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Sommersemester 2013

Vorlesung: Völkerstrafrecht

Dr. Stefan Kirsch

Donnerstags von 18°° bis 20°° Uhr

Ort: Landgrafenhaus (LH), Universitätsstraße 7, Hörsaal 103

Link zum Eintrag im Vorlesungsverzeichnis der Philipps-Universität

Neben der Entstehung des Völkerstrafrechts und einer Vorstellung der im Bereich des Völkerstrafrechts tätigen Institutionen (ad hoc Gerichtshöfe, IStGH) stehen die Besonderheiten der völkerstrafrechtlichen Kernverbrechen (Kriegsverbrechen, Aggression, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Völkermord) im Zentrum der Veranstaltung. Darüber hinaus werden die Teilnehmer mit den Grundzügen der Verfahren vor den verschiedenen Internationalen Strafgerichte vertraut gemacht. Englische Sprachkenntnisse sind erforderlich. Die Veranstaltung richtet sich auch an Studierende der Friedens- und Konfliktforschung.

Bibliographie: Lehrbücher: Ambos, Internationales Strafrecht, 3. Aufl. 2011; Safferling, Internationales Strafrecht, 2011; Satzger, Internationales und Europäisches Strafrecht, 5. Aufl. 2011; Werle, Völkerstrafrecht, 3. Aufl. 2012.
Übersichten: Kirsch, HuV-I 2008, 66; Safferling/Kirsch, JA 2012, 481.


Seminar: Zwanzig Jahre Internationaler Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien

Professor Dr. Christoph J.M. Safferling, LL.M. (LSE)

Einzeltermine

Am 25. Mai 1993 wurde der Internationale Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien (JStGH) auf der Grundlage der UN-Sicherheitsresolution 827 eingerichtet. Am 26. Mai und 20. Juli 2011 wurden die letzten beiden von 161 vom JStGH Angeklagten,
Ratko Mladić und Goran Hadžić, verhaftet. Damit nähert sich die Funktionsdauer des ad hoc Gerichtshofs ihrem Ende zu. Der dazu entworfene dreiphasige Plan, die sogenannte „Completion Strategy“ und ihre Mechanismen, wurde 2010 vom UN-Sicherheitsrat in seiner Resolution 1966 in Kraft gesetzt. Nach nun zwanzigjähriger Tätigkeit gilt es Bilanz zu ziehen und die Arbeit des JStGH, vor allem auch in Hinblick auf die Fortbildung internationaler Rechtsprechung und der Herausbildung eines internationalen Prozessrechts, kritisch aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten. Das Seminar ist den juristischen Schwerpunktbereichen 5 (Völker- und Europarecht) und 6 (Nationale und internationale Strafrechtspflege) zugeordnet. Mit der Themenvergabe müssen sich die Teilnehmenden entscheiden, ob sie die Seminararbeit als wissenschaftliche Hausarbeit im Sinne der Schwerpunktbereichsprüfungsordnung werten lassen möchten. Studierende, die sich für den Schwerpunktbereich verbindlich anmelden, haben Vorrang.


Vorlesungsreihe: Terroristenprozesse

Professor Dr. Christoph J.M. Safferling, LL.M. (LSE)

Einzeltermine, Mittwochs von 19°° bis 21°° Uhr

Ort: Landgrafenhaus (LH), Universitätsstraße 7, Hörsaal 101; außer am 15.05.2013, dann im Savignyhaus (SH), Universitätsstraße 6, Hörsaal 120.

Link zum Eintrag im Vorlesungsverzeichnis der Philipps-Universität

In dieser Veranstaltung werden verschiedene Aspekte aus dem Themenkomplex Terrorismus, Strafverfolgung und prozessuale Maßnahmen beleuchtet.  Dazu gehören unter anderem allgemeine rechtliche Grundlagen, die Attentate des 11. September, die RAF-Prozesse, die Anschläge der NSU und Aspekte der prozessualen Aufarbeitung. Zudem wird für die Teilnehmer ein Besuch einer Justizvollzugsanstalt (JVA) angeboten. Bei regelmäßiger Teilnahme wird zum Ende der Vortragsreihe ein Teilnahme-Zertifikat ausgestellt.

Bibliographie: Literaturhinweise werden in der Veranstaltung gegeben.


Praxiseminar mit Archivstudien/Projektarbeit: Herrschaft und Gesellschaft im Nationalsozialismus

Dr. Wolfgang Form & Dr. Nicola Wurthmann

Montag von 12°° bis 16.°° Uhr

Ort: Staatsarchiv Marburg, Friedrichsplatz 15, Hörsaal II

Link zum Eintrag im Vorlesungsverzeichnis der Philipps-Universität

Die Machtübernahme der Regierung Hitler-Papen im Januar 1933 markierte eine tiefe Zäsur in der politischen Kultur des Deutschen Reiches. Mit der unmittelbar einsetzenden Verfolgung und Zerschlagung der politischen Opposition begann die "Gleichschaltung" und "Nazifizierung" von Staat und Gesellschaft, die eine wesentliche Grundlage für die Entfesselung des Zweiten Weltkriegs und den im Namen des Deutschen Reiches begangenen europäischen Völkermord bildete.

Gegenstand des Seminars, das sich an fortgeschrittene Studierende richtet, ist die Auseinandersetzung mit politischer Verfolgung im "Dritten Reich" in Hessen. In den Eingangssitzungen werden dafür zunächst die organisatorischen Grundlagen des NS-Verfolgungssystems und der politischen NS-Justiz – Volksgerichtshof, Oberlandesgerichte, Sondergerichte und Militärgerichtsbarkeit – erarbeitet (Referat und Verschriftlichung). Anschließend werden die Teilnehmenden die Biografien einzelner Opfer und Täter der politischen Justiz (Volksgerichtshof und politische Senate der Oberlandesgerichte Kassel und Darmstadt) rekonstruieren und textlich darstellen (Seminarleistung).

Eine Grundlage für diese Arbeit bildet das Gedenkbuch für die "Verfolgten der politischen NS-Strafjustiz in Hessen". Anhand historischer Originaldokumente sollen die Studierenden ihre Fähigkeiten zur quellenkritischen Textanalyse vertiefen; die Veranstaltung wird daher im Staatsarchiv Marburg stattfinden. Außerdem werden sie geeignete Präsentationsmethoden erlernen. Es ist vorgesehen, die erarbeiteten Ergebnisse im Wintersemester 2013/14 der Öffentlichkeit zu präsentieren (Ausstellung).

Bibliographie:

Die Verfolgten der politischen NS-Strafjustiz in Hessen. Ein Gedenkbuch, hrsg. von Wolfgang Form, Theo Schiller und Karin Brandes, Marburg 2012 (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen, 65,3).

Politische NS-Justiz in Hessen. Die Verfahren des Volksgerichtshofs, der politischen Senate der Oberlandesgerichte Darmstadt und Kassel (1933-1945) sowie Sondergerichtsprozesse in Darmstadt und Frankfurt/M. (1933/34), hrsg. von Wolfgang Form und Theo Schiller, 2 Bde., Marburg 2005 (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen, 65).

 

Übung: Nach dem Morden. Anerkennung von Opfern nach genozidaler Makrokriminalität

Dr. Christina Ullrich

Donnerstag von 14°° bis 16.°° Uhr

Ort: 10C05, WR 6C --> Wilhelm-Röpke-Straße 6, Block C

Link zum Eintrag im Vorlesungsverzeichnis der Philipps-Universität

 

Die Anerkennung oder Nichtanerkennung von Opfern bzw. Überlebenden genozidaler Verbrechen unterliegt einem komplexen Zusammenwirken verschiedenster Faktoren. Opfer sind somit nicht gleich Opfer, sondern Opferschaft unterliegt einer Konstruktivität. Unterschiedliche Akteure verhandeln sie unter spezifischen gesellschaftlichen, politischen, kulturellen, medialen und ökonomischen Rahmenbedingungen und zu bestimmten Zwecken. Der Status Opfer wird zugeschrieben durch Täter, durch die Betroffenen selbst, durch Medien, Gesellschaft, zivilgesellschaftliche Gruppen, nichtstaatliche Organisationen, Regierende und nicht zuletzt durch die Justiz, um nur einige Möglichkeiten zu nennen. Normativ werden Menschen oder Gruppen zu Opfern, wenn es um die Frage geht, welche Verbrechen strafrechtlich geahndet werden sollen und welchen Opfergruppen eine Form von Entschädigung zusteht. Mitverhandelt werden dabei immer auch Deutungen bzw. Narrative des Geschehenen. Überlebende selbst können dabei einzeln oder als Akteure wirken, sie können aber auch zum Objekt und nicht zuletzt hierarchisiert werden.

