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Sprachsensible DaF-/DaZ-/DaM-Bildungsräume: Abstracts der Beiträge

Hier können Sie die Abstracts auch als PDF einsehen.

 

van Elten, Franziska (Berufliche Schulen Berta Jourdan, FfM)

Basistextformen in INTEA-Klassen: Anträge, Fahrkarten, Klassenregeln –  Tipps zur erfolgreichen Bearbeitung und sprachlichen Anpassung

Jugendlichen mit Migrations- und Fluchthintergrund DaZ-Unterricht zu erteilen heißt nicht nur, Sprachkenntnisse zu vermitteln, es bedeutet viel mehr. Viele dieser SuS (insb. die bereits volljährigen) sind ohne Betreuung hier und haben für vielerlei Fragen (Fahrkarten, Beantragung von Unterstützung für den persönlichen Schulbedarf, Formulare jeglicher Art etc.) keine Ansprechpartner außer ihren Lehrpersonen; einige bringen nur geringe Schriftsprachenkenntisse mit und können sich nur schwer Informationen selbst beschaffen und durchlesen. Die Bewältigung solcher grundsätzlichen Textformen ist aber die Voraussetzung dafür, dass überhaupt in Ruhe zum Unterricht übergegangen werden kann. Deshalb werden in dieser Veranstaltung konkrete Hinweise dafür gegeben, wie die eine oder andere Herausforderung zu meistern ist. Im Fokus wird auch das Üben einfacher Sprache stehen, denn oft haben wir keine Möglichkeit, Dolmetscher für alle Sprachen der Klasse hinzuzuziehen – so müssen wir also in möglichst einfachem Deutsch verständlich erklären können, was „Fahrtkostenerstattungsformular“ bedeutet und wie der Prozess dieser Erstattung funktioniert. Im Workshop üben Sie dieses einfache Erklären bzw. Darstellen anhand von Beispielen mitten aus dem Leben.

 

 

 

Frömel, Annette (Universität Hongkong)

Ja, ich kann! Mündliche Textproduktion offline und online: Lerner des Kurses Deutsch IV an der „Chinese University Hong Kong“

In einer Umgebung, in der Kantonesisch, Mandarin und Englisch stark gefördert werden, haben andere Sprachen einen schweren Stand. Daher dauert es im Nebenfachprogramm Deutsch an der Chinese University of Hong Kong normalerweise 3 Jahre, bis die Studenten das Niveau A2 gemeistert haben. Während des Semesters gibt es 3 Stunden Deutsch, und die Zeit muss intensiv genutzt werden, um in kurzer Unterrichtszeit einen maximalen Lernerfolg zu erzielen.

Besondere Probleme haben die Studenten im Bereich der mündlichen Textproduktion, daher wird hier mehr Hilfestellung gewünscht. In den letzten 2 Jahren wurde das Curriculum intensiv überarbeitet. Die im Unterricht eingesetzten Text-Formen werden nun verstärkt durch Sprech-Formen unterstützt. Anstelle von schriftlichen Tests und Hausaufgaben gibt es zusätzlich dialogische Vorträge in der Klasse. Ein weiterer wesentlicher Bestandteil der Arbeit ist nun auch die Moodle-Plattform, auf der die Studenten, teils in Gruppen, ihre Kompetenzen in unterschiedlichen schriftlichen und mündlichen Aktivitäten erweitern und auch die Möglichkeit haben, mehr persönliches detailliertes Feedback vom Lehrer zu erhalten.

Dieser Vortrag präsentiert Sprachstandsdiagnosen von Studenten der Kurses German IV am Anfang und am Ende des Kurses. Es wird anhand von Unterrichtsbeispielen aufgezeigt, welche Maßnahmen implementiert wurden, um besonders Sprechen im Unterricht zu fördern und welche Rolle die Online-Plattform und das Arbeiten in Gruppen beim Lernen und der Motivation einnehmen. Anhand von Äußerungen der Studenten und persönlichem Feedback wird analysiert, welche kompetenzspezifischen Veränderungen festzustellen sind und in welcher Hinsicht noch weitere Verbesserungen möglich sind.

