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Kriegsverbrechen im Fokus deutsch-chinesischer Zusammenarbeit:

DFG-gefördertes Kooperationsprojekt zwischen dem Marburger ICWC und Forschungsinstitut, Gedenkstätte und Museum zur Geschichte der „Einheit 731“ im chinesischen Harbin

Verantwortlich: Prof. Dr. Eckart Conze, Professor für Neuere und Neueste Geschichte an der Philipps-Universität und Stellvertretender Geschäftsführender Direktor des ICWC 

Begrüßung der Marburger Delegation in der Akademie für Gesellschaftswissenschaften Harbin
Begrüßung in der Akademie für Gesellschaftswissenschaften Harbin. V.l.: Ru-jia Liu (Dolmetscherin), Yan-jun Yang (Forschungsinstitut "Einheit 731"), Professor Mao-xiao Zheng (Vizepräsident der Akademie), Professor Haichun Bao (Präsident der Akademie), Professor Conze, S. Raidt, Dr. Form, Hui-guang Han (Forschungsinstitut "Einheit 731"), Dr. Ullrich. (Foto: Forschungsinst. "Einheit 731").

Wissenschaftler des Internationalen Forschungs- und Dokumentationszentrums Kriegsverbrecherprozesse (ICWC) der Philipps-Universität und Forscher aus der Volksrepublik China wollen künftig intensiv kooperieren. Mit diesem Ergebnis kehrte eine Marburger Delegation Anfang September 2013 von einer mehrtägigen Reise in die nordostchinesische Metropole Harbin zurück.
Unter der Leitung des Marburger Zeithistorikers Professor Eckart Conze führte man in der Zehnmillionenstadt in der Mandschurei Gespräche mit Vertretern des Museums und der Gedenkstätte sowie des an der Akademie für Gesellschaftswissenschaften von Harbin angesiedelten Forschungsinstituts zur Geschichte der „Einheit 731“. Die „Einheit 731“ war eine japanische Militäreinrichtung, in der in den Jahren des Zweiten Weltkriegs in der von Japan besetzten Mandschurei an Menschen (japanische Kriegsgefangene und Angehörige der chinesischen Zivilbevölkerung) der Einsatz biologischer und chemischer Waffen erprobt und medizinische Experimente durchgeführt wurden – mit Tausenden von Opfern.
Die Marburger Vertreter, zu der auch die Historikerinnen Dr. Christina Ullrich und Susanne Raidt sowie der Politikwissenschaftler Dr. Wolfgang Form (alle ICWC) gehörten, folgte mit ihrem Besuch einer Einladung, die eine Delegation aus Harbin bei ihrem Besuch der Philipps-Universität im letzten Jahr ausgesprochen hatte. Der Gegenbesuch, so ICWC-Direktor Conze, habe nicht nur die beiderseitige Kooperationsabsicht bestätigt, sondern auch konkrete gemeinsame Perspektiven entstehen lassen: „Nun kommt es darauf an, die Vereinbarungen umzusetzen und die wissenschaftliche Partnerschaft dadurch mit Leben zu erfüllen“, betonte Conze. Darüber hinaus sei das chinesische Interesse an gemeinsamen Projekten eine Bestätigung für das internationale Renommee der Philipps-Universität und des Forschungszentrums.

Außengelände der Gedenkstätte "Unit 731"
Außengelände der Gedenkstätte. Das Gebäude wurde für Kälteexperimente an Menschen benutzt (Foto: Wolfgang Form).

Im Zentrum der beabsichtigten Kooperation, deren Zustandekommen von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) als Beitrag zum Ausbau der deutsch-chinesischen Wissenschaftsbeziehungen finanziell gefördert wird, steht zunächst der Austausch von Archivdokumenten zu deutschen und japanischen Kriegsverbrechen im Zweiten Weltkrieg. Aber auch weitere Schritte wurden ins Auge gefasst: eine gemeinsame Ausstellung sowie eine internationale Konferenz, die sich in transnationaler Perspektive beispielsweise mit den Zusammenhängen zwischen humanexperimentellen Verbrechen und ihren Tätern im nationalsozialistischen Deutschland und im Japan der 1930er/1940er Jahre beschäftigen könnte.
Professor Jin Chengmin, der Leiter des Museums, und Yan-jun Yang, Direktor des Forschungsinstituts, zeigten sich begeistert von der Entwicklung der Beziehungen und den konkreten Kooperationsperspektiven. Professor Haichun Bao, Präsident der Akademie für Gesellschaftswissenschaften, der die Marburger Delegation offiziell empfing, unterstrich die wissenschaftliche, aber auch die gesellschaftliche Bedeutung der Zusammenarbeit, die auch dem Zweck dienen könne, in Europa die Aufmerksamkeit für die im Zweiten Weltkrieg in Asien verübten Kriegs- und Menschheitsverbrechen zu erhöhen, um diese Thematik gemeinsam zu erforschen, die menschenverachtenden Gewalttaten aber auch gemeinsam zu erinnern.

 Angehörige des Forschungsinstituts "Einheit 731" präsentierten den Marburger Gästen Archivdokumente zu japanischen Kriegsverbrechen
Angehörige des Forschungsinstituts "Einheit 731" präsentierten den Marburger Gästen Archivdokumente zu japanischen Kriegsverbrechen während des Zweiten Weltkriegs. V.l.: Professor Eckart Conze, Susanne Raidt, Dr. Christina Ullrich, Ru-jia Liu (Dolmetscherin), Yan-jun Yang (Forschungsinstitut "Einheit 731"), Dr. Wolfgang Form (Foto: Forschungsinstitut "Einheit 731").

Hier gelangen Sie zur chinesischen Internetseite des Museums zur Geschichte der „Einheit 731“.

Weitere Informationen zur Einheit 731 und zum Forschungszentrum in Harbin finden Sie in einer kurzen englischsprachigen Einführung.





Kontakt:

Professor Dr. Eckart Conze

Philipps-Universität Marburg

Fachgebiet Neuere und Neueste Geschichte II - Neueste Geschichte

Wilhelm-Röpke-Str. 6 C

D-35032 Marburg

Tel.: ++49 (0)6421 - 28 24611

ng2-conze(at)uni-marburg.de

Zuletzt aktualisiert: 04.11.2013 · Wolckenh

 
 
 
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