In der Übung wollen wir uns die Thematik grundlegend und interdisziplinär erarbeiten und zur Vertiefung die Beispiele Nachkriegsdeutschland und Ruanda heranziehen. Wir werden uns u.a. mit folgenden Fragen beschäftigen: Welche Bedeutungszuschreibungen verbinden sich mit den semantischen Feldern „Opfer“ und „Anerkennung“? Welche Rolle spielen die Kategorien Gerechtigkeit und Moralität? Gibt es inzwischen globalisierte Vorstellungen von Opferschaft und falls ja, mit welchen Konsequenzen? Wie ist in diesem Kontext die aktuelle explizite Opferzentrierung in der Praxis des Völkerstrafrechts zu bewerten? Können wir schließlich Faktoren definieren, die zu Anerkennungszuschreibungen oder –verweigerung führen?

Die Übung richtet sich an fortgeschrittene Studierende der Geschichts-, Sozial- und auch Rechtswissenschaften. Es wird die Bereitschaft vorausgesetzt, englische Texte zu lesen und sich auf Arbeits- und Denkweisen anderer Fächer einzulassen.


Bibliographie für einen ersten Überblick:

Fritz Bauer Institut (Hrsg.), Opfer als Akteure. Interventionen ehemaliger NS-Verfolgter in der Nachkriegszeit, Frankfurt, New York 2008; Jean-Michel Chaumont, Die Konkurrenz der Opfer. Genozid, Identität und Anerkennung, Lüneburg 2001; Thorsten Bonacker, Globale Opferschaft. Zum Charisma des Opfers in Transitional Justice Prozessen, in: Zeitschrift für Internationale Beziehungen 19 (2012), H 1, S. 5-36; Rombouts, Heidy/Vandeginste, Stef, Reparation for Victims in Rwanda: Caught between theory and practice, in: K. de Feyter (Hrsg.), Out of the Ashes. Reparation for victims of gross and systematic human rights violations, Antwerpen 2005, S. 309-341.


Wintersemester 2012/2013


Forschungsseminar: War – Gender – Justice. Die Ahndung von Verbrechen an Frauen in bewaffneten Konflikten II

Dr. Wolfgang Form & Dr. Claudia Kuretsidis-Haider (Wien)

Montags von 10°° bis 14.°° Uhr

Ort:      Besprechungsraum, Ketzerbach 11

Fortsetzung des Forschungssemniars im Sommersemester 2012.

Über Jahrhunderte hinweg war die Ahndung von sexueller und sexualisierter Gewalt gegen Frauen in bewaffneten Konflikten kaum ein Thema. Mit der Verfolgung der Kriegsgräuel des Ersten und vor allem des Zweiten Weltkrieges begann ein Umdenken in dieser Frage. Mittlerweile ist Vergewaltigung als Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit oder genozidaler Akt im Völkerstrafrecht verankert.

2001 fand in Den Haag der erste Prozess statt, der sich ausschließlich mit Vergewaltigungen und sexueller Gewalt im Krieg befasste. Den positiven Entwicklungen im Völkerstrafrecht auf der einen Seite steht die schwierige Situation vieler weiblicher Opfer, als Zeuginnen vor Gericht aufzutreten und über traumatische Erfahrungen neuerlich sprechen zu müssen gegenüber. Ein Problem, das generell bei Makroverbrechen evident ist. Gewalt gegen Frauen im Zuge bewaffneter Konflikte ist geschlechterspezifisch begründet und vergegenwärtigt nicht nur Diskriminierung von Frauen in Friedenszeiten, sondern manifestiert vielmehr ihre Ungleichbehandlung in extremer Form. Im Verlauf des Forschungsseminars werden historische wie aktuelle Fragestellungen (restriktive wie progressive) zur Kategorie Geschlecht bei der Ahndung von Kriegs- und Humanitätsverbrechen diskutiert.

Das Forschungsseminar ist modular aufgebaut und wird über zwei Semester angeboten. Im Sommersemester sollen theoretische und praktische Grundlagen besprochen und Ideen für die Forschungsarbeit entwickelt werden. Dabei geht es vornehmlich um die historische Entwicklung und Rezeption von Ahndungsmodellen von Massenverbrechen gegenüber Frauen in bewaffneten Konflikten. Konzeptionell wird im Sommersemester der Schwerpunkt auf Gruppenarbeiten liegen. In jeder Doppelstunde werden z.B. Texte gemeinsam besprochen. Im zweiten Modul (Wintersemester 2012/13) verlagert sich die Arbeit auf Einzelstudien zu ausgewählten Themen (Forschungsarbeiten). Es besteht auch die Möglichkeit, die Forschungsarbeit mit Aspekten des Pflichtpraktikums zu verbinden.

 

Vorlesung: Grundlagen des Völkerstrafrechts – Einführung in das Völkerstrafrecht für Friedens- und Konfliktforscher

Dr. Wolfgang Form

Mittwochs 12 – 14 Uhr

Ort: HS 00A26, DH 12 ( Deutschhausstr. 12)

Beginn: 17. 10. 2012

Die Vorlesung bietet eine Einführung in das Völkerstrafrecht für Studierende der Friedens- und Konfliktforschung, der Rechtswissenschaften sowie sonstige Interessierte aller Fachrichtungen ohne spezifische juristische Expertise. Vorgestellt werden Kenntnisse der Geschichte der nationalen und internationalen Durchsetzung von Völkerstrafrecht beginnend mit dem ersten Weltkrieg (inkl. der völkerrechtlichen Grundlagen) sowie der nichtjustiziellen Alternativen im Rahmen von Transitional Justice Maßnahmen und zudem Grundkenntnisse des materiellen und prozessualen modernen Völkerstrafrechts am Beispiel der Internationalen Militärtribunale in Nürnberg und Tokio, der ad hoc Tribunale der 1990er Jahre sowie dem internationalen Strafgerichtshofs und den ihnen zugrunde liegenden Statute. Dazu gehört ebenfalls die Diskussion der Delikte Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Genozid und Angriffskrieg.

Literatur zum Einstieg: Ahlbrecht, Heiko – Geschichte der völkerrechtlichen Strafgerichtsbarkeit im 20. Jahrhundert (1999)


Sommersemester 2012


Vorlesung: Die Geschichte des Völkerstrafrechts

Prof. Dr. Eckart Conze & Prof. Dr. Safferling LL.M. (LSE)

Donnerstags von 14:00 bis 16:00 Uhr

Ort: HG 113

Die Vorlesung beleuchtet die Entwicklung des Völkerstrafrechts aus historischer und rechtswissenschaftlicher Sicht, wendet sich also an Studierende der Rechtswissenschaft und der Geschichte, aber auch an Studierende anderer Disziplinen mit einem Interesse an der rechtlichen Dimension internationaler Beziehungen. Mit der Errichtung eines Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag (1998/2002) hat die Entwicklung des Völkerstrafrechts an der Schwelle zur Gegenwart ein neues Stadium erreicht. Der Weg von den ersten Bemühungen, Kriegsverbrechen zu sanktionieren, im 19. Jahrhundert, bis hin zu einer internationalen Strafrechtsordnung (zur Ahndung von Völkermord, Verbrechen gegen den Frieden und Verbrechen gegen die Menschlichkeit) am Beginn des 21. Jahrhunderts war jedoch alles andere als geradlinig. Erfolge und Rückschritte wechselten sich ab, und immer wieder zeigte sich der bestimmende Einfluss der internationalen Politik auf diesen Prozess. Vor diesem Hintergrund wird die Vorlesung die Etappen der Entwicklung des Völkerstrafrechts beleuchten und sie geschichtswissenschaftlich und juristisch einordnen.

Den Terminplan zur Veranstaltung finden Sie hier.

