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Moritz Eduard Lotze: Verona, Castello San Pietro

Mortiz Eduard Lotze
Verona, Castello San Pietro
1856
Salzpapier ►
Abzug: 21,2 x 27,2 cm
Bildträger: 32,0 x 49,0 cm
im Neg.: M.LOTZE in Verona
hs. auf Bildträger: Verona. Castello San Pietro
Deutsches Dokumentationszentrum für Kunstgeschichte - Bildarchiv Foto Marburg


Der Fotograf Moritz Lotze war ursprünglich als Maler und Lithograph ausgebildet. Diese offenbar nachhaltige Prägung erkannten seine späteren Kunden, die den malerisch-künstlerischen Aspekt seiner Werke besonders schätzten. So heißt es in einer zeitgenössischen Quelle anerkennend, man wolle, „obwohl diese Bilder nicht eigentlich zur wahren Kunst zählen“, doch „ein Lob für die wunderbaren Photographien des Herrn Lotze“ aussprechen. „Man muss wohl ein wahrer Künstler sein, und ein besonderes Talent haben, wie es Herr Lotze besitzt, um mit einem Photoapparat solche Ergebnisse zu erzielen, wie Herr Lotze sie angestrebt hat.“ Der Autor dieser Notiz in der Zeitung La specola d’Italia (1857) hält es deshalb „für richtig und angemessen [...] seine Photos unter die wahren Kunstwerke einzureihen.“ 

Der Charakter einer künstlerischen Fotografie eignet auch der 1856 datierten Aufnahme des Castello San Pietro in Verona. Auffallend ist die komponierte Tiefenstaffelung der Motive, welche an klassische Kompositionen von Landschaftsveduten erinnert. Die Aufnahme zeigt im Vordergrund im Sinne eines Raum schaffenden Repoussoirs die sich nach links in die Tiefe verkürzende Mole am Fluss Etsch (ital.: Adige), im Mittelgrund hinter der schimmernden Wasserfläche die angrenzende, hell ins Licht gesetzte, malerisch gegliederte Häuserzeile. Die Titel gebende Festung überragt die Szenerie als Fernmotiv, deutlich blasser gehalten und von einer künstlich wirkenden Wolke umfangen.

Tatsächlich sind die Wolkenformationen vor dem Auskopiervorgang mit dem Pinsel auf das Negativ aufgetragen worden, wie bei genauer Betrachtung am Übergang von Kastell und Himmel und auch anhand des schwach sichtbaren Pinselduktus zu erkennen ist. Durch diesen malerischen Eingriff konnte der technisch bedingt stets überbelichtete Bereich des Himmels entsprechend dem natürlichen optischen Eindruck gestaltet werden, was ansonsten nur mit der Montage von zwei separat aufgenommenen Negativen möglich gewesen wäre. Entsprechend den Vorstellungen einer ansprechenden malerischen oder graphischen Vedute erscheinen auch einige Personen im Bild, dekorativ am Ufer der Etsch gruppiert im Sinne von Staffagefiguren, welche die Szenerie beleben sollen.

Lit: Brugnoli, Pierpaolo u.a., München, 1984