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Documenting Ukrainian Cultural Heritage (DUCH) – Fotografische Dokumentation kriegsbedrohter Bauwerke in der Ukraine
Europäisches – und damit auch ukrainisches – Kulturerbe zu dokumentieren, ist eine genuine Aufgabe des Deutschen Dokumentationszentrums für Kunstgeschichte – Bildarchiv Foto Marburg (DDK). Angesichts der Zerstörungen des russischen Angriffskriegs in der Ukraine, die auf die Auslöschung einer eigenständigen ukrainischen Kultur abzielen, ist deren wissenschaftliche Dokumentation insbesondere für die Erhaltung bzw. Wiederherstellung zerstörter Kulturdenkmäler grundlegend.
Im Verbundprojekt Documenting Ukrainian Cultural Heritage – Fotografische Dokumentation kriegsbedrohter Bauwerke in der Ukraine (DUCH) des DDK und der TIB – Leibniz‐Informationszentrum Technik und Naturwissenschaften in Hannover werden seit Herbst 2022 mithilfe von über 20 lokalen Fotografen und Fotografinnen ca. 400 ausgewählte, teils schon zerstörte Bauwerke an 60 Standorten in der Ukraine fotografisch und mit Beschreibungsdaten dokumentiert und mittels Wikibase in einer nachhaltigen Infrastruktur gesichert.
Die Dokumentation in allen Regionen der Ukraine diesseits der Frontlinie sichert die kulturelle Erinnerung und bietet für den Wiederaufbau von zwischenzeitlich zerstörten Gebäuden sowie für Forschungszwecke eine unverzichtbare, wissenschaftlich valide Grundlage. Da es zuvor kaum eine umfassende fotografische Erfassung des ukrainischen Kulturerbes gab bzw. die bisherige Dokumentation ebenfalls von Kriegszerstörungen betroffen oder bedroht sowie schwer zugänglich ist, sind diese Bilder einzigartig. Rund 2400 Fotografien zu über 200 Architekturobjekten wurden bereits in die Datenbank erfasst und wissenschaftlich kommentiert. Ausgewählte Aufnahmen sind im Bildindex der Kunst und Architektur zu finden. Der Großteil bleibt jedoch aus Sicherheitsgründen bis zum Ende des Krieges unveröffentlicht.
Zum Bestand
Förderung
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Inhalt ausklappen Inhalt einklappen DUCH Phase 1
Dank der Förderung von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien in Zusammenarbeit mit dem Ukraine Art Aid Center und der Deutsch-Ukrainischen Gesellschaft für Wirtschaft und Wissenschaft e.V. konnte schon wenige Monate nach Kriegsbeginn im Herbst 2022 mit der fotografische Not-Dokumentation kulturell bedeutsamer Bauwerke begonnen werden.
Im Rahmen der ersten Phase des Projekts ab Oktober 2022 hat eine Monitoring-Gruppe von Blue Shield Deutschland seit Anfang März 2022 Meldungen zu kriegsbedingten Schäden von Kulturgut in der Ukraine gesammelt, strukturiert und bewertet. Mit diesem Datenbestand wurde die im Rahmen des DUCH-Projektes entstandene Fotodokumentation verknüpft. Mit der Datenbanktechnik von Wikibase wurde an der TIB eine nachhaltige Infrastruktur aufgebaut, die auch für Bürgeraktivitäten in gefährdeten Gebieten anschlussfähig ist. Über die Einbindung von Blue Shield hinaus wurde mit Nichtregierungsorganisationen in der Ukraine kooperiert.
Acht in der Ukraine tätige Fotografen und Fotografinnen fertigten über 1.200 Aufnahmen von rund 100 Bauwerken an. Darunter befinden sich auch Fotografien des Abaza-Palastes in Odessa, der im Dezember 2025 unter dem Namen Museum für westliche und östliche Kunst in die UNESCO-Liste des Immateriellen Kulturerbes der Menschheit unter besonderen Schutz aufgenommen wurde.
Finanzierung: Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, in Zusammenarbeit mit dem Ukraine Art Aid Center und der Deutsch-Ukrainischen Gesellschaft für Wirtschaft und Wissenschaft e.V.
