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Tada Urata (1873-1936)

Das Bild zeigt Tada Urata

„Ich ging nach Marburg, weil ich wusste, dass dort [...] selbst eine Frauen den Doktortitel erwerben durfte.“

zit. nach: Ishihara 2012, S. 94

Leben und Werk

Tadako Urata wurde am 3. Mai 1873 in Ushifuka, Amakusa-gun (Präfektur Kumamoto) im Süden Japans geboren. Als Tochter eines wohlhabenden Kaufmanns und Schriftstellers wuchs sie in einem traditionsreichen, aber liberal geprägten Elternhaus auf; ihr Vater engagierte sich in den 1870er-Jahren aktiv in der japanischen Demokratisierungsbewegung. Nach ihrer frühen Kindheit in Tokio kehrte sie für die Volksschule in ihre Heimat zurück und begann 1890 eine Ausbildung an der Akademie für Pharmazie in Kumamoto. Bereits 1892 erhielt sie ihre Approbation als Apothekerin und übernahm die Leitung einer Apotheke für chinesische Naturheilkunde in Ushifuka.

Von 1895 bis 1899 studierte sie Medizin an der Privatuniversität Saisagakusha in Tokio. Nach ihrem Staatsexamen und der Registrierung als Ärztin im Jahr 1899 forschte sie zwei Jahre am epidemiologischen Institut des damals weltbekannten Bakteriologen Shibasaburo Kitasato. Durch dessen enge Verbindungen zu deutschen Wissenschaftlern wie Robert Koch und dem Marburger Impfpionier Emil von Behring wurde ihr Interesse an einer Promotion in Deutschland geweckt.

Im Jahr 1903 reiste Urata nach Deutschland, mit dem Ziel, in Berlin zu promovieren, fand aber heraus, dass dies für Frauen damals nicht möglich war. Sie ging daraufhin nach Marburg, obgleich zu jener Zeit der Zugang zu Universitäten in Preußen, wozu Marburg gehörte, Frauen noch weitgehend verschlossen war. Erst ab dem Wintersemester 1908/09 war weiblichen Studierenden hier eine ordentliche Immatrikulation gestattet. Doch da Urata bereits approbierte Apothekerin und Ärztin war und im Ausland studiert hatte, erlaubte ein Sondererlass von 1900 ihre Zulassung zur Promotion an der Philipps-Universität. Am 28. Februar 1905 schrieb sie Geschichte: Mit ihrer Dissertation über die antibakterielle Wirkung der „Credé’schen Tropfen“ bei Professor Ludwig R. Bach wurde sie als erste Japanerin und erste Frau in Deutschland regulär zum Dr. med. promoviert.

Bei ihrer Rückkehr im Juni 1905 wurde sie von den Medien gefeiert und erlangte nationale Bekanntheit, doch die offizielle Anerkennung ihres Doktortitels blieb ihr in der Heimat zunächst versagt. Akademische Grade galten damals als männliche Privilegien und es existierte noch kein Präzedenzfall für eine weibliche Promotion. Der Titel „Hakase“ wurde zu jener Zeit in Japan primär als prestigeträchtige Auszeichnung für männliche Gelehrte vergeben.

Von diesen Problemen unbeirrt eröffnete sie eine Augenarztpraxis in Tokio. Ein paar Jahre später heiratete sie den Pharmazeuten Tsunesaburō Nakamura, mit dem sie 1912 nach Tianjin, China, auswanderte. Dort gründeten sie im japanischen Viertel gemeinsam eine Klinik für Augenheilkunde, Gynäkologie und Innere Medizin, in der die Ärztin bedürftige Patient*innen kostenlos behandelte. Sie soll ihre Sprechstunde auf Japanisch, Chinesisch, Deutsch und Englisch abgehalten haben. Nach dem Tod ihres Mannes kehrte sie 1932 nach Tokio zurück, wo sie erneut eine Augenarztpraxis eröffnete. 

Am 18. Juni 1936 verstarb Tada Urata mit 64 Jahren in Tokio. Seit 2022 erinnert die Stadt Marburg mit einem nach ihr benannten Platz auf dem Klinikgelände zwischen Mensa und Medizinischer Bibliothek an die engagierte Ärztin und erste promovierte Medizinerin an der Philipps-Universität.

Das Bild zeigt das Titelblatt der Dissertation Uratas aus dem Jahr 1905

Titelblatt der Dissertation Uratas

Entstehung der Tafel

Erste Fassung 2008 vgl. Yuko Misaki (1998), zusammengestellt von Christine Müller und Dr. Silke Lorch-Göllner; Überarbeitung und inhaltliche Ergänzung 2026: Dr. Andrea Beutlhauser