03.12.2012
Nachlese zum 11. Colloquium Balticum in Lund
Zum 12. Colloquium Balticum wird im November 2013 nach Marburg eingeladen
Bereits auf eine über zehn Jahre dauernde Erfolgsgeschichte kann die Zusammenkunft der internationalen Forschergruppe, die in ihrer Art einzig ist, zurückblicken: Das jährlich stattfindende Colloquium Balticum wurde dieses Jahr vom 8. bis 10. November durch die Universität Lund (Schweden) ausgerichtet. Zahlreiche Vertreter der verschiedenen Partneruniversitäten waren aus diesem Grund in der Universitätsstadt zusammengekommen. So nahmen Lehrende, Doktoranden und Studierende aus Rīga, Tartu, Vilnius, St. Petersburg, Lund und Marburg sowie Gäste aus Berlin, Łódź und Poznań teil.
Das Ziel des Kolloquiums ist es, die griechische und römische Antike und deren Rezeption in der baltischen Region wie im gesamten Ostseeraum zu untersuchen. So stand eine Fülle an Vorträgen in diesem Jahr in diesem Zeichen. In 28 Beiträgen eröffneten die Vortragenden ein breites Spektrum der Forschung zur Antike und deren Rezeption vom Mittelalter bis in die Gegenwart. In Bezug auf die antiken Texte wurden dabei nicht nur ‚klassische‘ Forschungsbeiträge, etwa zu Plautus (B. Dunsch) oder Homer (B. Banaszkiewicz), gegeben, sondern auch Vergleiche zwischen verschiedenen Autoren vorgenommen, so zum Beispiel ein Vergleich zum Leib-Seele-Problem bei Laktanz und Gregor von Nyssa (D. De Brasi) oder zu den Mitteln der Humorerregung bei Aristophanes und Terry Pratchett (Y. Borowski). Ebenso belebte ein Vortrag zur Rekonstruktion von möglichen mixolydischen Melodien der frühgriechischen Dichterin Sappho (G. Dautaras) das Interesse der Zuhörerschaft. Aber schließlich ist nicht nur die Antike Gegenstandpunkt des Kolloquiums, sondern auch deren Rezeption. Daher wurden sowohl Analysen zur Verwendung, ebenso zur Entwicklung der griechischen und lateinischen Sprache in den nachfolgenden Jahrhunderten in den Fokus gerückt als auch Eigenheiten der einzelnen Epochen in den verschiedenen Ausprägungen der beteiligten Nationen, wie etwa die Tradition der alba amicorum in Schweden (J. Svensson) oder der Rückgriff auf den lateinischen Gattungsbegriff silvae in der Renaissance-Poetik von J. C. Scaliger (G. Vogt-Spira). Neben dem direkten Bezug auf antike Texte deren Rezeption standen aber auch die Universitäten selbst im Mittelpunkt einiger Beiträge. Darunter fanden sich Vorträge zu Dissertationen des 17. Jahrhunderts in Tartu, Übersetzungen klassischer Texte im 19. Jahrhundert in Schweden oder die Geschichte der Klassischen Philologie der lettischen Universität Riga als sowjetischer Staatsuniversität nach dem zweiten Weltkrieg.
Anhand dieser Themenvielfalt lässt sich unschwer erkennen, warum das Colloquium Balticum auch im elften Jahr seines Bestehens nichts an seiner Attraktivität verloren hat, vielmehr jedes Jahr weiter anwächst. Es ist die Mischung der Forschung zu antiken und neuzeitlichen Texten mit der persönlichen Geschichte der einzelnen Universitäten sowie die ausdrückliche Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses, die den besonderen Charme dieser Jahrestreffen der Forscher des Baltic Network ausmachen. Zudem fördert es die internationale und interdisziplinäre Zusammenarbeit, wenn jede Universität die Möglichkeit bekommt, durch eine freundliche Aufnahme der Teilnehmer die angenehme, ja freundschaftliche Atmosphäre des Colloquium Balticum zu erhalten. Das Datum und der Ort für die nächste Zusammenkunft der Klassischen Philologen, die dem Baltic Network angehören, wurde ebenfalls bereits publik gemacht: Im nächsten Jahr treffen sich die Mitglieder der Partneruniversitäten vom 7. bis 9. November in Marburg, um der Erfolgsgeschichte ein weiteres gelungenes Colloquium Balticum hinzufügen zu können.