 

Forschungsseminar:

War – Gender – Justice. Die Ahndung von Verbrechen an Frauen in bewaffneten Konflikten

Dr. Wolfgang Form

Dr. Claudia Kuretsidis-Haider (Wien)

Montag von 10°° bis 14.°° Uhr

Beginn:         16. April 2012

Ort:              Phil Fak Raum 03B07

 

Über Jahrhunderte hinweg war die Ahndung von sexueller und sexualisierter Gewalt gegen Frauen in bewaffneten Konflikten kaum ein Thema. Mit der Verfolgung der Kriegsgräuel des Ersten und vor allem des Zweiten Weltkrieges begann ein Umdenken in dieser Frage. Mittlerweile ist Vergewaltigung als Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit oder genozidaler Akt im Völkerstrafrecht verankert.

2001 fand in Den Haag der erste Prozess statt, der sich ausschließlich mit Vergewaltigungen und sexueller Gewalt im Krieg befasste. Den positiven Entwicklungen im Völkerstrafrecht auf der einen Seite steht die schwierige Situation vieler weiblicher Opfer, als Zeuginnen vor Gericht aufzutreten und über traumatische Erfahrungen neuerlich sprechen zu müssen gegenüber. Ein Problem, das generell bei Makroverbrechen evident ist. Gewalt gegen Frauen im Zuge bewaffneter Konflikte ist geschlechterspezifisch begründet und vergegenwärtigt nicht nur Diskriminierung von Frauen in Friedenszeiten, sondern manifestiert vielmehr ihre Ungleichbehandlung in extremer Form. Im Verlauf des Forschungsseminars werden historische wie aktuelle Fragestellungen (restriktive wie progressive) zur Kategorie Geschlecht bei der Ahndung von Kriegs- und Humanitätsverbrechen diskutiert.

Das Forschungsseminar ist modular aufgebaut und wird über zwei Semester angeboten. Im Sommersemester sollen theoretische und praktische Grundlagen besprochen und Ideen für die Forschungsarbeit entwickelt werden. Dabei geht es vornehmlich um die historische Entwicklung und Rezeption von Ahndungsmodellen von Massenverbrechen gegenüber Frauen in bewaffneten Konflikten. Konzeptionell wird im Sommersemester der Schwerpunkt auf Gruppenarbeiten liegen. In jeder Doppelstunde werden z.B. Texte gemeinsam besprochen. Im zweiten Modul (Wintersemester 2012/13) verlagert sich die Arbeit auf Einzelstudien zu ausgewählten Themen (Forschungsarbeiten). Es besteht auch die Möglichkeit, die Forschungsarbeit mit Aspekten des Pflichtpraktikums zu verbinden (soweit sich Anknüpfungspunkte zum Seminarthema klar ersehen lassen).

 


Literatur zum einlesen:

Ambos, Kai: Sexuelle Gewalt in bewaffneten Konflikten und Völkerstrafrecht, in: Zeitschrift für Internationale Strafrechtsdogmatik http://www.zis-online.com/dat/artikel/2011_5_561.pdf

Beck, Birgit: Massenvergewaltigungen als Kriegsverbrechen. Zur Entwicklung des Völkerrechts, in Wette, Wolfram/ Ueberschär, Gerd R. (Hrsg.): Kriegsverbrechen im 20. Jahrhundert, Darmstadt 2001, S. 406-418

Bergsmo, Morten: International Sex Crimes as a Criminal Justice Theme, in: FICHL Policy Brief Series No. 4 (2011) http://www.fichl.org/fileadmin/fichl/documents/FICHL_Policy_Brief_Series/FICHL_PB4.pdf

Burkhardt, Sven: Vergewaltigung als Verbrechen gegen die Menschlichkeit: sexualisierte Gewalt, Makrokriminalität und Völkerstrafrecht, Münster 2005. (Juristisches Seminar, XV 9809)

Mühlhäuser, Regina: Sexuelle Gewalt als Kriegsverbrechen: eine Herausforderung für die Internationale Strafgerichtsbarkeit, in: Mittelweg 36 Nr. 2 April/Mai 2004, S. 33-48.


 

Seminar: Zehn Jahre Internationaler Strafgerichtshof

Prof. Dr. Safferling LL.M. (LSE)

Am 1. Juli 2002 wurde der Internationale Strafgerichtshof auf der Grundlage des Römischen Statuts vom 17. Juli 1998 aus der Taufe gehoben. Das Gericht hat sein erstes Jahrzehnt genutzt, um erste Gehversuche zu unternehmen. Bislang ist kein Verfahren in 1. Instanz zum Abschluss geführt worden, sieben Situationen werden bearbeitet, aber nicht in allen gelingt es tatsächlich strafverfolgend tätig zu werden. Nach zehn Jahren muss eine erste Bilanz gezogen werden, ob die Institution den Anforderungen der Präambel des Römischen Statuts gerecht wird. Dabei gilt es die Verfahrensordnung, die dort tätigen Personen und die einzelnen Fälle und Situationen kritisch unter die Lupe zu nehmen.

Themenbekanntgabe: Mittwoch, 15. Februar 2012 (Internet und Aushang).


Vorbesprechung und Themenvergabe: Mittwoch, 22. Februar 2012 um 16 Uhr im SH 312.
Spätere Themenvergabe: ab Donnerstag, 23. Februar 2012, Savignyhaus, Raum SH 323 bei Frau Farthofer nach individueller Vereinbarung.


Abgabe nach sechswöchiger Bearbeitungsfrist für Schwerpunktarbeiten,
Ansonsten bis 14. Mai 2012 im Sekretariat von Prof. Safferling, SH 306.

Das Seminar ist den Schwerpunktbereichen 5 (Völker- und Europarecht) und 6 (Nationale und internationale Strafrechtspflege) zugeordnet. Mit der Themenvergabe müssen sich die Teilnehmenden entscheiden, ob sie die Seminararbeit als wissenschaftliche Hausarbeit im Sinne der Schwerpunktbereichsprüfungsordnung werten lassen möchten. Studierende, die sich für den Schwerpunktbereich verbindlich anmelden, haben Vorrang.

 Wintersemester 2011/2012


Seminar: Menschenrechtsschutz in Europa

Prof. Dr. Monika Böhm

Prof. Herbert Landau

Prof. Dr. Safferling LL.M. (LSE)


Die Europäische Menschenrechtskonvention (EMRK) ist der erfolgreichste Menschenrechtspakt weltweit. Mit 47 Mitgliedstaaten reicht ihr Anwendungsbereich weit über die geographischen Grenzen Europas hinaus. Überwacht wird die Einhaltung der Konvention durch den Europäischen Gerichtshof für Menschenrecht in Straßburg (EGMR).

Dieses System europäischen Menschenrechtsschutzes steht naturgemäß in Konkurrenz zum Grundrechtsschutz durch die deutschen Gerichte und das Bundesverfassungsgericht. In mehreren spektakulären Fällen ist in den letzten Jahren Deutschland immer wieder in Konflikt mit dem EGMR geraten. Die Reichweite der Religionsfreiheit in Bezug auf das Tragen eines Kopftuchs, Verurteilungen wegen überlanger Verfahrensdauer, wegen unmenschlicher Behandlung in den Fällen Jalloh und Gaefgen sind ebenso zu verzeichnen wie die massive Kritik des EGMR am System der deutschen Sicherungsverwahrung im Fall M.

Im Rahmen des Seminars sollen einige wichtige Einzelfälle intensiv analysiert und ausgewertet werden. Darüber hinaus sind auch methodische Fragen der Konventionsauslegung ebenso wie der Verschränkung mit dem deutschen Rechtssystem zu erörtern.

 

Seminarplanung: Das Seminar wird als Blockveranstaltung in Karlsruhe mit Besuch des Bundesverfassungsgerichts und des Bundesgerichtshofs voraussichtlich im Februar 2012 abgehalten. Der Abschluss bildet eine Fahrt nach Straßburg zum Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte.

 

Themenbekanntgabe: Dienstag, 20. Juli 2011 (Internet und Aushang).

Vorbesprechung und Themenvergabe: Am Mittwoch, 27. Juli 2011, 14 c.t. Uhr Savignyhaus, Raum SH 312 bzw. zu einem späteren Zeitpunkt nach individueller Vereinbarung.

