaltsverzeichnis, Abstrakt, ev. Danksagung) mit römischen Ziffern (I, II, III usw.), den Hauptteil mit arabischen Ziffern (1, 2, 3 usw.) und den Anhang separat (z.B. A-1, A-2, A-3 usw.) nummerieren.

  5. Dank Kopf- und/oder Fußzeilen muss jede Seite genau identifizierbar sein - man sollte den Bericht also jederzeit neu ordnen können, falls die Blätter durcheinandergeraten sind.
  6. Abkürzungen möglichst vermeiden; bei langen Ausdrücken, die sich häufig wiederholen, können Abkürzungen verwendet werden, diese müssen jedoch am Anfang oder am Ende des Berichtes in einem Verzeichnis erklärt werden und im Text vorher einmal ausgeschrieben worden sein.
  7. Sehr hilfreich ist es, Zeitschriften Artikel zu lesen und zu vergleichen, so bekommt man einen Überblick über mögliche Schreib/Strukturmöglichkeiten für empirische Berichte.
  8. Den fertigen Bericht am besten von jemandem durchlesen lassen, der nicht an der Arbeit beteiligt war - so wird deutlich, ob der Bericht klar und detailliert genug ist.

 

 

Zuletzt aktualisiert: 26.10.2017 · Borchers

 
 
 
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