Direkt zum Inhalt
 
 
Bannergrafik (VFG)
 
  Startseite  
 

Frühe Monumente des Mittelelbe-Saale-Gebietes in ihrem kulturellen und landschaftlichen Kontext. Studien zur Baalberger Kultur

 

Tobias Mühlenbruch

Mit der Baalberger Kultur, die vor allem im heutigen Bundesland Sachsen-Anhalt verbreitet ist, beginnt dort das Phänomen der Errichtung von „Monumenten“ wie Grabhügeln etc.. Auch dadurch verdient sie in der Forschung eine besondere Aufmerksamkeit. Dennoch ist es mehr als 45 Jahre her, dass die Baalberger Kultur im Zentrum einer umfassenden Bearbeitung stand: Die Studie von J. Preuß 1966 bietet bis heute die Grundlage, wobei vor allem die Chronologie in den folgenden Jahrzehnten mit unterschiedlichen Methoden und Ergebnissen behandelt wurde (Lichardus 1976; Beran 1993; Müller 2001). Mittlerweile konnten jedoch wichtige neue Entdeckungen zur Baalberger Kultur gemacht werden, die bislang noch keine angemessene wissenschaftliche Bearbeitung erfahren haben. Dies ist etwa auf Großgrabungen seit der Wiedervereinigung zurückzuführen. Eine bedeutende neue Befundgattung bilden die Trapezgrabenanlagen, die vor allem durch Luftbilder bekannt wurden und in den letzten Jahren auch in mehreren Exemplaren ausgegraben wurden (Schwarz 2003, z.B. 69).

Desiderate der Forschung, die mit dem beantragten Projekt geschlossen werden sollen, sind:

- Eine Dokumentation und wissenschaftliche Auswertung der Baalberger (inkl. Hutberger) Befunde/Funde, die seit Preuß ausgegraben/prospektiert wurden

- Eine Neubearbeitung der Baalberger Funde aus der Arbeit von Preuß, vor allem hinsichtlich der Gefäßmetrik und einer einheitlichen zeichnerischen Dokumentation (die bei Preuß zugunsten von Fundfotos fast vollständig fehlt)

- Eine Charakterisierung der Baalberger Kultur nach dem aktuellen Forschungsstand

Weiterhin haben bisher die Monumente der Baalberger Kultur viel zu wenig Aufmerksamkeit erfahren. Dass sich das Kieler DFG Schwerpunktprogramm 1400 „Frühe Monumentalität und soziale Differenzierung. Zur Entstehung und Entwicklung neolithischer Großbauten und erster komplexer Gesellschaften im nördlichen Mitteleuropa“ (Lüth/Müller 2009), dessen Schriften wichtige Beiträge liefern, im wesentlichen auf den nördlich an das Verbreitungsgebiet der Baalberger Kultur anschließenden Raum konzentriert (Ausnahme: Projekte „Megalithik Haldensleben“, „Mitteldeutsche Kreisgrabenanlagen“), fordert dazu heraus, die relevanten Befunde im Kerngebiet der Baalberger Kultur zu studieren. Dabei ist explizit auch danach zu fragen, inwieweit und wie die Monumente von den Trägern der archäologischen Kulturen genutzt wurden, die den Erbauern der Monumente nachfolgten – ein Aspekt, der im SPP 1400 nicht im Mittelpunkt steht. Aus dem Verbreitungsgebiet der Baalberger Kultur gibt es dazu sowohl länger bekannte wie neu ergrabene Befunde (Weber 1993; Friederich 2009), die mentalitätsgeschichtlich relevante Erkenntnisse versprechen.

Literatur:

J. Beran, Untersuchungen zur Stellung der Salzmünder Kultur im Jungneolithikum des Saalegebietes. Beiträge zur Ur- und Frühgeschichte Mitteleuropas 2 (Wilkau-Hasslau 1993).

S. Friederich, Das mittelneolithische Erdwerk Salzmünde-Schiepzig: Ergebnisse der Grabungen 2005 bis 2007. In: H.-J. Beier/Th. Doppler/E. Classen (Hg.), Varia neolithica VI. Neolithische Monumente und neolithische Gesellschaften. Beiträge der Sitzung der Arbeitsgemeinschaft Neolithikum während der Jahrestagung des Nordwestdeutschen Verbandes für Altertumsforschung e.V. in Schleswig, 9.–10. Oktober 2007. (Langenweissbach 2009) 133–139.

J. Lichardus, Rössen, Gatersleben, Baalberge. Ein Beitrag zur Chronologie des mitteldeutschen Neolithikums und zur Entstehung der Trichterbecher-Kulturen. Saarbrücker Beiträge zur Altertumskunde 17 (Bonn 1976).

F. Lüth/J. Müller, Sprecher von DFG Schwerpunktprogramm 1400 „Frühe Monumentalität und soziale Differenzierung, Zur Entstehung und Entwicklung neolithischer Großbauten und erster komplexer Gesellschaften im nördlichen Mitteleuropa“ (2009) http://www.monument.ufg.uni-kiel.de/ (1.10.2012)

J. Müller, Soziochronologische Studien zum Jung- und Spätneolithikum im Mittelelbe-Saale-Gebiet (4100 - 2700 v. Chr.). Eine sozialhistorische Interpretation prähistorischer Quellen. Vorgeschichtliche Forschungen 21 (Rahden 2001).

J. Preuß, Die Baalberger Gruppe in Mitteldeutschland. Veröffentlichungen des Landesmuseums für Vorgeschichte in Halle 21 (Berlin 1966).

R. Schwarz, Pilotstudien. Zwölf Jahre Luftbildarchäologie in Sachsen-Anhalt (Halle 2003).

Th. Weber, Die Häuser der Toten. Auf den Spuren von Mitteldeutschlands ältesten obertägigen Grabdenkmalen. Archäologie in Sachsen-Anhalt 3, 1993), 8–11.

 

Kooperationspartner:

Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt in Halle

 

Finanzierung:

Deutsche Forschungsgemeinschaft, Heisenberg-Programm + Sachmittel

 

Publikation:

T. Mühlenbruch, Eine Neubearbeitung der Baalberger Funde im Gebiet des Bundeslandes Sachsen-Anhalt. In: F. Bertemes/O. Rück (Hrsg.), Neue Forschungen und Aspekte zur Baalberger Kultur. Beiträge des Arbeitstreffens „Aktuelle Forschungen zur Baalberger Kultur“ am 04.11.2014. Alteuropäische Forschungen 9 (Langenweissbach 2016) 201–206.


Zuletzt aktualisiert: 29.06.2017 · Bettina Hahn-Stern

 
 
 
Fb. 06 - Geschichte und Kulturwissenschaften

Vor- und Frühgeschichtliche Archäologie, Biegenstraße 11, 35032 Marburg
Tel. +49 6421/28-22348, Fax +49 6421/28-28901, E-Mail: vorgesch@staff.uni-marburg.de

URL dieser Seite: https://www.uni-marburg.de/fb06/vfg/forschung/document.2017-06-27.5844199802

Impressum | Datenschutz