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Lehrgrabung auf der staufischen Burgruine „Kalsmunt“ über Wetzlar, Lahn-Dill-Kreis

 

Im Rahmen des Forschungsschwerpunktes „Archäologische Landeskunde Hessens“, führt das Vorgeschichtliche Seminar der Philipps-Universität Marburg seit dem Jahre 2013 systematische Oberflächenbegehungen, geophysikalische Prospektionen und Ausgrabungen auf der Burgruine Kalsmunt (Wetzlar, Lahn-Dill-Kreis) und deren unmittelbaren Umlandes durch.

Hoch über der ehemaligen Reichsstadt Wetzlar, auf einer Basaltkuppe, erhebt sich um einen zentralen  Donjon die aus Haupt- und Vorburg bestehende Anlage. Die topographische Lage am Nordende des Bergrückens „Eisenhardt“ war günstig gewählt. Von dem weit in das Lahntal vorspringenden Bergsporn aus war ein Kerngebiet von rund 200km² einzusehen. Die Reichsburg diente zweifellos der Kontrolle der Verkehrswege durch das Lahntal sowie der Zugänge zu dem „Eisenland“ an Lahn und Dill.

Erste Grabungen am Kalsmunt wurden zwischen den beiden Weltkriegen durch den Heimatforscher Carl Metz durchgeführt. Damals entstand die bis heute einzige Planaufnahme der Burganlage, zudem wurde wichtiges keramisches Fundgut des hohen Mittelalters geborgen.

Die von Carl Metz aufgeworfene Frage nach der Entstehungszeit des Kalsmunt ließ sich bis heute archäologisch nicht exakt klären. Metz selber ging noch von einer Errichtung des gewaltigen, aus Schalsteinquadern errichteten Turms in spätrömischer Zeit aus, blieb aber entsprechende Belege schuldig. Eine vom Wetzlarer Stadtschreiber Caelius schon im 17 . Jahrhundert vorgeschlagene Verbindung des Toponyms „Kalsmunt“ mit dem fränkischen Herrscher Karl dem Großen („Carolus Mons“) lässt sich ebenso wenig beweisen. Aufgrund von numismatischen Zeugnissen wird vielmehr von einer Existenz der Anlage spätestens seit dem ausgehenden 12. Jahrhundert auszugehen sein, womit der staufische Kaiser Friedrich Barbarossa als Bauherr in Frage kommt. Die mit dem 13. Jahrhundert einsetzenden Schriftquellen belegen jedenfalls die Existenz einer durch Burgmannen besetzten Reichsburg am Nordostrand des königlichen Reichslandes Wetterau.

Eine archäologisch-stratigraphische Absicherung dieses Entstehungsdatums ist das vordringliche Ziel der Marburger Forschungen auf der Burganlage. Zudem zielen die von Prof. F. Teichner geleiteten Untersuchungen auf eine moderne Dokumentation des heute noch erhaltenen Baubestandes (z.B. die schriftlich belegte Burgkapelle, das Wächterhaus oder das Gebäude des letzten Vogtes) und die Erschließung der unmittelbar zur Burganlage gehörenden Infrastruktur (Gutshof, Bergbau, Weinberge etc.) im unmittelbaren Umland.

 

 

Ansprechpartner:

Prof. Dr. F. Teichner; E-Mail: felix.teichner(at)staff.uni-marburg.de

Kevin Paul; E-Mail: paulkev(at)students.uni-marburg.de

Unterstützt durch:

Förderverein Kalsmunt e.V. [http://www.foerderverein-kalsmunt.de/]

Stadt Wetzlar – Untere Denkmalschutzbehörde

 

Publikationen:

 

Felix Teichner & Robin  Dürr, Die Reichsburg CALSMVND bei Wetzlar, Lahn-Dill Kreis. Aktuelle Burgenforschung am Vorgeschichtlichen Seminar der Philipps Universität Marburg. hessenARCHÄOLOGIE 2014 (2015), 160-164.

 

Abschlussarbeiten:


Eva-Maria Eifler, Visuelle Dokumentation archäologischer Befunde mit Hilfe der „Structure from Motion“-Technik am Beispiel der Lehrgrabungen Leun und Wetzlar-Kalsmunt, Lahn-Dill-Kreis [Uni Marburg 2016].

 

Johannes Alexander Sonntag, Anwendung von Georadar und Geoelektrik zur Prospektion historischer Strukturen im Untergrund am Beispiel des Kalsmunt (Wetzlar) [RWTHAachen 2014].

 

Links:

Prospektion:  https://www.youtube.com/watch?v=wTzuE5p9yLI

Grabung: https://www.youtube.com/watch?v=JHi-cwZjTLM

 

Zuletzt aktualisiert: 03.07.2017 · scherf

 
 
 
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