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Matronenkult im römischen Germanien


Im Matronenkult wurden Muttergottheiten, die sogenannten Matronen, im nordwestlichen Europa des 1. und 5. Jahrhunderts u.Z. verehrt. Das Wort Matrone leitet sich vom lateinischen matrona ab, was so viel wie „Ehefrau, Herrin“ bedeutet.

Im römischen Kolonisationsgebiet des Rheinlands, Südfrankreichs und Süditaliens wurden Votivsteine und Altäre für diese Muttergottheiten errichtet. Obwohl die Stifter der Steine vermutlich keltischer, römischer und germanischer Herkunft waren, tragen alle Matronensteine lateinische Inschriften und latinisierte Namen. Auf der Rückseite dieses Terrakotta-Matronensteins befindet sich eine solche lateinische Inschrift: CCAAIPSE/FABRICIVSF. Das bedeutet so viel wie: „Hergestellt von Fabricius in der Claudischen Kolonie und Opferstätte der Agrippinensier“ (dem heutigen Köln).

Die Matronen auf den Votivsteinen werden fast immer als Dreiheit dargestellt: Zwei ältere Matronen mit auffallenden Hauben, wie sie die verheirateten und verwitweten Frauen des westgermanischen Stammes der Ubier im Raum des heutigen Köln trugen, sitzen links und rechts von einer jüngeren Matrone, die ihre schulterlangen Haare offen trägt. Zudem beinhalten die Darstellungen kleine Obstkörbe, Blumen, Ähren oder Kästchen, die die Matronen auf ihren Schößen tragen.

Über die konkrete Verehrungsform der Matronen weiß man nur wenig. Möglicherweise entsprechen die Matronen den Nornen, den drei Schicksalsgöttinnen in der nordischen Mythologie. Die Beigaben der Matronen weisen darauf hin, dass sie mit der Bitte um Erfolg und Schutz für die Familie, um Fruchtbarkeit und die Errettung aus Gefahr und Krankheit in Verbindung stehen. (JD)

Maße: H. 13 cm B. 12 cm Signatur: Bb 001

Literatur:

Bauchhenß, Gerhard (Red.): Matronen und verwandte Gottheiten. Ergebnisse eines Kolloquiums. Rheinland-Verlag. 1987.



Matronenstein
Matronenstein, Gipsabguss aus den 1920ern,
Köln, Römerzeit (ca. 50 – 250 u.Z.)
Religionskundliche Sammlung: Bb 001

Zuletzt aktualisiert: 08.12.2010 · Dippelju

 
 
 
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