Abgabe nach sechswöchiger Bearbeitungsfrist für Schwerpunktarbeiten, Ansonsten bis 14. Januar 2012 in den jeweiligen Sekretariaten von Prof. Böhm (SH 403), oder Prof. Safferling (SH 306).

Das Seminar ist den Schwerpunktbereichen 4 (Staat und Wirtschaft), 5 (Völker- und Europarecht) und 6 (Nationale und internationale Strafrechtspflege) zugeordnet. Mit der Themenvergabe müssen sich die Teilnehmenden entscheiden, ob sie die Seminararbeit als wissenschaftliche Hausarbeit im Sinne der Schwerpunktbereichsprüfungsordnung werten lassen möchten.

Probereferate sind nicht nur möglich, sondern auch erwünscht!


Vorlesung: Strafprozessrecht

Prof. Dr. Safferling LL.M. (LSE)

Freitags von 8:00 bis 10:00 Uhr

Ort: Landgrafenhaus, LH 102

 

Die Vorlesung dient der Einführung in Strafverfahrensrecht, soweit es zum Examenspflichtfach gehört. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stehen deshalb die Verfahrensgrundsätze, die Verfahrensbeteiligten sowie in Grundzügen der Gang des Strafverfahrens, die gerichtliche Zuständigkeit, der Instanzenzug, Zwangsmittel und Rechtskraft.

Durch den gemeinsamen Besuch einer gerichtlichen Hauptverhandlung soll den Studierenden die Relevanz strafprozessualer Fragen vermittelt werden.

Bibliografie: Beulke, Strafprozessrecht, 11. Aufl. 2010; Roxin/Schünemann, Strafverfahrensrecht, 26. Aufl. 2009; Kühne, Strafprozesssrecht, 8. Auf. 2010; Rössner, 30 Problem aus dem Strafprozessrecht, 2. Aufl. 2007;Volk, Grundkurs StPO, 8. Aufl. 2010.

 

Vorlesung: Grundlagen des Völkerstrafrechts

RA Dr. Stefan Kirsch

Donnerstags von 16:00 bis 18:00 Uhr

Beginn: ab dem 27.10.2011

Ort: N.N.

 

Die Veranstaltung ergänzt die Vorlesung Völkerstrafrecht. Während dort die Vermittlung der rechtlichen Grundlagen und der Dogmatik des Völkerstrafrechts sowie des Verfahrensrechts internationaler Strafgerichte im Vordergrund steht, sollen in dieser Veranstaltung die Rahmenbedingungen und Grundlagen des Völkerstrafrechtes zum Gegenstand gemacht werden. Zu den behandelten Themenbereichen gehören neben den Zielen des Völkerstrafrechts und dessen Einbettung in andere Verfahren der Konfliktbewältigung und Friedenssicherung („transitional justice“) die Erscheinungsformen von Makrokriminalität und die Möglichkeiten ihrer juristischen Erfassung und Bearbeitung.

Die Behandlung der Einzelthemen erfolgt in der Regel anhand der gemeinsamen Analyse von kurzen Texten, die in einem reader zusammengefasst sind. Von den Teilnehmern wird daher eine aktive Mitarbeit bei der Textarbeit erwartet.

Bibliografie: Zur Veranstaltung wird ein Reader angeboten.

Besondere Hinweise: Die Veranstaltung ist auch für Studierende der Friedens- und Konfliktforschung geeignet. Die Vorlesung ist dem Schwerpunktbereich 5 (Völker- und Europarecht) und 6 (nationale und internationale Strafrechtspflege) zugeordnet, dementsprechend wird eine Abschlussklausur für den Schwerpunktbereich angeboten.

 

Forschungsseminar: Restorative Justice in Post-Konfliktgesellschaften II


Dr. Wolfgang Form
Montag von 14°° bis 18.°° Uhr

Beginn:         17. Oktober 2011


Ort:              Phil Fak Raum 03B07


Für Rückfragen: form@staff.uni-marburg.de

Der Begriff RestorativeJustice (RJ) zieht sich seit Jahrzehnten wie ein Roter Faden durch die Diskussionen um alternative Modelle außergerichtlicher Konfliktlösungen. Zunächst vornehmlich im kriminologischen Bereich evident, wird RJ Heute zunehmend auch im Zusammenhang von Makroverbrechen thematisiert – insbesondere in Transitionszeiträumen und als Element von Transitional Justice (TJ). RJ kommt aus dem englischsprachigen Raum und lässt sich nicht direkt übersetzen. Am ehesten passt wohl „wiedergutmachende Gerechtigkeit/Justiz“. Damit wird man aber der gesamte Bandbreite möglicher Wirkungsformen nicht gerecht. Abgeleitet vom Englischen „to restore“ soll etwas Beschädigtes wieder in den „ursprünglichen“ Zustand versetzt werden. Maßgeblich ist, dass eine inkriminierte Handlung nicht nur das Opfer, sondern auch die Gesellschaft – oder das Menschsein an sich – beeinträchtigt hat. Die Interessen der Opfer (oder Opfergemeinschaften) stehen im Fordergrund, nicht primär die Verletzung eines Straftatbestands / einer juristisch-moralischen determinierten Norm. Einer Straftat – in unserem Fall handelt es sich ausnahmslos um Massenverbrechen (Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit oder Genozide) – folgt gemäß dem Konzept RJ die Notwendigkeit, Wege/Mechanismen zu etablieren, deren Ziel es ist, einen Zustand ohne Schädigung wiederherzustellen. Der Diskussion ob RJ als eine wirksame Maßnahme der Konfliktbearbeitung in Transitionsprozessen angesehen werden kann oder in welchen Post-Konfliktkonstellation dies der Fall sein könnte / ist, wird im Forschungsseminar breiten Raum eingeräumt werden.

Das Seminar geht über 2 Semester. Im ersten Teil (SoSe 2010) haben wir uns vornehmlich mit der Theorie und der Geschichte von RJ befassen und Fragestellungen bzw. Themenschwerpunkte für die Forschungsseminararbeit im WS (2011/2012) befasst. Im 2. Teil des Forschungsseminars werden Einzelthemen intensiv behandelt.


Einführende Literatur zum Thema

  • Braithwaite, John: Restorative Justice and Therapeutic Jurisprudence. Criminal Law Bulletin 2002, S. 244-262. Link
  • Strang, Heather: Repair or Revenge: Victims and Restorative Justice. Oxford 2004 (Exemplar kann im ICWC eingesehen werden)
  • Resolution 37. News from Restorative Justice Consortium. Herbst 2010. Link
  • Tiemessen, Alana Erin: Alfer Arusha: Gacaca Justice in Post-Genocide Rwanda. African Studies Quarterly, vol. 8 issue 1, fall 2004, S. 57 – 76. Link
  • Zehr, Howard (2010): Fairsöhnt: Restaurative Gerechtigkeit - wie Opfer und Täter heil werden. Schwarzenfeld (UB Marburg V 2010/1654). Ist aber auch nicht teuer: 12,90 €


Sommersemester 2011

 

Vorlesung: Vertiefung im Strafprozessrecht

Prof. Dr. Safferling LL.M. (LSE) & Prof. Dr. Dieter Rössner

Dienstags von 14:00 bis 16:00 Uhr

Beginn:  ab dem 12.04.2011 bis 12.07.2011

Ort: Savignyhaus, SH 120

 

Die Veranstaltung knüpft an die Einführung zur StPO an und vertieft ausgewählte wissenschaftlich interessante und praktisch aktuelle Fragen des Strafprozessrechts sowohl in nationaler wie in internationaler Perspektive wie z.B. Verständigung im Strafverfahren, Verfahrensprinzipien, Fehlerquellen, Opferbeteiligung. Die Themenliste wird noch ausgegeben.

Bibliografie:  Bock, Kriminologie, 3.Aufl. 2007; Meier, Kriminologie, 4.Aufl. 2007.

