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Geschichte der Schmiede, des Marstalls und des Zeughauses


Aus der Geschichte der Schmiede, des Marstalls und des Zeughauses

Heinrich I. ließ am gesamten Westhang des Berggipfels durch einen Schnitt Gesteine und Erde abtragen, was eine Gesteinsbewegung von 12500 m3 bedeutete. Die herbei entstandene Stufe, das jetzige westliche Terrassengärtchen, wurde mit einer Futtermauer umgeben, auf der sich ein Wehrgang befand. An seiner breitesten Stelle maß der Platz 57 Meter. Im Westen wurde er durch den erweiterten und vertieften Halsgraben gradlinig abgeschlossen.

Im übrigen war die entfernte Unterbringung der Marställe gesundheitlich erwünscht; die Hundeställe verlegte man sogar außerhalb der Burg in den Halsgraben und unter die nördliche Zwingermauer, wohin auch die Abwässer abgeleitet wurden. Die Gebäude wurden folgendermaßen angelegt: Südlich und nördlich von der Westpforte kamen die Schmiede und der kleine Marstall, an der Nordseite der große Marstall zu stehen. An diesen grenzte in annähernd rechtem Winkel die Rüstkammer mit ihrer Schmalseite an. Ihre lange Seite bildete mit der Westwand des Saalbaues den Vorraum zum Nordzwinger. Das Gebäude wurde so dicht an den Westflügel herangeschoben, daß eine schmale Pforte von der weiten Vorburg in den Nordzwinger noch gerade Platz hatte .
 

Die Rüstkammer, das Zeughaus

Das Gebäude ist etwas über den Abgang vorgeschoben und unterkellert. Der Grundriß ist ein Rechteck von 26 x 8,3 m Größe. Die Ostmauer ist 1,60 m, die Westmauer 1,50 m stark. Die Westmauer zeigt einen leichten, stumpfwinkeligen Knick; ihr Mauerwerk ähnelt mit der unregelmäßigen Anordnung platter Lagen zwischen den größeren Bruchsteinen den Kellerwänden des Saalbaues und der Küche. Der Raum ist von einem Tonnengewölbe überdeckt und durch eine Querwand in zwei ungleiche Teile abgetrennt. Der jetzige Kellereingang und die schmale Südwand stammen mit dem angrenzenden Torweg aus der Renaissancezeit. Als ursprünglich darf das Mauerwerk des Erdgeschosses gelten, das sich gegen den oben etwas vorgekragten Renaissanceoberbau und südwärts mit einer senkrechten Fuge gegen den 2,30 m breiten Endabschnitt des Gebäudes abhebt. Charakterisiert wird das alte Mauerwerk durch die reichliche Verwendung von Mörtel zwischen den regellos gefügten Bruchsteinen; auf diesem steinernen Untergeschoß stand als Fachwerkgeschoß ein Fruchtboden.
 

Der große Marstall

Die Nordwand fiel in die Flucht der schmalen Südseite der Rüstkammer. In dem rechten Winkel zwischen den beiden Gebäuden waren die Zugänge zu den Untergeschossen. Reste des alten Marstalls sind an mehreren Stellen erhalten:
  1. Die Nordwand ist als Außenmauer aus besonders starken Kugelsandsteinquadern gefügt, während an den anderen Flächen Bruchsteine verwendet wurden. Sie erreichen eine Dicke von 2,20 m. Bemerkenswert ist ihre mehrfach gebrochene, offenbar dem Gelände angepaßte Flucht und ihr Absetzen im ersten Obergeschoß. Sie führt westwärts über den jetzigen Bestand hinweg - hier trug sie die Nordwand des kleinen Marstalls - und ist später zu einem abgeschrägten Stützpfeiler für den großen Marstall ausgebaut worden. In der weit hinaufreichenden Abschrägungsfläche sind die großen Quader eines viereckigen Fenstergewändes mit verwendet. Es ist kein Zweifel, daß wir hier den Nordschenkel der Vorhofmauer Heinrich I. vor uns haben.
  2. In dem unteren Geschoß finden wir als Merkmal der gleichen frühen Bauzeit dieselbe Mauertechnik und das gleiche Material wie im Untergeschoß des Zeughauses.
  3. An der östlichen Schmalseite des Marstalls ist in 1,38 m Höhe das Gewände einer 2,40 m breiten Pforte erhalten, der Zugang zu dem Pferdestall. Nach der Beseitigung der hohen Batterie, die seit 1688 den Platz des kleinen Marstalls einnahm, ist auch die Südwand durch einen bündig vorgesetzten Strebepfeiler gestützt worden, ein Gegenstück zu dem oben erwähnten Pfeiler der Nordwand.
  4. Im Erdgeschoß stehen 5 kleine viereckige Fenster, die, soweit sie nicht umgearbeitet oder ersetzt sind, einen Falz im Gewände zeigen. Diese Lichtöffnungen werden von F. Küch und Niemeyer als ursprünglich angesehen.