Laufzeit: 01.10.2022 – 31.12.2022
Projektleitung: Prof. Dr. Ina Blümel, Dr. Christian Bracht
Projektpartner: TIB – Leibniz‐Informationszentrum Technik und Naturwissenschaften (deutsche zentrale Fachbibliothek für Architektur)
Blue Shield Deutschland
Koordination: Kamila Bojarska M.A.
Koordination vor Ort: Irina Gorodetska
Kontakt: Prof. Dr. Ina Blümel, Dr. Christian BrachtInhalt ausklappen Inhalt einklappen DUCH Phase 2
Dank finanzieller Unterstützung der Irene und Sigurd Greven Stiftung wurde das DUCH-Projekt im Frühjahr 2023 fortgesetzt.
Es konnten 100 neue Aufnahmen von 8 verschiedenen Architekturobjekten ergänzt werden. Das Haus der Wissenschaftler in Odessa, das in dieser zweiten Phase fotografiert wurde, wurde einige Monate später teilzerstört.
Die wissenschaftliche Erschließung der Fotodokumentation basiert auf der Arbeit von qualifizierten Kunsthistorikern und Kunsthistorikerinnen sowohl in der Ukraine als auch in Deutschland und wird zukünftig für den Wiederaufbau von Gebäuden eine wissenschaftlich fundierte Grundlage bieten.
Finanzierung: Irene und Sigurd Greven Stiftung
Laufzeit: 01.02.2023 – 31.03.2023
Projektleitung: Dr. Christian Bracht
Koordination: Kamila Bojarska M.A.
Koordination vor Ort: Irina Gorodetska
Kontakt: Dr. Christian BrachtInhalt ausklappen Inhalt einklappen DUCH Phase 3
Dank finanzieller Unterstützung der UKRAINE-Förderlinie der Ernst von Siemens Kunststiftung und der HERMANN REEMTSMA STIFTUNG wurde das DUCH-Projekt ab Sommer 2023 für zwei Monate fortgesetzt.
Der Krieg in der Ukraine gefährdet nicht allein das Leben der Menschen, sondern setzt auch die kulturellen Errungenschaften der Nation aufs Spiel. Die russische Aggression konzentriert sich auf die Zerstörung der zivilen Infrastruktur und damit auch der kulturellen Objekte im ganzen Land. Am meisten leiden die Regionen, die nah an der Frontlinie liegen: Einige Städte und Dörfer sind bereits bis auf die Grundmauern zerstört, da die von Russen eingesetzten Kriegswaffen gleichermaßen auf öffentliche Gebäude, Wohnhäuser, Sakralbauten wie auf Gebäude der Industrie und des Gewerbes gerichtet sind. Ein Beispiel dafür ist die im Nordosten der Ukraine grenznah gelegene Großstadt Charkiw, in der es bereits verheerende Zerstörungen gegeben hat. Vor dem Hintergrund dieser Situation wird die Bedeutung der Dokumentation des Kulturerbes noch wichtiger und dringlicher.
In der dritten Projektphase konnten 850 Aufnahmen von 70 Objekten gewonnen werden. Mit aufgenommen wird ab dieser dritten Projektphase auch die Kunst am Bau, wie etwa Mosaiken.
Finanzierung: UKRAINE-Förderlinie der Ernst von Siemens Kunststiftung und der HERMANN REEMTSMA STIFTUNG
Laufzeit: 01.08.2023 – 30.09.2023
Projektleitung: Dr. Christian Bracht
Koordination: Kamila Bojarska M.A.
Koordination vor Ort: Irina Gorodetska
Kontakt: Dr. Christian BrachtInhalt ausklappen Inhalt einklappen DUCH Phase 4
Dank finanzieller Unterstützung des Auswärtigen Amts der Bundesrepublik Deutschland, erneut in Zusammenarbeit mit dem Ukraine Art Aid Center und der Deutsch-Ukrainischen Gesellschaft für Wirtschaft und Wissenschaft e.V. (s. DUCH 1) wurde das DUCH-Projekt von Oktober bis Ende 2023 für drei Monate fortgesetzt.