 

Vorlesung:  Internationales Strafrecht und Kriminalpolitik, Völkerstrafrecht und Rechtsvergleichung

Prof. Dr. Safferling LL.M. (LSE) & RA Dr. Stefan Kirsch

Dienstags von 16:00 bis 18:00 Uhr

Beginn:  ab dem 12.04.2011 bis 12.07.2011

Ort: Savignyhaus, SH 120

 

Die Vorlesung will in die materiellen und prozessualen Grundlagen des Völkerstrafrechts einführen. Die Entwicklung seit dem Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozess mündet in die Einrichtung des Internationalen Strafgerichtshofs in Den Haag im Juli 2002. Der erste Angeklagte vor dem IStGH, Thomas Lubanga, ist zwar niemand, für den sich die mediale Öffentlichkeit besonders interessiert gezeigt hat; für die Glaubwürdigkeit des IStGH ist er dennoch ein „Test-Fall". Im Rahmen der Vorlesung wird dieser Fall daher eine zentrale Stellung einnehmen. Daneben werden auch spektakulärere Verfahren, etwa gegen Milosevic und Hussein, besprochen.

Bibliografie: Zur Einführung: Safferling, JA 2000, 164; ders., JuS 2001, 735; , ders. Jura Sonderheft Examensklausurenkurs 2004, 56; Kirsch (Hrsg.), Internationale Strafgerichtshöfe, 2005; ders., HuV-I 2008, 66; Safferling/Kirsch, JA 2010, 81; Lehrbücher: Ambos, Internationales Strafrecht, 2. Aufl. 2008; ders., Fälle zum Internationalen Strafrecht, 2010; Satzger, Internationales und Europäisches Strafrecht, 4. Aufl. 2010; Werle, Völkerstrafrecht, 2. Aufl. 2007; Zahar/Sluiter, International Criminal Law, 2008; Safferling, Internationales Strafrecht, 2011.

 

Englische Sprachkenntnisse sind unbedingt erforderlich. Studierende der Friedens- und Konfliktforschung sind willkommen!

 

Seminar: Der Völkermord in Ruanda und seine juristische Aufarbeitung

Prof. Dr. Safferling LL.M. (LSE)


In Ruanda wurden im April/Mai 1994 in nur wenigen Wochen mindestens 800.000 Tutsi und gemäßigte Hutu von der Hutu Mehrheit umgebracht. Die Internationale Gemeinschaft sah tatenlos zu und reagierte erst im November 1994 mit der Errichtung eines Ad hoc-Strafgerichtshofs (RStGH) analog zu dem 1993 geschaffenen Jugoslawienstrafgerichtshof. Der RStGH war in der Folge das erste internationale Gericht, das sich intensiv mit der Auslegung des Völkermordtatbestandes beschäftigte und im Jahr 1998 – 40 Jahre nach Verabschiedung der Völkermordkonvention – als erstes internationales Strafgericht eine Verurteilung wegen Völkermordes aussprach. In diesem Seminar wollen wir uns mit dem Völkermord in Ruanda beschäftigen und insbesondere die Arbeit des RStGH, dessen Bedeutung für die Entwicklung des Völkerstrafrechts sowie dessen Verhältnis zu anderen regionalen Streitbeilegungsmechanismen analysieren und – selbstverständlich – das Verfahren gegen O.R. vor dem OLG Frankfurt in Bezug setzen.

Themenbekanntgabe: Mittwoch, 23. Februar 2011 (Internet und Aushang).

Vorbesprechung und Themenvergabe: Mittwoch, 2. März 2011 um 11 Uhr.

Spätere Themenvergabe: ab Donnerstag, 3. März 2011, Savignyhaus, Raum SH 323 bei Frau Farthofer nach individueller Vereinbarung.

Abgabe nach sechswöchiger Bearbeitungsfrist für Schwerpunktarbeiten,
Ansonsten bis 31. Mai 2011 im Sekretariat von Prof. Safferling, SH 306.

Das Seminar ist den Schwerpunktbereichen 5 (Völker- und Europarecht) und 6 (Nationale und internationale Strafrechtspflege) zugeordnet. Mit der Themenvergabe müssen sich die Teilnehmenden entscheiden, ob sie die Seminararbeit als wissenschaftliche Hausarbeit im Sinne der Schwerpunktbereichsprüfungsordnung werten lassen möchten. Studierende, die sich für den Schwerpunktbereich verbindlich anmelden, haben Vorrang.



Forschungsseminar: Restorative Justice in Post-Konfliktgesellschaften


Dr. Wolfgang Form
Montag von 14°° bis 18.°° Uhr (regelmäßig alle zwei Wochen)

Beginn:         11. April 2011
2. Sitzung:     02. Mai 2011

Ort:              Zentrum für Konfliktforschung, Besprechungsraum Ketzerbach 11

Vorbesprechung am Montag, den 7. Februar 2011

Ort:      Forschungs- und Dokumentationszentrum Kriegsverbrecherprozesse
           Universitätsstraße 7 (Landgrafenhaus) – Raum +3 0150

Zeit:     10.°° Uhr

Für Rückfragen: form@staff.uni-marburg.de

Der Begriff RestorativeJustice (RJ) zieht sich seit Jahrzehnten wie ein Roter Faden durch die Diskussionen um alternative Modelle außergerichtlicher Konfliktlösungen. Zunächst vornehmlich im kriminologischen Bereich evident, wird RJ Heute zunehmend auch im Zusammenhang von Makroverbrechen thematisiert – insbesondere in Transitionszeiträumen und als Element von Transitional Justice (TJ). RJ kommt aus dem englischsprachigen Raum und lässt sich nicht direkt übersetzen. Am ehesten passt wohl „wiedergutmachende Gerechtigkeit/Justiz“. Damit wird man aber der gesamte Bandbreite möglicher Wirkungsformen nicht gerecht. Abgeleitet vom Englischen „to restore“ soll etwas Beschädigtes wieder in den „ursprünglichen“ Zustand versetzt werden. Maßgeblich ist, dass eine inkriminierte Handlung nicht nur das Opfer, sondern auch die Gesellschaft – oder das Menschsein an sich – beeinträchtigt hat. Die Interessen der Opfer (oder Opfergemeinschaften) stehen im Fordergrund, nicht primär die Verletzung eines Straftatbestands / einer juristisch-moralischen determinierten Norm. Einer Straftat – in unserem Fall handelt es sich ausnahmslos um Massenverbrechen (Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit oder Genozide) – folgt gemäß dem Konzept RJ die Notwendigkeit, Wege/Mechanismen zu etablieren, deren Ziel es ist, einen Zustand ohne Schädigung wiederherzustellen. Der Diskussion ob RJ als eine wirksame Maßnahme der Konfliktbearbeitung in Transitionsprozessen angesehen werden kann oder in welchen Post-Konfliktkonstellation dies der Fall sein könnte / ist, wird im Forschungsseminar breiten Raum eingeräumt werden.

Das Seminar geht über 2 Semester. Im ersten Teil (SoSe 2010) werden wir uns vornehmlich mit der Theorie und der Geschichte von RJ befassen und Fragestellungen bzw. Themenschwerpunkte für die Forschungsseminararbeit im WS (2011/2012) entwickeln. Im 2. Teil des Forschungsseminars werden Einzelthemen intensiv behandelt.


Einführende Literatur zum Thema

  • Braithwaite, John: Restorative Justice and Therapeutic Jurisprudence. Criminal Law Bulletin 2002, S. 244-262. Link
  • Strang, Heather: Repair or Revenge: Victims and Restorative Justice. Oxford 2004 (Exemplar kann im ICWC eingesehen werden)
  • Resolution 37. News from Restorative Justice Consortium. Herbst 2010. Link
  • Tiemessen, Alana Erin: Alfer Arusha: Gacaca Justice in Post-Genocide Rwanda. African Studies Quarterly, vol. 8 issue 1, fall 2004, S. 57 – 76. Link
  • Zehr, Howard (2010): Fairsöhnt: Restaurative Gerechtigkeit - wie Opfer und Täter heil werden. Schwarzenfeld (UB Marburg V 2010/1654). Ist aber auch nicht teuer: 12,90 €

 

Interessante Anregungen finden Sie hier


Wintersemester 2010/2011


Forschungsseminar: Transitional Justice - Wiedergutmachung – Reparation – Restitution

Dr. Wolfgang Form, Dr. Kerstin v. Lingen
Freitag von 10°° 12°° und 14.°° - 16.°°

Beginn:   22. Oktober 2010
Ort:        Zentrum für Konfliktforschung, Besprechungsraum Ketzerbach 11

Vorbesprechung am Dienstag, den 6. Juli
Ort:        Forschungs- und Dokumentationszentrum Kriegsverbrecherprozesse
             Universitätsstraße 7 (Landgrafenhaus) – Raum 341
Zeit:     11.°° c.t.