 

 

 

Hufeisen, Britta, Prof. Dr. (Technische Universität Darmstadt)

Brückenschläge: Umgang mit Mehr- und Vielsprachigkeit

In meinem Beitrag möchte ich einige grundsätzliche, auch kritischen Überlegungen zur Spracherwerbsforschung und Fremdsprachenlehrlernforschung mit Ideen verbinden, wie man mit der zunehmenden (sprachlichen) Heterogenität unserer Lerngruppen umgehen kann. Dabei geht es weniger um konkrete Unterrichtsvorschläge für den morgigen Unterricht, sondern vielmehr darüber, wie neuere Forschungsergebnisse als Basis für langfristige Möglichkeiten der Weiterentwicklung des Fremdsprachenunterrichts genutzt werden können. Zur Veranschaulichung meiner Ideen berichte ich von derzeit laufenden und bereits abgeschlossenen Forschungsprojekten. Ein wichtiges Schlagwort wird das Gesamtsprachencurriculum sein, in dem Sprachenfächer mit Sachfächern stärker als bisher miteinander verknüpft werden, weil auch die Sachfächer sprachlich gefasst sind und daher auch in diesem Unterricht Sprache und Sprachen mit bedacht werden müssen und weil die Sprachenfächer nicht alleine für die sprachliche Bildung der Lernenden verantwortlich sind.

Literatur:

Allgäuer-Hackl, Elisabeth/Brogan, Kristin/Henning, Ute/Hufeisen, Britta/Schlabach, Joachim (Hg.) (2015), Mehr Sprachen? - PlurCur®! Berichte aus Forschung und Praxis zu Gesamtsprachencurricula. Baltmansweiler, Schneider Hohengehren (Mehrsprachigkeit und multiples Sprachenlernen Bd. 11).
Hufeisen, Britta (2011a), Gesamtsprachencurriculum: Überlegungen zu einem prototypischen Modell. In: Baur, Rupprecht/Hufeisen, Britta (Hg.) (2011), "Vieles ist sehr ähnlich." - Individuelle und gesellschaftliche Mehrsprachigkeit als bildungspolitische Aufgabe. Baltmannsweiler, Schneider  Hohengehren, 265-282.
Hufeisen, Britta (2011b), Drei ausgewählte Merkmale eines Gesamtsprachencurriculums: Interkulturelle Studien, Deutsch als Zweitsprache und Textkompetenz. Die Neueren Sprachen 2, 45-55.
Hufeisen, Britta (2015), Zur möglichen Rolle der sog. klassischen Sprachen für Gesamtsprachencurriculumskonzepte. In: Hoffmann, Sabine/Stork, Antje (Hg.) (2015), Lernerorientierte Fremdsprachenforschung und -didaktik. Tübingen, Narr, 45-57.


 


Kretschmer, Annette mit DaF-/DaZ-Studierenden (Universität Marburg)

Textartenbezogene DaF-/DaZ-/DaM-Förderung („Scaffolding“) in einer 10. Klasse mit Kommentaren

Ein kompetenter Umgang mit verschiedenen Textarten gilt im Deutsch- und Fremdsprachenunterricht als unabdingbar. Dies stellt nicht nur Schüler/-innen, die in anderen Kontexten sozialisiert und beschult wurden, vor eine Herausforderung, sondern auch sprachschwache Schüler/-innen. Aus diesem Grund wurden DaF-/DaZ-/DaM-Schüler/-innen einer 10. Klasse mit Hilfe verschiedener Scaffolding-Ansätze in besonderer Weise gefördert. Die Förderung erfolgte am Beispiel von Kommentaren, die zentraler Bestandteil der geltenden Bildungsstandards sind.

Im Workshop sollen nach einer kurzen Vorstellung der Zielsetzung, Planung und Durchführung der Förderung ausgewählte Prä- und Posttests analysiert werden. Anschließend ist ein Austausch sowohl über positive Effekte und Potenziale solcher Förderungen als auch über Schwierigkeiten, Probleme und mögliche Lösungsstrategien geplant.

 

 

 

Kreuzer, Irakleia (StR i.H.; Universität Marburg, Richarda-Huch-Schule Dreieich)

Textarbeit im Geschichtsunterricht in der Sekundarstufe I

Betrachtet man die verschiedenen Bedeutungen des Wortes Geschichte, stellt man fest, dass dieses nicht nur die historische Wissenschaft bzw. die Darstellung historischer Ereignisse beschreibt, sondern auch die mündliche oder schriftliche Darstellung realer oder fiktiver Ereignisse in Form einer Erzählung.

