Pilgerfahrt visuell: Hängerollen in der religiösen Alltagspraxis
Japans
24. November 2009 - 28. Juni 2011
Ausstellungsleitung: Dr. Katja Triplett
Katalog von
Michael Pye und Katja Triplett
Hängerollen zieren in Japan nicht nur Privathaushalte, sondern sind
seit Jahrhunderten ein alltägliches Medium der Vermittlung religiöser
Motive und Texte auch in öffentlichen Räumen. Man findet sie in
buddhistischen Tempeln, Shintō-Schreinen und Einrichtungen anderer
japanischer Religionen. Die häufig prachtvoll eingefassten Malereien
und Drucke feiern die Jahreszeiten, erinnern an zentrale Gegebenheiten
in der Geschichte einer religiösen Tradition oder preisen das Leben
eines Religionsgründers.
Neben der wichtigen Funktion der Vermittlung kultureller und
religiöser Werte, können Hängerollen auch das individuelle Verdienst
eines Pilgers visuell veranschaulichen, wenn nämlich die betreffende
Rolle mit begehrten Siegeln und Kalligraphien der einzelnen Stationen
einer Pilgerreise versehen ist. Die auf diese Weise besiegelte
Hängerolle ist der Beweis einer erfolgreich durchgeführten Pilgerfahrt
auf einer der traditionellen – teilweise seit einem Jahrtausend
bestehenden – Routen. Diese Routen führen die Pilger zu dreiunddreißig
oder gar achtundachtzig verschiedenen buddhistischen Tempeln in oft
recht abgelegenen Regionen des japanischen Inselreichs.
Die Ausstellung stellt das Medium der Hängerolle in der religiösen
Gegenwartskultur Japans mit zahlreichen Beispielen vor und gibt damit
einen Eindruck von der bis heute außerordentlich beliebten Praxis des
Pilgerns als Ausdruck der Hingabe an buddhistische Gottheiten und
Lehrmeister. Gezeigt werden in der Ausstellung Gegenstände aus den
Beständen der Religionskundlichen Sammlung, darunter neben diversen
Rollbildern ein kürzlich erworbenes modernes Pilgergewand. Darüber
hinaus präsentiert die Ausstellung Objekte wie Pilgerkarten und
Votivtafeln, die der Marburger Religionswissenschaftler Michael Pye
während seiner langjährigen Forschungsarbeit in Japan gesammelt
hat.
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