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Geschichte der Universitätsbibliothek

Ansicht Landgrafenschloss
Foto: Heike Heuser (UB Marburg)

1527
Das Landgräfliche Schloss
Mit der Gründung der Philipps-Universität wurde auch die erste Büchersammlung im Auftrag des Landgrafen Philipp des Großmütigen im Landgrafenschloss angelegt. In seinem Freiheitsbrief  vom 31. August 1529 schreibt er:
"So haben Wir ... des Vorderen Jars ... Inn unser Stadt Marpurgk, neben der Bibliothec, uff unserem Schloß daselbst: Auch ein loblich Vniversall Studium furgenommen vnnd vffrichten lassen".

Ansicht eh. Franziskanerkloster am Plan
Foto: Heike Heuser (UB Marburg)

1533 
Aufbau der Bibliothek im ehemaligen Franziskanerkloster (am Plan)
Im Zuge der Säkularisierung war das Kloster, das die Barfüßermönche (Franziskaner) im Mai 1528 verließen, an die Universität übergegangen. Im Südflügel des Gebäudes konnte nun die Büchersammlung der Universität untergebracht werden. Der Bestand der Bibliothek wuchs zunächst nur langsam an und stammte aus dem Besitz mehrerer Klosterbibliotheken, vor allem aus Marburg, aber auch aus dem Augustinerkloster Alsfeld und dem Zisterzienserkloster Haina. Von anfänglich 500 Bücher wuchs der Bestand auf circa 5.000 im 18. Jahrhundert.
Mit der Schenkung der Professoren-Bibliothek von Joahnn Georg Estor (Professor der Rechte) 1768 konnte ein merklicher Aufwuchs der Bibliothek um 8.890 Bände verzeichnet werden. 1769/71 erfolgte daher eine erste räumliche Erweiterung der Bibliothek im Kollegiengebäude.
Bauliche Veränderungen am Klostergelände- u.a. der Abbruch des Stipendiatengebäudes 1811 - ermöglichten weiteren Raumzuwachs für die Bibliothek, die 1823 schon über 100.000 Bände umfasste. In der napoleonischen Zeit des Königreichs Westfalen war nicht nur der Etat der Bibliothek deutlich erhöht worden. Durch Kloster- und Universitätsauflösungen (Kloster Corvey, Deutschordenskommende Lucklum, Universitäten Helmstedt und Rinteln) erhielt die Marburger Universität größere Bestandsgruppen, die nun untergebracht werden mussten. Mit den Umbauten erhielt die Bibliothek 1825 einen großen Bibliothekssaal und einige Jahre später ein Ausleih- und Lesezimmer.
Aber auch dieser neu gewonnene Platz sollte bald nicht mehr reichen bei einem jährlichen Zuwachs von ca. 1.200 Bänden und bei steigenden Studierendenzahlen in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts. Die baulich unbefriedigende Situation in dem historischen Fachwerkgebäude am Plan -  insbesondere hinsichtlich der Statik und des Brandschutzes - machten Ende des Jahrhunderts unter der preußischen Regierung den Weg frei für einen Neubau.

ehemalige Universitätsbibliothek, heute BW
Foto: Heike Heuser (UB Marburg)
10. März 1900
Bezug des Bibliotheksneubaus in der Universitätsstraße
Nach mehreren Jahren der Bauplanung erhielt die neue Bibliothek  unterhalb des eh. Franziskanerklosters nun ein eigenes Gebäude. Dieses wies eine klare Trennung nach Funktionen auf: ein Magazin in dem einen Gebäudeteil und  dem gegenüber gelegen die Verwaltungs- und Benutzungsräume. Die Besonderheit des Magazins war seine Ausstattung mit dem Lipman-Regal. Mit diesem Regalsystem, das selbsttragend im hohlen Baukörper des Magazins steht, wurde der Neubau wegweisend für spätere Magazinbauten.
In der Zeit der preußischen Verwaltung konnte der Bestand der UB systematisch aufgebaut werden u.a. durch Dublettenübernahme aus anderen preußischen Einrichtungen, mit Dissertationen, Schulschriften und Schriftentausch sowie Ankäufen von Professorenbibliotheken.
Mit Ausbruch des 1. Weltkrieges sanken die Erwerbungen deutlich, insbesondere weil der Tauschverkehr zum Erliegen kam. Die sollte sich mit Beginn des 2. Weltkriegs wiederholen. Zwischenzeitlich wuchs die Bibliothek durch weitere Schenkungen und Ankäufe (z. B. Hassiaca-Sammlung, Bibliothek des Indogermanisten Karl Geldner), musste aber im 2. Weltkrieg Verluste hinnehmen. Über 30.000 im Kalibergwerk Heimboldshausen ausgelagerte  Bände wurden dort durch einen Brand vernichtet. Im März 1945 zählte die UB 439.058 Bände und knapp 396.000 Universitäts- und Schulschriften.