Der kleine Marstall

hatte annähernd die gleiche Grundfläche wie der große Marstall, vermutlich aber eine geringere Höhe. In den Baurechnungen des Jahres 1629 wird für beide Marställe ein Obergeschoß aus Fachwerk und für den kleinen Marstall das Strohdach bestätigt.
 

Die Schmiede

bildete den südwestlichen Eckpfosten der Vorburg. Es war ein nicht ganz regelmäßiger viereckiger Bau von 14,50 m Länge und 9,50 m Breite. Der südliche, schmalere Teil ist unterkellert. An der Südwestecke ging im spitzem Winkel die Stadtmauer ab, deren Stumpf stehengeblieben ist. In dem Obergeschoß wohnte das Personal. Im Jahre 1605 wurde die Schmiede mit der großen Südterrasse über den Steilabhang hin vorgebaut, so daß die die jetzige Länge von 26,50 m im Westen und von 28,50 m ist Osten erhielt.

Die Schmiede wird erstmals im Sternenkrieg erwähnt. "1372 zwei steinmetzen dy muren (Stadtmauer) by der smittin zu hochene und zu horstene." 1387 wurden für 2,5 Groschen 40 Kachel für den Ofen in der Schmiede gekauft. 1477 hat der "fenstirmacher bie sant kilgen" die Fenster der Schmiedestube gelappt (geflickt). 1487 kommt Leder zu den Blasebälgen in die Schmiede.
 

Der Umbau des großen Marstalls 1628/30

1625 wurden steinerne Krippen in den Marstall eingebaut, 1626 fanden Reparaturen im Gebäude sowie an den Dächern des kleinen Marstalls und des Zeughauses statt. Der große Marstall hatte durch die Beschießung im Jahre 1624 so stark gelitten, daß der Dachstuhl und das Fachwerk neu erbaut werden mußten. Im Jahre 1628 wurde das Dach durch Steindecker und Zimmerleute teilweise abgetragen. Am 04.05.1629 ordnete L. Georg auf Vorschlag des Geheimen Rats, des Statthalters und des Kammerschreibers an, daß die Wand der Hoffront bis zur Höhe des Daches aus Stein aufgemauert würde, wobei die Kosten höchstens 100 Taler mehr betragen würden als für eine Fachwerkbau.
 

Das Portal des Marstalls

Der Marstall erhielt damals im großen und ganzen sein gegenwärtiges Aussehen. Das prächtige Portal ist ursprünglich eine Zierde des im Jahre 1573 erbauten Wohnhauses des Bürgermeister Jacob Blankenheim am Steinweg gewesen. Das Meisterwerk der Renaissanceplastik wurde 1897 beim Umbau jenes alten Wohnsitzes in das "Cafe Quentin" abgetragen. Von dem Konservator Ludwig Bickell gerettet, lag es einige Zeit auf dem Vorplatz zum Nordzwinger und wurde dann dem Marstall vorgebaut an Stelle einer schlichten Eingangstür mit geraden Türgericht, rechteckigem Oberlicht und Karniesprofil am Gewände. Niemeyer hat das Portal beschrieben: "Der Rundbogeneingang öffnet sich in der Mitte einer 5m breiten, 3,4 m hohen Wandfläche, die als Aedikula mit je einem seitlichen Paar korinthischer Säulen ausgebildet ist. Die Wand ist in mittlerer Höhe durch das seitlich weitergeführte Kämpferprofil durchzogen und von einem dreiteiligen Gebälk abgeschlossen; seine Glieder sind mit Ausnahme der Sima, der obersten Deckplatte, verkröpft. Die seitlichen Flächen zwischen den Säulen und der leicht abgeschrägten Laibung der Portalwände werden durch Flachbogen mit Muschelbekrönung belebt. Die Nischen der Portalwände stehen auf Sitzkonsolen. Hinter den Säulen sind ebenfalls schmale Flachnischen angebracht. Die Archivolte des Türgewölbes, der Fries, die Säulenschäfte und die Postamente sind mit Ornamentschmuck verziert. Die Bogenzwickel werden von geflügelten Engelsköpfen ausgefüllt." An der Säule rechts von der Türöffnung befindet sich in der mittleren Rinne in 45 cm Höhe das Steinmetzzeichen, das auch an der Kaminverkleidung im Festsaal in fast übereinstimmender Form vorkommt.
 