Von dieser Doppeldeutigkeit des Wortes ausgehend werden wir uns in diesem Workshop mit Texten von Schülerinnen und Schülern (SuS) befassen, die bestimmte Aspekte von Darstellungstexten (Autorentexten) behandeln. Anhand der Analyse der vorgelegten Texte soll in Form von PA oder GA einerseits auf die Lesefertigkeit (Umgang mit den Darstellungstexten und der Aufgabenstellung) und andererseits auf die Schreibfertigkeit (Verfassen eines eigenen Textes) eingegangen werden. Als Hilfsmittel zur Analyse werden die verschiedenen Ebenen der Sprache im schulischen Fachunterricht nach Leisen herangezogen.

Abschließend soll im Plenum diskutiert werden, welche Ergänzungen bzw. Änderungen des vorhandenen Unterrichtsmaterials als Hilfestellungen für die SuS geeignet wären.

 

 

 

Lange, Marion (Universität Marburg, Fachbereich Biologie)

Spracharbeit mit Diagrammen in den MINT-Fächern

Die sprachliche Heterogenität der Schüler*innen im deutschsprachigen Fachunterricht stellt eine große Herausforderung für viele Kolleg*innen dar. Nicht- Muttersprachler*innen in den Unterricht zu integrieren und ihnen durch gezielte Unterstützungsmaßnahmen eine individuelle Förderung zukommen zu lassen, ist aber nicht erst mit dem Zuzug von Flüchtlingen aktuell. Schüler*innen mit Migrationshintergrund, die ein sehr unterschiedliches Sprachniveau aufweisen, sind schon seit längerem Teil der Schülerlandschaft. Diesem muss ein moderner Fachunterricht gerecht werden. In den MINT-Fächern findet Kommunikation weit über das Erfassen und Wiedergeben von Textinformationen hinaus statt. Schüler*innen sind mit vielfältigen Darstellungsformen, die ein sehr unterschiedliches Abstraktionsniveau haben, konfrontiert. Hierzu gehören Diagramme, die im mathematisch-naturwissenschaftlichen Unterricht eine zentrale Rolle in der Symbolsprache einnehmen. Das Interpretieren von Diagrammen stellt sowohl für Muttersprachler*innen und Schüler*innen mit Migrationshintergrund als auch Nicht-Muttersprachler*innen zum Teil eine große kognitive und sprachliche Herausforderung dar. Dieser Workshop soll die Sensibilität für Sprachbarrieren im Umgang mit Diagrammen erhöhen und Wege aufzeigen, diese zu verringern. An verschiedenen Materialien werden beispielhaft Methoden zur sprachlichen Unterstützung bei der mündlichen Interpretation von Diagrammen aber auch deren Verschriftlichung erarbeitet oder demonstriert.

 

 

 

Lucas-Reiß, Annette und Prof. Dr. Kathrin Siebold (Stiftsschule/ Univ. Marburg)

„Scaffolding“ im sprachsensiblen Projektunterricht (Deutsch) zur Förderung individueller Sprachbildungsprozesse

 Abstract folgt.

 

 

Münch-Manková, Zuzana (Podiumsdiskutantin, Universität Göttingen)

Das „DiGi-DaZ-Projekt“ (Vortrag auf der Ersatzliste im Block „Professionalisierung von DaF-/DaZ-/DaM-Bildungsakteuren“)

Eine Inhaltsanalyse der Fortbildungen zum Thema sprachliche und kulturelle Vielfalt im zentralen Fortbildungskatalog der sechzehn Bundesländer (Policy Brief des SVR-Forschungsbereich 2016) ergab, dass Lehrkräfte meist nur einzelne Tages- bzw. Halbtagsveranstaltungen besuchen und somit die Qualifizierungsmaßnahmen im Bereich sprachliche Bildung und der Transfer in die Schulpraxis unwirksam bleiben. Dabei zeigt Frank Lipowsky schon seit längerer Zeit, was Fortbildungen erfolgreich macht. Sie müssen sich über einen längeren Zeitraum erstrecken, einen Wechsel zwischen Input- und Arbeitsphasen (praktischen Erprobungs- bzw. Trainingsphasen) und unterrichtsbezogenen Reflexionsphasen herstellen (Lipowsky 2004; 2011; Adey et al. 2004, Barzel, Selter 2015).

