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Serotonin, MDMA und Angst

Angst, eine entwicklungsgeschichtlich ursprüngliche Emotion, tritt bei einer potentiellen Bedrohung auf. Wird Angst behavioral (verhaltensbezogen) definiert, kann man sie auch Tieren zuordnen. Ein gut charakterisiertes Tiermodell für Angst ist das erhöhte Plus-Labyrinth, das aus geschützten geschlossenen und ungeschützten offenen Armen besteht (Abb. 1). Unbehandelte Tiere zeigen eine deutliche Präferenz für die geschlossenen Arme, was die natürliche Furcht der Nager vor offenen Flächen, Helligkeit und Höhe widerspiegelt. Da Substanzen, die beim Menschen anxiolytisch (angstreduzierend) wirken, die Aufenthaltszeit in den offenen Armen erhöhen, wird eine Vermeidung der offenen Arme als eine Art von Angstverhalten verstanden.

Erhöhtes Pluslabyrinth









Abb.1: Ratte auf dem offenen Arm eines erhöhten Plus-Labyrinths

Ein wichtiger Botenstoff bei der Modulierung von Angst ist Serotonin (5-Hydroxytryptamin, 5HT). Ein Mangel an zentralem Serotonin geht auch mit Erkrankungen wie Depression, Angst- oder Zwangsstörungen einher.

Die Substanz Ecstasy, deren Hauptbestandteil 3,4-Methylenedioxymethamphetamin (MDMA) ist, hat ebenfalls Effekte auf Angst. Ein MDMA-Konsument hat in der Regel das Gefühl, dass alle positiv gestimmt sind. Jedoch wirkt MDMA nicht immer oder bei allen gleich. Rund jeder fünfte macht unangenehme Erfahrungen, wie Übelkeit, akute Angstattacken oder Paranoia. MDMA wirkt über das serotonerge System und führt akut zu einer vermehrten Ausschüttung und somit zu einer höheren Verfügbarkeit von Serotonin. Regelmäßige oder hohe Dosierung führen jedoch zu einer Zerstörung serotonerger Fasern.

Verhaltensbefunde aus Studien, die den Zusammenhang zwischen Serotonin und Angst oder die Langzeiteffekte von MDMA auf Angst untersuchen, sind oft widersprüchlich.

Man nimmt an, dass Serotonin in verschieden Hirnarealen (Abb. 2) gegenteilige Effekte auf Angst hat. Zudem gibt es mehrere Serotonin-Rezeptoren die an Angstverhalten beteiligt sind und zum Teil eine entgegengesetzte Wirkung haben. Solche komplexen Hirnmechanismen könnten ein Grund für die inkonsistenten Ergebnisse aus Studien die sich mit Angst und Serotonin beschäftigen sein, da diese meist mit generellen Manipulationen des zentralen Serotoninsystems arbeiten.

Serotonin

 







Abb. 2: Schematische Darstellung von serotonergen Projektionen im Gehirn der Ratte
(Marsden 1991).

Eine Hirnstruktur, die im Bezug auf Angstverhalten relevant sein könnte, ist der Nucleus accumbens im ventralen Striatum, der als eine Schnittstelle zwischen Motivation und Handlung bezeichnet wird. Es wurde gezeigt, dass Ratten, die sich in ihrem Angstverhalten unterscheiden, auch verschiedene Serotoninkonzentrationen im ventralen Striatum aufweisen.

Im Rahmen der Dissertation von Verena Ludwig und den Diplomarbeiten von Yasemin Cal und Yoan Mihov werden die Wirkung des serotonergen Toxins 5,7-Dihydroxytryptamin, des potentiellen Toxins MDMA und die des 5HT2C-Antagonisten RS102221 auf das Angstverhalten von Ratten untersucht. Untersucht werden die Langzeiteffekte von MDMA unter der Berücksichtigung der natürlichen Ängstlichkeit der Ratten. Das Toxin 5,7-Dihydroxytryptamin und der 5HT2C-Antagonist wurden jeweils direkt ins ventrale Striatum injiziert, um die Rolle von Serotonin in dieser Hirnstruktur auf das Angstverhalten zu untersuchen.

Literaturangaben:

  • Ludwig V, Mihov Y & Schwarting RKW. Behavioral and neurochemical consequences of multiple MDMA administrations in the rat: role of individual differences in anxiety-related behavior. Behavioural Brain Research, 189: 52-64. Pdf
  • Ludwig V & Schwarting RKW, Bauhofer A (2007). Neurochemical and behavioral consequences of striatal injection of 5,7-dihydroxytryptamine. Journal of Neuroscience Methods, 162: 108-118.

Zuletzt aktualisiert: 05.05.2008 · Borchers

 
 
 
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