Für Rückfragen: form@staff.uni-marburg.de

Transitionen sind ein wichtigen Feld der politischen Auseinandersetzung, insbesondere seit der Umgang mit der Vergangenheit in den 90er Jahren zunehmend zu einem Gradmesser für politische Zuverlässigkeit und internationale Partnerschaftsfähigkeit avanciert ist. Forderungen nach Wiedergutmachung/Reparationen/Entschädigung sollen zum einen materiellen Ausgleich für erlittenes Leid schaffen, zum anderen jedoch auch langfristig das Gleichgewicht zwischen Tätern und Opfern wieder herstellen, indem den Opfern, z.B. durch öffentliche Entschuldigung oder Errichtung eines Mahnmals (immaterielle, moralische Entschädigung), ein Platz im kollektiven Gedächtnis zurückgegeben wird. Dem Umgang mit der Vergangenheit –„Vergangenheitspolitik“, oder politics of memory – kommt daher inzwischen große Bedeutung zu, und eine wichtige Facette des Umgangs bildet der öffentliche Umgang mit den Opfern.
Im Seminar soll es darum gehen, Aufarbeitungsstrategien und die Praxis unter anderem der Wiedergutmachung nach 1945 zu betrachten und darauf aufbauend die Umbrüche in der Opferentschädigung nach dem Ende des Kalten Krieges zu analysieren. Standen in den Jahrzehnten nach 1945 vor allem die strafrechtliche Aufarbeitung der Verbrechen im Vordergrund, so hat sich die Handlungsbereitschaft nach dem Ende des Kalten Krieges zunehmend weg von Ahndung und hin zu einem Ausgleich zwischen Tätern und Opfern verlagert. Auch die Art der Forderungen haben sich nach weltweit verändert: sie werden mithilfe moderner Medien in kürzester Zeit verbreitet und bauen dadurch politischen, juristischen und moralischen Handlungsdruck auf, der direkt nach den Verbrechen nicht erreicht werden konnte. Auslöser später Entschädigungsforderungen sind, neben vorbeugenden Maßnahmen im Zuge von juristischen Maßnahmen (Massenklagen z.B.), u.a. die Anerkennung bisher vergessener Opfergruppen – nicht selten auch aus der Generation der Enkel –, sowie Forderungen von Bürgerbewegungen oder NGOs im Anschluss an mehrere Krisenabfolgen (Kambodscha z.B.). Durch diese „Stellvertreterschaft“ verlässt der Diskurs die Täter-Opfer Ebene und gelangt auf die vergangenheitspolitische Ebene, in der Opferansprüche weniger aus ethischen, sondern auch aus strategisch-politischen Erwägungen heraus befriedigt werden. Diskutiert wird inzwischen, ob sich daraus eine neue internationale Moral der Wiedergutmachung/Reparation ableiten lässt.


Vorbereitende Literatur:

  • Constantin Goschler: Schuld und Schulden. Die Politik der Wiedergutmachung für NS Verfolgte seit 1945, Göttingen 2005.
  • Constantin Goschler: José Brunner, Norbert Frei: Die Praxis der Wiedergutmachung, Geschichte, Erfahrung und Wirkung in Deutschland und Israel, Göttingen 2009.
  • Elazar Barkan: Völker klagen an. Eine neue internationale Moral, Düsseldorf 2002
  • Jon Elster: Die Akten schließen. Nach dem Ende von Diktaturen, Frankfurt 2005 (Ausgabe Bundeszentrale für Politische Bildung, Band 520)

 

Vorlesung: Einführung in das Völkerstrafrecht für Friedens- und Konfliktforscher

Prof. Dr. Christoph Safferling
Beginn:   26.10.2010 (Dienstag), wöchentlich,
              8 Termine (bis einschließlich 14.12.2010)
Ort:        Landgrafenhaus, Universitätsstr. 7, Raum +2 0010
             (alte Raumbezeichnung: LH 209), 16-18 Uhr c.t.

Für Rückfragen: lars.buengener@staff.Uni-Marburg.de

Der Kurs bietet in acht Unterrichtseinheiten eine Einführung in das Völkerstrafrecht für Studierende der Friedens- und Konfliktforschung sowie sonstige Interessierte aller Fachrichtungen ohne spezifische juristische Vorkenntnisse. Vermittelt werden Kenntnisse der Geschichte der nationalen und internationalen Durchsetzung von Völkerstrafrecht sowie der nichtjustiziellen Alternativen, sowie Grundkenntnisse des materiellen und prozessualen modernen Völkerstrafrechts am Beispiel des Internationalen Strafgerichtshofs und des ihm zugrundeliegenden Römischen Statuts, inklusive einer Darstellung der Kernverbrechen. Zum Abschluss des Kurses wird ein Planspiel zu einem fiktiven Fall mit völker- und völkerstrafrechtlicher Problematik angeboten. Mit der Teilnahme können drei (3) ECTS-Punkte erworben werden.


Wintersemester 2009/2010


Forschungsseminar: Genozide im 20. Jahrhundert

Dr. Wolfgang Form, Dr. Kerstin v. Lingen
Do. von 1000 bis 1200 und von 1400 bis 1600 Uhr
Ort: Landgrafenhaus Raum LH 341 (Universitätsstraße 7, 3. Stock)

Sitzungen:

1.   22. Oktober 2009 - Einführung
2.   05. November 2009 - Armenier
3.   19. November 2009 - Holocaust
4.   26. November 2009 - Balkan
5.   10. Dezember 2009 - Ruanda
6.   17. Dezember 2009 - Kambodscha
7.   14. Januar 2010
8.   21. bis 23. Januar 2010 (Blockseminar - Ort und genaue Zeiten werden noch durchgegeben)
9.   4. Februar 2010 - Schlußbesprechung

 
Ziel und Inhalt:

Bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges sprach die Weltöffentlichkeit noch nicht von Genozid. Der aus Polen stammende Jurist Rafael Lemkin brachte den Begriff vor dem Hintergrund des Völkermords an den Armeniern und vor allem der Ermordung der europäischen Jüdinnen und Juden nach 1945 in die internationale Diskussion ein.

Im Forschungsseminar sollen zum einen Fallbeispiele für Völkermordverbrechen im 20. Jahrhundert und ihre Strafverfolgung behandelt, und andererseits eine normative sowie theoretische Annäherung an den Begriff Genozid vorgenommen werden. Die modulare Struktur ergibt sich in erster Linie aus dem angewandten historischen Fokus und den Fragen der Aufarbeitung von Humanitätsverbrechen im nationalen und transnationalen Kontext: die Themen sind so gewählt, dass verschiedene Ausprägungsformen von Genozid diskutiert werden können (z.B. rassisch, ethnisch, religiös, sexuelle Versklavung von Frauen). Seminarbegleitend sollen ausgesuchte theoretische Aspekte intensiv bearbeitet werden. Jedes Modul beinhaltet neben den Formen und der Strafverfolgung des Genozids auch eine erinnerungspolitische Themenstellung, in der der Frage nachgegangen werden soll, in welcher Form eine angemessene Erinnerung an Genozid manifest wird. Besonderer Fokus wird hier auf die Gedenkkultur zum Holocaust in Polen gelegt werden, da eine Studienfahrt im Anschluss an das Seminar geplant ist.


Einführung in das Völkerstrafrecht für Friedens- und Konfliktforscher

 

Im Wintersemester 2009/2010 findet eine Einführungsveranstaltung in das Völkerstrafrecht für Friedens- und Konfliktforscher statt. Sie ist als Vorbereitung für die im Sommersemester 2010 stattfindende Völkerstrafrechtsvorlesung bei Prof. Dr. Safferling gedacht und soll Studentinnen und Studenten der Friedens- und Konfliktforschung einen ersten Zugang zur Systematik des Völkerstrafrechts ermöglichen. Die auf sieben Termine angesetzte Einführung wird von Prof. Dr. Safferling sowie Lehrstuhlmitarbeitern gehalten.