Die „DiGi-DaZ“-Fortbildungsreihe,  die theoriegeleitet im Jahre 2013 entstanden ist und nachfolgend erprobt wurde, zeigt dabei, wie anhand dieser Kriterien eine Fortbildungsreihe zum Thema „DaZ in fachlichen Kontexten“ für die Lehrkräfte der naturwissenschaftlichen Fächer der Sekundarstufe I. aller Schulformen erfolgreich konzipiert werden kann. Im Vortrag sollen die Rahmenkonzeption der DigiDaZ-Fortbildung und die Fortbildungsziele skizziert werden. Fokussiert werden dabei die jeweiligen Bausteine und Lehr-Lernsettings der Fortbildungsreihe, die sich durch eine quantitative Auswertung als besonders nachhaltig erwiesen haben. Die subjektive Einschätzung der Lehrkräfte, mit welchen Inhalten der Fortbildung sie sich besonders befähigt fühlen den Sprachsensiblen Fachunterricht durchzuführen, wird anhand der Leitfadeninterviews präsentiert.

 

Literatur:

Adey, Philip; Hewitt, Gwen; Hewitt, John; Landau, Nicolette: The professional development of teachers. Practice and theory. Dordrecht: Kluwer, 2004.
Barzel, Bärbel; Selter, Christoph: Die DZLM-Gestaltungsprinzipien für Fortbildungen. In: Journal für Mathematik-Didaktik. 2015, Jg. 36, S. 259-284.
Lipowsky, Frank: Was macht Fortbildungen für Lehrkräfte erfolgreich? In: DDS, 96. Jg. 4. Vj. 2004, S. 462-479.
Lipowsky, Frank (2011). Theoretische Perspektiven und empirische Befunde zur Wirksamkeit von Lehrerfort- und –weiterbildung. In: Terhart, Ewald a al. (Hrsg.):H. Handbuch der Forschung zum Lehrerberuf (S. 398–417). Münster: Waxmann.
Mercator Institut für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache, Policy Brief des SVR-Forschungsbereich 2016.

 

 

 

Peschel, Corinna, Prof. Dr. und Mirka Mainzer-Murrenhoff (Universität Wuppertal)

Domänenspezifische Diagnose und Förderung des Schreibens in mehrsprachigen Regelklassen: Was brauchen angehende Lehrkräfte?

Die Themen Diagnose und Förderung des Schreibens haben sich zu einem wichtigen Bestandteil der Lehrkräfteausbildung im Bereich Sprachbildung und Deutsch als Zweitsprache entwickelt (z.B. Lengyel 2013; Thürmann 2012). Dabei ist jedoch bislang u.a. nicht eindeutig beantwortet, welche Kompetenzen für eine domänenspezifische Diagnose und Förderung in der Praxis gebraucht werden (z.B. Geist 2014; Prediger et al. 2012), welches Wissen angehende Lehrkräfte z.B. bezüglich fachspezifischer Textformen bereits mitbringen oder wie eine Qualifizierung, die neben sprachformalen Aspekten auch solche der kommunikativen Angemessenheit und Kohärenz vermittelt, aussehen müsste (z.B. Weber 2009).

Diese Fragen werden an der Bergischen Universität Wuppertal im Rahmen des Projektes „Diagnose und Förderung des Schreibens“ näher untersucht. Den Ausgangspunkt bildet ein Tutorenprogramm für Lehramtsstudierende: Studierende unterschiedlicher Sachfächer ermitteln Schreibkompetenzen ein- und mehrsprachiger SchülerInnen der Sek I, entwickeln auf dieser Basis fachspezifische Schreibförderpläne und setzen sie in der Schule um. Eine prozesshafte Begleitforschung des Programms ermöglicht spezifischere Einblicke in die Beschaffenheit der schreibförderdiagnostischen Kompetenz der Studierenden und die Möglichkeiten ihrer Förderung.