Der kleine Marstall

Das Dach des kleine Marstalls hatte ebenfalls sehr gelitten; es wurde im Jahre 1631 abgenommen und neu gebaut, nachdem im September 1630 die Zimmerleute den Giebel mit Borten zugeschlagen hatten. Sein Holzwerk, das Dach, die Giebelwand mit allem Zubehör wurde für den Neubau eines 9 m langen, 4,5 m breiten Stalles im Holzzwinger verwendet. Die Strohdecken von den Schopfen (Strohdach) wurden teils wieder verwendet und neu gelattet, teils zu einer 20 Schuh langen Decke für das im großen Marstall gelagerte Bauholz verarbeitet.
 

Die hohe Batterie

1688 entstand an der Stelle des mit Erkern verzierten kleinen Marstalls die sogenannte hohe Batterie oder der Kavalier über 4 Kreuzgewölben, die als Magazine, später als Kutschenremisen dienten. Über der mittleren Doppelpforte war das hessische Wappen in Stein eingesetzt; zugänglich war die Wehrplatte von einer Pforte im 1. Obergeschoß des großen Marstalls, deren Gewände erhalten ist. Durch 4 Schießscharten konnten die Kanonen mit geringer Elevation die westlichen Außenwerke beherrschen, sowie den Dammelsberg und den Grassenberg beschießen.

Die hohe Batterie von 1688 wurde im Siebenjährigen Kriege beschädigt. Die Schmiede war 1749 noch im Betrieb: Sie enthielt 3 Feuerassen, 2 Blasebälge, 2 Ambosse und einen Sperrhacken. Außerdem hatten im Schmiedebau der Unterkommandant, der Wallmeister und der Saalwächter ihre Wohnungen.

1782 werden als Gebäude, die der Militärverwaltung untersehen erwähnt:

  1. Die Wohnung des Kommandanten im Schmiedebau. Die beiden Erker sind im Holze faul; sie sollen, da sie nicht einmal als Zierat gelten können, abgebrochen werden.
  2. Die Platzmajorwohnung über dem Torwege der Stadt.
1776 fanden Reparaturen an dem Schmiedebau statt; man versuchte hierbei auch die Elnhäuser Untertanen zu Frondiensten
heranzuziehen, was durch den Einspruch des Landrates von Baumbach mißlang.
 

Verhandlungen über die Verlegung der Universität auf das Schloß 1834/35

Marstall und Zeughaus wurden für die Bibliothek als geeignet geachtet; um höhere Räume im Marstall zu schaffen, würde man die drei Geschosse in zwei umwandeln. Falls man sich jedoch zu einem Neubau für die Bibliothek entschließen sollte, würden in beiden Gebäuden Professorenwohnungen vorgesehen. Das Kommandantenhaus könnte zur Wohnung des Bibliothekas werden.
 

Plan zur Einrichtung einer Kaserne

In dem Inventar der Militärgebäude von 1845/47 ist noch die Wohnung des Platzmajors in dem alten Gebäude über dem Torweg zur Stadt aufgeführt; die innere Einrichtung ist dieselbe wie im Jahr 1747. Im 2. Obergeschoß des Marstallgebäudes befanden sich 5 Stuben für je 12 Mannschaften, eine Unteroffiziersstube und ein Zimmer mit Kabinett als Offizierswohnung.. Im Erdgeschoß war die Küche und das Speisezimmer.

Am 16.04.1852 wurde der Entwurf für eine Kaserne aufgestellt. Im Südflügel sollten 272 Mann, im Stockhaus 205, im Marstall 155 Soldaten untergebracht werden.
 

Einrichtung zum Staatsarchiv

Im Januar 1870 wurde das Kommandantenhaus (die alte Schmiede) für die Wohnung des Vorstandes, der Marstall für zwei Archivbeamte bestimmt.
 

Die Wiederherstellungsarbeiten der Jahre 1924 bis 1932

Als Grundlage für die Bewilligung der Kosten forderte der zuständige Ministerpräsident eine Untersuchung über den Neubauwert, den Vorkriegswert des Schlosses. Nach dem Bericht vom 8.7.1925 setzte sich der umgebaute Raum in m3 folgendermaßen zusammen: Haus des Archivdirektors 2580 Mark, Marstall 4180 Mark, Zeughaus 2410 Mark.

Zuletzt aktualisiert: 09.06.2009 · Schindel

 
 
 

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