1946 - 1967
Zu Gast im Staatsarchiv Marburg
Nach Beseitigung von Kriegsschäden am Gebäude konnten zunächst nur Teile der Bibliothek bezogen und diese dann im Dezember 1945 wieder eröffnet werden. Allerdings sollten nun im Gebäude die ausgelagerten Bestände der Preußischen Staatsbibliothek Berlin untergebracht werden. Auch diese waren im Kalibergwerk zwischengelagert worden. Als "Hessische", ab 1949 "Westdeutsche" und ab 1963 als  "Staatsbibliothek der Stiftung Preußischer Kulturbesitz" eröffnete sie im November 1946 in der Universitätsstraße.
Die Universitätsbibliothek hatte zwischenzeitlich ihre Bestände und Räume in das Hessische Staatsarchiv im Südviertel der Stadt umgezogen. Hier stand ausreichend Magazinfläche zur Verfügung, allerdings erwies sich der Standort für die Benutzung als eher nachteilig: Es gab zu wenig Arbeitsplätze und die Bibliothek war vom eigentlichen Campus weiter entfernt als zuvor. Mit ansteigender Studierendenzahl, wachsendem Buchbestand  und beengten Verhältnissen in der Bibliotheksverwaltung wurden die beengten Raumverhältnisse nicht mehr haltbar und Anfang der 1960iger Jahre ging man wieder Neubaupläne für die UB an.

Ansicht UB in der Wilhelm-Röpke-Strasse 4
Foto: Heike Heuser (UB Marburg)
18. November 1967
Einweihung des UB-Neubaus am Krummbogen
Nach mehreren Jahren der Planung konnte am Krummbogen, in der Wilhelm-Röpke-Straße 4, der markante "Silberwürfel" mit seinem weitsichtbaren Magazinturm bezogen werden. In die Konzeption des Gebäudes flossen im Großen und Ganzen die Vorstellungen des Bauherrn ein: Im Herzen der Bibliothek liegt das "Informationszentrum" mit Katalogen und bibliographischen Handapparaten und in seiner unmittelbarer Nähe der große Lesesaal. Aus dem Magazinturm, der mit seiner markanten Architektur geradezu ein "Wahrzeichen" der Stadt wurde, können schnell die Bücher zur Ausleihe herangeholt werden. Direkt im Erdgeschoss kann der Benutzer sich in der Lehrbuchsammlung am Regal Litertaur auswählen, während im 1. OG ein Ausstellungsbereich Raum für vielfältige Ausstellungs-Projekte gibt. Für die Bibliotheksverwaltung sind die Wege kurz gehalten, da die Abfolge der Verwaltungsräume dem Weg der Buchbearbeitung folgen.
Neben der Universitätsbibliothek versorgen zahlreiche Institutsbibliotheken Forschung und Lehre mit Literatur. Ihre Standorte sind auf das Lahntal und die Lahnberge verteilt, verwaltet werden sie von der Universitätsbibliothek.
In den folgenden Jahrzehnten der Nutzung kommt auch der "Silberwürfel" an seine Grenzen. Die Themen wiederholen sich: Steigende Nutzerzahlen, wachsende Buchbestände, Einzug der elektronischen Medien und digitalen Lernumgebung, neue Serviceaufgaben, Brandschutz aber auch grundsätzliche Überlegungen zur Campus-Gestaltung an der Philipps-Universität setzen den Planungsprozeß für einen Neubau der Bibliothek in Gang.

Ansicht UB vom Pilgrimstein
Foto: Jutta Reuter (UB Marburg)
UB-Neubau 2018
Der neuen Universitätsbibliothek an der Deutschhausstraße ging wie auch ihren Vorgängerbauten eine ca. zehnjährige Planungs- und Bauphase voraus. Im Rahmen eines Wettbewerbsverfahrens wurde zunächst das Konzept des Campus Firmanei entwickelt, das universitäre Zentrum für die Geistes- und Sozialwissenschaften zwischen Hörsaalgebäude, Botanischem Garten, Elisabethkirche und Pilgrimstein im ehemaligen Kliniksviertel der Universitätsstadt.
Die neue Universitätsbibliothek versorgt daher nun auch vor allem diese Fächer mit Literatur, deren Fachbibliotheken in ihr aufgenommen wurden. Zugleich ist die UB zentraler Lernort mit langen Öffnungszeiten, einem breitgefächerten Angebot an Studier- und Arbeitsmöglichleiten, großen Freihandbeständen, moderner Technikausstattung und Beratungs- und Schulungsangebot zu Themen wie wissenschaftliches Arbeiten oder Forschungsdatenmanagement. Die direkte Anbindung der Caferteria CoLibri und die Nähe zum Alten Botanischen Garten bieten ein Umfeld für Kommunikation und Entspannung.

Weitere Informationen zum Neubau

Collage der Berteichsbibliotheken
Fotos: Heike Heuser (UB Marburg)

Das Bibliothekssystem der Philipps-Universität umfasst neben der UB weitere große Schwerpunktbibliotheken, die die jeweiligen Fächer mit einem speziellen Medien- und Serviceangebot versorgen. Studierende finden auch hier modern ausgestattete Lernorte mit PC-Arbeitsplätzen und WLAN. Schulungsprogramme  ebenso wie die Beratung durch die Bibliothekare vor Ort unterstützen auch hier das wissenschaftliche Arbeiten.

Quellen:
Göedeke, Herwig / Philipp, Franz-Heinrich: Die Universitätsbibliothek Marburg 1527 - 1977. Eine bauhistorische Darstellung. Verlag Kempkes, Gladenbach 1977.
Bredehorn, Uwe: Marburg (Lahn) 1 - Universitätsbibliothek. In: Handbuch der Historischen Buchbestände in Deutschland. Bd. 6, S. 15 - 40.
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