Der Vortrag nimmt die ersten Ergebnisse der Begleitforschung des Projektes in den Blick und fokussiert auf die Frage, inwiefern die Studierenden tatsächlich zum Kern dessen vordringen, was das Schreiben eines angemessenen Textes im jeweiligen Fach ausmacht. Dazu werden erste Ergebnisse hinsichtlich der per Logbuch erhobenen förderdiagnostischen Handlungsschritte und darauf bezogenen Reflexionsprozesse der Studierenden präsentiert. Sie erlauben konkrete Aussagen über die angelegten Kriterien bei der Textanalyse sowie methodisch-didaktische Herangehensweise bei der Förderung. Auf Grundlage der Ergebnisse werden Vorschläge für die Gestaltung von Qualifizierungsmaßnahmen in der Lehrerausbildung vorgestellt und durch einen konkreten Arbeitsauftrag illustriert.

 

Literatur:

Geist, B. (2014). Sprachdiagnostische Kompetenz von Sprachförderkräften. Berlin/Boston: de Gruyter.
Lengyel, D. (2013). Pädagogische Sprachdiagnostik als Grundlage für die durchgängige Sprachbildung. In: Gogolin, I/Lange, I./Michel, U./Reich, H. (Hrsg.). Herausforderung Bildungssprache - und wie man sie meistert. Münster: Waxmann, 154-169.
Prediger, S. et al. (2012). Professionalisierung für fach- und sprachintegrierte Diagnose und Förderung im Mathematikunterricht. Entwicklung und Erprobung eines Konzepts für die universitäre Fachlehrerausbildung. ZIF 17:1, 40-58.
Thürmann, E. (2012). Lernen durch Schreiben? Thesen zur Unterstützung sprachlicher Risikogruppen im Sachfachunterricht. In: dieS-online 1:2012, 1-28.
Weber, C (2009). Lehrerinnen und Lehrer lesen Texte. Untersuchung zur Lektüre und Beurteilung von Schülertexten. Bern: hep.

 

 

 

Prediger, Susanne, Prof. Dr. (Universität Dortmund)

Konzepte und empirische Untersuchungen zum sprachsensiblen Mathematikunterricht für DaZ- und DaM-Lernende

Weitgehend akzeptiert ist inzwischen, dass jeder Fachunterricht sprachsensibel gestaltet werden muss, doch welche sprachlichen Anforderungen sind im Fachunterricht tatsächlich bei welchen Sprachhintergründen relevant? Und wie lassen sie sich so bearbeiten, dass sie das Fachlernen bestmöglich unterstützen? Am Beispiel des Aufbaus konzeptuellen Verständnisses wird im Vortrag gezeigt, dass vor allem die kognitive Funktion von Sprache bedeutsam ist. Zu fördern sind Sprachhandlungen und Sprachmittel, die Jugendliche mit DaZ und DaM dabei unterstützen, die fachlichen Konzepte sukzessive zu verstehen und zu versprachlichen. Dazu haben sich die Prinzipien Darstellungsvernetzung und Makro-Scaffolding bewährt, dies zeigen sowohl vielfältige unterrichtspraktische Erfahrungen als auch empirische Lenrprozess- und Wirksamkeitsstudien. Konkrete Ansätze werden ebenso vorgestellt wie die Hintergründe, warum diese Ansätze funktionieren. In Deutschland aufgewachsene Jugendliche mit DaZ und DaM zeigen dabei sehr parallele Lernbedarfe, für neu Zugewanderte wird aufgezeigt, wie die Ansätze adaptiert werden können. 

 

 

 

Ramos, Maria (Gymnasium Steinmühle Marburg)

DaZ-Dialoge und interkulturelles Lernen

Die Araber sagen, dass uns jede Sprache eine neue Seele schenkt. Unsere Schüler aus Syrien, Afghanistan und Eritrea in der Steinmühle bauen „eine neue deutsche Seele“ auf, indem sie parallel zum Erwerb sprachlicher Kompetenzen ihre eigene Kultur reflektieren und neue Denk- und Handlungsweisen für ihr Leben in Deutschland entwickeln und anwenden können.

