23.01.2013
Erster Themen- und Informationstag "Klassische Philologie" findet großen Zuspruch
Schüler aus ganz Hessen erhielten Einblick in Studienmöglichkeiten und beschäftigten sich mit der Liebe in der antiken Literatur
Am 22. November 2012 fand am Seminar für Klassische Philologie der Philipps-Universität Marburg erstmalig ein Themen- und Informationstag zur Klassischen Philologie für Oberstufenschüler aus ganz Hessen statt. Frau Professor Dr. Sabine Föllinger, Gräzistikprofessorin und Direktorin des Seminars für Klassische Philologie, hatte die Idee dazu aus Bamberg mitgebracht. Ziel dieses Themen- und Informationstages war es, interessierten Schülern einen Einblick in wissenschaftliche Fragestellungen, Themen und Methoden der Klassischen Philologie zu geben und sie über Studienmöglichkeiten zu informieren.
Das Rahmenthema der Veranstaltung war die „Liebe“ in der antiken Literatur, um die es – am Beispiel zentraler Autoren der Latein- und Griechischabiturprüfungen – in einem Vortrag und zwei Workshop-Runden gehen sollte.
Nach der Begrüßung durch Frau Professor Föllinger wurde der Themen- und Informationstag am Vormittag im Konzertsaal des Hülsenhauses von dem Marburger Latinisten Professor Dr. Gregor Vogt-Spira mit einem Eingangsvortrag eröffnet, der sich mit der literarischen Verarbeitung der Liebe in der antiken Literatur befasste und exemplarisch anhand des Kuss-Motivs einen Bogen von Catulls carmina 5 und 7 bis zu der neulateinischen Liebeslyrik von Johannes Secundus spannte, der im 16. Jahrhundert in seinen Basia ebendieses Kuss-Motiv Catulls aufgegriffen hat.
Nach einer Vorstellung der Studienmöglichkeiten im Bereich der Klassischen Philologie durch Dr. Brigitte Kappl und Magnus Frisch sowie der Studienmöglichkeiten im Bereich der Sprachwissenschaften durch die Sprachwissenschaftlerin und Direktorin des Instituts für Klassische Sprachen und Literaturen, Frau Professor Dr. Elisabeth Rieken, ging es zu den Workshops in das Seminar für Klassische Philologie.
Die Workshops beschäftigten sich mit der Liebe bei griechischen und lateinischen Autoren, sowohl in der Prosa als auch in der Dichtung: Bernadette Banaszkiewicz untersuchte mit den Schülern die Beschreibungen und Funktionen, die Homer und Hesiod Eros und Aphrodite, aber auch Philotes und Himeros in ihren Werken verliehen. Diego de Brasi befasste sich mit den Schülern in seinem Workshop Liebe und Politisches Engagement. Beobachtungen zu Platons Symposion mit der wichtigen Rolle des Eros im politischen System Athens. Im Workshop Amantes amentes: Liebhaber in der römischen Komödie las Dr. Boris Dunsch mit den Teilnehmern Auszüge aus Komödien, in denen in denen die Rolle des Liebhabers topisch genutzt wird. Der Workshop Liebeskunst? – Das Programm von Ovids 'ars amatoria' von Magnus Frisch bot den Schülern Gelegenheit, sich anhand des Proömiums der ars amatoria mit der Frage zu befassen, ob Liebe wirklich lehr- und lernbar sei, wie es Ovid verspricht, und herauszuarbeiten, was Ovid überhaupt unter „Liebe“ versteht. Dr. Brigitte Kappl schritt mit den Schülern in dem Workshop Da werden Weiber zu Mänaden – die zerstörerische Kraft der Liebesleidenschaft am Beispiel von Vergils Dido den Weg ab, auf dem Dido durch Amors Wirken Stück für Stück in den Untergang getrieben wird. Tibull, die Liebeselegie und die augusteische Zeit waren Gegenstand des Workshops von Felix Prokoph, der an diesem Thema exemplarisch die Methodik philologischen Fragens, Analysierens und Interpretierens vorstellte. Thomas Rieken arbeitete mit den Teilnehmern seines Workshops Liebe im Alten Rom anhand von Catulls carmen 5 das Lebensgefühl der intellektuellen Elite Roms im 1. Jh. v. Chr. heraus, wobei er auch die sprachlichen Mittel Catulls mit den Schülern untersuchte.
In der Mittagspause erkundeten Lehrer und Schüler teils unter der Führung von Studierenden, teils auf eigene Faust Marburg, bevor sie sich am Nachmittag in der zweiten Workshoprunde wieder mit der Liebe in der antiken Literatur beschäftigten. So hatte jeder Teilnehmer der Veranstaltung Gelegenheit, neben dem Impulsvortrag anhand zweier Workshops einen ersten Überblick über das Thema Liebe in der antiken Literatur zu gewinnen. Nach den Workshops standen Dozenten und Studierende den Schülern für konkrete Fragen zum Studium der Alten Sprachen oder der Sprachwissenschaft an der Universität Marburg zur Verfügung.
Die Veranstaltung erfreute sich großer Nachfrage. Ungefähr 120 Schülerinnen und Schüler sowie 13 Lehrerinnen und Lehrer waren der Einladung gefolgt: von der Main-Taunus-Schule in Hofheim, vom Gymnasium Nidda, von der Ursulinenschule Fritzlar, vom Philippinum Marburg, von der Lahntalschule Biedenkopf, vom Ludwig-Georgs-Gymnasium Darmstadt, von der Geschwister-Scholl-Schule Melsungen, von der St.-Angela-Schule Königstein sowie von der Alten Landesschule Korbach. Noch einmal ebenso viele Interessenten hätten sich gerne angemeldet, konnten jedoch aufgrund der räumlichen Gegebenheiten nicht mehr berücksichtigt werden.
Doch wird dieser Themen- und Informationstag wohl nicht der letzte bleiben, so dass diejenigen, die dieses Mal nicht kommen konnten, sicher beim nächsten Mal die Gelegenheit dazu erhalten.