Terminplan

Sommersemester 2009


Sonderveranstaltung - Kolloquium

Does Torture have a future? The status of Human Rights in the "War against Terror".

Prof. Dr. Michael Bryant, Dr. Wolfgang Form
Donnerstag, den 18. Juni 2009
9°° Uhr bis 12°° Uhr
Ort: Seminarraum im Landgrafenschloss

May we torture prisoners in order to protect the country?

This may be the most important legal and ethical question facing the United States today. The answer to the question may determine the enforceability of international treaties, human rights, and the rule of law for generations to come. 

This seminar explores the U. S American policies of “enhanced interrogation” of prisoners detained in former President Bush’s “global war on terror”—policies justified, from their onset and to the present day, with the argument that they were necessary to defend the USA  from terrorist attack. At the heart of this program was a core of interrogation techniques characterized by the International Red Cross as torture: beatings, waterboarding, sleep deprivation, starvation, prolonged standing, and diverse techniques of humiliation and degradation, carried out in US detention facilities like Guantanamo Bay, Abu Ghraib, Bagram Air Base, and numerous “black sites” operated by the Central Intelligence Agency. Our purpose in the seminar is to consider whether allegations of national emergency justify suspending national and international prohibitions on torture, abuse, indefinite detention, and other forms of degrading or inhumane treatment of prisoners. Additionally, we will examine how US policies have changed under President Barack Obama, and what longterm implications America’s torture program might have for the USA and the world.

“No sacrifice is too great for our democracy, least of all the temporary sacrifice of democracy itself.”  Walter Benjamin

Bitte melden Sie sich unter form(at)staff.uni-marburg.de an. Ein ausführlicher Reader wird bis zum 10. Juni 2009 versandt bzw. wird auf ILIAS bereit gestellt werden.

 

Vorlesung: Völkerstrafrecht

von Prof. Dr. Christoph Safferling, LL.M. und Dr. Stefan Kirsch

Terminplan

Weitere Materialien finden Sie hier.

 

Seminar: Militärjustiz

von Prof. Dr. Christoph Safferling, LL.M. und Dr. Albrecht Kirschner

Ankündigung

Themenliste

 

Seminar: Verbrechen gegen die Menschlichkeit

Dr. Wolfgang Form

Verbrechen gegen die Menschlichkeit werden allgemein als staatlich angeordnete oder geduldete Verbrechen gegen Menschen aus politischen, religiösen oder rassistischen Gründen. Der Menschenrechtschutz kennt viele furchtbare Delikte: Folter, Verschwindenlassen, Sklavenarbeit, Apartheid oder Zwangsprostitution. Sicherlich steht das Verbrechen des Genozids an der Spitze dieser „Greultatenpyramide“. Im Verlauf des Seminars wird es voranging darum gehen, die Diskussionslinien um Verbrechen gegen die Menschlichkeit seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts bis heute nachzuzeichnen. Insbesondere der Abgrenzung zum Völkermord wird anhand aktueller Entscheidungen der Kriegsverbrechertribunale Raum eingeräumt.

Themenliste

Literatur:

Ahlbrecht, Heiko: Geschichte der völkerrechtlichen Strafgerichtsbarkeit im 20. Jhd., Baden-Baden 1999

Hankel, Gerd/ Stuby, Gerhard (Hrsg.): Strafgerichte gegen Menschheitsverbrechen: Zum Völkerstrafrecht 50 Jahre nach den Nürnberger Prozessen. Hamburg 1995

Wette, Wolfram/ Manfred Messerschmidt (Hg): Kriegsverbrechen im 20. Jahrhundert. Darmstadt 2001

William A. Schabas: Genozid im Völkerrecht, Hamburg 2003

 

 

Wintersemester 2008/2009

 

Transitional Justice - Ahndung, Erinnerung und Versöhnung in Postkonfliktgesellschaften

Dr. Wolfgang Form, Dr. Kerstin v. Lingen

Ziel und Inhalt:
Das Vertrauen in eine sich neu entwickelnde oder bereits bestehende politische Ordnung hängt stark vom Umgang mit dem historischen Geschehen ab, besonders bezüglich der Opfer des überwundenen Regimes und ihren Angehörigen. Abrechnung, Erinnerung und Versöhnung formen dabei ein Spannungsfeld, das die weitere Entwicklung einer Gesellschaft nach kriegerischen Auseinandersetzungen oder gesellschaftlichen Konflikten determiniert.

„Abrechnung“ bedeutet dabei nicht nur die primär sichtbare strafrechtliche Ebene einer Aufarbeitung von Unrecht vor Gericht, sondern wirkt vor allem im Innern der Konfliktgesellschaft, ist also ganz entscheidend für den Übergang („transition“) und die Transformation der Gesellschaft in die Postkonflikt-Phase. Die Bewertung der Rolle einzelner Gruppen während der Diktatur oder Besatzungszeit ist Maßstab der Säuberung oder Abrechnungsmaßnahmen. Die Erinnerung an und damit die Bewertung der Rolle einzelner Gruppen während der Diktatur oder Besatzungszeit dient gemeinhin als Maßstab für Säuberung oder Abrechnungsmaßnahmen nach Konflikten.

Die Wissenschaft hat dazu in den letzten Jahren unter dem Begriff „transitional Justice“ einige interdisziplinäre Ansätze geliefert. Zum einen geht es dabei um strafrechtliche Aufarbeitung und damit Konsolidierung des Nachkriegs-Regierungssystems, zum andern um die gesellschaftliche Debatte zur Stabilisierung der gesellschaftlichen Strukturen, und zum dritten um Wiedergutmachung durch individuelle oder nationale Versöhnung. Ziel von Transitional Justice Prozessen ist die Friedenssicherung.

Seminarplan

Zur Einführung:

Ruti G. Teitel: Transitional Justice, Oxford 2000

Natascha Zupan und Sylvia Servaes: Transitional Justice FriEnt-Leitfaden

Buckley-Zistel, Susanne: Transitional Justice


 

Sommersemester 2008

 

Vorlesung: Internationales Strafrecht und Kriminalpolitik, Völkerstrafrecht und Rechtsvergleichung

Prof. Dr. Christoph Safferling, LL.M.

Ziel und Inhalt:
Die Vorlesung will in die materiellen und prozessualen Grundlagen des Völkerstrafrechts einführen. Die Entwicklung seit dem Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozess mündet in die Einrichtung des Internationalen Strafgerichtshofs in Den Haag im Juli 2002. Der erste Angeklagte vor dem IStGH, Thomas Lubanga, ist zwar niemand, für den sich die mediale Öffentlichkeit interessiert gezeigt hat; für die Glaubwürdigkeit des IStGH ist er dennoch ein „Test-Fall“. Im Rahmen der Vorlesung wird dieser Fall daher eine zentrale Stellung einnehmen. Daneben werden auch spektakulärere Verfahren, etwa gegen Milosevic und Hussein, besprochen.

Bibliographie:

Zur Einführung: Safferling, JA 2000, 164; ders., JuS 2001, 735; Jura  Sonderheft Examensklausurenkurs 2004, 56.

Lehrbücher: Ambos, Internationales Strafrecht, 2006; Satzger, Europäisches und Internationales Strafrecht, 2. Aufl. 2007.

Weitere Materialien finden Sie hier.

 

Seminar: Die Nürnberger Nachfolgeprozesse

Prof. Michael Bryant, Dr. Wolfgang Form, Prof. Dr. Christoph Safferling, LL.M.

Ziel und Inhalt:
Wenige Monate nach dem Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozess fanden zwischen dem 9. Dezember 1946 und dem 29. Oktober 1948 zwölf US-amerikanische Militärtribunale gegen 39 Ärzte und Juristen, 56 Mitglieder von SS und Polizei, 42 Industrielle, 26 führende Militärs und 22 Minister und hohe Regierungsvertreter statt. Sie sind unter dem Namen Nürnberger Nachfolgeprozesse bekannt geworden. Das Seminar beschäftigt sich mit deren Vorgeschichte, den politischen Implikationen, den Rechtsgrundlagen und diesbezüglichen Problematiken, der Durchführung und der Strafverbüßung der Verurteilten. Die Verfahren selbst vermitteln ein vielschichtiges Bild von deutschen Funktionseliten, vielleicht mehr noch als der Hauptkriegsverbrecherprozess selbst. Die Lehrveranstaltung wird in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Michael S. Bryant, Bryant University Smithfield, Rhode Island durchgeführt und ist zweisprachig ausgelegt (deutsch/englisch).