Dieser Beitrag präsentiert Unterrichtserfahrungen im Fach „Sprache & Kultur“ zum Thema „Umgang mit der Zeit“. Hier machen sich die Schüler v.a. mit der Bedeutung von Pünktlichkeit als wichtigem Wert der Gesellschaft vertraut. Die Einheit hatte nicht nur zum Ziel, dass die Schüler pünktlich(er) werden, sondern auch ein Verständnis für die Gründe diesbezüglicher kultureller Unterschiede entwickeln. Dabei sollten eindeutige Bewertungszuschreibungen wie richtig-falsch  weitgehend vermieden werden, um den Schülern so viel Freude wie möglich beim Erwerb ihrer neuen „Identität“ zu vermitteln.

Am Ende dieser mehrwöchigen Unterrichtssequenz wurden selbstgeschriebene Dialoge der Schüler videographiert, in denen sie sich in die Rolle des Wartenden bei einer Verspätung hineinversetzen sollten.

Wir werden uns die Video-Mitschnitte anschauen und die von den Schülern erworbenen sprachlichen und kulturellen Kompetenzen analysieren. Anhand einer – auch im Unterricht verwendeten – Power Point Präsentation erfolgt zudem eine weiterführende Einordnung sprachlich-kultureller Gemeinsamkeiten und Unterschiede zum Umgang mit der Zeit, die auch vor dem Hintergrund Ihrer eigenen Erfahrungen diskutiert werden sollen.

 

 

 

Seitz, Konstantin (Adolf-Reichwein-Schule Marburg)

Didaktische Textformen in INTEA-Klassen: Vermittlung von Kenntnissen zum Verfassen didaktischer Textsorten für den externen Haupt- und Realschulabschluss

Wer schon Abschlussprüfungen an einer deutschen Schule abgenommen hat, kennt die Schwierigkeiten, mit denen Schülerinnen und Schüler (SuS) konfrontiert werden. Die Aufgaben in den drei Anforderungsbereichen Texterfassung / Reproduktion, Sach- / Sprachanalyse und Diskussion / Urteil bzw. Kreativer Transfer / Gestaltende Interpretation erfordern u.a. die Produktion der Textsorten Inhaltsangabe und Erörterung, die an sich eher selten im Berufs- oder Alltagsleben vorkommen. Umso anspruchsvoller ist das Lösen diesbezüglicher Aufgaben, wenn man nur zwei Jahre Zeit hat, in einem fremden Land unter Druck eine Sprache zu lernen, deren Lautinventar, Schriftbild und Schreibrichtung sowie kultureller Bezug unbekannt ist.

In diesem Workshop mit Kurzvortrag sollen zunächst die konzeptionellen und realen Grundlagen der Sprachfördermaßnahme InteA (Integration durch Anschluss und Abschluss) näher erläutert werden. Anschließend wollen wir uns mit den besonderen Herausforderungen für SuS nicht-deutscher Herkunfts-Sprache (NDHS) auseinandersetzen, die einen deutschen Hauptschul- oder Realschulabschluss anstreben. Beispielhaft soll hier die Vermittlung von rezeptiver und produktiver Textsortenkompetenz anhand der Textsorte Erörterung vorgestellt werden. Im Workshop untersuchen wir ausgewählte Schülertexte im Hinblick auf sprachliche Stärken und Schwächen und diskutieren mögliche Fördermaßnahmen und deren Umsetzung.

 

 

 

Siebert-Ott, Gesa, Prof. Dr. und Dr. Lena Decker (Universität Siegen)

Sprachsensibler Unterricht in allen Fächern – Professionalisierung angehender Lehrkräfte

Die Integration und der Bildungserfolg von Schülerinnen und Schülern mit Mi­grationshintergrund steht seit langem weit oben auf der Agenda der Bildungs­politik. Die Entwicklung der letzten Jahre, die dazu führt, dass u.a. als Folge von Fluchtmigration zunehmend neu zugewanderte Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene ohne Deutschkenntnisse oder mit nur geringen Deutschkenntnissen in das deutsche Bildungssystem inte­griert werden müssen, betont diesen Aspekt einmal mehr. Vermehrt kommen Schüle­rinnen und Schüler erst im Verlauf der Sekundarstufe I oder sogar II nach Deutschland. Während der Primarschulbereich und die Sekundarstufe I in Bezug auf sprach­liche För­derung von Seiteneinsteigern relativ viel Aufmerksamkeit erfahren, ist dies bis­her für die Sekundarstufe II eher nicht der Fall. Streben neu zugewanderte Schülerinnen und Schüler in der Sekundarstufe II Schulabschlüsse an, die den Weg öffnen zu einer qualifizierten Berufsausbildung sowie zu Fachhochschul- und universi­tären Studiengängen, dann rückt bei dieser Gruppe die  Vermittlung bil­dungssprachlicher Kompetenzen noch einmal ganz besonders in den Fokus. Die Förderung (aus)bildungsrelevanter sprachlicher Kompetenzen in der Sekundarstufe II ist als gemeinsame Aufgabe aller Fächer anzusehen und entsprechend zu konzipieren und zu koordinieren. Im Fokus des Beitrags steht – verbunden mit der Entwicklung und Förderung von bildungssprachlichen Kompetenzen – zum einen die Entwicklung von Textkompetenzen und zum anderen die Entwicklung von Beurteilungs- und Förderkompetenzen von Lehramtsstudierenden. 