Im Verlauf dieser vierten Fotokampagne wurden 1670 Aufnahmen von 170 Objekten angefertigt. Darunter befand sich auch das weltberühmte konstruktivistische Gebäude Derschprom in Charkiw, das seither mehrmals von russischen Angriffen betroffen war und nun teilzerstört ist.
Die fotografische Dokumentation der gefährdeten Bauwerke in der Ukraine mitsamt der Erschließung zugehöriger wissenschaftlicher Beschreibungsdaten in der digitalen Infrastruktur Wikibase ermöglicht es den Gesellschaften im internationalen Raum, sich über die Baukunst der Ukraine zu informieren, sie zu erforschen und sich an künftigen Maßnahmen zur Wiederherstellung dessen, was heute zerstört wird, aktiv zu beteiligen.
Finanzierung: Auswärtiges Amt der Bundesrepublik Deutschland, in Zusammenarbeit mit dem Ukraine Art Aid Center und der Deutsch-Ukrainischen Gesellschaft für Wirtschaft und Wissenschaft e.V.
Laufzeit: 01.10.2023 – 31.12.2023
Projektleitung: Dr. Christian Bracht
Koordination: Kamila Bojarska M.A.
Koordination vor Ort: Irina Gorodetska
Kontakt: Dr. Christian BrachtInhalt ausklappen Inhalt einklappen DUCH Phase 5
Nach der Initialphase 2022 konnte das Projekt im Jahr 2023 u.a. mit Fördermitteln der UKRAINE-Förderlinie der Ernst von Siemens Kunststiftung und der HERMANN REEMTSMA STIFTUNG (s. DUCH-03) gehalten werden. Dank erneuerter finanzieller Unterstützung durch diese Förderlinie wurde das DUCH-Projekt ab Oktober 2025 für drei Monate fortgesetzt.
Aufgrund der kriegsbedingt außerordentlich schwierigen und gefährlichen Lage im Land verzögerte sich die mit ca. 500 Aufnahmen geplante Kampagne zu etwa 50 Objekten. Zwei der hierbei dokumentierten Bauten wurden im Dezember 2025 in die UNESCO-Liste des Immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen, das besonderen Schutzes bedarf: das Taras Schewtschenko-Theater in Charkiw sowie die sogenannte Kircha (Kirche St. Paul) in Odessa.
Finanzierung: UKRAINE-Förderlinie der Ernst von Siemens Kunststiftung
Laufzeit: 01.10.2025 – 31.12.2025
Projektleitung: Dr. Christian Bracht
Koordination: Kamila Bojarska M.A.
Koordination vor Ort: Irina Gorodetska
Kontakt: Dr. Christian BrachtInhalt ausklappen Inhalt einklappen DUCH Phase 6
Nach dem Abschluss der fünften Projektphase setzt das DDK – erneut mithilfe von Fördermitteln des Auswärtigen Amts der Bundesrepublik Deutschland in Zusammenarbeit mit dem Ukraine Art Aid Center und der Deutsch-Ukrainischen Gesellschaft für Wirtschaft und Wissenschaft e. V. (s. DUCH 4) – das Projekt fort.
Geplant ist der Ankauf von bis zu 250 Neuaufnahmen der am stärksten gefährdeten Architekturdenkmäler in der Ostukraine. Parallel dazu erfolgt die wissenschaftliche Erschließung der Fotografien samt Beschreibungsdaten, die von qualifizierten Kunsthistorikern und Kunsthistorikerinnen sowohl in der Ukraine als auch in Deutschland erhoben und dem DDK bereitgestellt werden.
Finanzierung: Auswärtiges Amt der Bundesrepublik Deutschland, in Zusammenarbeit mit dem Ukraine Art Aid Center und der Deutsch-Ukrainischen Gesellschaft für Wirtschaft und Wissenschaft e.V.
Laufzeit: 01.02.2026 – 31.03.2026
Projektleitung: Dr. Christian Bracht
Koordination: Kamila Bojarska M.A.
Koordination vor Ort: Irina Gorodetska
Kontakt: Dr. Christian Bracht