 
Materialien:

Themenliste des Seminars

Seminarplanung

 
Bibliographie:

Gerd Hankel, Gerhard Stuby (Hg): Strafgerichte gegen Menschheitsverbrechen: Zum Völkerstrafrecht 50 Jahre nach den Nürnberger Prozessen. Hamburg 1995.

Peter Heigl: Nürnberger Prozesse, Nürnberg 2001.

Heribert Ostendorf: Die widersprüchlichen- Auswirkungen der Nürnberger Prozesse auf die westdeutsche Justiz, in: G. Hankel, G. Stuby: Strafgerichte gegen Menschheitsverbrechen. Zum Völkerstrafrecht 50 Jahre nach den Nürnberger Prozessen. Hamburg 1995, S. 73 – 97.

Roman Rudenko: Die Nürnberger Prozesse – dreißig Jahre danach, in: Blätter für deutsche und internationale Politik 21 (1976), S. 191 – 201.

Telford Taylor: Die Nürnberger Prozesse. Hintergründe, Analysen und Erkenntnisse aus heutiger Sicht. München 1994.

Gerd Ueberschär: (Hg): Der Nationalsozialismus vor Gericht. Die alliierten Prozesse gegen Kriegsverbrecher und Soldaten, 1942-1952, Frankfurt/M 1999.

 

Wintersemester 2007/2008

 

Seminar: Die Kategorie Geschlecht bei der justiziellen Ahndung von Kriegs- und Humanitätsverbrechen

Dr. Wolfgang Form, Dr. Claudia Kuretsidis-Haider
Donnerstag, 18.10.2007, 1100 bis1300 und 1400 bis 1600 Uhr
Forschungs- und Dokumentationszentrum für Kriegsverbrecherprozesse
Landgrafenhaus (Universitätsstraße 7) Raum LH 341

Über Jahrhunderte hinweg war sexualisierte und andere Gewalt gegen Frauen in Kriegszeiten kein Thema. Mit der Ahndung der Kriegsgräuel des 2. Weltkrieges begann ein Umdenken in dieser Frage. Mittlerweile ist Vergewaltigung als Kriegsverbrechen sowie als Verbrechen gegen die Menschlichkeit festgelegt. 2001 fand in Den Haag der erste Prozess statt, der sich ausschließlich mit Vergewaltigungen und sexueller Gewalt im Krieg befasste. Den positiven Entwicklungen im Völkerstrafrecht auf der einen Seite steht die schwierige Situation vieler weiblicher Opfer, als Zeuginnen vor Gericht aufzutreten und über traumatische Erfahrungen neuerlich sprechen zu müssen gegenüber. Ein Problem, das generell bei Makroverbrechen evident ist. Gewalt gegen
Frauen im Zuge bewaffneter Konflikte ist geschlechterspezifisch begründet und vergegenwärtigt nicht nur Diskriminierung von Frauen in Friedenszeiten, sondern manifestiert vielmehr ihre Ungleichbehandlung in extremer Form. Im Verlauf des Forschungsseminars werden historische wie aktuelle Fragestellungen (restriktive wie progressive) zur Kategorie Geschlecht bei der Ahndung von Kriegs- und Humanitätsverbrechen diskutieren.Darin eingebunden ist nicht nur sexuelle Gewalt gegen Frauen und Kinder, sondern auch gegen Männer und ihr gesellschaftlicher Diskurs in Nachkriegszeiten.
Ging die Frauenforschung bis Mitte der 1980er Jahre von einer grundsätzlichen Differenz der Geschlechter aus und baute darauf die These des generellen Opferstatus der Frau in kriegerischen Auseinandersetzungen auf, so wurde dieser in einer zweiten Phase die These entgegengestellt, dass Frauen als Täterinnen an Aufbau und Erhalt von patriarchalen Strukturen und Unterdrückungsmechanismen beteiligt sind. Die Frauenforschung fokussierte diese Debatte vor allem auf die Rolle der Frau im Nationalsozialismus. Mittlerweile wird bereits eine differenzierte Darstellung der Rollen von Frauen in der NS-Zeit diskutiert und lässt sich anhand ausgewählter Nachkriegsprozesse zu bestimmten Tatkomplexen analysieren. Ziel der Lehrveranstaltung
ist es auch, ein sublimes Bild von Handlungsspielräumen von Frauen während und nach kriegerischen Auseinandersetzungen zu entwerfen. Dazu zählen in Zeiten entgrenzter staatlicher Gewalt und gefördert von rassistisch geprägten Alltagsstrukturen das stückweise Auflösen geschlechterspezifischer Verfolgungsstrukturen auf der einen Seite und das Ein-brechen in Täterrollen durch Frauen auf der anderen Seite.

Informationen zum Seminar
Themenliste mit bisherigem Stand der BearbeiterInnen (Stand 08.11.2007)

Termine:
18.10.2007 - Einführung
01.11.2007
22.11.2007
13.12.2007
17.01.2008
24. bis 25.01.2008 Blockveranstaltung
07.02.2008 Schlussbesprechung

 

Seminar zum Völkerstrafrecht

Prof. Dr. Christoph Safferling, LL.M., Prof. Herbert Landau
Blockseminar, 06.02.2008 - 08.02.2008 in Den Haag
Weitere Materialien finden Sie hier.

 


Kolloquium zum Völkerstrafrecht

Donnerstag 1800 bis 2000 Uhr
Forschungs- und Dokumentationszentrum für Kriegsverbrecherprozesse
Landgrafenhaus (Universitätsstraße 7), Raum LH 341

Das Kolloquium versteht sich als informelles Forum für aktuelle Entwicklungen am Jugoslawientribunal, am Internationalen Strafgerichtshof und an anderen internationalen Strafgerichtshöfen stattfinden. Das Forum soll sowohl die Möglichkeit bieten, sich über Internationales Strafrecht zu informieren, aber auch Raum zur Diskussion und Analyse bieten. Eingeladen sind alle, die an aktuellen Themen des Völkerstrafrechts interessiert sind, insbesondere Studierende der Rechtswissenschaften
(Schwerpunktbereich internationale Strafrechtspflege), der Geschichte, der Politikwissenschaften und der Friedens- und Konfliktforschung.

Termine:

18.10.2007 - Einführung: Der ICC

08.11.2007 - Kriegsverbrechen, insb. das Verbot von Kindersoldaten
Materialien:
Rome Statute of the International Criminal Court
ICC, Lubanga Arrest Warrant
ICC, Lubanga Confirmation of Charges, S. 82 - 101
ICC, Lubanga Charges

22.11.2007 - Völkerstrafprozessrecht: Die Stellung des Verteidigers (ein Abend mit RA Stefan Kirsch)

29.11.2007 - Vergewaltigung als völkerrechtliche Straftat
Materialien:
ICTY, Prosecutor v. Delalic, A. Ch., §§ 488 - 499; S. 500 - 508
ICTY, Prosecutor v. Kuranac et al. (Foca), A. Ch., §§ 125 - 133

20.12.2007 - Völkerstrafprozessrecht: Die Vorverfahrensabteilung am ICC
Materialien:
ICC, Lubanga Confirmation of Charges, S. 51 - 56

17.01.2008 - Der Vorsatzbegriff im Völkerstrafrecht
Materialien:
ICC, Lubanga Confirmation of Charges, S. 102 - 157
ICTY, Prosecutor v. Blaskic, A. Ch., §§ 27, 34 ff.

31.01.2008 - Völkerstrafprozessrecht: Kooperationsprobleme des ICC im Vergleich zum ICTY
Materialien:
ICC, Prosecutor v. Lubanga, A. Ch., OA7, §§ 78 - 140
ICTY, Prosecutor v. Zelenovic

Zuletzt aktualisiert: 31.07.2013 · Dr.Wolfgang Form , Fb. 01

 
 
 
Philipps-Universität Marburg

ICWC, Universitätsstraße 7, 35032 Marburg
Tel. +49 6421 28-26895, Fax +49 6421 28-26894, E-Mail: form@staff.uni-marburg.de

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