Der Heiligenberg bei Felsberg-Gensungen
Weithin sichtbar dominiert der 393 m hohe Basaltkegel des
Heiligenbergs die östlichen Randhöhen der Niederhessischen Senke. Auf
seinem Gipfel befinden sich die Reste einer mittelalterlichen
Burganlage, die in den 1930er Jahren unter großem Aufwand freigelegt
und rekonstruiert wurde (Textor 1939/40).

Der singuläre Fund einer
Terra-Sigillata-Scherbe führte seinerzeit zu keiner großen Beachtung
(Mildenberger 1972). Erst nachdem man in den 1980er Jahren bronzene
Fibeln vom Frühlatèneschema gefunden hatte, erhielt die Anhöhe
verstärkte Aufmerksamkeit (Sippel 1986). Nachdem Dr. Klaus Sippel vom
Landesamt für Denkmalpflege in Hessen schließlich die Reste einiger
Wallstrukturen entdeckte und außerdem zahlreiche latènezeitliche
Lesefunde barg, trat der Heiligenberg als weiterer Zentralort der
Latènezeit in den Blickpunkt des Interesses. Unklar blieb jedoch die
Funktion und Laufzeit der Anlage wie auch das zeitliche Verhältnis zu
dem nur 3 km entfernten Rhündaer Berg.

Die Fibelfunde vom Heiligenberg datieren in
die entwickelte Früh- und Mittellatènezeit. Zwei Exemplare sind die
Vertreter einer kleinen Gruppe der sog. Bügeljochfibeln, die bei einer
Ausnahme ausschließlich in Nord- und Mittelhessen verbreitet sind
(Schotten 1988). Dies deutet darauf hin, dass in dieser Zeit in
Nordhessen von eigenen Produktionszentren auszugehen ist und das
Kerngebiet dieses charakteristischen Typs möglicherweise einem
politischen Territorium entspricht.
2005 erfolgten daher erstmals Grabungen sowie eine topographische
Aufnahme des Heiligenbergs (Müller-Karpe/Fuchs 2006). Dabei stellte
sich zunächst erwartungsgemäß heraus, dass weite Teile der Anhöhe
bereits im Mittelalter tiefgreifend umgestaltet worden sind. In dem neu
entdeckten Wallrest am Osthang konnten jedoch die verstürzten Reste
eines Trockenmauerwerks von etwa 3 m Breite nachgewiesen werden, das
ehemals wohl eine Holzrahmenkonstruktion enthielt. In der Neuzeit,
vermutlich im Siebenjährigen Krieg, ist das verstürzte Mauerwerk dann
noch einmal sekundär genutzt und dazu umfassend umgestaltet
worden.
Die zahlreichen Funde qualitätsvoller Keramik, vieler Spinnwirtel,
Fibeln und anderer Bronzegegenstände belegen jedoch eindrucksvoll, dass
es sich auf dem Heiligenberg um keine unbedeutende Ansiedlung gehandelt
haben kann. Das Fundspektrum entspricht in weiten Teilen dem heimischen
Formenschatz der älteren und mittleren Latènezeit. Der Ausbau zu einem
befestigten

Zentralort dürfte nach derzeitigem
Wissensstand im Verlauf der Frühlatènezeit erfolgt sein. Demzufolge
kann davon ausgegangen werden, dass eine neu errichtete Befestigung auf
dem Heiligenberg die ältere Vorgängeranlage auf dem Rhündaer Berg im
Verlauf der Latènezeit in ihrer Funktion ersetzt hat. Eine
spätlatènezeitliche Nutzung lässt sich auf dem Heiligenberg bisher
nicht nachweisen.