Literatur:

Decker, Lena (2016): Wissenschaft als diskursive Praxis. Schreibend an fachli­chen Diskursen partizipieren. (Kölner Beiträge zur Sprachdidaktik, Bd. 10, hrsg. von M. Becker-Mrotzek, J. Jost/ & T. Pohl). Duisburg: Gilles & Francke. URL: www.koebes.uni-koeln.de
Siebert-Ott, Gesa/ Schindler, Kirsten/ Decker, Lena/ Fischbach, Julia/ Kaplan, Ina (2015): Modellierung und Erfassung der Textkompetenzen von Lehramtsstudierenden im Hinblick auf die Textbeurteilungskompetenz (Fokus: Beurteilung von Schülertexten). Ako Working Papers, 1. Siegen: Univesität Siegen. URL: http://www.uni-siegen.de/phil/ako/
Siebert-Ott, Gesa/ Decker, Lena/ Kaplan, Ina/ Macha, Klaas (2015): Akademische Textkompetenzen bei Studienanfängern und fortgeschrittenen Studierenden des Lehramtes (AkaTex). Kompetenzmodellierung und erste Ergebnisse der Kompetenzerfassung. In: Riegel, Ulrich/ Schubert, Ingrid/ Siebert-Ott, Gesa/ Macha, Klaas (Hrsg.): Kompetenzmodellierung und Kompetenzmessung in den Fachdidaktiken. Münster: Waxmann, S. 257-273.
Siebert-Ott, Gesa/ Decker, Lena/ Kaplan, Ina (2014): Modellierung und Förderung der Textkompetenzen von Lehramtsstudierenden. Kompetenzorientiert Lern- und Leistungsaufgaben entwickeln. In: Ralle, Bernd / Prediger, Susanne/ Hamann, Marcus/ Rothgangel, Martin (Hrsg.): Lernaufgaben entwickeln, bearbeiten und überprüfen - Ergebnisse und Perspektiven fachdidaktischer Forschung. Münster: Waxmann, S. 207-216.

 

 

 

Wallner, Franziska (Universität Leipzig)

Sprachliche Anforderungen in Schulbuchtexten – die Sicht der Lehrenden

In Bildungsinstitutionen hat ein Verständnis dafür eingesetzt, dass Sprachförderung eine Querschnittsaufgabe aller Lehrenden darstellt und nicht auf Sprachförderkräfte des Deutschen als Zweitsprache beschränkt sein sollte. Das Konzept des sprachsensiblen Fachunterrichts hat jedoch noch nicht in allen Lehrerausbildungsprogrammen Eingang gefunden (vgl. Leisen 2015, 236) und so steigt der Bedarf an der Entwicklung von Fort- und Weiterbildungsangeboten für diesen Bereich. Empirische Untersuchungen haben zeigen können, das Lehrende durchaus die mit den schulischen Sprachanforderungen verbundenen Schwierigkeiten ihrer Schülerinnen und Schüler wahrnehmen und in der Regel versuchen, Hilfe anzubieten (vgl. etwa Drumm 2016). Allerdings fühlen sich insbesondere Lehrkräfte naturwissenschaftlicher Fächer häufig nicht kompetent genug, um ihre Schülerinnen und Schüler adäquat zu unterstützen (vgl. Tajmel 2013).

Doch wie viel Sensibilität für die sprachlichen Anforderungen in der Schule kann von Lehrkräften erwartet werden? Und bei welchem Kenntnisstand sollten Fort- und Weiterbildungsangebote im Hinblick auf einen sprachsensiblen Fachunterricht nun konkret ansetzen?

