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Kinderlachen und Gänsegeschnatter

Das Gemälde zeigt eine Ansammlung Gänse, die sich auf einem Gewässer tummeln. Gesäumt wird der Teich von satten, grünen Wiesenhängen, Stall, Bäumen und Büschen.
© Bildarchiv Foto Marburg

Adolf Lins
Kassel 1856 – 1927 Düsseldorf
Gänse auf dem Weiher, um 1900
Öl auf Leinwand, 100 x 140 cm
Schenkung Anna Kürschner 1927

Adolf Lins gilt neben Carl Bantzer als einer der bekanntesten Künstler der Willingshäuser Malerkolonie. Die älteste Künstlerkolonie Europas lockte zahlreiche Maler/innen in das idyllische Örtchen Willingshausen, um sowohl die besondere Landschaft als auch das bäuerliche Leben künstlerisch festzuhalten. Bis 1908 verbrachte Adolf Lins über viele Jahre hinweg die Sommermonate in Willingshausen. Die vielseitige Begabung des Künstlers zeigt sich in zahlreichen Genre- und Landschaftsbildern. Insbesondere seine Kinderszenen und charakteristischen Tierdarstellungen erlangten große Beliebtheit. Unter den Tieren bevorzugte Adolf Lins Gänse und Enten so sehr, dass der Künstler den Beinamen ‚Gänse-Lins‘ erhielt.

Das Gemälde zeigt eine Ansammlung Gänse, die sich auf einem Gewässer tummeln. Gesäumt wird der Teich von satten, grünen Wiesenhängen, Stall, Bäumen und Büschen.
© Bildarchiv Foto Marburg

Das um 1900 entstandene Gemälde „Gänse auf dem Weiher“ zeigt eine Ansammlung Gänse, die sich auf einem Gewässer tummeln. Im Hintergrund wird der über zweidrittel des Bildraums einnehmende Teich von satten, grünen Wiesenhängen, Bäumen und Büschen gesäumt. Zwischen den Bäumen lassen sich schemenhaft einige Hühner und ein Gebäude erkennen. Die linke obere Bildhälfte zeigt den Teil eines bäuerlichen Fachwerkhauses. Auf dem abfallenden, schlammigen Ufer befindet sich ein junges Mädchen, welches sich mit einem Wassereimer vom Weiher entfernt. Es trägt einen blauen Rock, eine schwarze Weste und eine weiße Bluse. Sein Haar wird von einem hellen Kopftuch bedeckt. Die in verschiedenen Körperhaltungen eingefangenen Gänse bilden das Hauptmotiv des Gemäldes. Einige Tiere ruhen, indem sie den Kopf auf dem Rücken im Gefieder verstecken. Andere recken neugierig die Hälse oder schlagen kräftig mit den Flügeln. Das muntere Treiben der Tiere vermochte Lins durch eine lebendige Pinselführung und liebevolle Details auf anschauliche Weise darzustellen.

Das vom Künstler verwendete Farbspektrum setzt sich vorwiegend aus verschiedenen Grün-, Grau- und Brauntönen in unterschiedlichen Intensitäten zusammen. Das weiße Gefieder der Gänse hebt sich dabei kontrastreich ab. Der teilweise pastose Farbauftrag lässt Anleihen beim Impressionismus erkennen. Das Interesse des Künstlers an den Lichtphänomenen der Landschaft zeigt sich eindringlich an der Darstellung des Weihers. Die eingefangenen Lichtspiegelungen auf der Wasseroberfläche, dargestellt durch kurze Pinselstriche, lassen die angrenzende Umgebung und das Blau des Himmels erkennen. Die sanften Wellen auf dem Wasser und die betriebsame Gänseschar verleihen dem Gemälde Lebendigkeit. Der in Adolf Lins‘ Werk „Gänse auf dem Weiher“ auf Leinwand eingefangene Moment macht die Naturverbundenheit des Künstlers und die Liebe zu seinen Gänsen deutlich.

Winona-Lisette Michel

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