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Interview mit Herrn Professor Osthövener

Foto: Aline Seidel

Wer sind Sie?
Ich bin Claus-Dieter Osthövener (er/ihn), ich komme von der Nordseeküste aus Wilhelmshaven. Ursprünglich habe ich in Göttingen auf Diplom Chemie studiert, dann Evangelische Religion auf Lehramt. Anschließend habe ich, ebenfalls in Göttingen, mein Referendariat absolviert und in der Systematischen Theologie promoviert. Dann war ich lange in Halle an der Saale als Assistent tätig, das war kurz nach der Wende eine sehr spannende Erfahrung. Seit 2015/2016 bin ich hier in Marburg zuständig für Systematische Theologie und Geschichte der Theologie, beschäftige mich aber in den letzten Jahren vor allem sehr intensiv mit Gegenwartstheologien – auch außerhalb Europas.
 
Warum haben Sie sich für die Aufgabe des Ephorus interessiert?
Das eine war, dass mich der Dekan gefragt hat, weil mein Kollege Karl Pinggéra durch sein neues Amt als Universitätsprediger viel zu tun hat. Andererseits kenne ich die Stipe seit vielen Jahren und habe beispielsweise den Chor selbst schon im Gottesdienst erlebt. Das Collegium Philippinum ist ein wunderschöner Ort, dazu leben hier viele Theologiestudent*innen. Ich finde es eine sehr reizvolle Aufgabe, diese Institution und die Studierenden aus unterschiedlichen Fachbereichen an diesem schönen Ort zu begleiten. Außerdem kenne ich Frau Seidel (Repetentin) schon seit vielen Jahren, deshalb habe ich die Amtsübername – ohne zu zögern – zugesagt.
 
Was sind Ihre Vorstellungen und Erwartungen für Ihre Zeit als Ephorus?
Im Haus muss einiges gemacht und in Stand gesetzt werden. Von der Küche bis hoch zum Dach gibt es viele bauliche Herausforderungen. Einerseits müsste man mal mit dem Präsidium der Universität Finanzierungsideen sammeln. Andererseits gibt die Initiative „Marburg kann mehr“, die sich unter anderem dezidiert der Schlosssanierung verschrieben hat. Dazu könnte man die Präsentationsstädte wieder neu ins Boot holen. Innerhalb der Hausgemeinschaft gab es die Idee einer Radtour hin zu den Präsentationsstädten (mit Präsentationsstädte-Bereich auf der Homepage intern verlinken), in denen man auch mithilfe einer Plakette am Rathaus auf die Stipendiat*innenanstalt aufmerksam machen könnte. Der Ephorus ist die Vertretung der Gemeinschaft nach außen: In Universität, Stadt und im hessischen Umfeld könnte die Stipe wieder mehr in Erinnerung gerufen werden. Außerdem freue ich mich schon, nach etlichen Jahren endlich wieder eine Lectio Philippina (mit Lectio-Bereich auf der Homepage intern verlinken) ausrichten zu können.
 
Hätten Sie eine Person, die Sie gern in einer Lectio Philippina erleben würden?
Auf Anhieb würde mir da zum Beispiel Carolin Emcke einfallen. Deren Essays und auch Zeitungsbeiträge finde ich sehr interessant und stelle mir eine Lectio von ihr faszinierend vor.
 
Wie möchten Sie mit der religiösen Vielfalt/kulturellen Diversität der Stipe umgehen?
Vom Fach her bin ich Systematischer Theologe. Eine der wichtigen Aufgaben der gegenwärtigen Theologie ist es, mit konfessioneller, religiöser und auch konfessionsloser und religionsloser Vielfalt konstruktiv umzugehen und sich dabei auch interkulturell und postkolonial zu orientieren.
Dafür muss man sich öffnen und eine Durchlässigkeit haben. Das trifft als Aufgabe auch auf die Kirchen zu: Sie müssen sich darum bemühen, einen Raum zu schaffen, in dem religiöse und spirituelle Fragen Platz finden. Diese Fragen müssen dabei nicht im eigentlichen Sinne christlich sein, sie müssen gar nicht religiös sein. Dennoch kommen bei nahezu allen Menschen Fragen auf, die sich im weitesten Sinne als religiöse oder spirituelle Fragen bezeichnen lassen und die dann in einem solchen durchlässigen Raum ihren Platz finden könnten. Das kann eine große wechselseitige Bereicherung sein, innerhalb der Hausgemeinschaft über solche Fragen zu sprechen. Dabei wird jede Position angehört, geschätzt und als Bereicherung wahrgenommen.
 
Was war in den ersten Wochen des Ephorats Ihr schönster Moment?
Sehr schön fand ich die Einsegnung im Rahmen des Eröffnungsgottesdienst. Die Schlosskapelle ist ein schöner Ort. Die Predigt vom Kollegen Pinggéra, die Einsegnung als Schritt ins Amt, der anschließende Empfang mit dem gemeinsamen Abendessen und den Gesprächen – das war ein rundum schöner Abend.
 
Haben Sie einen Lieblingsort im Schloss?
Bei der Hausführung fand ich den Paradiesgarten sehr schön. Der Ausblick ist schon aus den meisten Räumen schön, den Paradiesgarten fand ich aber besonders bezaubernd. Er ist mit diesen dekorativen Mauern umgeben, dadurch ist man ganz für sich und hat diesen wunderbaren Blick über die Stadt.
 
Was bedeutet das Collegium Philippinum für Sie?
Es ist ein besonderer Ort. Einerseits ist es schon eine Bereicherung, als Hausgemeinschaft im Studium mit Studierenden verschiedener Fächer und Disziplinen zusammenzuarbeiten. Dazu ist die Stipe andererseits eine altehrwürdige Institution; es kommt darauf an, das lebendig weiterzuentwickeln. Wir feiern in diesem Jahr 50 Jahre weibliche Bewohnerinnen und es ist auf jeden Fall auch ein Anliegen der Hausgemeinschaft, sich gegenwartsoffen neuen Herausforderungen zu stellen.
 
Welches Amt der Bewohner*innen würden Sie gern übernehmen?
Da ich mich sehr für Typographie interessiere und auch Layout-Aufgaben gern mache, würde ich mich in das Jahresberichtsamt einklinken. Ansonsten koche ich auch zu Hause gern, das Küchenhilfeamt könnte ich mir daher natürlich auch vorstellen.
 
Was macht Ihnen am Ephorat am meisten Spaß?
Auf jeden Fall die Zusammenarbeit mit der Hausgemeinschaft: Dass ich dazu beitragen kann, dass das in der schönen Weise weiterläuft, in der es aktuell schon zu laufen scheint.
 
Ein Klischee, welches auf die Stipe zutrifft, ist…
Lebendige Vielfalt! Das ist eigentlich kein Klischee, sondern ein Ideal. Es wäre schön, wenn dieses Ideal auch nach außen hin als solches wahrgenommen werden würde.

Der Kontakt zu Herrn Professor Osthövener ist hier angegeben.

Clara Desch interviewte Herrn Professor Osthövener.