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Irmela Florin (1938-1998)
„Der Schlüssel zum Erfolg liegt in der Neigung, Schwierigkeiten zu unterschätzen“.
Rita Levi-Montalchi zit. nach: Irmela Florin in: Tent/Fiegenbaum 1999, S. 11
Leben und Werk
Irmela Florin wurde am 14. April 1938 in Dortmund geboren. 1958 legte sie am Mädchengymnasium in Recklinghausen ihr Abitur ab und studierte anschließend Psychologie in Tübingen, München und an der Sorbonne in Paris. Nach ihrem Diplom an der Ludwig-Maximilians-Universität in München im Jahr 1964 blieb sie der dortigen Hochschule zunächst als wissenschaftliche Hilfskraft und später als Tutorin für Psychologische Diagnostik verbunden. Bereits in dieser frühen Phase übernahm sie erste Lehraufträge, unter anderem an der Universität Regensburg.
Ein entscheidender Wendepunkt war ihr Aufenthalt in den USA im Jahr 1968: An der Kansas University und der Temple University ließ sie sich bei den Pionieren der Verhaltenstherapie, wie Arnold A. Lazarus und Montrose M. Wolf, ausbilden. Florin trug maßgeblich dazu bei, diese damals neue Therapierichtung im deutschen Sprachraum zu etablieren. Nach ihrer Zeit als wissenschaftliche Angestellte an der Universität Konstanz, wo sie 1972 mit einer Arbeit über operantes Konditionieren bei Schizophrenie promovierte, übernahm sie 1973 die Leitung des Zentrums für Studien- und Konfliktberatung an der Universität Augsburg.
Ihre akademische Lehrtätigkeit führte sie über Zürich und Augsburg schließlich nach Tübingen, wo sie von 1976 bis 1978 als C3-Professorin für Psychologische Interventionsmethoden wirkte. Im Oktober 1978 folgte sie dem Ruf auf den C4-Lehrstuhl für Klinische Psychologie an der Philipps-Universität Marburg. Über zwei Jahrzehnte prägte sie dort das Profil des Fachbereichs und lehnte Rufe an renommierte Hochschulen wie Kiel, Würzburg und Münster ab, um ihr Lebenswerk in Marburg fortzuführen.
Ihr wissenschaftliches Spektrum war außergewöhnlich weit: In der Verhaltensmedizin leistete sie Pionierarbeit bei der Behandlung von Infertilität, kindlichem Asthma, Migräne und Phantomschmerzen. In der Klinischen Psychologie spezialisierte sie sich auf die Erforschung von Angststörungen sowie auf die Grundlagen und Therapie der Bulimia nervosa. Dabei war ihr die Verbindung von Theorie und Praxis ein zentrales Anliegen; ihre veröffentlichten Therapiemanuale setzten Standards für effektive Behandlungsmethoden. Auch ihre zahlreichen Publikationen, wie etwa der Bestseller „Behandlung kindlicher Verhaltensstörungen“ (1970), gemeinsam verfasst mit Wolfgang Tunner, waren von grundlegender Bedeutung.
Über ihre fachlichen Erfolge hinaus war Irmela Florin im wahrsten Sinne des Wortes eine „Doktormutter“. Die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses war für sie kein bloßes Lippenbekenntnis, sondern ein tiefes persönliches Anliegen. Sie unterstützte ihre Studierenden und Mitarbeitenden mit außerordentlichem Engagement, förderte gezielt Karrieren und schuf ein Klima der akademischen Exzellenz und menschlichen Wertschätzung. Dieses Wirken wurde 1998 durch die Verleihung des ersten Frauenförderpreises der Philipps-Universität Marburg und des Bundesverdienstkreuzes Erster Klasse geehrt. Am 19. Dezember 1998 verstarb Irmela Florin in Marburg. Ihr Erbe wird seit 2005 durch den alle zwei Jahre ausgeschriebenen Irmela-Florin-Forschungspreis der Deutschen Gesellschaft für Verhaltensmedizin und Verhaltensmodifikation weitergetragen, der wissenschaftlichen Nachwuchs auf dem Weg in die Forschung unterstützt.
Entstehung der Tafel
Erste Fassung 2008 Dr. Alexandra Nanke; Überarbeitung und inhaltliche Ergänzung 2026 Dr. Andrea Beutlhauser