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Paul Baum, Frühlingslandschaft in Belgien

Dargestellt ist eine hellgrüne Wiese mit zahlreichen spärlich belaubten violett-blauen Weidenbäumen im pointillistischen Stil.
© Bildarchiv Foto Marburg

Paul Baum
Meißen 1859 – 1932 San Gimignano
Frühlingslandschaft in Belgien, 1906
Öl auf Leinwand, 62,5 x 80 cm
Ankauf 1927

Im Jahr 1906 malte der 1859 in Meißen geborene und am 15. Mai 1932 in San Gimignano in Italien gestorbene Paul Baum das Bild „Frühlingslandschaft in Belgien“ (Öl auf Leinwand, Maße 62,5 x 80 cm). Vom Vorder- bis in den Hintergrund des Bildes erstreckt sich eine hellgrüne Wiese, auf der sich die Schatten zahlreicher violett-blauer Weidenbäume abzeichnen. Das hervorblitzende helle Grün der Zweige und die geringe Zahl der jungen Blätter sowie die intensive Präsenz des Lichts deuten auf den Frühling hin. Links im Vordergrund ist ein kleiner Teich und davor eine Ansammlung violett-blauer geschnittener Zweige zu sehen. Das gleichfarbige Ufer spiegelt sich auf der Wasseroberfläche. Wahrscheinlich befindet sich die Wiese in der Nähe eines fließenden Gewässers mit einem hohen Grundwasserspiegel, denn Uferlandschaften sind der bevorzugte Lebensraum der Weidenbäume. Die von Paul Baum gemalten jungen Äste der Bäume wachsen fast vertikal nach oben in den lichtdurchfluteten hellblauen Himmel mit seinen weißen Wolken. Sie überragen die knapp unter der Bildmitte liegende Horizontlinie. Die Sonne als kraftvoll wirkende Lichtquelle, die den Bäumen Lebenskraft und dem Bild seine Brillanz verleiht, ist selbst nicht zu sehen. Nur indirekt wird ihre Präsenz in den Schatten der Weidenbäume deutlich.

Dargestellt ist eine hellgrüne Wiese mit zahlreichen spärlich belaubten violett-blauen Weidenbäumen im pointillistischen Stil.
© Bildarchiv Foto Marburg

Vermutlich beeindruckt von der Stimmung und Atmosphäre, die das Licht des Frühlings in einer von ihm besuchten Landschaft in Belgien erzeugte, nahm der Maler Paul Baum mit den Pinseln die von ihm gewählten Ölfarben auf und setzte sie akribisch Farbklecks um Farbklecks auf die von ihm mitgebrachte Leinwand. Seine im Gemälde „Frühlingslandschaft in Belgien“ manifestierte, individuell gereifte Malweise und seine Fähigkeit zur Bildkomposition weisen Paul Baum als einen der wenigen bedeutenden deutschen Maler des Pointillismus, der sogenannten Punktmalerei aus, die in den Jahren zwischen 1889 und 1910 als eine Variante des französischen Neoimpressionismus ihre Blütezeit hatte.

In Auseinandersetzung mit und beeinflusst vom Impressionismus und Neoimpressionismus als wichtigen Entwicklungen in der Kunst seiner Zeit, vor allem aber inspiriert von zahlreichen Reisen und intensiven Naturstudien, entdeckte Paul Baum eine ganz eigene Bildsprache. Er erkundete Wege, wie er mittels der von ihm gewählten Farben und Formen die in seinen Augen einzigartige Erscheinung und das Wesen der Landschaft und der Natur immer wieder neu sehen und schließlich zu einer Bild gewordenen, eigenständigen Wirklichkeit transformieren konnte.

Thomas Gebauer

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