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Blick in die Vergangenheit – Orte in der Gegenwart

Fotoarchiv: Christliche Archäologie

Fotografien als Gedächtnis archäologischer Stätten zwischen gestern und heute

Historische Fotografien erzählen Geschichten. Sie zeigen Orte und Gebiete, sie dokumentieren Eroberungen, Veränderungen und Vergessen, sie zeugen von Entdeckung und Verlust. Die sieben Stätten, die in dieser Online-Ausstellung vorgestellt werden, gehören zu den eindrucksvollsten Zeugnissen antiker, spätantiker, frühchristlicher und byzantinischer Architektur und Kulturlandschaften im östlichen Mittelmeerraum. Sie verbinden Syrien, den Libanon und Albanien – und zugleich unterschiedliche Epochen: von der Spätantike über das Mittelalter bis in die Gegenwart.

Ausgangspunkt der Ausstellung ist das Fotoarchiv des Instituts für Christliche Archäologie und Byzantinische Kunstgeschichte der Philipps-Universität Marburg. Lehrende und Forschende des Instituts haben diese Orte über Jahrzehnte bereist und fotografiert – zu einer Zeit, als viele dieser Stätten noch zugänglich, manche noch weitgehend unbekannt und einige noch unversehrt waren. Diese historischen Aufnahmen sind mehr als bloße Dokumente: Fotografien sind Zeitzeugen gegen das Vergessen, die festhalten, was heute nicht mehr oder nur noch verändert sichtbar ist. Als Teil einer gewachsenen Forschungsgeschichte sind sie zugleich wichtige Referenzpunkte für die Bewertung aktueller Zustände und zukünftiger Schutzmaßnahmen.

Im Rahmen des Seminars „Cultural Heritage Management in Kriegs- und Krisenzeiten“ (Sommersemester 2025) haben Studierende der Philipps-Universität Marburg diese Archivbilder mit aktuellen Aufnahmen aus öffentlich zugänglichen Bildquellen in Beziehung gesetzt. Der Vergleich macht sichtbar, wie unterschiedlich sich diese Stätten entwickelt haben: Einige sind durch Krieg und Plünderungen schwer beschädigt, andere werden weiterhin genutzt, restauriert oder neu inszeniert.

Die einzelnen Beiträge folgen dabei keiner einheitlichen Entwicklungsgeschichte, sondern zeigen die Vielfalt möglicher Wege im Umgang mit Kulturerbe – verstanden nicht als statisches Relikt der Vergangenheit, sondern als dynamischer Prozess, der durch politische, gesellschaftliche, ökologische und denkmalpflegerische Faktoren geprägt wird.

Die sieben Stätten sind thematisch in drei Gruppen gegliedert, die unterschiedliche Formen von Gefährdung und Veränderung repräsentieren:

Krieg und physische Zerstörung
Die Archivbilder von Krak des Chevaliers und Qalʿat Semʿan stehen für die unmittelbarste Form der Gefährdung: durch militärische Nutzung, Beschuss und Naturereignisse sind baulich sichtbare Schäden entstanden. Hier ist Verlust nicht abstrakt – er ist in eingestürzten Gewölben und zerstörten Mauern ablesbar.

Plünderung und archäologischer Kontextverlust
Die Archivbilder von Apameia und Resafa zeigen eine weniger sichtbare, aber ebenso verheerende Form der Zerstörung: systematische Raubgrabungen, die nicht Mauern einreißen, sondern archäologische Kontexte, Schichtungen und historische Lesbarkeit unwiederbringlich vernichten. Eine Stätte kann äußerlich „noch da“ sein – und wissenschaftlich bereits verloren.

Langsamer Wandel und Sichtbarkeitsverlust
Qasr Ibn Wardan, Qalaat Fakra und die Basilika von Hagioi Saranda stehen für eine dritte, oft unterschätzte Form von Gefährdung: Überrestaurierung, touristische Nutzung ohne historische Vermittlung und urbane Überformung. Kulturerbe verschwindet hier nicht durch Gewalt - sondern weil sein historischer Sinn langsam aus dem Blick gerät und die touristische Nutzung scheinbar überwiegt.

Diese Ausstellung ist das Ergebnis gemeinsamer Arbeit - und eine Einladung, diesen Orten neu zu begegnen.

Konzept und Leitung

Dr. Katerina Ragkou

Technische Umsetzung

Maren Wohl B.A., Dr. Katerina Ragkou

Bearbeitung der Beiträge

Studierende des Seminars „Cultural Heritage Management in Kriegs- und Krisenzeiten“ (Sommersemester 2025)

Stätten (thematisch gegliedert)

Krieg und physische Zerstörung

  1. Krak des Chevaliers (Syrien) – Edwin Schreder
  2.  Qalʿat Semʿan (Syrien) – Frieder Endmann, Christian Mund

Plünderung und archäologischer Kontextverlust

  1. Apameia (Syrien) – Stefan Burkart, Amber Güldenpfenning, Marica Mertin
  2. Resafa (Syrien) – Tyler Hawkes, Maja Löbl, Lara Wolf

Langsamer Wandel und Sichtbarkeitsverlust

  1. Qasr Ibn Wardan (Syrien) – Doris Balos, Lara Klinge
  2. Qalaat Fakra (Libanon) – Sasha Abel, Dimosthenis Koutsakis
  3. Hagioi Saranda (Albanien) – Meredith Korth