Der Beitrag präsentiert erste Ergebnisse einer Studie zur lehrerseitigen Wahrnehmung der sprachlichen Anforderungen in Schulbuchtexten. Hierzu wurden Lehrenden der Primarstufe und der Sekundarstufe I mit unterschiedlichen Fächerkombinationen Ausschnitte aus Schulbuchtexten vorgelegt mit der Bitte, Textstellen die sie im Hinblick auf die Textrezeption als schwierig einstufen, zu markieren. Die Textausschnitte entstammen Schulbüchern der Primarstufe und der Sekundarstufe I, wobei unterschiedliche Fächer wie Sachunterricht, Mathematik, Physik, Geographie, Geschichte und Biologie Berücksichtigung fanden. Im Beitrag wird gezeigt, welche Wörter und Strukturen von den Lehrkräften als schwierig gekennzeichnet wurden und welche morphologischen, syntaktischen, lexikalischen sowie funktionalen Besonderheiten diese aufweisen. Daneben wird dokumentiert, inwieweit individuelle Faktoren wie bspw. Berufserfahrung, Fächerkombination, sprachförderungsbezogene Professionalisierung die Wahrnehmung schwieriger Textstellen beeinflussen. Ausgehend von den Ergebnissen der Studie sollen Ausbildungsinhalte für die Fort- und Weiterbildung von Lehrkräften im Hinblick auf einen sprachsensiblen Fachunterricht konkretisiert werden.

 Literatur:

Drumm, Sandra (2016): Sprachbildung im Biologieunterricht. Reihe DaZ-Forschung. Berlin: DeGruyter.
Leisen, Josef (2015): „Zur Integration von Sachfach und Sprache im CLIL-Unterricht“ In: Rüschoff, B. / Sudhoff, J. / Wolff, D. (Hrsg.): CLIL Revisited. Eine kritische Analyse zum gegenwärtigen Stand des bilingualen Sachfachunterrichts. Forum Angewandte Linguistik. Bd. 54. Frankfurt a.M.: Lang, 225-244.
Tajmel, Tanja (2013): „Möglichkeiten der sprachlichen Sensibilisierung von Lehrkräften naturwissenschaftlicher Fächer.“ In: Röhner, Ch./Hövelbrinks, B. (Hrsg.): Fachbezogene Sprachförderung in Deutsch als Zweitsprache: Theoretische Konzepte und empirische Befunde zum Erwerb bildungssprachlicher Kompetenzen. Weinheim: Juventa, 239-256.

 

 

 

Wrigge, Anke und Isabell Grell (Otto-Hahn-Schule, Frankfurt)

Schreiben im Geschichtsunterricht (E-Phase)

Die schriftsprachlichen Kompetenzen haben für den erfolgreichen Abschluss der Gymnasialen Oberstufe eine Schlüsselfunktion. Gerade die E-Phase sollte daher genutzt werden, um diese gezielt zu fördern und den Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit zu geben, ihre Fähigkeiten zu entwickeln. Die im Workshop verwendeten Schülerprodukte gehören zu einer Unterrichtseinheit zur Französischen Revolution in der E-Phase im Schuljahr 2016/17.

Nach einer kurzen Einführung zur Konzeption der Unterrichtseinheit sollen im ersten Schritt ausgewählte Schülertexte (in Gruppenarbeit) untersucht werden. Was können die Schülerinnen und Schüler? Was können sie gemessen an den Erwartungen der Operatoren (noch) nicht? Wir werden dazu die Bearbeitung unterschiedlicher Aufgaben­formate (Operatoren) aus den drei Anforderungsbereichen zu einer Bild­quelle und zu einer Textquelle auswählen (zum Beispiel „Beschreibe“, „Fasse ... zusammen“, „Erläutere“, „Diskutiere“). Im zweiten Schritt sollen die Beobachtungen unter der Fragestellung ausgewertet werden, welche Methoden des sprachsensiblen Unterrichts hier eingesetzt werden können. Dazu werden Beispiele aus der Unterrichts­einheit gezeigt.

 

Zuletzt aktualisiert: 08.05.2017 · schmidt4

 
 
 
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