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Neuzeitliches Selbstverständnis und Deutung der AntikeRembrandt

Leiter: Arbogast Schmitt

 

Die Deutung der Texte und Monumente der Antike geschieht bis heute auch unter allgemeinen Prämissen, die aus dem Gegensatz, in dem "die Antike" und "die Moderne" zueinander stehen sollen, abgeleitet werden und in denen in der Regel festgeschrieben ist, über welche Entdeckungen die Antike insgesamt noch nicht habe verfügen können. Mit der Entstehung und der Legitimität dieses Gegensatzbewußtseins befasst sich das am Seminar für Klassische Philologie der Universität Marburg betriebene Projekt: Neuzeitliches Selbstverständnis und Deutung der Antike.

Ausgangspunkt des Projekts ist der durch die neuere Forschung immer deutlicher belegte Befund, dass in der Renaissance nicht "die Antike" wiederentdeckt wurde, sondern dass es sich hier lediglich um einen umfassenden Rezeptionswandel handelt, in dem die in Spätantike und Mittelalter vernachlässigten Schulen des Hellenismus: die Stoa, der Epikureismus und die Skepsis im Gesamtaspekt ihrer erkenntnistheoretischen, ästhetischen, ethischen, politischen, ökonomischen Inhalte ein neues Interesse und eine neue Bewertung erfuhren.
Aus diesem Rezeptionswandel speist sich das Bild, das die Neuzeit als eine auf der Ebene der Reflexion wiederholte "Antike" von sich selbst entwirft, er ist aber auch verantwortlich für das Bewußtsein eines Traditionsbruchs und der Opposition gegen die "noch naive" Antike.

Da das für den Epochenbruch konstitutive Bewusstsein vor allem mit der reflexiven Wende des denkenden Subjekts auf sich selbst begründet wird, bildet die Auseinandersetzung mit den erkenntnistheoretischen Aspekten dieses Rezeptionswandels die Basis des Projekts. Dazu kommen Untersuchungen zu den wissenschaftstheoretischen, ästhetischen, ethischen, politischen und ökonomischen Konsequenzen dieses Wandels, d.h. Untersuchungen, die die Auswirkungen des neuzeitlichen Oppositionsbewusstseins gegen die Antike auf die Interpretationen der Wissenschaftskonzepte, der Literaturen und Künste, der Moralkonzepte und Staatstheorien sowie auf die Wirtschaftstheorie zum Gegenstand haben. In erster Linie geht es dabei um die Erschließung eines hermeneutisch adäquateren Zugangs zu den Texten und Monumenten im Zeitraum der Antike, im gegebenen Rahmen sollen aber auch Konsequenzen, die sich für das Selbstverständnis der Neuzeit ergeben, verfolgt werden.


Siehe auch: http://staff-www.uni-marburg.de/~schmitta/projekt.html

Zuletzt aktualisiert: 30.10.2012 · Brigitte Kappl

 
 
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