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Der Vulkanausbruch von Santorin in der ägäischen Spätbronzezeit. Methodische Überlegungen zur Datierung von Ereignisgeschichte in der Ur- und Frühgeschichte


Tobias Mühlenbruch

 

Relativchronologisch wird der Vulkanausbruch von Santorin/Griechenland aufgrund von Keramikfunden der dort beim Ausbruch zerstörten Siedlung Akrotiri in die Phase Spätminoisch I A datiert. Absolutchronologisch gibt es eine Diskrepanz zwischen den Daten, die die archäologisch-historische Methode über Importfunde etc. für die Eruption nahelegen, und denen, die über naturwissenschaftliche Datierungsverfahren gewonnen wurden (ca. 1540 v. Chr. contra 1613 v. Chr./„niedrige“ contra „hohe“ Chronologie – zusammenfassend etwa Bietak/Höflmayer 2007, Friedrich u.a. 2006, Manning 2014). Vor diesem Hintergrund wurde im Jahr 2000 der Wiener Spezialforschungsbereich SCIEM 2000 („The Synchronization of Civilizations in the Eastern Mediterranean in the 2nd Millennium B.C.“) eingerichtet (Bietak/Kutschera 1999), der sich mit dieser Frage beschäftigt hat, sie jedoch bis zu seinem Abschluss 2011 nicht beantworten konnte.

Ziel dieses Projektes ist es, die Frage zu beantworten, ob „hohe“ und „niedrige“ Chronologie für die ägäische Spätbronzezeit nicht doch zu vereinbaren sind, und falls ja, auf welche Weise (vgl. auch etwa Höflmayer 2012, Manning 2014). Dazu bedarf es einer kritischen Bewertung des Epochen-/Stufen-/Phasen-Modells für die Chronologie (s. Eggert 2012) sowie einer Diskussion der chronologischen Aussagekraft archäologischer Befunde, historischer Quellen sowie naturwissenschaftlicher Datierungen (etwa Milojčić 1957, Müller 2006). Die am Beispiel der ägäischen Spätbronzezeit zu formulierenden Ergebnisse werden generell für Epochen in der Ur- und Frühgeschichte mit entsprechendem Chronologiegerüst gültig sein.

 

Literatur:

 

M. Bietak/F. Höflmayer, Introduction: High and Low Chronology. In: M. Bietak/E. Czerny (Hg.), The Synchronisation of Civilisations in the Eastern Mediterranean in the Second Millenium B.C. III. Proceedings of the SCIEM 2000 – 2nd EuroConference, Vienna, 28th of May to 1st of June 2003. Österreichische Akademie der Wissenschaften, Denkschriften der Gesamtakademie 39, Contributions to the Chronology of the Eastern Mediterranean 9 (Wien 2007) 13–23.

M. Bietak/W. Kutschera, Sprecher von SFB „The Synchronization of Civilizations in the Eastern Mediterranean in the 2nd Millennium B.C.“ (1999) http://www.oeaw.ac.at/sciem2000/

M. K. H. Eggert, Prähistorische Archäologie. Konzepte und Methoden. Mit Beiträgen von Nils Müller-Scheeßel und Stefanie Samida. Uni-Taschenb. 2092 (Tübingen, Basel 42012).

W. L. Friedrich/B. Kromer/M. Friedrich/J. Heinemeier/T. Pfeiffer/S. Talamo, Santorini Eruption Radiocarbon Dated to 1627–1600 B.C. Science 312, Nr. 5773, 2006, 548.

F. Höflmayer, The Date of the Minoan Santorini Eruption: Quantifying the „Offset“. Radiocarbon 54, 2012, 435–448. 

St. W. Manning, A Test of Time and A Test of Time Revisited. The Volcano of Thera and the chronology and history of the Aegean and east Mediterranean in the mid-second millennium B.C. (Oxford 2014).

V. Milojčić, Zur Anwendbarkeit der C 14-Datierung in der Vorgeschichtsforschung. Germania 35, 1957, 102–110.

V. Müller, Wie gut fixiert ist die Chronologie des Neuen Reiches wirklich? Ägypten & Levante 16, 2006, 203–230.

 

Finanzierung:

Deutsche Forschungsgemeinschaft, Heisenberg-Programm

 

 

Zuletzt aktualisiert: 29.06.2017 · Bettina Hahn-Stern

 
 
 
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